Die Klasse 130 (nach dem Typschiff auch Braunschweig-Klasse genannt) ist eine Kriegsschiffklasse der Deutschen Marine. Die bisher fünf Korvetten bilden das 1. Korvettengeschwader im Marinestützpunkt Warnemünde. Der Schiffstyp ersetzt die kleineren Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse (143A) und kann bei weltweiten Einsätzen Aufgaben übernehmen, die zuvor mit höherem Personalaufwand von größeren Einheiten erfüllt wurden.

Die Hauptaufgaben der Korvetten sind Überwachung und Aufklärung der Überwasserlage sowie Bekämpfung von Zielen auf See und an Land. Einsatzgebiete sind insbesondere Randmeere und Küstengewässer. Die Schiffe verfügen über Sensoren zur Fernmelde- und elektronischen Aufklärung (SIGINT) und zur abbildenden Aufklärung (IMINT). Die Hauptbewaffnung ist der landzielfähige Seezielflugkörper RBS15 Mk3. Sekundäre Fähigkeiten der Korvetten sind das Potenzial zum Stören der gegnerischen Kommunikation und der Einsatz als Minenleger.

Die Indienststellung des Typschiffs Braunschweig fand am 16. April 2008 statt. Der Plan zur Beschaffung fünf weiterer Einheiten wurde im Herbst 2016 bekanntgegeben und der Bauvertrag am 12. September 2017 unterzeichnet.

Namensgebung Die Schiffe sind nach deutschen Städten benannt, die ansonsten keine direkte Verbindung zur Marine besitzen. Somit soll eine Verankerung der Marine im ganzen Land vorangebracht werden. Bis auf Ludwigshafen am Rhein wurden alle Namen bereits zuvor von deutschen Kriegsschiffen geführt.Liste der Namen deutscher Kriegsschiffe (A–M), Liste der Namen deutscher Kriegsschiffe (N–Z) Die Klassenbezeichnung Braunschweig-Klasse wurde erstmals vor über Jahren von Linienschiffen der Kaiserlichen Marine getragen (Braunschweig-Klasse); damals benannt nach dem deutschen Bundesstaat Herzogtum Braunschweig. Auch die Schiffe des zweiten Bauloses sind allesamt traditionsreiche Namen in den deutschen Marinen. So war bereits eine Dampfkorvette Lübeck 1848 für die neu aufgestellte Reichsflotte, die erste Deutsche Bundesflotte, gekauft worden. Alle Namen der Schiffe des zweiten Loses wurden bereits von Einheiten der Bremen-Klasse getragen.

Entwicklung Anfänge Das Ressortkonzept von 1995 sah 15 Korvetten als Ersatz für die Schnellboote der Klassen 143 und 143A vor. Die Realisierung ließ weniger aus Geldmangel denn aus konzeptionellen Auffassungsunterschieden im Führungsstab der Marine und der Rüstungsabteilung auf sich warten. Erst im Juni 1998 begann die Definitionsphase, die dann am 13. Dezember 2001 zur Unterzeichnung des Beschaffungsvertrages für den Bau von fünf Einheiten der Korvette Klasse 130 (K130) im Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) führte. Auftragnehmer war die ARGE K130, die sich aus drei Werften zusammensetzte. Die Fr. Lürssen Werft in Bremen baute jeweils das Hinterschiff, die Nordseewerke Emden das Vorderschiff und Blohm + Voss in Hamburg die Aufbauten. Beim Zusammenfügen der vorausgerüsteten Fertigungsblöcke wechselten sich die Partner ab, wobei die jeweilige Werft auch für Endausrüstung und Ablieferung verantwortlich war.

Bereits vor 2009 war geplant, eine weitere Korvettenklasse K131 zu beschaffen. Diese Planungen gingen in das Mehrzweckkampfschiff 180 und dann in die Fregatte 126 über.

Bauverzögerung und Einführung mini|Die Ludwigshafen am Rhein 2013 in der Norderwerft Nach der Abnahme der ersten beiden Korvetten 2008 verzögerte sich deren Nutzung und die Indienststellung der weiteren Schiffe aufgrund technischer Störungen und Mängel erheblich. Insbesondere die Leistung der Maschine, die Funktion der Ruderanlage sowie der computergesteuerten Bordsysteme erfüllten die von der Marine geforderten Parameter nicht und mussten überarbeitet werden. Bei der Braunschweig ereignete sich auf einer Probefahrt im Nord-Ostsee-Kanal zudem eine Grundberührung mit der steinernen Kanalböschung, die schweren Schaden an einem der beiden Propeller verursachte. Ersatzteile für die Reparatur wurden von den anderen im Bau befindlichen Korvetten herangezogen, was wiederum deren Fertigstellung hinauszögerte.

