mini|Podium mit dem Logo des Effektiven Altruismus, einer Glühlampe Effektiver Altruismus (abgekürzt EA) beschreibt die Idee, beschränkte Ressourcen (Zeit und Geld) optimal einzusetzen, um das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen möglichst umfassend zu verbessern. Explizit geschieht dies durch den Einsatz der eigenen Arbeitskraft oder Karriere und durch das Spenden an effektive Hilfsorganisationen. Zudem bezeichnet der Begriff eine soziale Bewegung, die um 2010 entstand und die versucht, diese Idee umzusetzen.William MacAskill: The history of the term 'effective altruism. Abgerufen am 14. April 2017.

Grundsätze Das SNT-Framework Obwohl es sehr schwer final zu klären ist, wie viel Gutes durch eine gegebene Verwendung von Zeit und Ressourcen entsteht, nutzt der Effektive Altruismus oft Evaluierungswerkzeuge als Heuristik. Das wohl wichtigste davon ist das SNT-Framework, nach dem man drei Fragen beantworten muss, um die Wirksamkeit einer Verwendung von Zeit und Ressourcen zu beurteilen:

Als erstes wird nach der Größe des Problems gefragt (Scale). Die Größe eines Problems wird danach beurteilt, wie viele leidensfähige Wesen davon betroffen sind und in welchem Ausmaß. Das Leid von Tieren wird dabei explizit mitgedacht, gewichtet je nach Annahmen über die Leidensfähigkeit der betroffenen Wesen.

Im zweiten Schritt wird gefragt, wie vernachlässigt das Problem ist (Neglectedness). Je mehr Zeit und Geld bereits in die Lösung eines Problems investiert wird, desto weniger lässt sich durch den Einsatz zusätzlicher Ressourcen erreichen (abnehmender Grenznutzen). Bei der Arbeit an großen und vernachlässigten Problemen dagegen können zusätzliche Ressourcen viele Leben retten. Somit bekämpfen effektive Altruisten viel eher das verhältnismäßig vernachlässigte Malaria-Virus, anstatt Krebsforschung zu betreiben.

Zuletzt wird gefragt, ob man die Ergebnisse der verrichteten Arbeit anschließend beurteilen kann (Tractability), denn nur wenn die Erhebung von konkreten Ergebnissen möglich ist, wird sichergestellt, dass man tatsächlich besonders effektiv eine positive Wirkung erzielt und nicht nur spekuliert. Niedrige Tractability wird allerdings in manchen Fällen in Kauf genommen, wenn Scale und Neglectedness hoch genug sind. So ist es in vielen Fällen schwer, die genaue Wirkung zu evaluieren, wenn etwa ein Forschungsteam versucht, das Risiko von katastrophalen globalen Pandemien zu reduzieren. Da die Gefahr eines solchen Ereignisses jedoch potenziell von existenziellem Ausmaß wäre, gibt man sich hier auch mit qualifizierten Einschätzungen der Wirkung zufrieden.

Das SNT Framework wird auch oft in Abwandlungen oder unter anderen Namen verwendet. Oft werden zusätzliche Faktoren berücksichtigt. Ein solcher Faktor ist die Lösbarkeit oder Solvability eines Problems (Wie leicht oder schwer ist es überhaupt, das Problem zu lösen?), denn die Lösbarkeit kann maßgeblich darüber entscheiden, ob eine positive Wirkung erzielt werden kann. Solvability ersetzt in manchen Versionen des Frameworks Neglectedness. Oft wird auch nach den Opportunitätskosten gefragt (Gibt es einen strikt besseren Einsatz der Ressourcen?) und nach dem kontrafaktischen Ereignis (Wenn wir das Projekt nicht durchführen, würde es jemand anderes tun?). Im Kontext der Wahl einer auf positive Wirkung ausgerichteten Berufslaufbahn wird zusätzlich nach der persönlichen Eignung gefragt. Allgemein lässt sich das Framework als erweitertes, kontextspezifisches Modell der Kosten-Wirksamkeits-Analyse beschreiben.

