mini|350px|Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator – Glockengasse Glockengasse ist der Straßenname einer geschichtsträchtigen Straße im Stadtteil Köln-Altstadt-Nord.
Entstehungsgeschichte mini|Glockengasse 2 – Apotheke „zum Einhorn“ (um 1890) mini|links|Glockengasse 3 – Palais Oppenheim (vor 1900) mini|Glockengasse, Ecke Hämergasse (links), um 1912/13 Ihr Name geht auf das hier im Mittelalter ansässige Glocken- und Topfgießergewerbe und den Glockenmeister Elias zurück, der hier um 1266 lebte. Zwischen 1272 und 1274 ließen sich Serviten an der Glockengasse nieder.Klaus Gereon Beuckers, Köln, die Kirchen in gotischer Zeit, 1998, S. 81 Ab 1276 hieß die Glockengasse im Schreinsbuch „in platea campanarum“ („Glockenstraße“). Am 8. Oktober 1295 verhandelte Vogelo Kune über sein Zinsversäumis (Mietrückstände), unter welchen Bedingungen er sein Haus in der „Klockenergasse“ zurückerhalten kann.Leonard Ennen, Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, 1867, S. 403. Das Haus „Zum Scherfgin“ war nach dem Patrizier Johann Scherfgen benannt, dessen Söhne Gerhard und Rutger es am 1. September 1301 übernahmen.Toni Diederich, Regesten zu den Urkunden des Amtleutearchivs St. Columba in Köln, 2009, S. 88. An der Südseite der Glockengasse (Nr. 7) besteht seit 1330 ein Beginenkonvent, der durch Henricus de Speculo (vom „Vilczengraven“; Filzengraben) testamentarisch am 27. Juli 1330 für 9 Personen gestiftet wurdeBrigitte Klosterberg, Zur Ehre Gottes und zum Wohle der Familie, 1995, S. 141 und ab 1452 die Tertiarenregel der Franziskaner befolgte. Er hieß 1439 Beginenkonvent zum „kleinen Spiegel“ in der Glockengasse Nr. 6.im Gegensatz zum „großen Spiegel“, gegründet von Hermanus Becgardus in der Herzogstraße In jener Zeit um 1545 zählte die Glockengasse zu den ersten Adressen der Stadt Köln.Igmar Ahl, Humanistische Politik zwischen Reformation und Gegenreformation, 2004, S. 178, FN 694. In Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 hieß sie „klocker gaß“. Das Klarissenkloster wurde 1610 im Konventsgebäude Wassenberg („Strijtgasse“; Streitzeuggasse) gegründet und 1614 als Kloster St. Maria im Tempel in die Glockengasse verlegt. Es „nahm an der Glockengasse eine Frontbreite von 65 m und eine Tiefe von 80 m ein. Ein Vorhof von 14 m Tiefe führte zu der ungefähr 7 m breiten, 25 m langen Kapelle, die gleichgerichtet mit der Straße lag, und war an der Westseite von einem Querflügel des Pfortenhauses eingefasst.“Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 7, 1938, S. 303. Von einem Neu- oder Umbau des Klosters wird 1659 berichtet. Der Konvent erhielt im Einwohnerverzeichnis von 1797 die Nr. 4606, danach Nr. 9. Das Kloster St. Maria im Tempel kam 1802 in die Säkularisation. Diese Säkularisation des Konvents führte am 4. Juni 1804 zur Versteigerung an den Pariser Makler Jean Joseph Lavessière von Glockengasse Nr. 4968 ½.
Das zu den größten und schönsten Häusern der Stadt zählende Haus Nr. 3 wechselte sehr häufig den Besitzer. Es wird 1269 erstmals in den Schreinsbüchern erwähnt, gehörte zwischen 1359 und 1429 dem Bürgermeister Eberhard Hardevust (und seinen Erben aus dem Patriziergeschlecht) und von 1431 bis 1516 dem wohlhabenden Kölner Kaufmann Johann Engelbrecht. Nach dessen Tod erwarb es der Unternehmer Peter von Heimbach († April 1557).er war Mitinhaber der Handelsgesellschaft Heinrich Sudermann/Heimbach Er nahm Kaiser Maximilian I. in seinem Haus auf, als der Kaiser zum Reichstag am 15. Juni 1505 feierlich in Köln eingezogen war. Der Reichstag begann am 21. Juni 1505 und endete am 30. Juli 1505. Am 1. März 1595 verkaufte Peter von Heimbach sein Stammhaus in der „Clockergassen“ Nr. 3 an den einflussreichen Kölner Kaufmann Matthias von Duisterloe.Senator der Reichsstadt Köln Bürgermeister Heinrich von Groote heiratete dessen Tochter Sibilla von Duisterloe, so dass Nr. 3 in den Besitz der Familie von Groote gelangte. Jacob von Groote baute um 1614 in Nr. 3 das Grootesche Palais, das im Jahre 1752 Bürgermeister Maria Franz Jacob Gabriel von Groote abreißen und durch einen Neubau von Architekt Nikolaus Krakamp ersetzen ließ.Willi Spiertz, Eberhard von Groote: Leben und Werk eines Kölner Sozialpolitikers, 2007, S. 29f. Dessen Sohn Heinrich Josef Franz Anton Hermann Josef Balthasar von Groote übernahm die Bürgermeisterstelle seines Vaters und das Palais in der Nr. 3. Im November 1823 brachte Eberhard von Grootes Ehefrau das Haus Glockengasse Nr. 9 in die Ehe ein. Der Familie von Groote gehörte auch das Posthaus Nr. 27 (alt: Nr. 4824), das als „Pferdepost“ bezeichnet wurde und noch eine Rolle spielen sollte. 1794 musste die Familie von Groote vor den französischen Truppen nach Arnsberg und Siegen fliehen und unter anderem das Familienpalais in der Kölner Glockengasse Nr. 3 aufgeben.
