Der Begriff „Shifu“ (, auch ) wird in der chinesischen Sprache allgemein als respektvolle Anrede für einen Meister bzw. Lehrer verwendet, der einer Person (beispielsweise ein Schüler der Kalligrafie oder ein Lehrling im Handwerk) eine bestimmte Fertigkeit übermittelt. In den chinesischen Kampfkünsten (Wushu) oder in Lehrberufen bekundet es den besonderen Respekt vor dem Lehrer (traditionell „Meister“) als „väterlichem Lehrmeister“ (). Im Chinesischen wird der Begriff auch im spirituell religiösen Kontext von Laien (Schüler) gegenüber Mönchen und Nonnen im Buddhismus, Daoismus oder Konfuzianismus benutzt. Im passenden Hintergrund kann der Begriff „Shifu“ im Deutschen daher gelegentlich auch mit „Hochwürden“ (siehe Begriff, Anrede dàshī ) übersetzt werden.

Die beiden chinesischen Schreibweisen von Shīfù sind sprachlich im Allgemeinen austauschbar und letztlich bedeutungsgleich. Manchmal wird der Begriff Shifu im hochchinesischen bzw. kantonesischen Sprachraum im Alltag leicht unterschiedlich angewendet. Der tatsächliche Unterschied ist aber marginal. Die Schreibweise von Shīfù () bedeutet wörtlich „Lehrer-Meister“ und wird meist als respektvolle Anrede für jeden (älteren) Erwachsenen mit besonderen handwerklichen Kenntnissen, wie zum Beispiel einen Koch oder Taxifahrer, verwendet. Shīfù als Begriff und Anrede wird vorwiegend für handwerklich traditionellen Berufen genutzt – während in akademischen Berufen die Anrede bzw. der Begriff Laoshi (, kantonesisch sinsaang ) – Lehrer – üblich ist.

Kontextähnliche Begriffe und Anrede (Auswahl) Shīzǔ () – fachliche Vorväter eines Lehrermeisters oder eines Lehrberufs, daher wörtlich „Meister-Ahnen“, „Lehr-Vorväter“. Shīpó (), regional Shīnai () – Ehefrau des Lehrmeister des eigenen Meisters oder Ehefrau des Lehrer des eigenen Lehrers. Shīgōng () – Lehrmeister des eigenen Meisters oder Lehrer des eigenen Lehrers. Shībómǔ (), regional Shībóniáng () – fachlich „älteren Lehrbruder-Tante“ des Lehrmeisters, daher wörtlich ältere „Meister-Tante“, alte „Lehr-Tante“. Shībó () – fachlich „älteren Lehrbruder“ des Lehrmeisters, daher wörtlich älterer „Meister-Onkel“, alter „Lehr-Onkel“. Shīshūmǔ () – fachlich „jüngeren Lehrbruder-Mutter“ des Lehrmeisters, daher wörtlich jüngere „Meister-Tante“, junge „Lehr-Tante“ Shīshū () – fachlich „jüngeren Lehrbruder“ des Lehrmeisters, daher wörtlich jüngerer „Meister-Onkel“, junger „Lehr-Onkel“. Shīmǔ (, regional ) – Ehefrau des Lehrmeisters oder Lehrers, daher wörtlich „Meister-Mutter“, „Lehr-Mutter“. Shīxiōng () – fachlich „älteren“ männlicher Lehrling, daher ugs. auch „großer Lehr-Bruder“ genannt. Shīdì () – fachlich „jüngere“ männlicher Lehrling, daher ugs. auch „kleiner Lehr-Bruder“ genannt. Shījiě () – fachlich „älteren“ weiblicher Lehrling, daher ugs. auch „große Lehr-Schwester“ genannt. Shīmèi () – fachlich „jüngere“ weiblicher Lehrling, daher ugs. auch „kleine Lehr-Schwester“ genannt. Quelle: John Kang – Übersetzung ins Deutsche von Christian Wiethe

Trivia Je nach Kontext ist das japanische Pendant für „Shifu“ „Shishō“ (). oder „Sensei“ (jap. ) Im Indischen steht der Begriff „Guru“ meist für einen spirituellen Meister oder Lehrer. Im Tibetischen ist der Begriff Lama dem chinesischen dàshī oder dem indischen guru am nächsten.

Popkultur In der US-amerikanischen CGI-Animationsfilm Kung Fu Panda heißt einer der Animationscharakter „Meister Shifu“.

Siehe auch Familiäre Struktur der Vergangenheit in Wing Chun

Weblinks

T. Schlaméus: Worauf gründet der Respekt vor dem Kung Fu-Meister? – Ursprünge der Meisterverehrung in den chinesischen Kampfkünsten Zhenwu – : Chinesische Kampfkünste in Osnabrück – Sifu, Gedanken zu den chinese Martial Arts Pt1 – 20. November 2007 Aznous Boisseranc, Annemarie Leippert: ()! Shifu! In: Chen-taijiquan-xiaojia.de, Taijiquan-Leippert, 08/09/2019 (Übersetzung ins Deutsche von A. Leippert)

Einzelnachweise und Anmerkungen Jyutping: Tonverschiebung im realen Alltag des Kantonesischen: von sechster Ton (lexikalische Aussprache) zum zweiten Ton (umgangssprachliche Aus­sprache). Si1fu6 ist die lexikalisch korrekte Aussprache, jedoch im Alltag in der Region Hongkong, Macau und Guangzhou fast ausschließlich die umgangs­sprachlich etablierte Aussprache mit Si1fu2 üblich. Der Begriff oder Anrede „dàshī“ im spirituell religiösen Kontext ist mit dem Begriff shīfù verwandt. Der Begriff bezeichnet ein großer „buddhistischer“, „daoistischer“ oder „konfuzianischer“ Meister, ein verehrungswürdiger Mönch (Nonne, Priester, Priesterin) bzw. eine Person von großer spirituelle Gelehrsamkeit oder Fähigkeit. Eine „fachlich ältere Person“ ist eine Person, die zum älteren „Lehrjahrgang“ gehört. Dabei spielt das wahre biologische Alter der Person keine Rolle in der Begrifflichkeit. Eine „fachlich jüngere Person“ ist eine Person, die zum jüngeren „Lehrjahrgang“ gehört. Dabei spielt das wahre biologische Alter der Person keine Rolle in der Begrifflichkeit. Wenn man „Meister Shifu“ übersetzt, würde es „Meister Meister“ heißen. Der Begriff Laoshi (chin. , kantonesisch ) bedeutet im Chinesischen allgemein Lehrer. Der kantonesischer Begriff für Lehrer sinsaang entspricht dem japanischen Begriff sensei (jap. ). Sie werden mit den gleichen Schriftzeichen geschrieben und haben beide dieselbe Bedeutung sowohl im kantonesischen als auch im japanischen Alltag.

John Crescione, 24. Oktober 2007: , In: w1ng.com, abgerufen am 12. Dezember 2019. (englisch)

John Kang (Übersetzung ins Deutsche von Christian Wiethe): . In: wu-taichi.info, abgerufen am 4. März 2020.

Kategorie:Kampfkunst (China) Kategorie:Anrede