Priorisierung von Problemen Effektive Altruisten halten die Priorisierung von Problemen (z. B. Armut, Krankheiten, Ungleichheit, mangelnde Bildung) für entscheidend, um anschließend bei der Lösung der wichtigsten Probleme die größtmögliche Verbesserung zu bewirken.William MacAskill:

Die Effizienz- und Evidenzüberprüfung von Hilfsmaßnahmen steht dabei im Mittelpunkt. Zwar ist dies im Bereich der Non-Profit-Organisationen zum Teil bereits Praxis, allerdings findet eine solche Überprüfung in der Regel nur innerhalb bestimmter Themenfelder statt, zum Beispiel im Bereich Bildung oder Klimaschutz. Die kritische Analyse und der Vergleich unterschiedlicher Themenfelder soll die suboptimale Verwendung knapper Hilfsressourcen vermeiden. Effektive Altruisten stellen daher nicht ein bestimmtes Problem (z. B. Tierwohl oder Menschenrechte) an den Anfang ihrer Hilfsüberlegungen. Stattdessen wählen sie zunächst das Problem selbst nach Effizienzgesichtspunkten aus, bevor innerhalb der Felder evaluiert wird. Dies geschieht meist unter Zuhilfenahme des SNT-Frameworks.

Mehrere Organisationen aus der Bewegung des Effektiven Altruismus forschen an der Priorisierung von Problemen. Viele Effektive Altruisten denken, dass zu den wichtigsten Problemen die Armut in Entwicklungsländern, das Leid von Tieren in der Massentierhaltung und existentielle Risiken für die langfristige Zukunft der Menschheit zählen. Der Kampf gegen den Klimawandel wird oft als eigener Handlungsbereich aufgeführt. Speziell in Teilen der deutschsprachigen Community ist der Schutz der Demokratie kürzlich zu einer Priorität geworden und die Organisation Power for Democracies gibt seit 2025 in diesem Bereich Spendenempfehlungen über die EA-nahe Plattform Effektiv Spenden ab.

Unparteilichkeit Effektive Altruisten sind der Ansicht, dass das Leben aller Menschen gleich wertvoll ist.

Auch ist die Ansicht verbreitet, dass den Interessen von Tieren das gleiche moralische Gewicht wie vergleichbaren Interessen von Menschen zukommt und man daher das Leiden von Tieren, z. B. in der Massentierhaltung, verhindern sollte.

Darüber hinaus sind viele Effektive Altruisten der Meinung, dass zukünftige Generationen den gleichen moralischen Wert haben werden wie Menschen, die jetzt leben. Deshalb konzentrieren sie sich auch auf die Verringerung der existentiellen Risiken für die Menschheit.

Kontrafaktische Argumentation und wirkungsorientierte Karrierewahl Effektive Altruisten verwenden kontrafaktische Argumente, um herauszufinden, welche Handlungen die positiven Auswirkungen maximieren.

Effektive Altruisten vergleichen die Menge an Gutem, die jemand in einer konventionellen altruistischen Karriere (z. B. als Arzt) tun könnte, mit der Situation, in der der gleiche Job mit dem nächstbesten Kandidaten besetzt würde. Diese Argumentation baut auf der beruflichen Ersetzbarkeit auf und deutet darauf hin, dass die Auswirkungen bei der Wahl einer konventionellen altruistischen Karriere kleiner sind, als sie zunächst scheinen.

Konkret berät die EA-verbundene Organisation 80.000 Hours Menschen, die an Karrieren mit positiver Wirkung interessiert sind. Die Empfehlungen variieren mit der persönlichen Eignung und anderen Faktoren, generell werden aber meist weniger offensichtliche Karrierewege empfohlen, um Gutes zu erwirken. Den meisten Interessenten wird nahegelegt, sich mit einem der aus Sicht des EA-Frameworks vernachlässigten Themenfelder zu befassen. Menschen mit medizinischem Hintergrund könnte z. B. empfohlen werden, sich mit der Prävention zukünftiger Pandemien zu beschäftigen.

Für Effektive Altruisten mit der entsprechenden persönlicher Passung (personal fit) wird die Strategie des professionellen Spendens (earning to give) vorgeschlagen. Sie besteht darin, eine hoch bezahlte Karriere mit dem Ziel anzustreben, möglichst viel des verdienten Geldes für wohltätige Zwecke zu spenden. Einige Effektive Altruisten argumentieren auf Grundlage der Ersetzbarkeit, dass die marginalen Auswirkungen von potentiell unethischem Verhalten in solch einer lukrativen Karriere (z. B. unethisches Verhalten als Investmentbanker) gering sind, wenn man sie mit den positiven Auswirkungen großer, effektiv verwendeter Spendensummen vergleicht: Wenn die Karriere nicht eingeschlagen würde, dann würde jemand anderes die Arbeit annehmen und den gleichen Schaden verursachen. Die positiven Auswirkungen der Spenden sind hingegen kontrafaktisch groß, da die andere Person wahrscheinlich keine großen Beträge effektiv gespendet hätte.