Die Glockengasse wird mindestens seit 1404 „Clockenergassen“ genannt, spätestens im Jahre 1532 hieß sie „in platea campanarum“ (Glockenstraße). In Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 heißt sie „klocker gaß“. Im ersten Kölner Adressbuch „Heußmanns Specification“ (1690) heißt die Glockengasse „Campanarum platea“ und „Clockergasse“. Der Kupferstecher Frans Hogenberg erwarb 1585 von Hermann Plettenberg das ganze Haus „zu der Portzen“ mit Garten.Peter Hanstein (Hrsg.), Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Band 9, 1966, S. 365 Das spätere Brauhaus „Zur Portzen“ in der „Klöckergasse“ 23 hieß ab 1693 „Zum schwarzen Adler“. Den Namen „Klöckergasse“ behielt sie bis in die Franzosenzeit.
Ehemalige und heutige Bauwerke mini|Glockengasse 1 mini|Glockengasse 2 – Haus Schwabenland mini|Glockengasse 2a – Kolumbahaus Die Familie von Inden verkaufte am 30. Mai 1743 ihr Anwesen in der Glockengasse Nr. 1 an den aus Malmedy stammenden Gelehrten Johann Ignaz Roderique,Georg Hirth, Annalen des Deutschen Reichs, 1880, S. 39 der eine Professur an der Universität zu Köln innehatte. Mit Georg Friedrich Franckenberg betrieb er hier eine Druckerei, die hier seit 1682 bis zum 3. Oktober 1794 die Zeitung „Gazette de Cologne“ herausbrachte.Jürgen Blunck, Die Kölner Zeitungen und Zeitschriften vor 1814, 1966, S. 26 Das Anwesen wurde durch Bomben am 27. September 1944 zerstört, heute befindet sich hier ein Büro- und Geschäftshaus.
In Glockengasse 2 befindet sich das „Haus Schwabenland“ (erbaut 1961), in 2a steht das „Kolumbahaus“ (1954; beide konzipiert von Wilhelm Koep, der auch die benachbarte Schweizer Ladenstadt und das neue Stammhaus von 4711 entwarf). Die vom Architekten Wilhelm Hoffmann für Albert von Oppenheim 1865 errichtete Gemäldegalerie in Nr. 3 wurde durch Bomben am 27. September 1944 zerstört, ebenso wie das Gebäude in Nr. 5. Es gab zwei Hotels, und zwar den Wiener Hof (Nr. 6–10) „gegenüber der Pferdepost“ (Inhaber: Nicolaus Josef Merzenich; hier stieg Karl Marx am 19. oder 20. Dezember 1841 bei seiner zweiten Köln-Reise abHeinrich Billstein, Marx in Köln, 1983, S. 13.) und den Mainzer Hof (Nr. 14–20; Inhaber: Bilger; hier stieg Karl Marx am 4. November 1842 ab, Gebhard Leberecht von Blücher übernachtete hier am 17. April 1815). Beide Häuser standen auf dem heutigen Areal der Opern Passagen.
In Nr. 13–15 befand sich ab 1859 die Rheinische Musikschule, es folgte die ehemalige Festungs-Inspektion (Nr. 15). Nr. 30 war das Haus „zum Baldekin“, erbaut um 1760 für die Familie Peter Cornelius Beyweg, später zum Palais des Bürgermeisters Johann Arnold von Beyweg ausgebaut, und diente seit 1810 als königliches Polizeipräsidium,Ph. M. Klein, Der Wanderer durch Köln mit Synagogen-Beschreibung, 1863, S. 69. das 1926 erneuert wurdeWalther Zimmermann, Die Kunstdenkmäler des Rheinlands, Ausgabe 2, 1950, S. 203 f. und danach das Reichsvermögensamt beherbergte. Im Mai 1930 wurden in Nr. 30 römische Dachziegelbruchstücke ausgegraben. Nach Bombenangriffen brannte das Haus Nr. 30 am 31. Mai 1942 aus.
