Stauffenbergs Anschlag auf Hitler (Originaltitel: Operation Valkyrie: The Stauffenberg Plot to Kill Hitler) ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008 von Jean-Pierre Isbouts über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und das Attentat vom 20. Juli 1944. Der Film entstand mit Unterstützung der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944.
Inhalt Das Attentat vom 20. Juli Am 20. Juli 1944 betritt Claus von Stauffenberg das Büro von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in der Wolfsschanze, dem für die Ostfront zuständigen Führerhauptquartier in Ostpreußen. Stauffenberg soll Hitler über die Einsatzbereitschaft des Ersatzheeres Bericht erstatten. Keitel erklärt, dass das Treffen nicht wie üblich im Bunker, sondern im Konferenzraum der nahegelegenen Lagebaracke stattfinden wird. Stauffenberg gibt an, dass er vorher noch sein Hemd wechseln müsse. Keitels Adjutant Ernst John von Freyend führt ihn daraufhin zu einem Schlafraum. Unterdessen geht für Stauffenberg ein Telefonanruf von Erich Fellgiebel ein, dem General der Nachrichtentruppe. Stauffenberg lässt ausrichten, dass er zurückrufen werde. Keitel wartet bereits ungeduldig auf Stauffenberg und als dieser auftaucht, machen sie sich zum Konferenzraum auf, der auf der gegenüberliegenden Seite des Inneren Sperrkreises der Wolfsschanze liegt. Um 12:35 Uhr betritt Stauffenberg den Konferenzraum, sieben Minuten später wird der Raum von einer Explosion erschüttert.
Vorgeschichte 1934, ein Jahr nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, galt er als unumstrittener Herrscher in Deutschland und seine Partei, die NSDAP, hatte die alleinige Kontrolle über das Land. Oppositionsparteien waren im Reichstag verboten, viele Parteiführer wurden verhaftet. Nach dem Tod von Paul von Hindenburg verband Hitler das Amt des Reichskanzlers mit dem des Reichspräsidenten und wurde das alleinige Oberhaupt des Deutschen Reiches, deren Führer. Da Hitler mit Opposition von Seiten der Kirche rechnete, hatte Hitler bereits 1933 ein Konkordat mit dem Vatikan geschlossen. Große Teile der Kirche verhielten sich stillschweigend oder sogar loyal gegenüber dem Nazi-Regime. Einige wenige, wie der katholische Bischof Clemens von Galen oder die evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller kritisierten allerdings öffentlich die Tötung sogenannten „lebensunwerten Lebens“. Es existierten auch zivile Widerstandsbewegungen wie die an der Münchner Universität entstandene Weiße Rose. Die effektivste Widerstandsbewegung entstand jedoch, wo es die Gestapo am wenigsten erwartete hatte: in der Hierarchie der deutschen Wehrmacht.
Die ersten Keime des Widerstands bildeten sich im militärischen Nachrichtendienst und in der Behörde von Generaloberst Ludwig Beck, dem Chef des Generalstabs des Heeres. Die meisten von ihnen unterstützen in den ersten vier Jahren jedoch Hitlers Regime. 1938 waren die ersten Offiziere des Generalstabs besorgt, da Hitler viele Millionen in die Aufrüstung steckte und unter Verletzung des Versailler Vertrags Truppen in die entmilitarisierte Zone des Rheinlands beordert, sowie am 12. März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschieren ließ. Weder Frankreich noch Großbritannien unternahmen etwas dagegen. Der ehemalige Bürgermeister von Leipzig Carl Friedrich Goerdeler reiste nach London, um die britische Regierung zu bitten, Hitlers Forderungen nach Vereinnahmung der Tschechoslowakei nicht nachzugeben. Goerdeler war der Meinung, dass man einen neuen Krieg in Europa nur verhindern könnte, wenn die westlichen Alliierten, insbesondere Großbritannien, Hitler seine Grenzen aufzeigen würden. Während der Konferenz 1938 in München (Münchner Abkommen) gab jedoch Großbritanniens Premierminister Neville Chamberlain Hitlers Forderungen nach: Der westliche Teil der Tschechoslowakei und das Sudetenland wurden widerstandslos an Deutschland abgetreten.