Allein durch erhebliche Mängel an dem vom Schweizer Hersteller MAAG gelieferten Getriebe entstanden Verzögerungen von drei Jahren. Im Jahr 2009 mussten alle Schiffe der Baureihe stillgelegt werden. Bei einer Testfahrt der Oldenburg verursachte eine lose Schraube einen schweren Getriebeschaden. Daraufhin erhielten alle Korvetten modifizierte Getriebe.

Im Februar 2011 wurde bei einer Erprobungsfahrt der Magdeburg vor der Küste Norwegens festgestellt, dass sich im Schiff Schimmel und Schwitzwasser bildeten, weil bei der Konstruktion der Klimaanlagen Fehler gemacht worden waren. Dies führte dazu, dass alle fünf Korvetten erneut überarbeitet werden mussten. Nach Angaben des Fernsehmagazins Panorama soll es bei Werfterprobungsfahrten Ende Mai 2011 Probleme mit den Kupplungen der Getriebe auf den Korvetten Oldenburg und Ludwigshafen am Rhein gegeben haben.

Im Juni 2012 wurden weitere Probleme öffentlich. Durch die Isolierung der Abgasanlagen wurde beim Betrieb Formaldehyd ausgedünstet, wenn das Schiff im ABC-Verschlusszustand war. Da es in diesem Zustand zu einer Überschreitung von Grenzwerten kam, durfte der Maschinenraum nur mit Atemschutzmaske betreten werden. Dies war dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) bereits bei der Übernahme der Boote bekannt; bei der nächsten Werft-Instandsetzung war ein Austausch der Isolierung geplant. Mittlerweile sind die Maschinenräume im Sinne des Arbeitsschutzes ohne Schutzausrüstung begehbar. Zusätzlich wurde bekannt, dass an der Flugkörperbewaffnung noch Nachbesserungen erforderlich waren.

Im September 2012 lief die Magdeburg zur Teilnahme an der Operation UNIFIL in das östliche Mittelmeer aus und nahm damit als erste Korvette der Klasse 130 an einem Auslandseinsatz teil.

Die Ludwigshafen am Rhein wurde am 21. März 2013 als letzte Korvette des ersten Loses mit etwa sechs Jahren Verspätung in Dienst gestellt. Der Rüstungsbericht des Bundesverteidigungsministeriums vom Frühjahr 2016 nennt für die ersten fünf Schiffe eine Kostensteigerung von 117 Mio. Euro oder 12 % gegenüber der ursprünglichen Veranschlagung.

Unter Leitung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) wird auch nach der Einführung des Typs an Weiterentwicklungen und Nachrüstungen gearbeitet. So gab es eine Initiative zur Verbesserung des Eigenschutzes aufgrund des bisher fehlenden Feuerleitradars und schwere Maschinengewehre mit Beschussschutz wurden nachgerüstet. Ein weiteres Thema ist die Erhöhung der Unterbringungskapazität für Personal.

Zweites Baulos Bis 2016 sah die Planung einen Bedarf für fünf weitere Korvetten ab dem Jahre 2030 vor. Nachdem eine verzögerte Auftragserteilung für die geplante Fregatte 126 bekannt geworden war, verkündeten am 14. Oktober 2016 die beiden Sprecher der Regierungsfraktionen im Haushaltsausschuss des Bundestages, Eckhardt Rehberg (CDU) und Johannes Kahrs (SPD), den Plan zur Beschaffung fünf zusätzlicher Schiffe der Braunschweig-Klasse für zusammen 1,5 Milliarden Euro. Bis 2019 sollten zwei, bis 2023 alle fünf Schiffe in Dienst gestellt werden. Grund für die Neubeschaffung seien die neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen im Ostseeraum, im Mittelmeer und in globaler Hinsicht. Daraus resultierende NATO-Forderungen an Deutschland, fünf Korvetten teilweise in höchster Einsatzbereitschaft bereitzustellen, seien im Juli 2016 erstmals bekannt geworden. Um einen schnellen Projektablauf zu erreichen, soll der Auftrag im Verhandlungsverfahren ohne Aufruf zum Wettbewerb an die Lieferanten des ersten Bauloses erteilt werden. Um bei allen zehn Korvetten einen einheitlichen Bauzustand zu erreichen, werden bei den älteren Schiffen Obsoleszenzen beseitigt.

