Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verloren die Universitäten in Deutschland das ihnen seit ihrer Gründung im Mittelalter zustehende Recht über die Aufnahme von Studenten selbst zu entscheiden: Die Universität ist eine Veranstaltung des Staates hieß es nun.Wilhelm Schrader (Provinzial-Schulrat in Königsberg): Artikel Berechtigungen in: K. A. (= Karl Adolf) Schmid (Hrsg.) Encyklopädie des gesammten Erziehungs- und Unterrichtswesens, Erster Band, 2. Aufl., Rudolf Besser, Gotha 1876, S. 573 ff.Einen rechtshistorischen Überblick über die Berechtigungen des Reifezeugnisses und das Recht des Kultusministers Ausnahmen zuzulassen, gibt Ignaz Jastrow: Das Recht des Reifezeugnisses — Eine vergessene Ecke des Preußischen Verwaltungsrechts in: Juristische Wochenschrift (JW) 1925, S. 14 ff. Demgemäß entschieden jetzt staatliche Stellen über die Zugangsberechtigung zu den Universitäten und sonstigen Hochschulen. Wegen der Kulturhoheit der Länder entschieden die Kultus- bzw. Unterrichtsverwaltungen der Länder über dieses insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg immer drängender werdende Problem (Heimkehrende unausgebildete Soldaten einerseits und Öffnung der Hochschulen für begabte Arbeiterkinder andererseits waren die Schlagworte, die publikumswirksam vorgebracht wurden).

Die Prüfung wurde Anfang bis Mitte der 1980er Jahre in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland zu Gunsten der Zulassung von Berufsqualifizierten auf Grund eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz abgeschafft bzw. nur noch für Ausnahmefälle von nicht hinreichend beruflich Qualifizierten aufrechterhalten.

1923 bis zur reichseinheitlichen Vorschrift 1938 Prüfungsordnungen der Länder des Deutschen Reiches während der Weimarer Republik als Reaktion auf den Beschluss der Hochschulkonferenz in Bensheim (3.–6. Mai 1922) und den der 11. ausserordentlichen Konferenz der Rektoren der deutschen Universitäten und Hochschulen in Marburg (13./14. März 1923)

Baden (Alle badischen Hochschulen) Studium besonders Begabter ohne Reifezeugnis an den badischen Hochschulen, Bekanntmachung vom 8. Mai 1928 – A 6468 – (Amtsblatt des Badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht 1928, S. 118)

Bayern (Alle bayerischen Hochschulen) Prüfungsordnung über die Zulassung besonders Begabter ohne Reifezeugnis zum Studium an den bayerischen Hochschulen, Bekanntmachung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 11. Januar 1929 – V 51 558 – (Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 11 vom 14. Januar 1929 = KMBl. S. 3)

Bekanntmachung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 10. Juli 1929 – V 20 310 – (Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 160 = KMBl. 1929 S. 124)

Verordnung vom 1. April 1931 (bayGVBl. 1931 S. 69)

Braunschweig Eine Prüfungsordnung soll am 5. März 1929 erlassen worden sein.Pharmazeutische Zeitung vom 4. September 1929, S. 1124

Hamburg (Universität Hamburg)Bestimmungen über die Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis vom März 1926Die hamburgische Prüfungsordnung soll eine Übernahme der preußischen Prüfungsordnung vom 11. Juni 1924 gewesen sein (Sonderdruck der Schulbehörde und in den Tageszeitungen veröffentlicht).

Mecklenburg-Schwerin (Universität Rostock)Eine Prüfungsordnung ist nicht ergangen; der Mecklenburg-Schwerinische Minister für Unterricht, Kunst, geistliche und Medizinalangelegenheiten hat sich entschlossen, Gesuche um Zulassung zum Studium an der Universität Rostock durch die preußische Prüfungsstelle für die Zulassung zum Universitätsstudium ohne Reifezeugnis entscheiden zu lassen.abgedruckt in Studium ohne Reifezeugnis – Auf Grund amtlichen Materials herausgegeben, Berlin (Verlag für Politik und Wirtschaft) 1924, S. 15

