Die Geschichte der Feuerwehr Cottbus mit ihrer Entwicklung und Technik unter dem Motto „Retten – Löschen – Bergen – Schützen“ reicht über 160 Jahre zurück.

Das Feuerwehrwesen der Stadt Cottbus vor 1863 Im März 1671 kam es in der Stadt Cottbus zu einem Großbrand, der in der Hintermühle der Stadtmühle (heute Spreestraße) ausbrach und nach kurzer Zeit die gesamte Stadt erfasste. Dabei kamen vier Bürger ums Leben und ungefähr 300 Häuser brannten nieder. Daraufhin ordnete erstmals in Brandenburg der Große Kurfürst (Friedrich Wilhelm) an, dass sämtliche Dächer nicht mehr mit Stroh gedeckt werden dürfen und auch die Mauern aus Ziegelstein zu errichten seien. Bereits im 16. Jahrhundert waren die Bürger zum Schutz vor Bränden verpflichtet, Eimer aus Leder und Hakenleitern bereitzuhalten.

Zahlreiche Brand- und Feuerkatastrophen wurden auch aus dem 18. Jahrhundert aus Cottbus und den Amtsdörfern vermeldet. Im Jahr 1717 brannten unmittelbar vor den Toren der Stadt in Ostrow 16 Bauernhöfe nieder. Der Turm der Oberkirche erhielt 1766 einen Blitzeinschlag und wurde durch den folgenden Brand stark beschädigt. 1796 brannten in Ströbitz 70 Gehöfte ab. In der Polizei-Lösch-Ordnung für Sandow von 1858 hieß es unter anderem:

Nachlässigkeiten bei Anschaffung und Instandhaltung dieser Gerätschaften wurden mit Strafen bis zu zehn Talern gerügt. Das Leben der Bürger in der Stadt Cottbus veränderte sich Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr. Theateraufführungen fanden statt, Ausflugsrestaurants wurden eröffnet, die ersten Zeitungen wurden gedruckt und 1811 sorgte die Ballonfahrt des Cottbuser Carl Friedrich Claudius für Aufsehen. Das öffentliche Leben nahm deutlich zu, die Brandgefahren stiegen.

Die Gründung der Feuerwehr der Stadt Cottbus 1863 hochkant|rahmenlos|rechts|Oberführer Moritz Nommel

„Retten – Löschen – Bergen – Schützen“ war und ist seit über 160 Jahren die oberste Devise der Feuerwehr. Bei mehreren Großbränden in Cottbus in den Jahren 1861 und 1862, so z. B. am 9. Mai 1862 in der Tuchfabrik Valte am Neustädter Platz 55, mussten die Behörden feststellen, dass das Feuerwehrwesen im Stadtgebiet nicht ausreichend gut aufgestellt war. Ein daraufhin gebildetes Komitee zur Lösung dieses Missstandes beabsichtigte, eine Berufsfeuerwehr aufzubauen. Da bot der 1861 gegründete Turnverein seine Bereitschaft an, aus seinen Mitgliedern eine Feuerwehr zu bilden. Der Verein informierte sich beim damaligen königlichen Branddirektor von Berlin, Ludwig Carl Scabell, wie eine entsprechende Feuerwehr einzurichten sei. Danach beschlossen die Abgeordneten am 20. Oktober 1862 die Gründung einer Turnerfeuerwehr, ausgerüstet mit zwei Spritzen und den dazu gehörigen Nebengeräten. Zur Beschaffung des übrigen Bedarfs bewilligte der Magistrat der Stadt im Oktober 1862 ungefähr 500 Taler, worauf die Feuerwehr zehn Hakenleitern, zwölf Steigergurte, zehn Helme, einen Rettungssack sowie einen Gerätewagen erwarb.

Die konstituierende Versammlung aller Interessenten fand am 16. Februar 1863 im Hotel „Zum Goldenen Ring“ am Altmarkt (Gebäude der heutigen Handwerkskammer) statt. Hier wählten die 96 Männer den Maschinenbaufabrikanten Moritz Nommel zum Feuerwart, Rudolph Brincks zu seinem Stellvertreter und Emil Böttcher zu seinem Adjutanten. Bereits nach einem Jahr wurden im Mitgliederverzeichnis 189 Cottbuser Männer benannt, die zur Feuerwehr gehörten. Die Grundlage für die Ausbildung der Cottbuser Feuerwehrmänner waren die vom Berliner Branddirektor Scabell verfassten Bücher „Das Feuerlöschwesen Berlins“ und „Instructions-Buch und Exercier-Reglement für die Mannschaften der Feuerwehr von Berlin“.

