mini|hochkant|Der Botaniker Franz Unger (1800–1870), Lithographie von Josef Kriehuber

Franz Joseph Andreas Nicolaus Unger (* 30. November 1800 auf Gut Amthofen bei Leutschach in der Steiermark, Österreich; † 13. Februar 1870 in Graz) war ein k. k. österreichischer Botaniker, Paläontologe und Pflanzenphysiologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.

Leben und Wirken Unger studierte zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Graz und wechselte dann 1820 an die Universität Wien, wo er Medizin studierte. Ab 1822 war er an der Karls-Universität Prag eingeschrieben. 1823 wechselte er wieder an die Universität Wien, wo er 1827 zum Dr. med. promoviert wurde. Während seines Studiums war er 1820 Mitglied im Burschenschaftlichen Kreis in Graz. Von einer Deutschland-Reise 1824/25 zurückgekehrt, wurde er wegen „Teilnahme an geheimen Gesellschaften“ (gemeint war die Burschenschaft) zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.Günter Cerwinka: Die Frühphase der Burschenschaft in der Habsburgermonarchie, in: Harald Lönnecker, Klaus Malettke (Hrsg.): 200 Jahre Wartburgfest. 18. Oktober 1817 – 18. Oktober 2017. Studien zur politischen Bedeutung, zum Zeithintergrund und zum Fortwirken der Wartburgfeier (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert. Band 22), Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2019, ISBN 978-3-8253-4616-4, S. 106.

Ab 1827 praktizierte er als Arzt in Stockerau bei Wien, ab 1830 als Landesgerichtsarzt in Kitzbühel in Tirol. 1833 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Er war korrespondierendes Mitglied der Preußischen und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1836 wurde er Professor der Botanik und Zoologie am Joanneum in Graz,Josef W. Wohinz (Hrsg.): Die Technik in Graz: Aus Tradition für Innovation. Böhlau, Wien 1999, ISBN 3-205-98910-4, S. 241 1850 Professor der Pflanzenphysiologie in Wien. 1852 bereiste er Nordeuropa, später den Orient und lebte ab 1866 im Ruhestand auf seinem Landgut bei Graz.

Unger erwarb sich zuerst wesentliche Verdienste um die Paläontologie, wandte sich aber später mehr der Physiologie und Phytotomie zu und förderte vor allem die Lehre von Zelle und Protoplasma.

Als Anhänger und Verbreiter darwinistischer Vorstellungen geriet er noch in den 1860er Jahren in das Visier konservativ-katholischer Kreise, stand jedoch unter dem Schutz des liberalen Grazer Bildungsbürgertums.Günter Cerwinka: Die Frühphase der Burschenschaft in der Habsburgermonarchie, in: Harald Lönnecker, Klaus Malettke (Hrsg.): 200 Jahre Wartburgfest. 18. Oktober 1817 – 18. Oktober 2017. Studien zur politischen Bedeutung, zum Zeithintergrund und zum Fortwirken der Wartburgfeier. (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert. Band 22), Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2019, ISBN 978-3-8253-4616-4, S. 106.

Familie Unger war mit Maria Josepha geb. Sand(t) verheiratet. Der Ehe entstammte der Archivar, Numismatiker und Dialektologe Theodor Unger (1840–1896).Unger, Theodor, im Österreichischen Biographischen Lexikon (on-line)

Ehrung In Graz-Gries wurde die Ungergasse 1870 nach ihm benannt. Herwig Teppner beklagte 2015 den Verfall der geneigten Grabplatte auf dem Stadtfriedhof St. Peter in Graz durch Frostschäden.Herwig Teppner: Fragmente zur Geschichte der Systematischen Botanik in Graz (PDF) Vortrag am 11. April 2015 in Graz, abgerufen am 7. November 2016.Herwig Teppner, Erika Teppner, Michael Pinter: Fragmente zur Geschichte der Systematischen Botanik in Graz. Vortrag vom 11. April 2015 anlässlich: Jahreshauptversammlung der Gesellschaft Österreichischer Kakteenfreunde 2015 in Graz, als web-book bei austria-forum, abgerufen am 7. November 2016.

Schriften

Quellen/Literatur

Ilse Jahn (Hrsg.): Geschichte der Biologie. Spektrum 2000. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 6: T–Z. Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-5063-0, S. 93–95. Marianne Klemun (Hrsg.): Einheit in der Vielfalt – Franz Ungers (1800–1870) Konzepte der Naturforschung im internationalen Kontext. Vienna University Press, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8471-0484-1 (books.google.de eingeschränkte Vorschau). Christa Riedl-Dorn: Franz Joseph Andreas Nicolaus Unger In: Lexikon der bedeutenden Naturwissenschaftler Band III. (Spektrum Akad. Verlag; Heidelberg/München 2004) S. 384

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Botaniker (19. Jahrhundert) Kategorie:Pflanzenphysiologe Kategorie:Paläontologe Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Graz) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (19. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Burschenschafter (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1800 Kategorie:Gestorben 1870 Kategorie:Mann