Preußen (12 Universitäten)Durchführung von Versuchen an der Universität Berlin unter Zugrundelegung der Bensheimer Beschlüsse, Erlass des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 15. November 1922 – U I 2952 – Zulassung zum Universitätsstudium ohne Reifezeugnis (Vorläufige Prüfungsordnung), Erlass des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 24. April 1923 – U I 643 – 1 U II – (Zentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen – 68. Jahrgang – 1926, S. 277)

Zulassung zum Universitätsstudium ohne Reifezeugnis(Geltung nur für Universitäten): Bekanntmachung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 26. Juli 1923 – U I 643 II – (Zentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen – 65. Jahrgang – 1923, S. 299) Bekanntmachung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Nr. 326 vom 11. Juni 1924 – U I 1161 – (Zentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen – 68. Jahrgang – 1926, S. 277)

(Geltung für die Landwirtschaftlichen, Tierärztlichen, Forstlichen und Handelshochschulen) Bekanntmachung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Nr. 324 vom 19. April 1926 – U I 399 – (Zentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen – 68. Jahrgang – 1926, S. 194 und 276)

(Geltung für die Pädagogischen Akademien) Bekanntmachung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Nr. 325 vom 3. Juni 1926 – U III 1946 U I – (Zentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen – 68. Jahrgang – 1926, S. 276)

(Geltung für die preußischen Technische Hochschulen) Bekanntmachung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Nr. 162 vom 8. März 1927 – U I 2490/26.1 – (Zentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen – 69. Jahrgang – 1927, S. 112)

(Geltung für alle preußischen wissenschaftlichen Hochschulen) Bekanntmachung des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Nr. 162 vom 8. März 1927 – U I 2490/26. 1 – (Zentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen – 69. Jahrgang – 1927, S. 112)

Sachsen (Universität Leipzig und Technische Hochschule Dresden) Zulassung besonders Begabter ohne Reifeprüfung zum Studium an der Universität Leipzig oder an der Technischen Hochschule Dresden, Prüfungsordnung durch Erlaß des Ministeriums für Volksbildung vom 7. Dezember 1923 – Nr. I 2324 A – (Verordnungsblatt des Ministeriums für Volksbildung [VOBl. MinfV.] 1923, S. 212;)auch abgedruckt in Studium ohne Reifezeugnis – Auf Grund amtlichen Materials herausgegeben, Berlin: Verlag für Politik und Wirtschaft 1924, S. 8 ff. Änderung der Prüfungsordnung vom 25. März 1924 – H: 23 i Z 1 – (VOBl. MinfV. 1924, S. 53) Änderung der Prüfungsordnung vom 4. Juli 1924 – A: 133 i Z 1 – (VOBl. MinfV. 1924, S. 72) Prüfungsordnung vom 22. März 1930, Erlaß des Ministeriums für Volksbildung – A: 26 Z 1 – (VOBl. MinfV. 1930, S. 23)

Thüringen (Universität in Jena) Zulassung besonders Begabter ohne Reifezeugnis zum Studium an der Thüringischen Landesuniversität in Jena Bekanntmachung des Thüringischen Ministeriums für Volksbildung vom 15. September 1923 – IV 1914 D 1 – ABl. (Thüringisches Ministerium für Volksbildung) 1923, S. 237;auch abgedruckt in Studium ohne Reifezeugnis – Auf Grund amtlichen Materials herausgegeben, Berlin (Verlag für Politik und Wirtschaft) 1924, S. 12 ff. Prüfungsordnung zur Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis, Bekanntmachung der Begabtenprüfungsordnung vom 1. August 1924 des Thüringischen Ministeriums für Volksbildung – IV 1914 D 1 –

Württemberg (Universität Tübingen) Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis, Verordnung des Kultusministeriums über die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis vom 15. April 1929 – Nr. 4406 – Amtsblatt des Württembergischen Kultusministeriums (Nr. 22) 1929, S. 60–62

