mini|Der Aufbau eines Zahnes mini|hochkant=0.5|Zahnbürste und Zahnpasta
Zahnmedizinische Prophylaxe bezeichnet alle vorbeugenden Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Krankheiten der Zähne und des Zahnhalteapparates entstehen oder sich verschlimmern. Ein Synonym ist zahnmedizinische Prävention. Prophylaxe ist von „Vorsicht“. In: Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage. Band 2. Braunschweig 1914, S. 798; . abgeleitet, das selbst von „sich vor etwas hüten“. In: Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage. Band 2. Braunschweig 1914, S. 798; . abstammt.
Allem voran steht die Vorsorgeuntersuchung zur frühzeitigen Erkennung von krankhaften Zuständen. Die Gruppenprophylaxe betrifft ausgewählte größere Bevölkerungsgruppen (z. B. Untersuchungen von Schulkindern durch Schulzahnärzte), während die Individualprophylaxe sich nur auf Einzelpersonen bezieht.
Arten der Prophylaxe Es wird weiter zwischen der kollektiven oder Massenprophylaxe (betrifft große Bevölkerungskreise) und der semikollektiven Prophylaxe (begrenzt auf spezielle Gruppen) unterschieden. Die kollektive Prophylaxe umfasst z. B. die Fluoridierung der Zähne über das Trinkwasser, durch Zusätze zu Nahrungsmitteln und durch Zahnpasta. Zu den Basisprophylaktische Maßnahmen gehören das tägliche Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und zuckerarme Ernährung. Sie sollten Bestandteil jeder täglichen Mundhygiene sein. Intensivprophylaktische Maßnahmen richten sich im Rahmen der Individualprophylaxe an Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für Karies oder Parodontitis.
Geschichtliches
Aus der Steinzeit ist bekannt, dass sich Menschen zur Zahnpflege mit Weidenstöcken die Zähne sauber stocherten. Von altägyptischen Ärzten ist eine erste Zahnpasta überliefert (vor ca. 4000 Jahren), eine Mischung aus gemahlenem Bims und Weinessig auf Kaustöcken.
Ein Wegbereiter der Kariesprophylaxe und Schulzahnpflege zwischen 1920 und 1960 war Alfred Kantorowicz.Ali Vicdani Doyum: Alfred Kantorowicz unter besonderer Berücksichtigung seines Wirkens in İstanbul (Ein Beitrag zur Geschichte der modernen Zahnheilkunde). Medizinische Dissertation, Würzburg 1985, S. 212–218 und öfter.
Karies- und Parodontitisvorbeugung mini|Zahnstein mini|Zahnfleischbluten mini|Zahnfleischentzündung mini|Karies
Karieserkrankungen der Zähne und Erkrankungen des Zahnhalteapparates haben ihre gemeinsame Ursache in der Plaque und deren Stoffwechselprodukten. Die primäre Karies- und Parodontalprophylaxe richtet sich auf die Schaffung einer möglichst plaque- und zahnsteinfreien Mundhöhle. Dieses Ziel kann nur durch geeignete Mundhygienemaßnahmen erreicht werden.
Mundhygienemaßnahmen Bei der Mundhygiene unterscheidet man zwischen Zahnpflege und Prothesenhygiene. Ziel der Mundhygiene ist die regelmäßige und gründliche Entfernung von Speiseresten und Plaque, um Karies, parodontalen Erkrankungen und Mundgeruch vorzubeugen. Durch Mundspülungen, Sprays und Mundduschen allein können Zähne und Prothesenoberflächen nicht ausreichend gesäubert werden, allenfalls größere Speisereste lassen sich dadurch herausspülen.
Auch der langzeitige Erfolg bereits bestehender zahnmedizinischer Restaurationen (meist Füllungen) hängt von einer guten Mundhygiene ab. Ergänzend zu den Mundhygienemaßnahmen, die jeder zu Hause durchführen kann, wird etwa von der Bundeszahnärztekammer die regelmäßige Durchführung einer professionelle Zahnreinigung durch den Zahnarzt oder dessen Hilfspersonal empfohlen,Bundeszahnärztekammer: Die Professionelle Zahnreinigung zur Prophylaxe von Zahnkaries und Parodontalerkrankungen, abgerufen am 25. Februar 2026. zu deren Nutzen für die Karies- und Zahnfleischentzündungs-Prävention keine ausreichenden Studien vorliegen.gesundheitsinformation.de: Welche Vor- und Nachteile hat die professionelle Zahnreinigung?, abgerufen am 25. Februar 2026. Für den Patienten haben bei allen Mundhygienemaßnahmen auch die ästhetischen Aspekte einen hohen Stellenwert. Die Zähne sollen möglichst strahlend und hell sein und bleiben. Sofern es sich um aufgelagerte Flecken und Beläge handelt, ist dies mit der mechanischen Plaqueentfernung oder durch professionelle Zahnreinigung zu leisten. Geht es jedoch um die „innere“ Zahnfarbe, kann diese nur durch Zahnaufhellung (Bleaching) geändert werden. Saubere Zähne sind jedoch auch dafür die Voraussetzung.
