Dieser Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der uruguayischen Fußballnationalmannschaft bei Weltmeisterschaften. Uruguay trug das erste WM-Turnier aus und wurde erster Weltmeister und ist zudem bis heute der einzige Weltmeister, der dies nicht in einem Finale wurde, da der WM-Titel 1950 in einer Finalrunde der besten vier Mannschaften errungen wurde. Neben ihren beiden Titelgewinnen waren die Uruguayer 1954, 2010 und 2018 beste südamerikanische Mannschaft, als sie als einzige südamerikanische Mannschaft das Halbfinale erreichten (1954 und 2010) bzw. von der FIFA als beste südamerikanische Mannschaft platziert wurden (2018).

Bilanz Mit zwei Titeln und dreimal Platz 4 rangiert Uruguay unter den zehn besten Nationalmannschaften bei Fußball-Weltmeisterschaften. (PDF; 126 kB). FIFA Von den acht Mannschaften, die bisher Weltmeister wurden, konnte sich Uruguay aber am häufigsten nicht qualifizieren (6×).

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 219 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay Finale Argentinien Weltmeister Alberto Suppici 1934 Italien nicht teilgenommen 1938 Frankreich nicht teilgenommen 1950 Brasilien Finalrunde Brasilien, Schweden, Spanien Weltmeister Juan López Maracanaço 1954 Schweiz Spiel um Platz 3 Österreich 4. Platz Juan López Erste WM-Niederlage 1958 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Paraguay gescheitert. 1962 Chile Vorrunde Sowjetunion, Jugoslawien, Kolumbien 12. Enrique Fernández Die letzte rein-südamerikanische Begegnung (Uruguay-Kolumbien) in einer WM-Vorrundengruppe. 1966 England Viertelfinale Deutschland 7. Ondino Viera Erste WM-Niederlage gegen einen Ex-Weltmeister 1970 Mexiko Spiel um Platz 3 Deutschland 4. Platz Juan Hohberg Halbfinalniederlage gegen den späteren Weltmeister Brasilien 1974 Deutschland Vorrunde Niederlande, Bulgarien, Schweden 13. Roberto Porta 1978 Argentinien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Bolivien gescheitert. Bolivien scheiterte später im interkontinentalen Play-off am WM-Endrundenteilnehmer Ungarn. 1982 Spanien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Peru gescheitert. 1986 Mexiko Achtelfinale Argentinien 16. Omar Borrás Früheste Rote Karte in einem WM-Spiel 1990 Italien Achtelfinale Italien 16. Óscar Tabárez 1994 USA nicht qualifiziert In der Qualifikation an Brasilien und Bolivien gescheitert. 1998 Frankreich nicht qualifiziert Als Tabellensiebter in der Südamerika-Qualifikation gescheitert. 2002 Südkorea/Japan Vorrunde Dänemark, Frankreich, Senegal 26. Víctor Púa Einziges WM-Spiel gegen einen Titelverteidiger 2006 Deutschland nicht qualifiziert Im interkontinentalen Play-off um die WM-Endrundenteilnahme an Australien gescheitert. 2010 Südafrika Spiel um Platz 3 Deutschland 4. Platz Óscar Tabárez Diego Forlán als bester Spieler ausgezeichnet 2014 Brasilien Achtelfinale Kolumbien 12. Óscar Tabárez Erste Vorrunde mit drei Ex-Weltmeistern (England, Italien und Uruguay) 2018 Russland Viertelfinale Frankreich 5. Óscar Tabárez In der Qualifikation als Gruppenzweiter qualifiziert. 2022 Katar Vorrunde Südkorea, Portugal, Ghana 20. Diego Alonso In der Qualifikation als Gruppendritter qualifiziert. 2026 Kanada, Mexiko und USA Vorrunde Kap Verde, Saudi-Arabien, Spanien37. In der im September 2023 begonnenen Qualifikation traten wieder alle zehn CONMEBOL-Mitglieder in Hin- und Rückspielen gegeneinander an. Die sechs bestplatzierten Mannschaften qualifizieren sich direkt für die WM-Endrunde 2026. Der Siebtplatzierte nahm als südamerikanischer Teilnehmer am WM-Play-off-Turnier im März 2026 teil und scheiterte dort. Uruguay qualifizierte sich als Vierter.

Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der uruguayischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Teilnahmeverzicht: zweimal (8,7 %; 1934 als qualifizierter Titelverteidiger und 1938) Nicht qualifiziert: sechsmal (26,1 %; 1958, 1978, 1982, 1994, 1998 und 2006) Sportliche Qualifikation (inkl. als Titelverteidiger): 13× (56,5 % bzw. 61,9 % der Versuche) Teilnahme ohne Qualifikation: zweimal (8,7 %; 1930, 1950) Vorrunde: fünfmal (21,7 %; 1962, 1974, 2002, 2022 und 2026) Achtelfinale: dreimal (13,0 %; 1986, 1990 und 2014) Viertelfinale: zweimal (8,7 %; 1966 und 2018) Spiel um Platz 3: dreimal (13,0 %; 1954, 1970 und 2010) 4. Platz: dreimal (13,0 %; 1954, 1970 und 2010) Finalrunde der besten Vier: einmal (4,3 %; 1950) Finale: einmal (4,3 %; 1930) Weltmeister: zweimal (8,7 %; 1930, 1950)

Häufigster letzter Gegner: Deutschland – dreimal (1966, 1970 und 2014, immer verloren)

Turniere mit maximal 16 Teilnehmern Die WM 1930 links|mini|Die ersten Weltmeister mini|Finalaufstellungen 1930

Nach den beiden Olympiasiegen 1924 und 1928 gewann Uruguay 1930 im eigenen Land auch die erste offizielle WM durch einen 4:2-Sieg gegen den Nachbarn Argentinien. Andrade, Star der Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1924 und 1928 erzielte zwar kein Tor, dirigierte aber die Mannschaft. Nach dem Finalsieg beendete er seine internationale Karriere. Im Finale kamen außer Andrade noch sechs weitere Spieler zum Einsatz, die zwei Jahre zuvor die olympische Goldmedaille gewonnen hatten: Héctor Castro, José Pedro Cea, Lorenzo Fernández, Álvaro Gestido, José Nasazzi und Héctor Scarone. In den Gruppenspielen, zu denen Uruguay erst fünf Tage nach dem ersten WM-Spiel startete, da das Estadio Centenario erst verspätet fertiggestellt wurde, konnte zunächst Peru durch das erste WM-Tor für Uruguay durch Héctor Castro mit 1:0 bezwungen werden. Im zweiten Spiel gegen Rumänien gelang dann ein 4:0 und im sofort daran anschließenden Halbfinale ein 6:1 gegen Jugoslawien, bei dem José Pedro Cea drei Tore erzielte.

Viele europäische Mannschaften hatten die Teilnahme am Turnier in Uruguay abgesagt, weil diese den weiten Weg nach Südamerika nicht unternehmen wollten bzw. konnten, obwohl Uruguay sogar finanzielle Unterstützung für die Reise und Unterkunft für die aus Europa anreisenden Mannschaften angeboten hatte. Da die uruguayische Fußballnationalmannschaft selbst 1924 und 1928 den weiten Weg nach Europa für die Olympischen Spiele unternommen hatte, empfand sie die Absage der Europäer als Beleidigung und nahm an den darauf folgenden Weltmeisterschaften in Europa nicht teil.

Die WM 1934 und 1938 An den Weltmeisterschaften in Italien und Frankreich 1934 und 1938 nahm Uruguay aus Protest nicht teil – obwohl als Titelverteidiger 1934 automatisch qualifiziert und obwohl Frankreich zu den wenigen Europäern gehörte, die 1930 teilnahmen. In der ewigen Rangliste musst Uruguay daher 1934 Platz 1 an den neuen Weltmeister Italien abtreten und fiel 1938 auf Platz 4.

Die WM 1950 links|mini|Die uruguayischen Weltmeister von 1950 mini|Aufstellungen im Maracanaço 1950

Da Peru und Ecuador vor Beginn der Qualifikation zurückzogen, konnte Uruguay ohne Qualifikationsspiele an der ersten WM im Nachbarland teilnehmen und da Schottland und die Türkei auf die Teilnahme verzichteten, mussten die von Juan López trainierten Uruguayer in der Vorrunde nur gegen Bolivien antreten. Das 8:0 ist der höchste WM-Sieg Uruguays. Die Sieger der vier Vorrundengruppen der Weltmeisterschaft 1950 – Brasilien, Spanien, Schweden und Uruguay – spielten in einer Endrunde im jeder-gegen-jeden-Modus den Titel aus. Brasilien, der haushohe Favorit, gewann die ersten beiden Spiele hoch und sah bereits wie der neue Weltmeister aus, da im letzten Spiel gegen das bis dahin nicht überzeugende Uruguay ein Unentschieden zum Titel gereicht hätte.