Earning to give galt in der öffentlichen Wahrnehmung lange als der üblichste Karriereweg, den Effektive Altruisten einschlagen. Während das effektive Spenden weiterhin als fester Teil der Kultur der Bewegung gilt, wird die Idee von earning to give als Karriereweg in der Bewegung heute seltener empfohlen. 80.000 Hours führt eine ganze Liste von Problemen des Ansatzes an und schreibt: "We don’t think earning to give is typically the best way to make an impact, but we think it is worth many people at least considering as an option among others."

Die Ansichten über übergebührliche (supererogatorische) Handlungen Mehrere einflussreiche Philosophen des Effektiven Altruismus, darunter Peter Singer und Peter Unger, lehnen die Ansicht ab, dass die Spende für wohltätige Zwecke übergebührlich ist. Eine übergebührliche Handlung ist eine solche, die gut, aber nicht moralisch geboten ist. Effektive Altruisten bestreiten zwar nicht grundsätzlich die Existenz von übergebührlichen Wohltaten. Spenden an Wohltätigkeitsorganisationen, die sehr effektiv den ärmsten Menschen in der Welt helfen, halten sie jedoch für moralisch geboten.

Singer und Unger verwenden beide verschiedene Gedankenexperimente, um diesen Punkt zu veranschaulichen. Die Grundstruktur des Gedankenexperimentes ist, dass eine Person in tödlicher Gefahr angetroffen wird, der mit wenig Aufwand geholfen werden könnte. Ohne Hilfe würde die Person sterben. Die meisten Menschen sagen intuitiv, es sei moralisch falsch, nicht zu helfen. Singer und Unger schließen daraus, dass es moralisch falsch ist, nicht an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden, die ein Menschenleben mit wenig Ressourcen retten können. Dieses Argument setzt voraus, dass die räumliche Distanz zu einer Person sich nicht darauf auswirkt, ob ihr geholfen werden muss. Die meisten Effektiven Altruisten halten räumliche Distanz für eine arbiträre und moralisch irrelevante Kategorie.

Organisationen und priorisierte Probleme Der Effektive Altruismus ist prinzipiell daran interessiert an den Problemen zu arbeiten, bei denen am meisten Gutes bewirkt werden kann. Dafür werden verschiedene Probleme miteinander verglichen und dasjenige ausgewählt, welches den vielversprechendsten Erwartungswert bezüglich einer Maximierung des Guten (hier Leidminimierung) hat. In der Praxis haben sich Mitglieder der Bewegung vorwiegend auf die folgenden Problembereiche fokussiert:

Globale Armut Die Bekämpfung der globalen Armut war der Fokus einiger der frühesten und prominentesten Organisationen des Effektiven Altruismus.

Der Hilfswerk-Evaluator GiveWell untersucht die Kosteneffektivität von Hilfsorganisationen und schätzt, dass einige Hilfsorganisationen mit gleichen Ressourcen sehr viel mehr erreichen können als andere. GiveWell argumentiert, dass der Wert von Spenden im Bereich der Armutsbekämpfung und Gesundheitsfürsorge in Entwicklungsländern am höchsten ist. Daher werden vorwiegend Organisationen aus diesen Bereichen empfohlen.

Die Organisation Giving What We Can wirbt auf Grundlage der Empfehlungen GiveWells für die kosteneffektivsten Hilfswerke zur Armutsbekämpfung. Die von dem Philosophen Peter Singer gegründete Organisation The Life You Can Save verfolgt ähnliche Ziele und ist nach seinem gleichnamigen Buch benannt.

Im deutschsprachigen Raum macht die gemeinnützige GmbH Effektiv Spenden Teile der Empfehlungen und der Forschung von GiveWell, sowie von Evaluatoren aus anderen Themenbereichen zugänglich und bietet Spendenberatung nach den Kriterien des Effektiven Altruismus an. Dabei ist der Bereich globale Armut der Bereich, der einen Großteil des Spendenvolumens ausmacht.