mini|450px|Handelsnetz im römischen Reich um 180 n. Chr. Die Ostgrenzen des Reiches sind für diesen Zeitpunkt allerdings falsch eingezeichnet; sie waren nur 116/117 n. Chr. unter Trajan kurzzeitig so ausgedehnt. mini|450px|Dargestellte Handelswege nach dem Periplus Maris Erythraei aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Die römisch-indischen Beziehungen waren zahlreiche Verbindungen, die das Römische Reich und der indische Subkontinent unterhielten. Von großer Bedeutung war in diesem Zusammenhang der Indienhandel.Kyle Harper: Climate, Disease and the Fate of Rome. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2017, ISBN 978-0-691-16683-4. Deutsche Übersetzung: Fatum. Das Klima und der Untergang des Römisches Reiches. C. H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-74933-9, S. 142–150.
Handel setzte definierbare Bedürfnisse voraus.Raimund Schulz: Die Antike und das Meer. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 978-3-896-78261-8, S. 23; 181–182; 206 Dabei beschränkte sich der Import der Waren aus Indien nicht nur auf Luxusgüter, sondern auch eine Vielzahl agrarischer und handwerklich erzeugter Waren fanden ihren Weg in das Römische Reich.Albrecht Dihle: Die entdeckungsgeschichtlichen Voraussetzungen des Indienhandels der römischen Käiserzeit. In Wolfgang Haase: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band 2,9,2 (Reprint), De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-110127-94-2, S. 546–579
Historische Voraussetzungen Aufbauend auf den Eroberungszügen Alexanders des Großen und den nachfolgenden, griechisch geprägten Königreichen konnte Rom im Römisch-Syrischen Krieg (192–188 v. Chr.) gegen das hellenistische Seleukidenreich unter Antiochos III. seine politische Rolle im östlichen Mittelmeer und darüber hinaus ausweiten. Seit dem Hellenismus bestanden engere Kontakte zwischen der antiken Mittelmeerwelt und Indien, was sich unter anderem in diplomatischen Beziehungen niederschlug (siehe Megasthenes, Dionysios und Daimachos).
Antiochos III. verzichtete nach dem Sieg Roms auf einen Großteil seiner Besitzungen in Kleinasien. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wieder aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen unter ihrem König Perseus endgültig besiegt und ihr Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch dem Rest Griechenlands (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, vorher zu Makedonien gehörig) und der neuen römischen Provinz Africa nach der Zerstörung Karthagos, welches vor dem Dritten Punischen Krieg (149–146 v. Chr.) wieder an Macht gewonnen hatte.
mini|350px|Handelswege zu Land um das 1. Jahrhundert n. Chr. entlang der Seidenstraße mini|300px|Handelsrouten zu Land durch das Gebiet der Nabatäer (Weihrauchstraße). Die Parther standen ab 141 v. Chr. auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Unter dem erfolgreichen Partherkönig Mithridates II. (124/123–88/87 v. Chr.) wurde 115 v. Chr. die Seidenstraße verstärkt genutzt: Eine Delegation des chinesischen Kaisers Han Wudi machte ihre Aufwartung (Römisch-chinesische Beziehungen).
Beim Landtransport spielte Palmyra eine zentrale Rolle: Von dort aus wurden mehrmals im Jahr Karawanen mit bis zu 100 Kamelen in das Reich der Parther, Seleukeia Pieria, nach Babylon, Vologesias, Charax Spasinu und darüber hinaus geführt.
mini|300px|Der Bubastis-Kanal führte zu den Bitterseen. Verlauf des Pharaonenkanals zur Zeit Pharao Sesostris III. (1878–1839 v. Chr.) mit vermuteter Verbindung zum Roten Meer. Schon im Alten Ägypten wurde der Bubastis-Kanal angelegt, der aber nicht das Mittelmeer mit dem Roten Meer direkt verband, sondern vom Nildelta über das Wadi Tumilat und den Timsah-See zum Roten Meer führte.Schörner: Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike. In: Skyllis - Zeitschrift für Unterwasserarchäologie (Skyllis) Jahrgang 3, Heft 1, 2000, S. 38–43.