An Nr. 25–27 stand ein im Jahre 1286 von der Familie Johannes Starkenberg bewohntes Anwesen, das etwa 1560 in den Besitz der Familie Hürth überging („Hürther Hof“) und später von dem Reichsgrafen Albert Eusebius von Königsegg-Rothenfels erworben wurde. Hier wurde Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels am 13. Mai 1708 geboren, ein Jahr später erwarb 1709 Freiherr von Thurn und Taxis das Palais.Klemens Klemmer, Jacob Koerfer (1875-1930) – Ein Architekt zwischen Tradition und Moderne, 1987, S. 112 Dieser richtete dort ein zentral gelegenes Posthaus ein. Der Hof ging 1729 an Everhard Pauli („Paul’scher Hof“) in der Glockengasse Nr. 18 (Nr. 1971), der mit 800 Pferden die Post im Köln-Bonner Raum verteilte. Aus dieser „Pferdepost“, die gegenüber der Nr. 4711 lag, entstand 1828 mit über 360 Beschäftigten auf einer Geländefläche von 1627 m² das königliche Oberpostamt, die „Oberpostdirection“, die 1913 abgerissen wurde (Glockengasse/Ecke Krebsgasse).
Zwei Zunfthäuser (Gaffelhäuser) befanden sich in der Glockengasse, und zwar das der Drechsler („Abtshof“; 1487) und das der Leiendecker (1589). Im Graf von Schaesberger Hof Nr. 40 (Nr. 4725) wohnte 1797 Universitätsprofessor Willmes, danach der Verleger und Redakteur Johann Arnold Otten. Der Schaesberger Hof und Haus Pauli (Nr. 18) wurden im Juni 1869 von Theater-Actien-Verein erworben und mussten einem Theaterbau weichen.Christoph Schwandt, Oper in Köln, 2007, S. 124
Ab 1810 siedelte sich in der reinen Wohnstraße erstmals Gewerbe an. Pierre Antoine Fonck erhielt am 9. April 1810 die Genehmigung für die vermutlich erste Bleiweißfabrik des Rheinlandes in Nr. 4968.Herbert Milz, Das Kölner Großgewerbe von 1750 bis 1835, 1962, S. 65. Die Stecknadelfabrik Georg Albert Reinecker & Comp. (Nr. 4–6) begann 1811, deren Inhaber Reinecker im April 1812 die Genehmigung zur Weiterführung erhielt. Vor 1863 waren Henry d’Eu und Jac. Merkens die Gesellschafter. Sie beschäftigte 240 Arbeiter, die täglich 1,2 Millionen Stecknadeln herstellten und war damit eine der größten ihrer Art in Europa.
In Nr. 39 ist seit 1614 das Brauhaus „im dicken Thomas“ („Em decke Tommes“) belegt, in dem seit den 1920er Jahren die legendären Künstlerbälle der „Progressiven Künstler Köln“ stattfanden. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Mülhens-Häuser mini|Auszug Adressbuch von 1797 mini|links|Glockengasse 24–28 – Eau de Cologne (1865) mini|Glockengasse 4 – Stammhaus 4711 Wilhelm Mülhens gründete im Oktober 1792 seine Parfümerie-Manufaktur. In der Franzosenzeit ließ der Stadtkommandant General Charles Daurier die Häuser in allen Kölner Straßen durchnummerieren, so auch in der Glockengasse. Der Verleger des ältesten Kölner Adressbuchs Heinrich Joseph Metternich berichtete am 1. Dezember 1794 dem Rat der Stadt Köln, dass die Nummerierung inzwischen vorbereitet sei. Daraufhin beschloss der Rat am 8. April 1796 die Nummerierung nach dem Prinzip der Konskriptionsnummer durchzuführen.
Im Oktober 1796 erhält das Haus Klöckergasse Nr. 12 nunmehr die Nr. 4711. Es befand sich seit 1794 bis zum zweiten Kölner Adressbuch von 1797 noch im Eigentum der Witwe des Wilhelm von Lemmen.RWWA Abt. 33, 2. Adressbuch: Gemeinnütziger…Adresse-Kalender der Stadt Köllen, Köln 1797, S. 103. Erst im dritten Kölner Adressbuch von 1797 ist Wilhelm Mülhens in der Klöckergasse 4711 als Eigentümer „in Speculationsgeschaeften“ verzeichnet.RWWA Abt. 33, 3. Adressbuch: Verzeichnis der Stadt-Kölnischen Einwohner, Köln 1797, S. 179. Die Glockengasse wird nun in „rue des cloches“ (Glockengasse) umbenannt; ab 1. Januar 1813 dürfen nur noch die französischen Namen des „Itinéraire de Cologne“ verwendet werden. Als wohl berühmteste Hausnummer Deutschlands erlangt die Glockengasse Nr. 4711 auch Weltruhm. Im Dezember 1811 werden Hausnummern wieder straßenweise vergeben, Haus 4711 erhält wieder die Nr. 12,RWWA Abt. 33, Itinéraire de Cologne, 1813. am 28. September 1816 sorgte ein preußisches Edikt auch für die Abschaffung der französischen Straßennamen.