Zahnputztechnik
Gemäß einer Zehn-Länder-Studie des University College London vom August 2014 sind keine Unterschiede bei den diversen empfohlenen Zahnputztechniken festzustellen. Kritisiert wird, dass von Zahnärzten, Zahnärzteorganisationen und Fachverbänden in verschiedensten Ländern unterschiedliche Techniken empfohlen werden, die nur zur Verwirrung und zu einem Vertrauensverlust der Patienten in die Aufklärungsbemühungen der Zahnärzteschaft führen. Ebenso würden evidenzbasierte Studien über die Effektivität der verschiedenen Zahnputztechniken fehlen.What’s the best way to brush teeth? University College London, 7. August 2014.J. Wainwright, A. Sheiham: An analysis of methods of toothbrushing recommended by dental associations, toothpaste and toothbrush companies and in dental texts. In: British dental journal, August 2014, Band 217, Nummer 3, S. E5; . doi:10.1038/sj.bdj.2014.651. PMID 25104719.
Man solle sanft mit einer einfachen horizontalen Putzbewegung die Zähne reinigen, wobei die Zahnbürste in einem Fünfundvierzig-Grad-Winkel an die Zähne gehalten werden soll. Eine mechanische Bürste soll wie ein Bleistift und nicht mit der Faust gehalten werden, um ein zu starkes Aufdrücken der Zahnbürste zu vermeiden. Entscheidend ist, dass speziell dort geputzt wird, wo sich die Plaque festsetzt, und dies ist auf den Kauflächen und am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch, und zwar sowohl an den Außenseiten als auch an den Innenseiten der Zähne.
Eine prophylaktische Wirkung durch Zähneputzen konnte aufgrund zu weniger oder qualitativ mangelnder Studien noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.
Zahnpflege (mechanisch) Die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS-IV) zeigte im Jahr 2006, dass 74,2 % der Kinder, 73,4 % der Jugendlichen, 72,8 % der Erwachsenen und 60,6 % der Senioren sich zweimal am Tag die Zähne putzen. Damit ist die Bedeutung der täglichen Mundpflege, wie sie zahnärztlicherseits empfohlen wird, zwar verbreitet, aber bei jedem Vierten noch nicht fester Bestandteil der Mundhygiene. Dabei kamen neben der Zahnbürste (manuell oder elektrisch) und der Zahnpasta vor allem zusätzlich der zuckerfreie Kaugummi, das Mundwasser/Mundspüllösungen und teilweise (insbesondere bei Erwachsenen) die Zahnseide zum Einsatz.Zusammenfassung DMS-IV-Studie 2006. (PDF; 255 kB) Institut der Deutschen Zahnärzte; zahnarzt-ravensburg-emmerich.de
Nach dem Genuss säurehaltiger Nahrungsmittel wie Obst oder zitronensäurehaltiger Getränke schädigt das Zähneputzen mit einer Zahnbürste den – leicht angeätzten – Zahnschmelz. Die Rolle des Fluoridions ist dabei die eines Biokatalysators. Bei pH-Wert-Absenkungen, bedingt durch Säureattacken, funktioniert die CaF2-Deckschicht als „slow releasing device“. Das freigesetzte Fluoridion sorgt für den Wiedereinbau von Kalzium- und Phosphationen im Sinne einer Remineralisation. Der Zahn-Remineralisierung muss vor einem Zähneputzen genügend Zeit gegeben werden.H. Michel: Wie wirkt das Fluorid wirklich? In: ZBay., 3/2000, S. 41; Andere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass solch eine Wartezeit nicht nötig ist, da der Remineralisationsprozess langsam ist; die positive Wirkung des Wartens wird konterkariert durch den meist enthaltenen Zucker, der zu Milchsäure zersetzt wird.
Mund spülen
Nach jedem Essen und nach jedem Trinken zucker- oder säurehaltiger Getränke soll der Mund mit Leitungswasser ausgespült werden. Das reduziert die Keimflora, die Speisereste und den Säureanteil und hilft gegen Zahnerkrankungen. Da bei Erbrechen der Zahnschmelz von der Magensäure angegriffen wird, sollen die Zähne nicht mit der Zahnbürste zusätzlich beschädigt werden, sondern nur den Mund mit Wasser spülen und dadurch die Säure verdünnen.