Der Historiker Kyle Harper (2017) gliederte den Zeitraum von römischer Kaiserzeit bis Spätantike in drei Epochen: Roman Climate Optimum, RCO („Römisches Klimaoptimum“, 200 v. Chr. – 150 n. Chr.), Late Roman Transitional Period, LRT („Römische Übergangsperiode“, 150 n. Chr. – 450 n. Chr.) und Late Antique Little Ice Age, LALIA („Spätantike Kleine Eiszeit“, 450 n. Chr. – 700 n. Chr.). Anhand dieser Gliederung skizziert er Entwicklung und Krisen des Römischen Reiches und stellt Zusammenhänge zwischen kultureller und wirtschaftlicher Prosperität einerseits und dem (temporären bzw. späterhin beständigen) Niedergang durch Seuchen (Antoninische Pest, Cyprianische Pest, Justinianische Pest), Klimaschwankungen in den geschichtlichen Entwicklungen her.Kyle Harper: Climate, Disease and the Fate of Rome. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2017, ISBN 978-0-691-16683-4. Deutsche Übersetzung: Fatum. Das Klima und der Untergang des Römisches Reiches. C. H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-74933-9, S. 35–36. die von Harper (2017) beschriebenen Phasen des klimatischen Wechsel der „Römischen Übergangsperiode“, Roman Transitional Period, RTP von ca. 150 n. Chr. bis 450 n. Chr., die auf die efflorierendeJack A. Goldstone: Efflorescences and Economic Growth in World History: Rethinking the ›Rise of the West‹ and the Industrial Revolution. Journal of World History 13 (2002), S. 323–389 und prosperierenden Zeit des Optimums der Römerzeit stehen auch in Beziehung zum indischen Fernhandel.
Kaiser Trajan (98 bis 117 n. Chr.) baute um 100 n. Chr. einen Verbindungskanal von Kairo zum Bubastis-Kanal und erneuerte letzteren. Dieses auch von seinen Nachfolgern unterhaltene Kanalsystem scheint längere Zeit im Handel mit dem Süden und Osten benutzt worden zu sein. Der Seeweg nach Indien wurde durch den trajanischen Ausbau und die Erweiterung des Kanalsystems erleichtert. So führten die wieder aufgenommenen Arbeiten am Bubastis-Kanal bzw. an der Errichtung eines neuen Verbindungskanals, der vom heutigen Kairo (Babylon) über Bilbeis zum alten Bubastis-Kanal hergestellt wurde, zu einem schnelleren Warentransport über den Wasserweg. Trajan zu Ehren wird er als Amnis Trajanus bzw. Amnis Augustus bezeichnet. Gegenüber der ptolemäischen Stadt Arsinoë ließ Trajan den befestigten Hafen Klysma (Cleopatris, später Kolzum) anlegen. Durch diese Instandsetzung des von Pharao Necho II. begonnenen und von Dareios I. vollendeten 84 km langen Bubastis-Kanals zwischen Nil und Rotem Meer schuf man eine durchgehende Wasserverbindung von Rom zu bestimmten indischen Hafenstädten. mini|hochkant|Die sogenannte Pompeji LakshmiLakshmi (Sanskrit, f., लक्ष्मी, „Glück, Schönheit, Reichtum“) ist die hinduistische Göttin des Glücks, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Wohlstandes, der Gesundheit und der Schönheit., eine elfenbeinerne Statuette, wurde im Jahre 1938 in den Überresten von Pompeji gefunden (Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr.). Sie entstand vermutlich in Bhokardan (Shatavahana) und belegt die römisch-indischen Handels- und Kulturbeziehungen.
Der römische Indienhandel stützte sich auf den Hafen von Myos Hormos, das neben Berenike am Roten Meer schon im Ptolemäerreich Ausgangspunkt von Handelsexpeditionen gewesen war. Mit dem trajanischen Kanal wurde eine direkte Schiffsverbindung zur oströmischen Provinz Arabia Petraea geschaffen, was den Warentransport vereinfachte. Als Trajan 117 n. Chr. starb, beherrschte Rom alle Häfen des Roten Meeres und des Persischen Golfes. Der Handelsverkehr von Ägypten nach Süden und Osten hatte seinen Höhepunkt erreicht.Hadwiga Schörner: Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike. In: Skyllis - Zeitschrift für Unterwasserarchäologie (Skyllis) Jahrgang 3, Heft 1, 2000, S. 38–43.
Adulis, im Aksumitischen Reich gelegen, war eine wichtige Station für den römischen Indienhandel, weshalb es früh zu Kontakten mit dem Römischen Reich kam. Der römische Kaiser Aurelian (270 bis 275) soll eine aksumitische Gesandtschaft empfangen haben. Die Entstehung des aksumitischen Reiches kann spätestens um Christi Geburt angesetzt werden. Die ersten Erwähnungen der Stadt Aksum finden sich im anonymen Periplus Maris Erythraei, der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstand, sowie in der Geographike Hyphegesis des Claudius Ptolemäus (um 150 n. Chr.). Bereits damals kontrollierte Aksum mit dem wichtigen Hafen Adulis den Zugang zum Roten Meer, was dem aksumitischen Reich eine Expansion nach Südarabien ermöglichte.
