Die Liste der Stolpersteine in Stendal enthält die Stolpersteine, welche im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Stendal verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Stendal lebten und wirkten. Zwischen 2006 und 2026 wurden insgesamt 20 Steine an sechs Adressen verlegt.
Liste der Stolpersteine Bild Adresse Datum Inschrift Name, Leben 120px|Stolperstein Alfred Simonsohnweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q131417285 Breite Straße 7 Hier wohnte ALFRED SIMONSOHN Jg. 1896 deportiert 1942 Ghetto Warschau ermordet 1942 in Treblinka (1896–1942) Alfred Simonsohn wurde 1942 zunächst in Warschauer Ghetto und noch im gleichen Jahr weiter ins KZ Treblinka deportiert, wo er ermordet wurde. 120px|Stolperstein Julius Charigweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q131411745 Grabenstraße 4 bzw. 2./3. August 2011Reinhard Opitz: Spur der Charigs verliert sich im Warschauer Ghetto. Magdeburger Volksstimme, 8. August 2011; abgerufen am 27. Juli 2014. Hier wohnte DR. JULIUS CHARIG Jg. 1897 deportiert Ghetto Warschau tot 13.4.1942 (1897 – ca. 1942) Julius Charig wurde in Obslaufen geboren und diente ab 1915 als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg. Nach Kriegsende studierte er Rechtswissenschaft und arbeitete ab 1925 als Anwalt, zunächst in Emden und Berlin, ab 1929 dann in Stendal. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihm 1933 der Zugang zum Gericht verwehrt, im Oktober 1938 wurde ihm schließlich die Zulassung als Anwalt vollständig entzogen. Ein Fluchtplan mit seiner Frau Ilse scheiterte. Er wurde über Magdeburg, Potsdam und Berlin ins Warschauer Ghetto deportiert, wo er am 14. April 1942 ankam und später zu Tode kam.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945 – Julius Charig. Abgerufen am 27. Juli 2014.
Der Stein wurde 2006 gestohlen. 2011 wurde er ersetzt und zusätzlich ein Stein für seine Frau und ein Stein vor seiner ehemaligen Kanzlei in der Karlstraße 2 verlegt. 120px|Stolperstein Ilse Charigweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q131413001 /3. Aug. 2011 Hier wohnte ILSE CHARIG geb. Mosheim Jg. 1904 deportiert 1942 Ghetto Warschau ermordet 1942 in Treblinka (1904 – ca. 1942) Ilse Charig stammte aus Landau und wohnte später in Vlotho und Stendal. Sie wurde über Magdeburg, Potsdam und Berlin zunächst ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sie am 14. April 1942 ankam. Später wurde sie ins KZ Treblinka verbracht und dort 1943 ermordet.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945 – Ilse Charig. Abgerufen am 27. Juli 2014.Kurzbiografie von Ilse Charig auf stolpersteine-vlotho.de Hier wohnteMATHILDEDÄNEMARK… Hier wohnteJAKOB DÄNEMARK… Hier wohnteWOLFGANGDÄNEMARK… Hier wohnteFEIGA ADLER… 120px|Stolperstein Richard Cohnweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q131417298 Hallstraße 4a 120px|Stolpersteine Richard und Auguste Cohn Hier wohnte RICHARD COHN Jg. 1877 tot 25.1.1940 im KZ Buchenwald (1877–1940) Richard Cohn wurde im KZ Buchenwald interniert, wo er am 25. Januar 1940 starb. 120px|Stolperstein Auguste Cohn, geb.Schlossweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q131417310 Hier wohnte AUGUSTE COHN geb. Schloss Jg. 1886 deportiert Ghetto Warschau tot 1943 (1886–1943) Auguste Cohn stammte aus Tauberbischofsheim. Sie wurde über Magdeburg, Potsdam und Berlin ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sie am 14. April 1942 ankam und 1943 den Tod fand.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945 – Auguste Cohn. Abgerufen am 27. Juli 2014. 120px|Stolperstein Julius Charigweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q43651611 Karlstraße 2 /3. Aug. 2011 Hier praktizierte DR. JULIUS CHARIG Jg. 1897 deportiert Ghetto Warschau tot 13.4.1942 (1897 – ca. 1942) An dieser Stelle befand sich die Kanzlei von Rechtsanwalt Dr.Julius Charig 120px Schadewachten 31 Stolpersteine Familie Gabriel Tag des offenen Denkmals, abgerufen am 10. November 2025 Hier wohnte / arbeiteteBRUNO GABRIELJg. 