Kriegsausbruch Hitler hatte nun (mit Ausnahme der polnischen) alle deutschsprachigen Gebiete zurückgewonnen und war nun auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die Kritik an Hitler innerhalb Deutschlands verstummte deshalb zunehmend. Hitler begnügte sich jedoch nicht mit seinen Erfolgen, sondern ließ am 15. März 1939 auch Truppen in Prag einmarschieren (Zerschlagung der Rest-Tschechei) und verstieß damit gegen das zuvor in München geschlossene Abkommen. Als Nächstes ordnete er die Vorbereitung von Fall Weiß an, dem Überfall auf Polen. Inzwischen waren auch Frankreich und Großbritannien alarmiert und warnten Hitler davor, dass jeder militärische Schritt gegen Polen einen neuen Weltkrieg zur Folge haben würde. In der Zwischenzeit unterzeichnete Hitler einen Nichtangriffspakt mit seinem Erzfeind, der Sowjetunion und hatte somit der Wehrmacht die rechte Flanke gesichert. Am 1. September 1939 erfolgte der Überfall auf Polen, daraufhin erklärte Frankreich und Großbritannien zwei Tage später Deutschland den Krieg. Am 17. September, als Polen in zwei Hälften geteilt wurde, marschierten die Russen von Osten her ein, womit der Widerstand der Polen sehr schnell endete. Obwohl Frankreich und Großbritannien offiziell den Krieg erklärt hatten, waren sie für diesen noch nicht bereit und konnten nichts gegen die Einnahme von Polen unternehmen.
Am 10. Mai 1940 stießen deutsche Truppen in den Ardennen gegen französische und britische Truppen vor, gleichzeitig griffen deutsche Truppen die Niederlande und Belgien an. Im sogenannten Blitzkrieg erreichten deutsche Truppen schließlich den Sieg gegen Frankreich. Am 22. Juni 1940 kam es zum Waffenstillstand von Compiègne. Hitler konnte in seinem Refugium auf dem Berghof (Obersalzberg) triumphieren, die Widerstandskämpfer waren demoralisiert, da sie die Öffentlichkeit aufgrund Hitlers militärischer Erfolge nicht mehr auf ihrer Seite sahen. Hitler plante inzwischen bereits seinen Feldzug gegen die Sowjetunion, Bedenken in der militärischen Führung wurden durch die jüngsten Erfolge weggewischt. Mit dem Unternehmen Barbarossa wurde am 22. Juni die Invasion der Sowjetunion gestartet. Hitler ließ die Truppen auf drei verschiedene Stoßtruppen aufteilen (Richtung Norden auf Leningrad, Richtung Süden zu den Ölfeldern des Kaukasus und eher schwach besetzt eine zentrale Stoßrichtung auf Moskau), was sich als fataler Fehler herausstellte. Wegen des Wintereinbruchs geriet die Invasion ins Stocken und der zentrale Vorstoß Richtung Moskau kam zum Erliegen. Nach dem Rückzug des Oberbefehlshabers des Heeres Walther von Brauchitsch übernahm Hitler persönlich die Kontrolle über alle militärischen Operationen im Osten. Am 7. Dezember 1941 führte der Angriff auf Pearl Harbor durch das Japanische Kaiserreich zum Kriegseintritt der USA, die sich bislang neutral verhielten.
Der Widerstand in der deutschen Wehrmacht bekam Auftrieb und Generaloberst Beck suchte nach gleichgesinnten Offizieren. Beck verstand, dass Deutschland nur noch eine Chance hatte, falls man ein Friedensabkommen mit dem Westen aushandeln könnte. Beck wandte sich an den Chef des Allgemeinen Heeresamtes General Friedrich Olbricht, der zugleich Adjutant von Generaloberst Fromm war, dem Befehlshaber des Ersatzheeres, dessen Behörde ihren Sitz in der Berliner Bendlerstraße hatte.