Geschichtliche Zeittafel der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Cottbus 1863 bis 1933 Bei einer der ersten Übungen konnten die Cottbuser ihre neue Feuerwehr am 23. Februar 1863 auf dem Exerzierplatz hinter der Klosterkirche erleben. Da es für die Feuerwehr noch keinen Steigerturm gab, wurde mit Steigerleitern mit Haken (geborgt vom Färbereibesitzer Michaelis) trainiert. Als wenige Tage später erstmals das Signal „kommt alle herbei“ ertönte und damit die Feuerwehr gerufen wurde (es war der große Dorfbrand von Ströbitz im Juli 1863) mussten die Feuerwehrleute feststellen, dass ihre Ausrüstung fast vollständig unbrauchbar war, da die alten Spritzen und Feuereimer versagten. Im Oktober 1864 wurde, durch Spenden finanziert, den Feuerwehrmännern eine von der Firma Metz aus Heidelberg hergestellte Spritze und ein Schlauchwagen übergeben. Aus Spendengeldern konnten einheitliche Feuerwehruniformen angeschafft werden. Das Feuerlöschwasser wurde aus dem alten Stadtgraben entnommen, der dafür ausgebaut wurde. Weitere Wasserentnahmestellen waren der Landgraben und die Spree. Die städtischen Behörden beschlossen im Mai 1868 auf mehrmalige Bitten der Feuerwehr, mit dem Bau eines brauchbaren Geräteschuppens mit Steigerturm (Schlauchturm) zu beginnen. Damit konnte die Feuerwehr Cottbus ihren ersten Steigerturm am Neustädter Tor zum 12. September 1868 in Besitz nehmen. Rund 1.700 Taler hat sich die Stadt die erste Feuerwache mit Steigerturm am Kaiser-Wilhelm-Platz kosten lassen. Damit bekam die Löschgruppe bessere Voraussetzungen zur Lösung ihrer Aufgaben.

Im Jahr 1877 erging von der Turner-Feuerwehr Cottbus der Aufruf zur Gründung eines Feuerwehrverbandes in der Provinz Brandenburg. Am 3./4. Juli 1877 erfolgte in Cottbus die Gründung des „Verbandes Freiwilliger Feuerwehren der Provinz Brandenburg“. Mitte bzw. Ende des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Industrialisierung, entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der Tuch- und Teppichindustrie. Cottbus wurde zum Eisenbahnknotenpunkt, der schnell und günstig alle wichtigen Zentren in Deutschland mit Cottbus verband, er ermöglichte die stetige wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Im Zuge der industriellen Entwicklung wuchs um 1870 die Bevölkerungszahl in Cottbus auf 20.000 Bürger an. So wurden u. a. 1871/1872 der Schlossberg, das Dorf Ostrow, die Mühleninsel, die Markgrafenmühle als auch die drei dörflichen Siedlungen des Gutes Brunschwig zu Cottbus eingemeindet. Schärfere bauliche Vorschriften des Magistrats der Stadt stärkten 1873 den Brandschutz, was das Wachsen der Stadt unterstützte. Nach 1870 erhielt die Feuerwehr die dringend benötigte neue Technik, Schlauchwagen, Zubringerschlauch, eine eiserne Wassertiene (Eisenbottich), einen neuen Gerätewagen mit Rettungsapparat und eine Feuerleiter, die an einer Hauswand angewinkelt werden kann.

hochkant|rahmenlos|rechts|Oberführer Wilhelm Kurtzrock

Im Juli 1874 brachte der stellvertretende Wehrführer Wilhelm Kurtzrock als Cottbuser Delegierter des Deutschen Feuerwehrtags in Kassel die Anregung mit, die Feuerwehren der gesamten Provinz Brandenburg zu vereinigen. Aber erst am 3./4. Juni 1877 wurde in Cottbus ein Grundgesetz des Verbandes der Rettungs- und Feuerwehrvereine der Provinz Brandenburg beschlossen. An der Spitze des Verbandes stand Moritz Nommel, der mit anderen Persönlichkeiten für die Erarbeitung der verschiedenen Feuerwehrangelegenheiten (Grundgesetz, Übungsvorschriften, Bildung von Unterverbänden, Unfallverhütungsvorschriften und die Herausgabe einer Feuerwehrzeitschrift) verantwortlich war.

