mini|Aimé Bonpland Aimé Jacques Alexandre Bonpland (eigentlich Goujaud; * 29. August 1773Bonpland im Brief vom 25. Dezember 1853 an Alexander von Humboldt: „Ich habe am 29. August 1852 meinen 81. Geburtstag gefeiert.“ Siehe Bonplandia, Jhg. 2, 1854, S. 221. in La Rochelle, Frankreich; † 11. Mai 1858 in Santa Ana (heute Bonpland), Departamento Paso de los Libres, Provinz Corrientes, Argentinien) war ein französischer Naturforscher. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.

Leben mini|Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland am Orinoco, Gemälde von Eduard Ender, 1856

Jugend und Ausbildung (1773–1798) Bonpland stammte aus einer Arztfamilie. Sein Vater war Simon-Jacques Goujaud-Bonpland (geb. um 1742), Arzt und Direktor des Hospitals de la Charité in La Rochelle. Seine Mutter Marguerite-Olive de la Coste war die Tochter eines Schiffskapitäns. Bonpland war das vierte Kind seiner Eltern. Sein Bruder Jaques-Aimé, 1769 geboren, starb wenige Monate nach der Geburt. Zum Gedenken an ihn bekam Bonpland dessen Vornamen. Am 3. September 1770 wurde sein Bruder Michel-Simon geboren und am 19. August 1771 seine Schwester Elisabeth-Olive.

Bonpland wurde am 29. August in der Kirche der Pfarrei Saint-Barthélémy auf den Namen Aimé Jacques Alexandre Goujaud getauft.Ernest Théodore Hamy: Aimé Bonpland. Sa vie, son oevre, sa correspondence. E. Guilmoto, Paris 1906, S. XIV. Nach dem Taufregister der Kirche S. Barthelemy in La Rochelle. Der Name „Bonpland“, den er sein Leben lang trug, geht auf eine Familienlegende zurück. Michel Goujaud, der Großvater, soll, als er von der Geburt seines Sohnes Simon erfuhr, gerade damit beschäftigt gewesen sein, Weinreben auf seinem Grundstück in Saint-Maurice zu pflanzen. Er soll ausgerufen haben, dass sein Sohn als „bon-plant“ als „guter Setzling“ gekommen sei. Diese Legende wird häufig auch von Bonpland und seinem Vater erzählt, aber der Beiname Bonpland wurde schon seit 1778 bei Unterschriften von Bonplands Vater Simon verwendet.Hamy, S. XV.

Aimé Bonpland besuchte das Gymnasium von La Rochelle und folgte 1791 fast 18-jährig seinem Bruder, der dort bereits Medizin studierte, in das unruhige Paris der Französischen Revolution. Sie studierten bei zwei der berühmtesten Ärzte dieser Zeit, bei Jean-Nicolas Corvisart und bei Pierre-Joseph Desault.

Neben dem Medizinstudium entwickelten die Goujaud-Brüder eine Vorliebe für Botanik. Und sie wurden auch hier von berühmten Wissenschaftlern unterrichtet: von Jean-Baptiste de Lamarck, René Desfontaines und Antoine Laurent de Jussieu, die sie vor allem im Naturhistorischen Museum von Paris (Muséum national d’histoire naturelle) und im Jardin des Plantes trafen. Der Botaniker Jussieu etablierte Aimés Beinamen Bonpland, da er den älteren Bruder Goujaud und den jüngeren Bonpland nannte. Die Goujaud-Brüder mussten 1794/95 ihr Studium unterbrechen, um ihren Kriegsdienst abzuleisten. Aimé Bonpland wurde dem Marine-Hospital von Rochefort zugewiesen, wo er ein Chirurgendiplom erwarb. Zeitweise war er als Arzt auch auf dem Kriegsschiff Ajax eingesetzt, das in Toulon stationiert war.

Zusammentreffen mit Alexander von Humboldt (1798) Bonpland blieb nach seinem bestandenen Examen in Paris, weil er vom Direktorium des Naturkundemuseums ausgewählt wurde, als einer von zwei Naturforschern an der geplanten Forschungsreise von Nicolas Baudin teilzunehmen. Auch Humboldt hatte geplant, an dieser Reise teilzunehmen, die dann wegen des Kriegs in Italien verschoben wurde. Das Zusammentreffen der beiden im Hôtel Boston, in der Rue Colombier Nr. 7R.Bouvier, E. Maynial: Der Botaniker von Malmaison. Aimé Bonpland, ein Freund Alexander von Humboldts. Lancelot Verlag, Neuwied/Rhein 1949. S. 44 f. (übersetzt von Fritz Montfort). beschrieb Humboldt folgendermaßen: „Sie wissen, dass, wenn man beim Ausgehen seinen Schlüssel abgibt, man mit der Frau des Portiers stets einige freundliche Worte wechselt. Dabei begegnete ich oft einem jungen Manne mit einer Botanisirtrommel, das war Bonpland; so wurden wir bekannt.“W. Dove: Gedächtnisrede auf Alexander von Humboldt. Berlin 1869, S. 9. Zitiert nach Karl Bruhns: Alexander von Humboldt. Eine wissenschaftliche Biographie. Bd. 1, S. 47.