Pax Romana Während der Ostteil der Handelswege über Land nach Asien relativ sicher war, begannen ab 55 v. Chr. Auseinandersetzungen der Römer mit dem Partherreich, die erst durch den ersten römischen Kaiser Augustus 20 v. Chr. (Pax Romana) beendet wurden. Daraufhin belebte sich der Handel mit Asien zunehmend.
Unter Augustus (Regierungszeit 27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) gab es nach der Eroberung Ägyptens vermehrt Forderungen in der römischen Wirtschaft, den Handel nach Indien auszuweiten. Hinderlich dabei war jedoch die arabische Kontrolle über jeden Seeweg nach Indien. Die Kontrolle des Seehandels, der seit dem Ende des minäischen Reiches für Südarabien die Bedeutung der alten Weihrauchstraße übernommen hatte, war nun unter himyarischen und sabäischen Einfluss geraten. Eine der ersten Marineoperationen unter Augustus bestand dementsprechend aus der Vorbereitung eines Feldzuges auf der arabischen Halbinsel: Aelius Gallus, Präfekt von Ägypten,R. Simon: Aelius Gallus’ Campaign and the Arab Trade in the Augustan Age. In: Acta Orientalia Academiae Scientiarum Hungaricae. Bd. 55, Heft 4, 2002, S. 309–318. ließ etwa 130 Schiffe erbauen und verfrachtete so rund 10.000 Soldaten im Jahre 25 bis 24 v. Chr. nach Arabien. Der anschließende Marsch durch die Wüste in den heutigen Jemen scheiterte jedoch und die Pläne der Kontrolle über die Arabische Halbinsel mussten aufgegeben werden. Um die Zeitenwende soll allein das Römische Reich 1.500 Tonnen der geschätzten Jahresproduktion von 2.500 bis 3.000 Tonnen Weihrauch konsumiert haben. Die Römer bezeichneten das Herkunftsgebiet des kostbaren Rohstoffs daher als Arabia Felix – glückliches Arabien. Aber auch der indische Subkontinent importierte das vom Weihrauchbaum stammende Weihrauchharz.
Historischen römischen Berichten gemäß wurden in dieser augusteischen Zeit Botschaften zwischen dem indischen König der Pandya-Dynastie und dem römischen Imperium ausgetauscht. Weitere indische Dynastien waren Shatavahana und Kuschana. Mehrere römische Quellen beschreiben den Besuch von Botschaftern der Könige von Baktrien und Indien im 2. Jahrhundert, wahrscheinlich unter Hinweis auf die Kushana. So wurde eine Münze des römischen Kaisers Trajan zusammen mit Münzen von Kanischka I. im Kloster Ahan Posh Tape gefunden. In der Historia Augusta heißt es zu Hadrian: Reges Bactrianorum legatos ad eum, amicitiae petendae causa, supplices miserunt „Die Könige der Baktrier schickten ihm Bittbotschafter, um seine Freundschaft zu suchen.“ Auch nach Aurelius Victor (138 Epitome, XV, 4) und Appian (Praef., 7) empfing Antoninus Pius, der Nachfolger von Hadrian, einige indische, baktrische und hyrkanische Botschafter.
In dem chinesischen Geschichtswerk Hou Hanshu heißt es: „Kostbare Dinge von Da Qin [das römische Reich] können dort [in Tianzhu oder im nordwestlichen Indien], sowie feine Baumwolltücher, feine Wollteppiche, Parfüme aller Art, zuckrige Süßigkeiten, Pfeffer, Ingwer und schwarzes Salz gefunden werden.“John E. Hill: Through the Jade Gate to Rome: A Study of the Silk Routes during the Later Han Dynasty, First to Second Centuries CE. BookSurge., 2009, ISBN 978-1-4392-2134-1, S. 31.
Zum Sommersitz des Kushan-Reiches in Begram wurde eine beträchtliche Menge an Waren geliefert, die aus dem römischen Reich importiert worden waren – insbesondere verschiedene Arten von Glaswaren, wie sie aus dem Schatz von Begram bekannt sind.
mini|300px|Die vorherrschenden Monsunwinde um die Südspitze Indiens. Windströme aus dem Südwesten während des Sommermonsuns.