Die Landesgesundheitsfonds (LGF) sind im Gesundheitssystem Österreichs die öffentlich-rechtlichen Fonds zur Planung, Steuerung und Finanzierung des Gesundheitswesens auf Landesebene.
Geschichte und Grundlagen
In Österreich wurde 2005 eine grundlegende Vereinbarung über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens als 15a-Vereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern getroffen (Gesundheitsreform 2005, Novelle 2008). Mit diesem Staatsvertrag wurde die Planung und Steuerung des Gesundheitswesen teilweise in Landeskompetenz übergeführt, während der Bund mithilfe der Bundesgesundheitsagentur, dem Fonds der Bundesebene, nurmehr grundsätzliche Vorgaben gibt.
Dabei wurden die Landesgesundheitsfonds eingerichtet (Art. 18 ff. 2008). Sie stellen das Finanzierungsorgan der Länder dar. Zwischen dem Gesundheitsministerium (Budgetverteilung zu Händen des Finanzministeriums) und den Landesgesundheitsfonds findet ein Bund-Länder-Ausgleich statt, in dem die Finanzmittel entsprechend den Haushaltsplanungen verteilt werden.
Die Landesgesundheitsfonds ersetzten die früheren Krankenanstaltenfonds, deren Wurzeln schon im 18. Jahrhundert liegen,Vergleiche Andrea Praschinger: Wiener Krankenanstalten ab 1900: Kontinuität und Wandel bei der stationären medizinischen Versorgung. Band 4 von Medizingeschichte, Lit-Verlag Münster, 2008, ISBN 978-3-8258-1315-4, Kapitel Der Wiener Krankenanstaltsfonds, S. 123 ff. (). und die die Finanzierung der öffentlichen, anfangs wohltätigen, dann staatlichen Krankenhäuser sicherstellen sollten. Mit der Gesundheitsreform der Regierung Schüssel wurde der Fokus auf die Spitalsmedizin aufgegeben, und versucht, eine umfassendere und vielfältigere Krankenversorgung aufzubauen, die den extramuralen Sektor stärkt. Schon 1997 (Regierung Klima) war das System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF-System) eingeführt geworden, das in den neuen Gesundheitsfonds weitergeführt wird.Vergleiche etwa Oö. Gesundheitsfonds – Geschäftsstelle für intramurale Aufgaben, land-oberoesterreich.gv.at, abgerufen am 24. Juli 2014.
Um 2002 hatten dann besonders die Länder Niederösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Oberösterreich und Tirol mehr Kompetenzen für die Landesebene gefordert.Sobotka: Länder fordern Landesgesundheitsfonds. Presseaussendung, APA, 11. Juli 2002, OTS0229. Über die Gesundheitsfonds laufen die Zahlungen von Bund, Ländern und Krankenkassen an die Spitäler (öffentliche wie privat-gemeinnützige), in einigen Bundesländern wird aber ein nicht unwesentlicher Finanzierungsbeitrag außerhalb des LGF-Systems aufgebracht. gesundheit.gv.at, abgerufen am 24. Juli 2014.
Oberstes Organ der Landesgesundheitsfonds sind die jeweiligen Gesundheitsplattformen (Art. 20 2008), in denen die beteiligten Akteure versammelt sind (Land, Bund, Städte und Gemeinden, Träger der Sozialversicherung und deren Hauptverband, Ärztekammer, Krankenanstalten-Träger). In diesen Plattformen wird die Planung und Steuerung verhandelt. Auf Bundesebene entspricht den Plattformen die Bundesgesundheitskommission.
Die Gesundheitsfonds
Burgenländischer Gesundheitsfonds (BURGEF) – Eisenstadt, Josef Hyrtl-Platz 4Burgenländischer Gesundheitsfonds (burgef.at) Kärntner Gesundheitsfonds (KGF) – Klagenfurt, Bahnhofstraße 24/6 NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) – St. Pölten, Stattersdorfer Hauptstraße 6CNÖ Gesundheits- und Sozialfonds (noegus.at) Oö. Gesundheitsfonds – Linz, Bahnhofplatz 1 Salzburger Gesundheitsfonds (SAGES) – Salzburg, Sebastian-Stief-Gasse 2 Gesundheitsfonds Steiermark – Graz, Friedrichgasse 9Gesundheitsfonds Steiermark (gesundheitsfonds-steiermark.at) Tiroler Gesundheitsfonds (TGF) – Innsbruck, Eduard-Wallnöfer-Platz 3 (Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Krankenanstalten)Tiroler Gesundheitsfonds, auf tirol.gv.at Gesundheitsfonds für das Land Vorarlberg – Bregenz, Landhaus (Amt der Vorarlberger Landesregierung) Wiener Gesundheitsfonds (WGF) – Wien 20, Brigittenauer Lände 50–54, Stiege 2, 5. StockWiener Gesundheitsfonds, auf wien.gv.at
Rechtsgrundlagen
Stf. BGBl. I Nr. 105/2008 (i. d. g. F. online, ris.bka; Erstfassung ). 1. Hauptstück (online); Mitte 2014Neufassung Juli 2014 noch nicht in Kraft noch (alle ris.bka). StF. LGBl.Nr. 83/2005 (i. d. g. F. online, ris.bka). StF. LGBl. 9450 134/05 (i. d. g. F. online, ris.bka). Stf. LGBl.Nr. 83/2013 (i. d. g. F. online); davor (alle ris.bka). StF. LGBl Nr. 90/2005 (i. d. g. F. online, ris.bka). Stf. LGBl. Nr. 105/2013 (i. d. g. F. online); davor (alle ris.bka). StF. LGBl.Nr. 2/2006 (i. d. g. F. online, ris.bka). Stf. LGBl. Nr. 45/2013 (i. d. g. F. online); davor (alle ris.bka). Stf. LGBl. Nr. 42/2013 (i. d. g. F. online); davor LGBl. Nr. 3/2006 (ris.bka).
Siehe auch Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds (PRIKRAF)
Literatur Christina Herber: Beurteilungsansatz der Umsetzung der Gesundheitsreform 2005 – Einrichtung der „Bundesgesundheitsagentur“ bzw. der neun „Landesgesundheitsfonds“. Hrsg. v. Josef Weidenholzer, Kepler Universität – Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik, Linz, 2007 (pdf, ooegkk.at). Karl Lehner: 10 Jahre neue Krankenanstaltenfinanzierung in Österreich: eine kritische Betrachtung. Band 2 von WU health. Verlag facultas.wuv maudrich, 2008, ISBN 978-3-7089-0252-4 – Arbeit zur Umstellungsphase 1997–2005 ().
Weblinks
Einzelnachweise Die Landesgesundheitsfonds, Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, www.sozialministerium.at, abgerufen am 15. Juni 2020. Landesgesundheitsfonds, in Lexikon medizinischer Begriffe, gesundheit.gv.at
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