Vor fast 200.000 fanatischen Cariocas im Maracanã von Rio de Janeiro ging Brasilien zunächst mit 1:0 in Führung. Mitte der zweiten Hälfte glich Uruguay aus. Im Stadion herrschte lähmendes Entsetzen. Die Zuschauer verstummten, die brasilianischen Spieler erstarrten. Zehn Minuten vor Schluss gelang Uruguay der entscheidende Treffer zum Sieg.

Uruguay: Máspoli; M. Gonzales, E. Tejera; Gambetta, Varela, V. R. Andrade; Ghiggia, Perez, Míguez, Schiaffino, Moran.

Brasilien: Barbosa; Augusto, Juvenal; Bauer, Danilo, Bigode; Friaça, Zizinho, Ademir, Jair, Chico.

Schiedsrichter: Reader (England).

Torfolge: 0:1 Friaça (47.); 1:1 Schiaffino (65.); 2:1 Ghiggia (79.).

In der ewigen Rangliste verbesserte sich Uruguay noch einmal auf Platz 3.

Die WM 1954

Uruguay spielte bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz erstmals als Titelverteidiger bei einem WM-Turnier in Europa, war automatisch qualifiziert und gesetzt. Es spielte in der Gruppe 3 mit Österreich, der Tschechoslowakei und Schottland, musste aber gegen die gleichfalls gesetzten Österreicher aufgrund des einmaligen Modus nicht spielen. Uruguay wurde Gruppenerster ohne Punktverlust und ohne Gegentor. Im Viertelfinale bezwang der Weltmeister England mit 4:2 und traf im Halbfinale auf den hohen Titelfavoriten Ungarn. Ungarn war seit sechs Jahren unbesiegt, während Uruguay bis dahin noch nie ein WM-Spiel verloren hatte. Die Ungarn führten schnell mit 2:0, doch konnte Juan Hohberg in der 75. und 86. Minute ausgleichen. Die Verlängerung brachte schließlich den 4:2-Sieg für die Ungarn, und Uruguay war erstmals geschlagen. Im Spiel um den dritten Platz musste Uruguay dann doch gegen Österreich spielen und verlor mit 1:3. Stars dieser WM waren wie schon 1950 Maspoli und Schiaffino. Hinzu kam der spätere Mittelläufer von Real Madrid José Santamaría.

In der ewigen Rangliste konnte Uruguay letztmals Platz 1 erobern, da Italien bereits nach der Vorrunde und Brasilien im Viertelfinale ausgeschieden waren. Der neue Weltmeister Deutschland konnte sich zwar um sieben Plätze verbessern, hatte aber zuvor einen zu großen Abstand zu den Spitzenplätzen.

Die WM 1958 Erstmals trat Uruguay zu WM-Qualifikationsspielen an und musste gegen Kolumbien und Paraguay antreten. Da Paraguay die ersten drei Spiele gewonnen hatte, darunter ein 5:0 gegen Uruguay und Uruguay in Kolumbien nur ein 1:1 erspielte, war Paraguay schon vor dem letzten Spiel in Uruguay qualifiziert. Uruguay nützte das abschließende 2:0 gegen Paraguay dann nichts mehr und musste in der ewigen Rangliste Brasilien und Deutschland endgültig an sich vorbeiziehen lassen.

Die WM 1962

Für die WM in Chile hatte sich Uruguay in zwei Spielen (1:1 und 2:1) gegen Bolivien qualifiziert. Und nachdem sich Uruguay nicht für die WM 1958 qualifizieren konnte, sollte die Weltmeisterschaft 1962 in Chile wieder alte Erfolge zurückbringen, zumal die WM zum dritten Mal in Südamerika stattfand, wo Uruguay zuvor immer gewonnen hatte. Die Mannschaft wurde in Gruppe 1 gelost, wo sie auf die Sowjetunion, Jugoslawien und Kolumbien traf. Im ersten Spiel wurde Kolumbien mit 2:1 besiegt. Nach einer 1:3-Niederlage gegen Jugoslawien und einer 1:2-Niederlage gegen die Sowjetunion war Uruguay jedoch bereits in der Vorrunde ausgeschieden und die Amtszeit von Enrique Fernández beendet. In der ewigen Rangliste mussten die Uruguayer nun wieder Italien und auch Ungarn an sich vorbei ziehen lassen.

Die WM 1966