Humboldt war sich der Tragweite der Entscheidung bewusst, Bonpland zum Reisebegleiter zu wählen. Über den Abschied von seinem Bruder Wilhelm von Humboldt und dessen Frau Caroline von Humboldt, bei dem Bonpland bereits anwesend war, trug Humboldt unter anderem in sein Tagebuch ein: „Ich sah mir B(onpland) an mit dem ich eine so weite Reise unternehmen sollte. Welche Verheirathung.“Edition humboldt digital – Reisetagebuch „De Paris à Toulon“, S. 52v, abgerufen am 26. Januar 2025.

Forschungsreise mit Alexander von Humboldt (1798–1804) Aimé Bonpland, der später bei allen seinen Reisen zumindest Notizen aufzeichnete, hat leider während der amerikanischen Forschungsreise mit Humboldt entweder nichts festgehalten oder es sind keine Unterlagen erhalten geblieben. So kann nur auf Humboldts Reisetagebuch und seine veröffentlichten Reisebeschreibungen zurückgegriffen werden.

Auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit und damit einem Reiseziel, reisten Humboldt und Bonpland von Paris über Marseille, Toulon und Valencia nach Madrid. Bonpland hatte bei der Auswahl eines geeigneten Schiffes durchaus ein Mitspracherecht. Humboldt berichtet in seinem Tagebuch aus Toulon: „Wir liefen in den Hafen um die Speranza (das 2mastige Schiff des Ragusaners) zu besehen. Ich fand wie gewöhnlich alles wunderschön. Ein alter Matrose, der sehr reines italienisch sprach, bewillkommnete uns sehr höflich. B(onpland) fand alles sehr schweinisch, in der That war auch eine schwarze Sau in dem Zimmer welches man uns einräumen wollte.“Edition humboldt digital – Reisetagebuch „De Paris à Toulon“, S. 60v, abgerufen am 26. Januar 2025.

Während der ganzen Anreise nach Madrid und weiter zum Abfahrtshafen La Coruña etablierte sich die Arbeitsteilung, die Humboldt und Bonpland die ganze Reise über beibehielten. Humboldt arbeitete mit seinen Messinstrumenten und Bonpland botanisierte, wobei Humboldt durchaus Bonpland beim Botanisieren unterstützte und Bonpland beim Aufstellen und Justieren der Messinstrumente half. Hier und während der ganzen amerikanischen Reise und noch einige Jahre darüber hinaus, blieben Humboldt und Bonpland allerdings beim förmlichen Sie (vous), was im Französischen nicht so ungewöhnlich ist. Was Humboldts Messinstrumente betraf, erlebten sie schon bei der Ankunft in Marseille, was ihnen auf ihrer gemeinsamen Reise noch des Öfteren passierte: „…, ein fürchterlicher Anblik, der Theodolith in Stükken, eben so das éboulloir u fast alle Thermometer.“ Humboldt hielt im Tagebuch fest: „Ich war einige Stunden lang beschäftigt, zerbrochene Instrumente auszupakken. B(onpland) verlor mehr den Muth, als ich. Ein Spazirgang am Hafen ließ mich alles vergessen.“Edition humboldt digital – Reisetagebuch „De Paris à Toulon“, S. 54r, abgerufen am 26. Januar 2025. In Madrid erreichte Humboldt, dass für ihn ein Pass für die spanischen Kolonien bewilligt wurde. In diesem Pass wurde Bonpland als Sekretär Alexandro Bonpland eingetragen. Als Franzose hätte er keinen eigenen Pass erhalten.

