Der Selters-Trachyt ist ein oligozäner Naturwerkstein, der im Westerwald in der Nähe von Montabaur abgebaut wird. Namensgebend für diesen Trachyt ist die Ortschaft Selters. Aufgrund seiner günstigen Materialeigenschaften wurde er bereits seit dem 18. Jahrhundert für die Herstellung von Werksteinen und Skulpturen genutzt.
Entstehung und Abbau Die Trachyte von Selters entstanden im oberen Oligozän infolge eines intensiven Vulkanismus im Rheinischen Schiefergebirge, der verbunden mit dem Einbruch des Oberrheingrabens bzw. der Niederrheinischen Bucht war. Die Trachyte, als Ergussgestein des Syenits, erstarrten als Quell- oder Staukuppen nahe der Oberfläche. Durch Erosion des weicheren Nebengesteins bilden diese verwitterungsresistenteren Vulkankuppen heute charakteristische Erhebungen. Die bekannteste vulkanische Bildung dieser Art ist der Drachenfels im Siebengebirge.
Seit 1770 wird der Trachyt in der Umgebung von Selters in Steinbrüchen abgebaut.
Gesteinsausbildung und Mineralbestand mini|Selters-Trachyt
Der dichte bis feinkörnige Selters-Trachyt ist ein hellblauer bis hellgrauer Vulkanit, in dessen Grundmasse unregelmäßig verteilt, bis zu 8 mm große, weiße bis hellgraue Alkalifeldspat- und Plagioklas-Einsprenglinge eingelagert sind. Daneben sind kleinere, bis zu 4 mm große, schwarze Biotit- und Hornblende-Kristalle zu beobachten. Bereichsweise treten im Gestein Eisenausfällungen aus, angezeigt durch eine rotbraune Verfärbung des Gesteins. Aufgrund seiner Porosität zeigt der Selters-Trachyt mitunter schalige, oberflächige Abwitterungen.
Technische Kennwerte des Selters-Trachyts:W. D. Grimm: Ein feinkörniger Trachyt: Selters-Trachyt
Kennwert Durchschnittswert Rohdichte 2,38 g/cm³ Porosität 8,04 % Wasseraufnahme 2,65 % Druckfestigkeit 114 kg/cm² Frostsicherheit gut
Der Selters-Trachyt besteht durchschnittlich aus 80 % Grundmasse, bestehend hauptsächlich aus Alkalifeldspäten, Plagioklasen und opaken Erzen, 13 % Feldspateinsprenglinge, 5 % Biotite und 2 % Akzessorien (überwiegend Apatit, Zirkon, Rutil, Erz, Hornblende).
Verwendung Der Selters-Trachyt ist ein geschätzter Werkstein. Er eignet sich aufgrund seiner Verwitterungsresistenz insbesondere zur Herstellung von Fassadenplatten und Werksteinquadern sowie für die Bildhauerei zur Herstellung von Skulpturen.
Verwendungsbeispiele Marktbrunnen in Selters Sockel der St. Josefskirche in SpeyerJohannes H. Schroeder: Steine in deutschen Städten – 18 Entdeckungsrouten in Architektur und Stadtgeschichte. Berlin 2009, ISBN 978-3-928651-13-4. Steinmetzarbeiten am gotischen Portal des Kölner Rathausturmes Schleuse Hollerich Rekonstruktionsmaterial für den Gänsereiterbrunnen in Essen zahlreiche Gebäude in Selters
Literatur Karlfried Fuchs: Natursteine aus aller Welt. Callwey Steinkartei in 2 Bänden, Band 2, Callwey-Verlag, München 1997, ISBN 3-7667-1267-5, S. 250f.
Einzelnachweise
Kategorie:Vulkanischer Naturwerkstein Kategorie:Selters (Westerwald) Kategorie:Gesteinseinheit des Paläogen Kategorie:Naturwerkstein des Tertiär Kategorie:Geographie (Westerwaldkreis)