Kiel Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Der Hauptbahnhof verfügt als Kopfbahnhof über 8 Bahnsteiggleise und ist zentraler Knotenpunkt für den Regional- und Fernverkehr. Es gibt regelmäßige Verbindungen zu anderen Städten in Schleswig-Holstein sowie zu größeren Städten in Deutschland, wie Hamburg, Berlin und München.
Der Hauptbahnhof befindet sich direkt an der Kieler Förde, wobei die Fähranleger nach Oslo und Göteborg nur wenige hundert Meter entfernt liegen. An den Bussteigen, im Hauptbahnhof sowie auf dem Bahnhofsvorplatz sind täglich mehr als 100.000 Menschen unterwegs.
Mit täglich etwa 37.000 Reisenden und Besuchern pro Tag ist er ist nach Fahrgastaufkommen zusammen mit Lübeck Hauptbahnhof einer der beiden größten Bahnhöfe in Schleswig-Holstein.
Geschichte
Standort 1843–1902 und Neubau am heutigen Standort mini|Kieler Bahnhof (1843–1905)Aufnahme vom Wasser von Osten aus im Jahr 1844 mini|1865 – links der Ziegelteich (1875 zugeschüttet), dahinter Muhls Hotel, am Horizont links der Dachreiter der Heiligengeistkirche (1242–1945), in Bildmitte am Horizont die Nikolaikirche (1242–heute), westlich weiter vorn der Brauersche Speicher, zuvor Zuckerfabrik, davor die Jensenstraße (seit 1955 Gelände der Hauptpost/Stresemannplatz 1), rechts davon der Bahnhof (1843–1905) Der Straßenzug in Bildmitte hieß Klinke, heute Holstenplatz/Andreas-Gayk-Straße mini|1885 – Kieler Bahnhof (1843–1905) rechts, im Hintergrund rechts das Hotel Germania, links das Thaulow-Museum (1878–1944) Der erste Kieler Bahnhof wurde 1843 bis 1846 am Ziegelteich (zugeschüttet zwischen 1865 und 1876), rund 500 Meter nördlich des jetzigen Standortes, errichtet. Es war ein zweigeschossiger Bau. Er befand sich auf dem Westende der heutigen Straße Stresemannplatz und erstreckte sich bis in das heutige Gebäude Andreas-Gayk-Straße 31 (Hauptpost/Tourist-Information). Die Gleise führten die heutige Auguste-Victoria-Straße entlang und reichten bis an die Jensenstraße, die die Straße Klinke, heute Andreas-Gayk-Straße, mit der Kaistraße verband und damit quer über den heutigen Innenhof der Hauptpost führte.Hedwig Sievert, Kiel Einst und Jetzt — Vom Kanal bis zur Schwentine, G. Mühlau Verlag Kiel, 1964, Bilder 1a/60a/60b
Dieser Bahnhof war dem wachsenden Verkehr, besonders dem eines Reichskriegshafens, zu dem Kiel 1871 erklärt worden war, nicht mehr gewachsen. Darum wurde südlich ein neuer Bahnhof geplant. Der jetzige Standort verbesserte die Zufahrtsmöglichkeit zum Hafen für den Straßenverkehr. Der Bau begann 1895.
Der westliche Teil des damals viergleisigen Kopfbahnhofs (Gleis 3 und 4) wurde 1899 fertiggestellt. Bis dahin verkehrten noch Züge durch eine Lücke im Ostflügel zum alten Bahnhof. Nach Eröffnung des neuen Bahnhofes konnte der Verkehr zum alten Bahnhof eingestellt werden, der Ostflügel (Gleis 1 und 2) folgte 1900. Der alte Bahnhof wurde 1902 abgerissen. Auf der Ostseite des neuen Empfangsgebäudes entstanden Fürstenzimmer. Für deren Ausgestaltung gab Kaiser Wilhelm II. Direktiven: Vorbild sollte die Innendekoration seiner Jacht Hohenzollern sein.Paul Seidel: Der Kaiser und die Kunst. Reichsdruckerei, Berlin 1907, S. 44. Von hier führte die Kaisertreppe, kombiniert mit einer geschwungenen Auffahrt angelegt, auf kürzestem Weg zum Hafenbecken mit dem Anleger für die kaiserliche Jacht. Die endgültige Fertigstellung des langgezogenen Westflügels (Gleis 5 und 6) und der Bahnsteighalle dauerte noch bis 1911, da unter anderem zunächst das Kieler Stadtkloster, ein Armenhaus am Sophienblatt, abgerissen werden musste.
Am 2. Oktober 1927 erhielt der Bahnhof, der bis dahin nur „Kiel“ hieß, die Bezeichnung „Kiel Hbf“.Amtliche Mitteilungen der Geschäftsführenden Verwaltung. In: Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen, 67. Jahrgang, Nr. 34 (25. August 1927), S. 951.
Im Jahre 1944 wurden der Hauptbahnhof und die angrenzenden Prachtbauten bei einem schweren Bombenangriff durch die Alliierten schwer beschädigt. Ab 1950 wurde der Bahnhof in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Dabei entstand im östlichen Teil des Empfangsgebäudes ein Restaurant, so dass die Kaisertreppe nicht mehr als Zugang nutzbar war.
