mini|Hannes Obermair an der Kōnan-Universität (2019) Hannes Obermair (* 25. August 1961 in Bozen) ist ein Südtiroler Historiker, Archivar und Ausstellungskurator. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Stadt- und Regionalgeschichte, Mittelalterforschung, Geschichte der Schriftlichkeit, Diplomatik und Editionen, Historiografiegeschichte, Faschismusforschung, Erinnerungskulturen und Public History.

Leben Nach dem Abitur am Franziskanergymnasium Bozen studierte Obermair von 1980 bis 1987 an den Universitäten Innsbruck und Wien Geschichte, Germanistik, Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie.Eduard Widmoser: Südtirol A–Z. Band 4: O–Z. Südtirol-Verlag Neuner, Innsbruck/München 1995, ISBN 3-87803-008-8, S. 17. Seine Promotion erlangte er mit der in Innsbruck eingereichten Dissertation Die Bozner Archive des Mittelalters bis 1500.Dissertation von Hannes Obermair (Universität Innsbruck, 1986). Von 1988 bis 1990 absolvierte er am Staatsarchiv Bozen eine zweijährige Ausbildung in Archivkunde, Paläographie und Diplomatik. In der Folge arbeitete Obermair für das Bayerische Hauptstaatsarchiv, das Österreichische Staatsarchiv und das Südtiroler Landesarchiv.Verband der Historiker Deutschlands, Verband Österreichischer Historiker und Geschichtsvereine, Allgemeine Geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz: Vademekum der Geschichtswissenschaften. Verbände, Organisationen, Gesellschaften, Vereine, Institute, Seminare, Lehrstühle, Bibliotheken, Archive, Museen, Dienststellen und Ämter sowie Historiker in Deutschland, Österreich und der Schweiz (= VGW, 4. Ausgabe 2000/01). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07672-7, S. 501 (books.google.de Teilansicht). Von 2002 bis 2017 war er für die Stadtgemeinde Bozen tätig, ab 2009 als Leiter des Stadtarchivs Bozen. Für die dort geleistete «friedensstiftende und völkerverständigende Aufarbeitung von Faschismus und Nationalismus» nahm er 2012 die Martin-Niemöller-Friedenstaube entgegen. Seit 2019 ist Obermair Senior Researcher (Philosopher-in-Residence) an Eurac Research in Bozen.

Obermair, der auch Research Fellow am Max-Planck-Institut für Geschichte sowie Lehrbeauftragter an den Universitäten Innsbruck und Trient sowie am Istituto Storico Italiano per il Medio Evo, abgerufen am 1. Dezember 2014. war bzw. ist, fungiert als Mitherausgeber und -redakteur der historischen Fachzeitschrift Geschichte und Region/Storia e regione, zu deren Gründerkreis von 1991/92 er gehört.Hans Heiss: Geschichte und Region/Storia e Regione. Eine Zwischenbilanz. In: Geschichte und Region/Storia e regione 20, 2012, H. 1–2, S. 163–172, hier S. 164. Er ist Vorstandsmitglied der De Statutis Society an der Universität Bologna, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Studi Trentini di scienze storiche und gehört dem Wissenschaftlichen Beirat der von der Universität Mailand herausgegebenen Studi di Storia Medioevale e di Diplomatica sowie dem Wissenschaftlichen Komitee des Jahrbuchs Ladinia an. Seit 2019 ist Obermair ordentliches Mitglied der Accademia degli Agiati in Rovereto. Im Jahr 2020 wurde er zum Fellow der Royal Historical Society in London gewählt.

Obermair rief während seiner Zeit am Bozner Stadtarchiv das Digitalisierungsvorhaben «BOhisto: Bozen-Bolzano’s History Online» ins Leben.Website von «BOhisto: Bozen-Bolzano’s History Online» Er gehörte der Historikergruppe an, die 2014 im Bozner Siegesdenkmal die zeithistorische Dokumentations-Ausstellung «BZ ’18–’45: ein Denkmal, eine Stadt, zwei Diktaturen» erarbeitete und hierfür 2016 eine Special Commendation im Rahmen der Verleihung des EMYA errang.Dino Messina: La storia cancellata degli italiani. Solferino, Milano 2022, ISBN 978-88-282-1079-5, S. 64. Im Jahr 2015 initiierte er die erstmalige Verlegung von Stolpersteinen in Bozen. Auch an der 2017 erfolgten Historisierung des monumentalen Mussolini-Reliefs an der Casa Littoria war er maßgeblich beteiligt.Karl Hinterwaldner: Von Hans zu Hannah. In: ff – Südtiroler Wochenmagazin, Nr. 44, 2. November 2017, S. 34–35.Zoey Poll: The Counter-Monument. Disempowering a memorial to Fascism. In: Harper’s Magazine, August 2020, S. 62–63 (online)Ruth Fulterer: Heute grüßt der Duce nicht mehr ungestört. Südtirol hat eine Lösung für seine fragwürdigen Denkmäler gefunden. In: Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 15. Juli 2020, S. 4.Robert Bevan: Monumental Lies. Culture Wars and the Truth about the Past. Verso, London-New York 2022, ISBN 978-1-83976-187-4, S. 26–27.