Zahnbürsten
Eine elektrische Zahnbürste ist grundsätzlich eine Alternative zur herkömmlichen (nicht elektrisch betriebenen) Zahnbürste. Eine herkömmliche Zahnbürste ist bei korrekter Anwendung zwar genauso geeignet zur Zahnpflege, doch wird sie oft falsch verwendet. Der Umgang mit einer elektrischen Zahnbürste ist dagegen etwas einfacher. Wichtig ist der regelmäßige Wechsel der Bürstenköpfe. Der Bürstenkopf sollte nach etwa sechs bis acht Wochen gewechselt werden, spätestens allerdings, wenn die Borsten sich auseinanderbiegen.
mini|hochkant=0.3|Elektrische Zahnbürste
Verwendung der elektrischen Zahnbürste Den Bürstenkopf setzt man am Zahnfleischrand an und bewegt ihn, vom Zahnfleisch ausgehend, über den Zahn. Für jeden Zahn setzt man also neu am Zahnfleisch an und putzt so von Zahn zu Zahn. Damit ist gewährleistet, dass der Bereich am Zahnfleischsaum und auch der Zahnzwischenraum weitestgehend gereinigt werden. Eine „Massage“ des Zahnfleisches ist nach heutigem Kenntnisstand nicht erforderlich. Mit einer elektrischen Zahnbürste sollte nicht schrubbend vorgegangen werden. Es ist wichtig, an den leicht vergessenen letzten Zahn und besonders dessen Rückseite zu denken. Verwendung der herkömmlichen Zahnbürste Bürsten mit mittelharten, abgerundeten Kunststoffborsten sind besonders empfehlenswert. Die ideale Länge des Bürstenkopfes beträgt 30 mm bis 35 mm bei jeweils 20 bis 40 Borsten in Bündeln zusammengefasst. Bürstenkopf und -griff sollten so geformt sein, dass alle Zähne leicht erreicht und gereinigt werden können. Spezielle Kinderzahnbürsten sind im Handel erhältlich.
Zahnpasta
Zahnpasta unterstützt die reinigende Wirkung der Zahnbürste durch ihren Gehalt an Poliermitteln und anderen Zusatzstoffen. Sie sollen einen hohen Reinigungsgrad erreichen, aber eine geringe abrasive Wirkung haben, um den Zahnschmelz nicht zu schädigen. Zum Zähneputzen sollte eine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden. Gerade abends ist es sinnvoll, den Mund nach dem Zähneputzen nicht auszuspülen. Denn so können die Wirkstoffe der Zahnpasta länger wirken. Der Schaum wird nur ausgespuckt. Wer das wegen des Geschmacks nicht mag, sollte darauf achten, den Mund nur leicht auszuspülen.
mini|Zahnputztechnik: modifizierte Bass-Technik
Zahnputztabletten
Zahnputztabletten werden aus trockenen Rohstoffen gepresst. Durch den trockenen Produktionsprozess können Fluoride und weitere Inhaltsstoffe nicht miteinander reagieren. Außerdem kann auf Konservierungsstoffe verzichtet werden. Zahnputztabletten werden nicht geschluckt, sondern sind gemäß der Packungsbeilage in die Zahnpflege mit einzubeziehen.
Zahnzwischenräume Auch die Zahnzwischenräume müssen gepflegt werden. Sie bedürfen einer besonderen Pflege, da sie mit der Zahnbürste kaum erreicht werden können. Dies geschieht mindestens einmal täglich gründlich mit Zahnseide, Zahnhölzchen oder Zwischenraumbürsten (sogenannten Interdentalbürsten).
mini|Reinigung der Zahnzwischenräume: a) Zahnseide, b) Zahnhölzchen, c) Interdentalbürstchen
Zahnseide
Am besten dafür eignet sich hier der Abend. Es gibt gewachste und ungewachste Zahnseide im Handel. Anfängern sei die gewachste Variante empfohlen, da sie weniger leicht reißt und besser über den approximalen Kontaktpunkt gleitet. Geübtere Anwender können die ungewachste Zahnseide mit noch besserer Reinigungswirkung verwenden. Sind die Interdentalräume sehr schmal, verwendet man Zahnseide, die sich um je eine der aneinanderstoßenden Flächen legt und durch Auf- und Abbewegungen unterhalb des Punktes, an dem die Zähne seitlich aneinander stoßen, den Zahn reinigt. Bei breiteren Räumen und zur Pflege von Brücken ist auch die Anwendung von Zahnseide mit flauschigen, dickeren Anteilen hilfreich.
Zahnhölzchen