Veränderungen Bahnhofsumfeld 1949–1999 mini|Adler über dem Ost-Eingang zu den ehemals kaiserlichen WarteräumenAufnahme von 2010, Blickrichtung Westen mini|Kieler Bahnhof in der UmbauphaseAufnahme von 2003, Blickrichtung Norden mini|Umgebauter Kieler Hauptbahnhof in der NachtAufnahme von 2006, Blickrichtung Norden mini|Bahnhofshalle geschmückt für die Kieler Woche
In den 1950er Jahren wurde das Bahnhofsumfeld umgestaltet. Insbesondere wurde die westlich des Bahnhofs gelegene zuführende Straße Sophienblatt stark verbreitert. Dazu wurden die Gebeine des 1793 angelegte St.-Jürgen-Friedhof 1955 umgebettet und die 1904 gebaute St.-Jürgen-Kirche abgerissen.
Vor den Olympischen Sommerspielen 1972 wurde auf der Nordseite des Bahnhofsvorplatzes ein hochgelegtes Parkdeck errichtet, unter dem sich ebenerdig der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) befand. Die fußläufige Verbindung zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem ZOB über den Vorplatz erfolgte mittels eines überdachten Fußgängersteges als leichte Stahlkonstruktion, die aus dem Haupteingangsbogen des Bahnhofes herausführte und in die aufgestelzte, gegenüberliegende Parkebene mündete. Im Bahnhof wurden auf dem Querbahnsteig sowie rund um die Eingangshalle verschiedene Verkaufspavillons errichtet, dazu auch in der historischen Eingangshalle (Nordeingang) und den danebenliegenden Wartehallen jeweils eine zusätzliche Ebene eingezogen, die die historische Raumhöhe halbierte. Auch zum 1988 errichteten Einkaufszentrum Sophienhof wurde ein Fußgängersteg ausgehend vom Empfangsgebäude angelegt, was die Architektur des Gebäudes beeinträchtigte. Genauso zwei außen am Bahnhof angebrachte geschlossene Fußgängerstege links und rechts der Eingangshalle im Norden, die von den Kielern wegen ihres Aussehens scherzhaft „BH“ genannt wurden.
Auf der Ostseite zum Hafen hin wurde 1994/1995 das Erlebniszentrum CAP mit mehreren Restaurants und einem Großkino errichtet. Es verfügt über einen direkten Zugang auf Bahnsteighöhe vom östlichsten Bahnsteig. Das Cap erhielt im Jahr 2010 bereits seinen zweiten Umbau – im Wesentlichen eine erneute Veränderung der Passage und der Eingangsbereiche unter Beibehaltung der Lokalitäten, seit einigen Jahren u. a. auch eine Bowlingbahn und eine Discothek.
1995 wurde die Bahnstrecke Richtung Hamburg elektrifiziert. Seitdem starten und enden hier täglich auch ICE-Züge.
Seit Bahnhofsumbau 1999 Im Jahr 1999 begann ein umfassender Umbau des Bahnhofs nach Entwürfen des Architekten Stefan Rimpf. Unter anderem erhielt er eine neu gestaltete Empfangshalle. Die Zwischenebene in der historischen Eingangshalle wurde entfernt und damit die einstige Raumhöhe wiederhergestellt. Der Fußgängersteg zum ZOB und die Außenstege an der Nordseite des Bahnhofs sind ersatzlos abgerissen worden, der Fußgängersteg zum Sophienhof wurde durch eine Stahl-Glas-Konstruktion ersetzt. Der umgestaltete Bahnhofsvorplatz und die Empfangshalle am Querbahnsteig mit zahlreichen Geschäften wurde zur Kieler Woche im Juni 2004 eingeweiht. Auch die Kaisertreppe im Osten wurde wieder hergestellt. Wegen finanzieller und technischer Schwierigkeiten wurde der Umbau mehrmals unterbrochen und erst im Mai 2006Meldung Kiel: Bahnhofsumbau vollendet. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 7/2006, , S. 323. mit der Fertigstellung einer neuen Bahnsteighalle abgeschlossen; nur über dem Querbahnsteig ist noch die alte und sanierte Bahnhofshalle erhalten. Die Gesamtkosten des Umbaus betrugen rund 60 Millionen Euro. Die Kosten der Bahnsteighalle wurden mit rund 30 Millionen Euro beziffert. Das Parkdeck mit dem noch bis 2016 darunter befindlichen ZOB wurde 2009–2010 im Süden – zum Bahnhof hin – um knapp ein Drittel reduziert (Teilabriss) und dort ein Hotel errichtet.
Ab 2013 fand ein erneuter Umbau des Bahnhofs mit der Entstehung der Gleise 2b und 6b statt. Gleis 2b wurde außerhalb der Halle am Bahnsteig der Gleise 1 und 2 realisiert, der zu einem Zungenbahnsteig umgebaut wurde; für Gleis 6b gilt das Gleiche am Bahnsteig der Gleise 5 und 6. Die Bahnsteige wurden nötig, um den zusätzlichen Verkehr in den Relationen Kiel–Rendsburg und Kiel–Schönberger Strand bewältigen zu können. Die Arbeiten waren im Oktober 2014 weitgehend beendet.