Seit 2010 ist Obermair Vorstandsmitglied der Südtiroler Sektion der italienischen Widerstandsvereinigung Associazione Nazionale Partigiani d’Italia und bekleidet seit 2021 die Funktion des Vizepräsidenten. Bei den italienischen Parlamentswahlen 2018 kandidierte er als Vertreter der Südtiroler Partei Grüne Verdi Vërc auf der Liste von Liberi e Uguali (LeU) im Einerwahlkreis Meran für den Senat, ohne ein Mandat zu erlangen. Im Mai 2018 wurde er von Politika – Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft als Politische Persönlichkeit des Jahres 2017 ausgezeichnet, da seine Tätigkeit „federführend im Bereich der Aufarbeitung, Kontextualisierung und Wahrnehmung faschistischer Denkmäler in Südtirol“ sei.Andrea Carlà: Personalità politica dell’anno: Hannes Obermair e il processo di storicizzazione dei monumenti fascisti. In: Politika 2018. Südtiroler Jahrbuch für Politik. Raetia, Bozen 2018, ISBN 978-88-7283-632-3, S. 354–371. Der 2021 gemeinsam mit Ariane Karbe gestaltete Podcast zur Ausstellung Der Äthiopische Mantel im Meraner Museum Villa Freischütz, die die Frage der Restitution von Raubkunst aufwarf, errang den ersten Preis seiner Kategorie im Rahmen des deutschen DigAMus Award.Die Gewinner des DigAMus Award 2021, abgerufen am 11. Oktober 2022.Villa Freischütz: Podcast – DigAMus-Award 2021, abgerufen am 12. November 2022.

Ausstellungen Mythen der Diktaturen. Kunst in Faschismus und Nationalsozialismus – Miti delle dittature. Arte nel fascismo e nazionalsocialismo, Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte, Schloss Tirol, 2019 (gem. mit Carl Kraus). „Großdeutschland ruft!“ Südtiroler NS-Optionspropaganda und völkische Sozialisation, Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte, Schloss Tirol, 2020/21. Der Äthiopische Mantel – Il mantello etiope – The Ethiopian Cloak, Museum Villa Freischütz, Meran, 2021 (gem. mit Ariane Karbe). Die andere Seite. Salpeterhandel und Villa Freischütz, Museum Villa Freischütz, Meran, 2025/26 (gem. mit Ariane Karbe und Laura Steinhilber).

Publikationen (Auswahl) (PDF)Aufmerksamer Beobachter seiner Lebenswelt, Blog Geschichte Kloster Muri, 19. August 2024. Auszug auf Klaus Grafs Weblog Archivalia vom 27. November 2024, abgerufen am 1. Dezember 2024 (doi:10.58079/12s28): »Lebenserinnerungen«.Vgl. dazu die Besprechung von David Neuhold in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte 119, 2025, S. 564–566.

Vgl. hierzu den Bericht auf Rai Alto Adige vom 7. November 2023 (Camicie nere in Alto Adige: il nuovo libro di Ferrandi e Obermair), abgerufen am 1. Dezember 2024.

Zur zugehörigen Ausstellung s. Vgl. dazu die Besprechung von Hans Heiss in: Studi Trentini. Storia Band 102, 2023, S. 247–250. Auszug auf ff – Südtiroler Wochenmagazin, H. 9, 4. März 2021 (Ein Land hält den Atem an), abgerufen am 1. Dezember 2024. Vgl. dazu die Ausstellungsbesprechung von Barbara Unterthurner: Bilder(-un-)kultur in Schwarz-Weiß. Schloss Tirol untersucht Systemkunst in Südtirol – beeinflusst von Nationalsozialismus und Faschismus. In: Tiroler Tageszeitung. 16. Juni 2019 (online) Vgl. dazu die Besprechung von Eden McLean in: Contemporary European History 30, H. 3, August 2021, S. 449–459 (doi:10.1017/S0960777320000545).