1938 bis 1945 Prüfungsordnungen für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis Regelung des Reiches während der Zeit von 1938 bis (zur Neugründung der Länder) 1945 Ordnung der Prüfung für die Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis an den deutschen Hochschulen, Runderlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 8. August 1938 – W J 2670 E III, E IV, E V – (RMinAmtsbl Deutsche Wissenschaft 1938, 165) in Kraft im Altreich ab 1. September 1938; mit dem gleichen Zeitpunkt kommen die Prüfungsordnungen in den einzelnen Ländern in Fortfall; Ordnung der Prüfung für die Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis an den deutschen Hochschulen, Runderlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 8. August 1938 – W J 1480 E III e, E IV, E V (a) – (RMinAmtsbl Deutsche Wissenschaft 1939, S. 285); in Kraft in den dem Reich angeschlossenen Reichsgau Sudetenland und den alpen- und donauländischen Reichsgauen (= Österreich); Änderung der Prüfungsordnung in der Fassung des Runderlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 21. Oktober 1941 – WA 1990 WJ, WS, Z II a. – in Kraft ab 1. September 1938 Die Prüfungsordnung galt später auch für die wissenschaftlichen Hochschulen in Danzig, für die Universität in Posen und die Universität in Straßburg (alle ab 1941) Änderung der Ordnung in der Fassung des Runderlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 22. März 1942 – WJ 3580 – Änderung der Ordnung der Prüfung für die Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis an den deutschen Hochschulen, Runderlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 22. Dezember 1942 – WJ 3580 (b) – (MinBl WEV 1943 S. 19)

1945 bis 1959: Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder Regelungen der Länder während der Zeit von der Neugründung der Länder 1945 bis (zur KMK-Vereinbarung) 1959:

Württemberg und Nordbaden (bis 1952) Ordnung der Prüfung für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis (sog. Begabtenprüfung) in Württemberg und Nordbaden, Bekanntmachung des Kultusministeriums vom 22. Oktober 1948 – U III A Nr. 1337 – (Amtsblatt des Kultusministeriums Nr. 8 vom 30. November 1948, ABl. 1948, S. 101), in Kraft ab 22. Oktober 1948

Bayern Ordnung der Begabtenprüfung für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis (Begabtenprüfung), Verordnung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 31. August 1948 – Nr. VI 57957 – über die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifeprüfung (Begabtenreifeprüfung – Sonderreifeprüfung) (Amtsblatt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus – KMBl. S. 114), in Kraft ab 31. August 1948, außer Kraft ab 14. November 1956

Ordnung der Begabtenprüfung für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis, Bekanntmachung des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 14. November 1956 – Nr. VI 37230 – über die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis, in Kraft ab 15. November 1956

Berlin Prüfungsordnung für die Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis (Wissenschaftliches Landesprüfungsamt Berlin) vom 6. Februar 1950, Bekanntmachung unbekannt

Ordnung der Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis (Begabtenprüfung), Bekanntmachung vom 1. Dezember 1958 – Vbildg II a A/II a G – (Amtsblatt für Berlin – 8. Jahrgang – Nr. 64, 31. Dezember 1958 S. 1626), in Kraft ab 1. Januar 1959

Änderung der Ordnung der Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis (Begabtenprüfung), Bekanntmachung vom 29. Juni 1959 – Vbildg II a U/II a G – (Amtsblatt für Berlin – 9. Jahrgang – Nr. 39, 31. Juli 1959 S. 888), in Kraft ab 1. August 1959

Hamburg Ordnung der Schulbehörde für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis, Ordnung vom 13. Dezember 1947 Prüfungsordnung für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis vom 3. März 1961 – 2 – F VII a 11 – (Mitteilungsblatt der Schulbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, MBlSchul 1961, Nr. 1, S. 44), in Kraft ab 1. April 1961, ab 1977 nicht mehr durchgeführt.

Hessen Ordnung für die Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis des Hessischen Kultusministers vom 12. November 1956 – III/3 – 339-56 – (Amtsblatt des Ministers für Volksbildung ABl. HMEV S. 558),

Niedersachsen Ordnung der Begabtenprüfung für die Zulassung zum Hochschulstudium,