2016 wurde das einst mit dem Bahnhof verbundene Parkdeck über dem ZOB abgerissen, um folgenden Neubauten Platz zu machen: Einem neuen, schmaleren Parkhaus zum Stresemannplatz hin, einem neuen ZOB an der Viktoriastraße und einem weiteren Hotel an der Kaistraße.
Zur Barrierefreiheit ist ein Tastmodell in der Bahnhofshalle vorhanden.Kiel Hbf auf oepnv-info.de, abgerufen am 9. April 2022.
Strecken
Gegenwärtig im Personenverkehr betrieben Kiel–Flensburg Kiel-Hassee–Osterrönfeld (eigene Strecke erst ab Kiel-Hassee) Kiel–Lübeck Hamburg-Altona–Kiel Kiel Süd–Schönberger Strand (eigene Strecke erst ab Abzweigstelle Kiel Hbf Ss). Vollständige Reaktivierung bis 2027 geplant, seit dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember 2025 stündliche Verbindung bis Schönkirchen.
Stillgelegte und abgebaute Strecke Auch die Züge der Kleinbahn Kiel–Segeberg hatten ab 1. Juli 1954 ihren Endpunkt im Hauptbahnhof, allerdings wurde der Verkehr auf dieser Strecke 1961 eingestellt.
Fernverkehr (Stand: 12/2025) Linie Linienverlauf Takt (Kiel Hbf –) Hamburg Hbf – Hannover Hbf – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (Main) Hbf – Frankfurt (Main) Flughafen Fernbf – Mannheim Hbf – Stuttgart Hbf 120 Minuten (Kiel Hbf –) Hamburg Hbf – Berlin Hbf – Halle Hbf – Erfurt Hbf – Nürnberg Hbf – München Hbf Ein Zugpaar (Kiel Hbf –) Hamburg Hbf – Berlin-Spandau – Berlin Hbf – Berlin Südkreuz – Dresden Hbf – Bad Schandau – Ústí nad Labem hl.n. – Praha hl.n.Ein Zugpaar
Regionalverkehr Linie Linienverlauf Kursbuchstrecke Eingesetzte Fahrzeuge EVU Flensburg/Kiel Hauptbahnhof – Flintbek – Bordesholm – Einfeld – Neumünster – Elmshorn – Hamburg Dammtor – Hamburg Hauptbahnhof 103Bombardier Twindexx VarioDB Regio Schleswig-Holstein Kiel Hauptbahnhof – Bordesholm – Neumünster – Brokstedt – Wrist – Elmshorn – Hamburg Dammtor – Hamburg Hauptbahnhof 103Baureihe 146 + 6–7 Doppelstockwagen / Bombardier Twindexx Vario / Baureihe 112 + 6–7 Doppelstockwagen Kiel Hauptbahnhof – Suchsdorf – Gettorf – Eckernförde 1461 × Flirt AkkuNordbahn Kiel Hauptbahnhof – Kiel-Hassee CITTI-PARK – Kronshagen – Suchsdorf – Gettorf – Eckernförde – Rieseby – Rieseby Schleibrücke Süd 1461 × Flirt Akku Kiel Hauptbahnhof – Felde – Rendsburg – Owschlag – Schleswig – Jübek – Husum 1341 × Flirt Akku Kiel Hauptbahnhof – Kiel-Hassee CITTI-PARK – Kiel-Russee – Melsdorf – Achterwehr – Felde – Bredenbek – Schülldorf – Rendsburg 1341 × Flirt Akku Kiel Hauptbahnhof – Kiel Schulen am Langsee – Kiel-Ellerbek – Kiel-Oppendorf – Schönkirchen 1331 × Flirt Akkuerixx Holstein Kiel Hauptbahnhof – Raisdorf – Preetz – Ascheberg – Plön – Bad Malente-Gremsmühlen – Eutin – Bad Schwartau – Lübeck Hauptbahnhof – Lübeck Hochschulstadtteil – Lübeck Flughafen – Ratzeburg – Mölln – Büchen – Lauenburg (Elbe) – Echem – Lüneburg 1452 × Flirt Akku 3 × Flirt Akku Kiel Hauptbahnhof – Kiel-Elmschenhagen – Raisdorf – Preetz – Ascheberg – Plön – Bad Malente-Gremsmühlen – Eutin – Pönitz – Pansdorf – Bad Schwartau – Lübeck Hauptbahnhof 1451–2 × Flirt Akku Stand: 15. Dezember 2024
Busverkehr Westlich des Hauptbahnhofes befindet sich am Sophienblatt die zentrale Busstation für den Stadtverkehr (Haltestelle Hauptbahnhof) mit fünf Bussteigen in Nord- und sechs Bussteigen in Südrichtung. Hier halten die Busse des Stadtverkehrs der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) sowie einige Linien der Verkehrsbetriebe Kreis Plön (VKP).