Schon in Spanien hatte Bonpland ein botanisches Journal begonnen. Hier und während der ganzen Amerikareise wurden konsequent Pflanzen und einige Tierbeschreibungen durchnummeriert: 1 bis 4528 für die Pflanzen, 1 bis 33 für die Tiere. Zur jeweiligen Nummer wurde eine vorläufige Bestimmung angegeben. War diese nicht möglich, wurde ein Freiraum gelassen. Dann folgten die Beschreibung und in der Regel eine Fundortangabe. Diese Arbeitsmethode war für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich und half später, die botanische Sammlung zu ordnen und Pflanzen systematisch zu bestimmen.Hans Walter Lack: Alexander von Humboldt und die botanische Erforschung Amerikas. S. 23 ff. Humboldt nannte dieses botanische Journal „Bonplands Buch“; über 60 % der Einträge stammen von diesem.

Nach ihrer Ankunft im südamerikanischen Cumana waren Humboldt und Bonpland von der exotischen Flora und Fauna begeistert. Humboldt berichtete seinem Bruder Wilhelm: „Wie die Narren laufen wir bis itzt umher; in den ersten drei Tagen können wir nichts bestimmen, da man immer einen Gegenstand wegwirft, um einen anderen zu ergreifen. Bonpland versichert, dass er von Sinnen kommen werde, wenn die Wunder nicht bald aufhören.“Alexander von Humboldt an Wilhelm von Humboldt, zitiert nach „Briefe aus Amerika 1799–1804“. Hrsg. von Ulrike Moheit, S. 42.

An seinen Freund Wildenow schrieb Humboldt: „Mit meinem Reisegefährten Alexandre Bonpland bin ich überaus zufrieden. Es ist ein würdiger Schüler Jussieu’s, Defontaine’s u besonders des alten wunderlichen Richard’s (der wohl der beste Botanist in Paris ist)[.] Er ist überaus thätig, arbeitsam, sich leicht in Sitten u Menschen findend, spricht sehr gut spanisch, ist sehr muthvoll u unerschrokken. Er hat vortrefliche Eigenschaften eines reisenden Naturalisten.“Edition humboldt digital – Alexander von Humboldt an Karl Ludwig Willdenow. Havanna, 21. Februar 1801, S. 5r, abgerufen am 26. Januar 2025. Als Instrumente zum Botanisieren und zum Erstellen tierischer Präparate verwendete Bonpland Lupen, Sezierbesteck und ein zusammengesetztes, also mehrlinsiges, Mikroskop der Firma Hofmann aus Leipzig.

Zur Ordnung der gesammelten Pflanzen verwendeten Humboldt und Bonpland das Werk von Antoine-Laurent de Jussieu Genera plantarum 1789. Humboldt schrieb in sein Exemplar diese Werks: „Dieses Buch, […], hat Bonpland und mich in die Wälder des Orinoco, auf die Cordilleras nach Quito und Popayan und nach Mexico begleitet.“

Bonplands Unerschrockenheit erwähnt Humboldt, der nicht schwimmen konnte, auch besonders in einem Tagebucheintrag, als ihr Boot am 6. April 1800 auf dem Orinoco beinahe kenterte. Bonpland hätte sie beide sicher ans Ufer gebracht, da gerade keine Krokodile in der Nähe waren.Humboldt: Reisebeschreibungen, Bd. 3, S. 77 ff.

Eine wichtige Station der amerikanischen Reise war für Bonpland der Aufenthalt in Bogotá 1801. Hier konnte er sich von einem heftigen Fieber erholen, das ihn nach der Erforschung des Rio Casiquiare befallen hatte. Hier lernte er auch José Mutis kennen, den berühmtesten Botaniker Spaniens, und konnte dessen riesige Pflanzensammlung studieren und mit seinen eigenen Funden vergleichen. Er traf auch einige junge Männer, die von den Idealen der Aufklärung und der französischen Revolution beseelt waren. Bonpland pflegte mit ihnen künftig anhaltend enge Kontakte.

Nach der Reise teilten Humboldt und Bonpland die riesige botanische Sammlung (35 Transportkisten mit fast 60.000 Pflanzenproben)Ernest Théodore Hamy: Aimé Bonpland. Sa vie, son oevre, sa correspondence. E. Guilmoto, Paris 1906, S. XXV. in 3 Teile. Einen Teil vermachten sie dem Jardin des Plantes. Bonpland wurde als Anerkennung seiner Sammeltätigkeit vom französischen Staat eine jährliche Pension von 3000 Franc gewährt. Das botanische Journal und einen umfangreichen Teil der Sammlung behielt Bonpland. Ein dritter Teil der Sammlung wurde Humboldts Freund, dem Botaniker Carl Ludwig Willdenow übergeben, der schon während der Reise Lieferungen erhalten hatte.