Bobrowo (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.
Geographische Lage Bobrowo liegt an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508) neun Kilometer westlich der Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg). Ein Bahnanschluss besteht nicht.
Die Siedlung dehnt sich in Nord-Süd-Richtung aus mit dem Überbleibseln des ehemaligen Groß Rudminnen/Wietzheim im Norden, dann Neubauten an der Ende der 1930er Jahre angelegten Stichstraße, und weiteren wenigen Gebäuden im ehemaligen Ellernthal in der Mitte und in Königshuld II im Süden.
Geschichte Groß Rudminnen (Wietzheim)
mini|Die Landgemeinde Groß Rudminnen auf einem Messtischblatt von 1927 Groß Rudminnen war im 18. Jahrhundert ein königliches Bauerndorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 134. Im Jahr 1850 wurde das Etablissement Ellernthal (s. u.) eingemeindet.Rolf Jehke, Amtsbezirk Tuppen Seit 1874 gehörte die Landgemeinde Groß Rudminnen zum neu gebildeten Amtsbezirk Tuppen im Kreis Pillkallen. 1938 wurde Groß Rudminnen in Wietzheim umbenannt.
Im Jahr 1945 kam der Ort in Folge des Zweiten Weltkrieges mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.
Ellernthal
Ellernthal, zunächst Ellernbruch genannt, war im 18. Jahrhundert ein Erbfreidorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 34. Im Jahr 1850 wurde der Ort in die Landgemeinde Groß Rudminnen eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874. 285 1871 316 Davon in Ellernthal 21 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888. 419 Davon in Ellernthal 116 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907. 394 Davon in Ellernthal 126 1910 382 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939. 322 1939 294
Königshuld II
Im Jahr 1768 wurde dem Generalmajor David Fritz von Lossow von Friedrich dem Großen durch Erbverschreibung das Torfmoor Kackscher Ball, auch Kacksche Balis genannt, verliehen. Die ringsherum dem Moor (offiziell nun Torfmoor Königshuld genannt, heute russisch: Boloto Welikoje) abgerungenen Ländereien erhielten den Namen Königshuld(t). Der westliche Bereich des Moores gehörte seit 1818 zum Kreis Ragnit und der dortige Anteil von Königshuld wurde in zwei Kolonien aufgeteilt, die von Eigenkätnern bewirtschaftet wurden. Das am nordwestlichen Rand des Moores gelegene Königshuld II erhielt 1874 den Status einer Landgemeinde und wurde im selben Jahr dem neugebildeten Amtsbezirk Kackschen im Kreis Ragnit zugeordnet.Rolf Jehke, Amtsbezirk Kackschen/Wedereitischken/Sandkirchen Seit 1909 gehörte Königshuld II zum neuen Amtsbezirk Wedereitischken. Mit einer Einwohnerzahl von 27 sowie 50 Hektar Gemeindefläche war Königshuld II 1939 die kleinste Gemeinde des Landkreises Tilsit-Ragnit.
Im Jahre 1945 wurde auch Königshuld II an die Sowjetunion angeschlossen.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 41 1871 44 1885 34 1905 41 1910 49 1933 34 1939 27
Bobrowo Im Jahr 1947 bekam der Ortsteil Ellernthal den russischen Namen Bobrowo und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Podgorodnenski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947) In der Folge wurden auch der gesamte Ort Groß Rudminnen/Wietzheim und der Ort Königshuld II, die bis 1945 zu verschiedenen Landkreisen gehört hatten, zu Bobrowo gezählt.Gemäß dem 1976 in Kaliningrad erschienenen russisch-deutschen Ortsverzeichnis Населенные пункты Калининградской области: краткий справочник. / Ред. В.П. Ассоров, В.В. Гаврилова, Н.Е. Макаренко, Э.М. Медведева, Н.Н. Семушина. – Калининград: Калининградское книжное издательство, 1976. Später gelangte Bobrowo in den Dorfsowjet Timofejewski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Alexejewskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 70 2002Allrussische Volkszählung von 2002. 94 2010Allrussische Volkszählung von 2010. 81 2021Allrussische Volkszählung von 2021. 61
Kirche Vor 1945 war die Bevölkerung von Groß Rudminnen resp. Wietzheim, Ellernthal und Königshuld II fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Alle drei Dörfer gehörten zum Kirchspiel der Kirche Wedereitischken (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Sandkirchen, heute russisch: Timofejewo) und zur Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Heute befindet sich die nächstgelegene evangelisch-lutherische Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningradpropstei-kaliningrad.info: (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Literatur Hermann Müller: Die Kolonie Königshuld an der Kak’schen Balis. Die Geschichte einer ostpreußischen Moorsiedlung. in Altpreußische Forschungen, Band 5, 1928, S. 317–327.
Weblinks Bobrowo bei bankgorodov.ru Bobrowo bei prussia39.ru Walter Broszeit, Gemeinde Königshuld II Groß Rudminnen bei wiki.genealogy.net Königshuld II bei wiki.genealogy.net Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Wietzheim Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Ellernthal Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Königshuld II
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk