Dietrich Rauschtenberger (* 23. September 1939 in Schwelm; † 9. August 2026 ebendort) war ein deutscher Autor, Schauspieler und Jazzmusiker.
Leben und Wirken
Rauschtenberger fing Mitte der fünfziger Jahre an, Schlagzeug zu spielen; er war Mitglied verschiedener Dixieland- und Swing-Bands im Raum Wuppertal. 1960 traf er Peter Brötzmann; mit ihm und Peter Kowald gründete er 1961 ein Trio, das als eine der ersten Gruppen in Europa sich dem Free Jazz widmete. Seit den siebziger Jahren stellte er seine Texte zusammen mit seiner Musik in Musik-und-Literatur-Projekten vor. Er veröffentlichte Kurzgeschichten und Essays auch in verschiedenen Anthologien und der Zeitschrift Jazzthetik.
Von 1984 bis 1987 war Rauschtenberger Schlagzeuger im Komitee für optisch-akustische Interaktion mit Jochem Ahmann und anderen Künstlern und Musikern.
Seit 1986 war er in verschiedenen Theaterinszenierungen als Musiker oder Schauspieler aktiv. Mit Eugen Egner und Dietmar Wehr improvisierte er in der Gruppe Gorilla Moon. Er spielte weiterhin im Wuppertaler Improvisations-Orchester, im Trio mit Wolfgang Schmidtke und Christian Ramond und im Duo mit Paul Hubweber. Daneben führte er seine Solo-Performance Die Kunst ein Schlagzeug aufzubauen auf. 2005 wurde sein Hörspiel Wie wir den Free Jazz erfunden haben mit Rolf Becker als Sprecher produziert. Mit Hans Wißdorf und Axel Petry bildete er das Trio Einwandfrei. Gemeinsam mit dem „Stellwerk-Quartett“ mit Brigitte Gregor-Rauschtenberger, dem Wuppertaler Bassisten Klaus Harms und der Querflötistin Tanja Kreiskott machte er noch im Frühsommer 2026 letzte Musikaufnahmen.
Rauschtenberger engagierte sich viele Jahren bei Bündnis 90/Die Grünen, so war er in der Vergangenheit Vorsitzender des Stadtverbandes Schwelm. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2020 kandidierte er für den Gemeinderat.
1989 erhielt Rauschtenberger den Satirepreis des Literaturbüros Gladbeck für die Kurzgeschichte „Mehr Rohr“. 1994 wurde er mit dem Publikumspreis der 10. Wuppertaler Literaturtage für die Kurzgeschichte „Kramers Dackel“ ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm Just Call It Music von deufert&plischke mit zeitgenössischen Bildern und Filmfragmenten versucht ein Porträt des Künstlers.
Schriften Heute ist morgen gestern, Klinx, 1979 Von Menschen und Maschinen, Klinx, 1984 Mehr Rohr, Klinx, 1994 (Neuauflage Romanfürsorge Wuppertal, 2004) Jazz und Ikebana, Das fünfte Tier: Luzern 2009Besprechung (Musenblätter) Trombeck: Wie wir den Freejazz erfunden haben kuk Joachim Körber Verlag, 2015 Mit Kowald in Sibirien : Eine Reise zum Mittelpunkt Asiens Nacke, Wuppertal 2015 Blanck steigt aus Book on Demands Verlag, Norderstedt 2026
Diskographische Hinweise Open Field Musik (1976) Geru (1992, mit Andrew Solovyov, Peter Kowald und Alexander Kostikov) Wie wir den Free Jazz erfunden haben (2005) Gorilla Moon Zehn extemporierte Stücke (2007 mit Eugen Egner und Dietmar Wehr)
Literatur E. Dieter Fränzel: sounds like whoopataal. Wuppertal in der Welt des Jazz. Herausgegeben von der Jazz AGe Wuppertal. Klartext, Essen 2006, ISBN 3-89861-466-2.
Weblinks
Webpräsenz Besprechung Wie wir den Free Jazz erfunden haben
Einzelnachweise
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