Vgl. dazu die Besprechungen von Guido Castelnuovo in: Francia-Recensio 2017, Nr. 3 (online); Romedio Schmitz-Esser in: Zeitschrift für Historische Forschung Band 44, 2017, S. 531–533 (online); Herwig Weigl in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters Band 72, 2016, S. 767–768.

Vgl. dazu die Besprechungen von Helmut Flachenecker in: Concilium Medii Aevi Band 15, 2012, S. 1001–1002 (online); Sami Ghosh in: The Medieval Review (Indiana University), 12. Mai 2021 (online)

Vgl. dazu die Besprechungen von Enno Bünz in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte Band 66, 2016, S. 164–165 (online); Elke Goez in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters Band 69, 2013, S. 673–674; Werner Maleczek in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 122, 2014, S. 430–432 (online) Vgl. dazu die Besprechungen von Dieter Girgensohn in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken Band 90, 2010, S. 647–649 (online); Werner Maleczek in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 119, 2011, S. 385–387 (online) Vgl. dazu die Besprechungen von Christoph Dartmann in: Historische Zeitschrift 290, 2010, H. 2, S. 467–468; Dieter Girgensohn in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken Band 90, 2010, S. 649–650 (online); Gerhard Köbler in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung Band 126, 2009, S. 528–529; Emanuele Curzel in: Studi medievali Band 50, 2009, S. 466–468; Gabriele Schlütter-Schindler in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte Band 75, 2010, S. 329–330; Johannes Kramer in: Zeitschrift für romanische Philologie Band 126, 2010, S. 769–770. Vgl. dazu die Besprechungen von Alan V. Murray in: Bulletin of International Medieval Research Band 12, 2006, S. 61–62; Gabriele Schlütter-Schindler in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte Band 69, 2006, S. 786–787; Dieter Girgensohn in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken Band 86, 2006, S. 886–887; Gerhard Köbler in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung Band 124, 2007, S. 504; Johannes Kramer in: Zeitschrift für romanische Philologie Band 123, 2007, S. 781–782. Vgl. dazu die Besprechung von Lothar Höbelt in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 117, 2009, S. 507. Vgl. dazu die Besprechung von Rainer Murauer in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 119, 2011, S. 262–263 (online)

Vgl. dazu die Besprechung von Pierre Monnet in: Revue de l'Institut français d'histoire en Allemagne. 1. Januar 2001 (online)

Literatur Andrea Carlà: Personalità politica dell’anno: Hannes Obermair e il processo di storicizzazione dei monumenti fascisti. In: Politika 2018. Südtiroler Jahrbuch für Politik. Raetia, Bozen 2018, ISBN 978-88-7283-632-3, S. 354–371. Hans Heiss: Mauerspringer und Mauersprenger. Der Historiker, der die Öffentlichkeit nicht scheut. In: ff – Südtiroler Wochenmagazin. Nr. 34, 26. August 2021, S. 59. (ff-bz.com) Hannes Hintermeier: Eurac Research. Mumien und noch viel mehr. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Online-Ausgabe vom 3. Dezember 2022. doi:10.1080/1369801X.2023.2292165 (PDF).

Radiofeature Das Stuben-Forum einer unbequemen Wissenschaft, Teil 2/3. Hannes Obermair über Bronisław Malinowski, Diskussionsreihe von Radio Freirad Innsbruck, Tiroler Volkskunstmuseum, 15. Oktober 2016, gesendet via cultural broadcasting archive: BÜCHS'N'RADIO vom 9. Dezember 2016, abgerufen am 1. Dezember 2020.

Weblinks

Literatur von Hannes Obermair auf ORCID

Hannes Obermair auf academia.edu und auf researchgate.net Fragebogen Hannes Obermair. In: ff – Südtiroler Wochenmagazin. Nr. 45, 26. August 2017, S. 59. Bücherwelten im Waltherhaus, Führung durch die Buchausstellung der Tirolensien, 26. Februar 2021. CH-OS Virtual tour of the Bolzano-Bozen Bas-Relief with Dr. Hannes Obermair, Vortrag für das EuroClio-MSA-Projekt Contested Histories Onsite, 7. April 2022.

Einzelnachweise

Kategorie:Mittelalterhistoriker Kategorie:Landeshistoriker Kategorie:Faschismusforscher Kategorie:Diplomatiker Kategorie:Archivar (Italien) Kategorie:Absolvent der Universität Innsbruck