Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der französischen Fußballnationalmannschaft bei Weltmeisterschaften.
Überblick Frankreich meldete sich als einzige europäische Mannschaft zu allen Weltmeisterschaften, erreichte aber nur 16-mal die WM-Endrunde und scheiterte bisher sechsmal in der Qualifikation. Zweimal wurde Frankreich Weltmeister, 1998 als bisher letzter Gastgeber.
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis… Letzte Gegner ErgebnisLaut All-time FIFA World Cup Ranking 1930–2014 (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay VorrundeMexiko, Chile, Argentinien 7. Raoul Caudron 1934 Italien Achtelfinale Österreich 9. Sid Kimpton 1938 Frankreich Viertelfinale Italien 6. Maurice Cottenet 1950 Brasilien nicht qualifiziert --- --- --- In der Qualifikation an Jugoslawien gescheitert. Die nachträgliche Einladung nach dem Rückzug anderer Mannschaften wurde nicht angenommen. 1954 Schweiz Vorrunde Jugoslawien, Mexiko 11. Pierre Pibarot 1958 Schweden Spiel um Platz 3 Deutschland 3. Albert BatteuxJust Fontaine mit 13 Toren Torschützenkönig 1962 Chile nicht qualifiziert --- --- --- In der Qualifikation an Bulgarien gescheitert 1966 England Vorrunde Mexiko, Uruguay, England 13. Henri Guérin 1970 Mexiko nicht qualifiziert --- --- ---In der Qualifikation an Schweden gescheitert 1974 Deutschland nicht qualifiziert --- --- --- In der Qualifikation an der Sowjetunion gescheitert 1978 Argentinien Vorrunde Italien, Argentinien, Ungarn 12. Michel Hidalgo 1982 Spanien Spiel um Platz 3 Polen 4. Michel HidalgoIm Halbfinale im ersten Elfmeterschießen der WM-Geschichte an Deutschland gescheitert (Nacht von Sevilla) 1986 Mexiko Spiel um Platz 3 Belgien 3. Henri Michel Im Halbfinale wieder an Deutschland gescheitert 1990 Italien nicht qualifiziert --- --- --- In der Qualifikation an Jugoslawien und Schottland gescheitert 1994 USA nicht qualifiziert --- --- --- In der Qualifikation an Schweden und Bulgarien gescheitert 1998 Frankreich Finale BrasilienWeltmeister Aimé Jacquet1. WM-Titel 2002 Südkorea/Japan Vorrunde Senegal, Uruguay, Dänemark28. Roger LemerreAls erster Titelverteidiger ohne Tor ausgeschieden 2006 Deutschland Finale Italien 2. Raymond Domenech Niederlage im Elfmeterschießen 2010 Südafrika Vorrunde Uruguay, Mexiko, Südafrika 29. Raymond Domenech 2014 Brasilien Viertelfinale Deutschland 7. Didier Deschamps 2018Russland Finale KroatienWeltmeister Didier Deschamps In der Qualifikation setzte sich die Mannschaft gegen Schweden, die Niederlande, Bulgarien, Belarus und Luxemburg durch. 2022Katar Finale Argentinien 2. Didier Deschamps In der Qualifikation waren die Ukraine, Finnland, Bosnien-Herzegowina und Kasachstan die Gegner. Bei der Endrunde trafen die Franzosen in der Gruppe auf Dänemark, Tunesien und Australien, im Achtelfinale auf Polen, im Viertelfinale auf England und im Halbfinale auf Marokko. 2026Kanada/Mexiko/USA Spiel um Platz 3 England 4. Didier Deschamps In der Qualifikation setzten sich die Franzosen gegen die Ukraine, Island und Aserbaidschan durch. Gegner in der Vorrunde waren Norwegen, der Senegal und der Irak. Siege in der K.-o.-Runde gegen Schweden und Marokko, Halbfinalniederlage gegen Spanien.
Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der französischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Nicht qualifiziert: 6× (26,1 %; 1950, 1962, 1970, 1974, 1990, 1994) Sportliche Qualifikation (inkl. Teilnahme als Titelverteidiger): 14× (60,9 % bzw. bei 70,0 % der Versuche) Ohne Qualifikation teilgenommen (inkl. automatische Qualifikation als Gastgeber): 3× (13,0 %; 1930, 1938, 1998) Vorrunde: 6× (26,1 %; 1930, 1954, 1966, 1978, 2002 und 2010) Achtelfinale bzw. Erste Runde: 1× (4,3 %; 1934) Viertelfinale: 2× (8,7 %; 1938 und 2014) Spiel um Platz 3: 3× (13,0 %, 1958, 1982 und 1986) Dritter: 2× (8,7 %; 1958 und 1986) Vierter: 2× (8,7 %; 1982 und 2026) Finale: 4× (17,4 %; 1998, 2006, 2018 und 2022) Weltmeister: 2× (8,7 %; 1998 und 2018)
Häufigste letzte Gegner: Deutschland, England und Italien (je 2×, dabei nur einmal gewonnen – Spiel um Platz 3 1958)
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern Weltmeisterschaft 1930 links|mini|Lucien Laurent (links), Schütze des ersten WM-Tores, und Marcel Langiller mini|Szene aus dem Spiel gegen Argentinien
Frankreich nahm als eine von nur vier europäischen Mannschaften zusammen mit Belgien und Rumänien die dreiwöchige Schiffsreise auf der Conte Verde auf sich, um an der ersten Weltmeisterschaft teilzunehmen und die französische Mannschaft durfte das erste WM-Spiel bestreiten. In diesem erzielte Lucien Laurent nach 19 Minuten gegen Mexiko das erste WM-Tor. In der 26. Minute musste Verteidiger Augustin Chantrel für den verletzt ausgeschiedenen Torhüter Alex Thépot ins Tor und hielt dies bis zur 70. Minute sauber. Dann gelang den Mexikanern der Treffer zum 1:3. Erster zweifacher Torschütze und damit für vier Tage WM-Rekordtorschütze war André Maschinot, der zum 3:0 und 4:1-Endstand traf. Im zweiten Spiel gab es dann eine knappe 0:1-Niederlage gegen den Südamerikameister und späteren Vizeweltmeister Argentinien und zum Abschluss ein weiteres 0:1 gegen Chile, womit Frankreich als Gruppendritter ausschied. Auf der Heimreise wurde dann noch am 1. August das erste Länderspiel gegen Brasilien in Rio de Janeiro bestritten, das mit 2:3 verloren wurde.
Weltmeisterschaft 1934 Für die erste WM in Europa musste sich Frankreich in einer Gruppe mit Deutschland und Luxemburg qualifizieren und die beiden besten Mannschaften sollten sich für Italien qualifizieren. Eigentlich sollten alle drei Mannschaften je ein Spiel gegen die beiden anderen Mannschaften austragen und dabei jede Mannschaft ein Heim- und Auswärtsspiel haben. Da sich Luxemburg keine Chance auf die Qualifikation ausrechnete, wurden beide Spiele gegen Luxemburg in Luxemburg durchgeführt, so dass Luxemburg trotz der Niederlagen zumindest einen finanziellen Erfolg hatte. Nachdem Luxemburg beide Spiele verloren hatte, war das Spiel zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen denen politische Spannungen bestanden, dann nicht notwendig und wurde wegen Irrelevanz nicht mehr ausgetragen.dfb.de: WM-Qualifikation 1934: WM-Ticket in 90 Minuten gelöst
Bei der Weltmeisterschaft in Italien traf Frankreich auf Österreich und ging nach 18 Minuten in Führung. 16 Minuten später gelang Österreich der Ausgleich und da beiden in der normalen Spielzeit kein weiteres Tor gelang, gab es die erste Verlängerung der WM-Geschichte. In dieser erzielten die Österreicher zunächst zwei Tore, ehe Georges Verriest drei Minuten vor Schluss mit einem Handelfmeter zum Endstand von 2:3 verkürzen konnte.
Weltmeisterschaft 1938 1938 war Frankreich Gastgeber der dritten WM, nachdem sich der französische Verband mit 19:4:0 Stimmen gegen die Mitbewerber Argentinien und Deutschland durchgesetzt hatte, und damit automatisch qualifiziert. Im Achtelfinale wurde der Nachbar Belgien mit 3:1 besiegt und das Viertelfinale gegen Titelverteidiger Italien erreicht. Hier gab es ein 1:3, und erstmals konnte der Gastgeber den Heimvorteil nicht nutzen und die WM nicht gewinnen.
Weltmeisterschaft 1950 Für die erste WM in Brasilien musste sich Frankreich gegen Jugoslawien, das zunächst Israel ausgeschaltet hatte, qualifizieren. Da Hin- und Rückspiel 1:1 endeten, gab es ein Entscheidungsspiel in Florenz, das mit 2:3 nach Verlängerung verloren wurde. Nachdem mehrere qualifizierte Mannschaften auf ihre Teilnahme verzichteten, wurde Frankreich nachträglich eingeladen, verzichtete aber mit der Begründung, dass es Gruppenspiele an Orten hätte austragen müssen, die 3.000 Kilometer voneinander entfernt waren.