Mit der Gründung löste sich die im Jahr 1863 aus dem Turnverein Cottbuser gegründete Feuerwehr auf. Am 29. März 1878 konstituierte sich die Freiwillige Feuerwehr Cottbus, welche nun für den Schutz der Stadt gegen Brände zuständig war. Bereits 1882 zählten zum Provinzial-Feuerwehr-Verband rund 35 Feuerwehren. Im Juni 1882 stellte sich die Freiwillige Feuerwehr mit dem Statut über das Feuerlöschwesen der Stadt auf. Damit übernahm sie ausschließlich die Verpflichtung zum Feuerlöschdienst in Cottbus, dem Oberführer und seinem Stellvertreter fiel die Befehlsgewalt am Brandort zu. Die Polizei übernahm den Sicherheitsdienst, sie regelte die Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit im Brandfall. Der Kriminaldienst übernahm die Ermittlung von Brandursachen. Es zeigte sich schnell, dass die Gründung einer Berufsfeuerwehr notwendig war, wenn diese auch vorerst nur als Hilfsmannschaft der Freiwilligen Feuerwehr betrachtet wurde.

Der Pflichtfeuerwehr waren alle Einwohner vom 21. bis 40. Lebensjahr zugeordnet, die nicht Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr waren. Durch den inzwischen hohen Bestand an Technik war es notwendig, ein weiteres Feuerwehrdepot zu errichten. Dieses wurde im Oktober 1884 nach den Entwürfen von Moritz Nommel am Turnplatz (der heutigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße) auf dem Gelände der städtischen Turnhalle gebaut.

Damit waren zwei Kompanien und zwei vollständige Löschzüge mit ungefähr 300 Feuerwehrmännern einsatzbereit. Der Gerätebestand zeigte eine deutliche Erweiterung. Es standen der Wache ein Steigerwagen, ein Rettungswagen, fünf vierrädrige und eine zweirädrige Handspritze, vier Wassertienen und vier Wasserwagen, eine zweirädrige Anstellleiter, eine mechanische Ausschiebeleiter und vier Schlauchwagen zur Verfügung.

Anlässlich ihres 25. Jubiläums im Juni 1888 erklärte sich der Corpsarzt der Freiwilligen Feuerwehr Cottbus, Dr. Carl Thiem bereit, verunglückte Feuerwehrmänner in seiner „chirurgischen Privatklinik unter Verzichtung jeglichen ärztlichen Honorars gegen bloße, sehr mäßige Erstattung der Verpflegungsauslagen“ aufzunehmen. Diese Verpflichtung von Dr. Carl Thiem erstreckte sich auch auf auswärtige Feuerwehren und deren Kameraden, soweit diese transportfähig waren.

In den umliegenden Dörfern bzw. Gemeinden bildeten sich nun Freiwillige Feuerwehren. Am 1. September 1888 trafen sich in Sandow etwa 40 Männer zur Gründung der Feuerwehr. Gerbermeister Linde wurde zum Oberführer gewählt. 1904 erfolgte die Eingemeindung Sandows und die Feuerwehr wurde als 3. Abteilung in die Cottbuser Löschformation eingegliedert. Ebenfalls gründeten sich in Saspow 1896, in Schmellwitz 1906, in Ströbitz 1907, in Madlow 1912 und in Sielow 1913 Freiwillige Feuerwehren.

Die enge Verbundenheit der umliegenden Dörfer mit der Stadt entwickelte sich unter den Oberbürgermeistern Dr. Karl Mayer und Paul Werner. Während der Amtsperiode von Dr. Karl Mayer erhielt die Stadt 1886 ihre Kreisfreiheit. Das Stadtbauamt wurde gegründet, eine Handelsschule entstand, eine Untersuchungsstation für Lebensmittel und Genusswaren wurde eingerichtet. Der Bau der Infanteriekaserne erfolgte in den Jahren 1885 bis 1890. In der Amtsperiode von Oberbürgermeister Paul Werner 1897/1899 entstand die zentrale Wasserver- und -entsorgung. Die Textilfachschule wurde in eine Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie umgewandelt. Die Lungenheilstätte in Kolkwitz konnte 1900 eröffnet werden, 1903 wurde die 1. Straßenbahnlinie in Betrieb genommen. Ein modernes Elektrizitätswerk entstand, die Spreewaldbahn wurde gegründet, das Theater gebaut und 1914 konnte das Krankenhaus eröffnet werden. Die Stadt entwickelte sich schnell und dehnte sich räumlich aus. Das Melden eines Feuers war nicht mehr so einfach. 1888 bewarb sich die Firma Hoffmann aus Leipzig mit dem Angebot zur Installation einer elektrischen Fernmeldeanlage, zur Benachrichtigung der Feuerwehrmänner beim Magistrat der Stadt. 1890 erfolgte in der Provinz Brandenburg die Bildung einer Feuerwehr-Unfallkasse, die Renten ausbezahlte und für Hinterbliebene die Unterstützung regelte. 1898 erhielt die Stadt Cottbus eine erste Wasserleitung, welche sich auch positiv für die Brandbekämpfung zeigte. Mit dem Ausbau des Städtischen Wasserleitungssystems wurde gleichzeitig die Einrichtung von Hydranten für die Brandbekämpfung vorangetrieben.