Die Beschaffung des zweiten Loses wurde teilweise kontrovers diskutiert, da im letzten Rüstungsbericht der Bundeswehr kein Bedarf von fünf weiteren dieser Einheiten angegeben wurde und zudem in Kahrs Wahlkreis in Hamburg die Schiffe bei Blohm und Voss gebaut würden. Die am Vergabeverfahren nicht beteiligte Werft German Naval Yards erwirkte im Mai 2017 bei der Vergabekammer des Bundes in erster Instanz einen Stopp des Verfahrens.

Nachdem vom Haushaltsausschuss die Finanzmittel freigegeben worden waren, fand die Vertragsunterzeichnung zwischen dem BAAINBw und dem Werftenkonsortium am 12. September 2017 statt. Die Werft German Naval Yards, die den Bau zuvor verhindert hatte, wurde in das Baukonsortium (Arge K130) aufgenommen; die Ablieferung der Schiffe an die Deutsche Marine soll im Zeitraum von 2022 bis 2025 stattfinden. Der Bau zweier Vorschiffe findet bei der federführenden Lürssen-Werft in Bremen statt, die restlichen drei Vorschiffe werden bei German Naval Yards in Kiel hergestellt und vorausgerüstet. Die fünf Hinterschiffe werden bei der zur Lürssen-Gruppe gehörenden Peene-Werft in Wolgast gefertigt. Die Zusammenfügung der Segmente, die Endausrüstung der Korvetten sowie deren Inbetriebnahme, Erprobung und Übergabe an die Marine finden bei Blohm + Voss in Hamburg statt. ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) führt ergänzend Konstruktionsleistungen durch.

Am 18. Juli 2018 billigte Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen den Vorschlag der Marine, die fünf neuen Korvetten Köln, Emden, Karlsruhe, Augsburg und Lübeck zu taufen. Damit verbunden ist eine Patenschaft der Städte mit dem jeweiligen Schiff, die allesamt Namen erhalten, die bereits Schiffe der Bremen-Klasse trugen. Der erste Stahlschnitt der Köln erfolgte im Februar 2019, die Kiellegung im April desselben Jahres. Die Fertigstellung von Vor- und Hinterschiff soll 2020, die erste Werftprobefahrt im August 2022 und die Auslieferung der Köln an die Deutsche Marine dann im November des gleichen Jahres erfolgen. Die weiteren Kiellegungen sollen in oben genannter Reihenfolge sukzessive bis Dezember 2020 erfolgen. Bis Ende 2025 war noch kein einziges Schiff des zweiten Loses an die Marine übergeben worden, da es immer wieder zu Verzögerungen kam.

Statt des TRS-3D-Radars des ersten Bauloses erhalten die Schiffe des zweiten Loses das neuere Modell TRS-4D Rotator, ebenfalls von Hensoldt, sowie statt des 76/62 Compact das 76/62 Super Rapid von Leonardo.

Am 29. April 2026 wurde die letzte der insgesamt fünf neuen Korvetten Klasse 130 (zweites Los) der Deutschen Marine am Hamburger Rheinmetall-Standort Blohm+Voss auf den Namen Lübeck getauft.

Einsatzkonzept mini|Die Ludwigshafen am Rhein mit RBS15-Flugkörpern hinter dem Hauptmast (Oktober 2016) Gemäß dem vorläufigen Einsatzkonzept K130, das 2007 durch den damaligen Inspekteur der Marine erlassen wurde, sind die Korvetten der Klasse 130 dafür konzipiert, multinational und streitkräftegemeinsam sowie weltweit in Einsätzen zur internationalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus und die Piraterie, beizutragen. Dies schließt die Durchsetzung im Überwasserkampf höchster Intensität einschließlich der Bekämpfung von Zielen an Land ein. Die Korvetten sind dazu primär zur Seeraumüberwachung konzipiert worden, mit der Fähigkeit, Ziele an Land und auf dem Wasser anzugreifen.