1893Flucht 1940 Shanghai Im Januar 1930 übernahm der Neffe des Inhabers Gustav Dobrins, der Kaufmann Bruno Gabriel, geboren am 19. Dezember 1893 in Falkenberg (Pommern) und seine Frau Lucie Gabriel, geborene Lippmann geboren am 23. August 1902 in Unruhstadt (Schlesien), verheiratet seit 1933, das Kaufhaus Dobrin. Am 1. April 1933 wurde das Kaufhaus erstmals von SA-Trupps boykottiert und am 1. Juni 1938 „arisiert“. Gabriels mussten in das sogenannte „Judenhaus“ in der Grabenstraße 4 ziehen. Das Kaufhaus Bergemann aus Tangerhütte übernahm den Betrieb. Im Regierungsbezirk Magdeburg wurden zahlreiche jüdische Firmeninhaber nach der Reichspogromnacht im November 1838 im KZ Buchenwald interniert, so auch Bruno Gabriel. Mit dem Versprechen der Auswanderung wurde Der Inhaber entlassen. Schließlich konnten Lucie und Bruno Gabriel mit ihrem Sohn Werner, geboren am 28. Februar 1938 in Stendal, unter größten Mühen und unter Aufgabe sämtlicher Besitztümer im Jahre 1940 nach Shanghai fliehen. Vor dem Ausruf der Volksrepublik China verließen Gabriels Shanghai in Richtung Australien, wo sie bis zu ihrem Tode in Rockwood nahe Sydney wohnten und am dortigen jüdischen Friedhof beerdigt wurden. Sohn Werner Gabriel starb 08. November 1997 in Sydney. Marion Gabriel, die erste Tochter von Bruno und Lucie Gabriel verstarb einjährig 1937 und ist neben ihrem Großonkel Dobrin auf dem jüdischen Friedhof in Stendal begraben. Hier wohnte / arbeiteteLUCIE GABRIELgeb. LipmannJg. 1902Flucht 1940Shanghai Hier wohnteWERNER GABRIELJg. 1938Flucht 1940Shanghai 120px Breite Straße 50 Hier wohnteSALLYBLUMENTHALJg. 1871'Schutzhaft' 1938KZ Buchenwaldermordet 23.11.1938 wurde am 26. April 1871 in Bromberg in der preuß. Provinz Posen geboren. In einer Liste des Vorstandes des israelitischen Religionsvereins e.V. Stendal vom 1.10.1928 wird er als einer von 25 stimmberechtigten männlichen Mitgliedern der Synagogengemeinde aufgeführt. Im Stendaler Einwohnermeldeverzeichnis 1930/31 ist unter seinem Namen zu lesen: "Kaufmann, Leder- und Darmhandlung, Breite Straße 50". Er war einer der neun Stendaler jüdischen Männer, die in der Pogromnacht am 9./10.11.1938 festgenommen und ins KZ Buchenwald verschleppt wurden. Keine zwei Wochen später war er tot. Seine Leiche wurde im Städtischen Krematorium Weimar verbrannt, seine Urne auf dem jüdischen Friedhof Stendal bestattet. Er war unverheiratet und kinderlos. Seine Schwester Laura Loebel geb. Blumenthal, Patientin in der Landesheil- und Pflegeanstalt Uchtspringe, wurde über das Euthanasieprogramm in Bernburg ermordet. Sein Berliner Bruder Simon Blumenthal hatte fünf Töchter, von denen sich Käthe 1938 um die Urnenbestattung ihres Onkels und die Auflösung seines Nachlasses in Stendal kümmerte. Drei dieser Nichten, auch Käthe, wurden ermordet, die anderen beiden konnten rechtzeitig emigrieren. Es gibt auch dort keine Kinder. Besondere Dokumente sind hier der Briefwechsel der beiden Stadtbehörden Weimar und Stendal um die Urnenübersendung. Sein Grab ist das einzige Urnengrab auf dem jüdischen Friedhof Stendal. Hier wohnteHEDWIG SALOMONgeb. LoeweJg. 1865deportiert 1942TheresienstadtTreblinkaermordet Hier wohnteADOLF SALOMONJg. 1860deportiert 1942Theresienstadtermordet 17.7.1942 Bruchstraße 8 Hier wohnteESTHERSTREIFLERgeb. GrünbergJg. 1859deportiert 1942Theresienstadtermordet 21.5.1943 (1859–1943) wurde am 18. September 1859 in Kolomea geboren. Später zog sie mit ihren Töchtern nach Stendal. Sie musste im Oktober 1942 ihre Wohnung verlassen und in ein „Judenhaus“ in die Brüderstraße 29 ziehen. Von dort wurde sie zwei Wochen später nac Theresienstadt deportiert, wo sie am 21. Mai 1943 ermordet wurde. Hier wohnteMARIE STREIFLERJg. 1891deportiert 1942Theresienstadtermordet (1891–1942) wurde als Tochter von Esther Streifler geboren und kam mit ihr zusammen nach Stendal. Sie wurde am 16. November 1942 nach Theresienstadt deportiert. Hier wohnteFRIEDAKAUFMANNgeb. StreiflerJg. 1893deportiert 1942Treblinkaermordet geb. Streifler (1893–1942) wurde als Tochter von Esther Streifler geboren und kam mit ihr zusammen nach Stendal. Frieda Streifler heiratete 1937 und zog zu ihrem Mann Moritz Kaufmann in die Nähe von Bad Kreuznach. Sie wurde am 30. September 1942 mit ihrem Mann von Darmstadt aus nach Osten deportiert. 120px|Stolperstein für Jacob MattischackBrüderstraße 29 Hier wohnteSYNAGOGENVORSTEHERJACOBMATTISCHACKJg. 1873deportiert 1942Theresienstadtermordet 4.3.1944 (1878–1944) Geboren am 8. März 1878 in Blaszik b. Lodz, Übersiedlung nach Stendal, hier langjähriger Synagogenvorsteher und Gemeindeleiter; Alstoffhandel im Haferbreiter Weg 7/8; 1900 Geburt Tochter Susanne (in den 1920er Jahren nach Palästina ausgewandert), 1912 Geburt Sohn Kurt (in den 1930er Jahren Palästina/USA); Grab der Ehefrau Frieda geb. Hess 1923 auf dem Jüdischen Friedhof; Am 9. November 1938 kam er mit Sally Blumenthal, Richard Cohn, Eduard Frank, Gustav Hirsch, Julius Itzig, Oskar Loewenthal, Max Meyer und Adolf Oss in das Konzentrationslager Buchenwald; am 18. November 1942 kam er mit dem letzten Transport nach Theresienstadt, dort Ermordung am 4. März 1944.
Weblinks
stolpersteine.eu Auf den Spuren jüdischen Lebens in Stendal (pdf), 2020
Einzelnachweise
Stendal Kategorie:Kultur (Stendal)