Weltmeisterschaft 1954 Für die WM im Nachbarland Schweiz musste sich Frankreich gegen Irland und Luxemburg qualifizieren, was mit vier Siegen eindrucksvoll gelang. In der Schweiz waren Frankreich und Brasilien in ihrer Gruppe gesetzt und mussten nicht gegeneinander spielen. Frankreich verlor aber das Auftaktspiel gegen das ungesetzte Jugoslawien mit 0:1 und da Jugoslawien gegen Brasilien ein 1:1 gelang, war das französische 3:2 gegen Mexiko wertlos.
Weltmeisterschaft 1958 Zur WM in Schweden musste sich Frankreich unter Albert Batteux, der seit 1955 Nationaltrainer war, gegen Belgien und Island qualifizieren. In den ersten drei Spielen erzielten die Franzosen 19 Tore, nur das letzte Spiel in Belgien endete torlos, womit Frankreich aber qualifiziert war. Bei einer Niederlage hätte es trotz besserer Tordifferenz ein Entscheidungsspiel gegeben. Nach der erfolgreichen Qualifikation verlor Frankreich in London gegen England mit 0:4 und spielte danach dreimal remis. Zudem verletzte sich Torjäger René Bliard in Testspielen so schwer, dass er für die WM ausfiel. Die französische Presse setzte daher wenig Hoffnung in die Mannschaft und befürchtete ein frühes Aus wie vier Jahre zuvor. In Schweden gelangen der französischen Mannschaft insgesamt 23 Tore – nur Ungarn (27) und Deutschland (25) erzielten 1954 mehr Tore bei einer WM. Wesentlichen Anteil daran hatte Just Fontaine, der als Ersatz für Bliard in die Mannschaft kam und mit 13 Toren Torschützenkönig wurde, damit eine bis heute gültige Bestmarke für ein einzelnes WM-Turnier aufstellte, die vorherige Bestmarke von Sándor Kocsis um zwei Tore überbot und 16 Jahre lang WM-Rekordtorschütze blieb, ehe Gerd Müller mit insgesamt 14 Toren eine neue Bestmarke aufstellte, die doppelt so lange hielt. Trotz der vielen Tore reichte es nur zum dritten Platz, da Brasilien im Halbfinale noch mehr Tore erzielte. Dabei gelang Pelé beim 2:5 in der zweiten Halbzeit ein lupenreiner Hattrick. Immerhin gelang Fontaine das erste Tor gegen den späteren Weltmeister, der in den vorherigen vier Spielen kein Tor zugelassen hatte. Mit dem dritten Platz, der durch ein 6:3 gegen Titelverteidiger Deutschland erreicht wurde und bei dem Fontaine allein vier Tore erzielte, erreichte Frankreich aber die bis 1998 beste Platzierung und musste danach 8 Jahre warten, um wieder bei einer WM dabei zu sein. Zudem blieb dies bis heute der einzige Pflichtspielsieg gegen Deutschland und blieb bis 2014 die höchste Niederlage eines – allerdings bereits entthronten – Titelverteidigers.
Weltmeisterschaft 1962 Für die dritte WM in Südamerika musste sich Frankreich gegen Bulgarien und Finnland qualifizieren. Frankreich und Bulgarien gewannen ihre Spiele gegen Finnland sowie die Heimspiele gegeneinander, so dass ein Entscheidungsspiel notwendig war. Die bessere Tordifferenz für Frankreich zählte nichts. Das Entscheidungsspiel in Mailand gewannen die Bulgaren, die sich damit erstmals für die WM qualifizierten. Nationaltrainer Albert Batteux blieb zwar noch im Amt, nach einem 1:2 in einem Freundschaftsspiel gegen Italien im Mai 1962 endete aber seine Amtszeit.
Weltmeisterschaft 1966
Für die WM in England qualifizierte sich Frankreich unter Henri Guérin, der 1962 das Amt des Nationaltrainers übernommen hatte, mal wieder gegen Jugoslawien und Luxemburg sowie erstmals Norwegen. Dabei gewannen Frankreich und Jugoslawien ihre Heimspiele gegeneinander mit 1:0, aber während Jugoslawien in Norwegen verlor und daheim nur ein 1:1 gegen die Norweger erreichte, gewann Frankreich alle Spiele gegen die beiden anderen Mannschaften und erreichte so die WM-Endrunde. Hier wurde Frankreich in die Gruppe mit Gastgeber England, Nord- und Mittelamerikameister Mexiko und Ex-Weltmeister Uruguay gelost und erzielte lediglich beim Spiel gegen die Mexikaner einen Punkt. Mit dem WM-Aus endete die Amtszeit von Guérin.
Weltmeisterschaft 1970