Stauffenberg Ebenfalls in Berlin befand sich ein junger Offizier im Generalstab des deutschen Oberkommandos: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Das Stauffenbergsche Adelsgeschlecht gehörte zu einer der ältesten aristokratischen Familien Süddeutschlands. Claus von Stauffenberg wurde 1907 auf Schloss Jettingen als dritter Sohn der katholisch-konservativen Familie geboren, sein Zwillingsbruder Konrad verstarb bereits einen Tag nach der Geburt. Die Familie wuchs anfangs in den privilegierten Verhältnissen auf, welche der deutsche Adel unter Kaiser Wilhelm II. genoss.
Die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und der darauffolgende Friedensvertrag von Versailles 1919 wurde von Stauffenbergs Familie als „nationale Demütigung“ angesehen. Als Claus davon erfuhr, dass Deutschland um einen Waffenstillstand gebeten hatte, soll er sogar in Tränen ausgebrochen sein. Er beschloss später Offizier zu werden, da er glaubte, dass das Offizierskorps im deutschen Leben schon immer als machtvolle, stabilisierende Kraft diente. 1926 trat er wie in seiner Familie üblich dem Reiter-Regiment 17 in Bamberg bei. Später schloss er sich freiwillig dem George-Kreis des Lyrikers Stefan George an und war Mitglied in dessen elitärem Zirkel Geheimes Deutschland. Der Zirkel träumte davon, dass Deutschland von einer Art „ästhetischer Elite“ geführt werden sollte, deren Ziel es sein sollte, Deutschland von innen heraus zu erneuern. Stauffenberg hoffte, dass sich der Kreis eines Tages erheben würde, um Deutschland wieder in eine „stolze Monarchie“ zu führen.
Stauffenberg lernte die 16-jährige Elisabeth Freiin von Lerchenfeld (genannt Nina) kennen. Nachdem der 23-jährige Claus zum Leutnant befördert worden war, hielt er 1930 um die Hand von Nina an, die seinen Antrag auch annahm. Das Paar wusste allerdings vom Armee-Reglement, nach dem eine Heirat verboten war, solange er nicht 27 Jahre alt war oder seine achtjährige Dienstzeit abgeschlossen hatte.
1923 litt die Weimarer Republik unter der Inflation, 1930 unter der Weltwirtschaftskrise. Wirtschaftliche Probleme und Unruhen ebneten den Weg für den Aufstieg von Adolf Hitler in die Politik. Stauffenberg empfand damals, dass viele Ideen der Nationalsozialisten mit den Idealen des George-Kreises übereinstimmten und unterstützte Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, einige Zeitzeugen gaben an, dass seine Reaktion auf Hitler geradezu enthusiastisch gewesen sein soll. In den adeligen und elitären Kreisen herrschte größtenteils Zustimmung für Hitler, da die Nationalsozialisten eine Art Wiedergeburt des Landes versprachen und ein Ende der Demütigungen aus dem Ersten Weltkrieg verhießen. Die Verheißungen und idealisierten Ziele, welche scheinbar mit den Zielen seines George-Kreises übereinstimmten, machten Stauffenberg anfangs blind für die grausame Wirklichkeit der Nationalsozialisten. Viele seiner späteren Mitverschwörer der Operation Walküre waren sich der Gefahr durch Hitler und der Nazis sehr viel früher bewusst als Stauffenberg.
Am 26. September 1933 konnte Claus dank einer Sondergenehmigung seine Nina in der Kirche St. Jakob in Bamberg heiraten, Claus trug dabei seine Uniform mit Stahlhelm. 1936 legte Stauffenberg die Aufnahmeprüfung für die Berliner Kriegsakademie ab. Sein älterer Bruder Berthold zog mit seiner Frau Mika ebenfalls nach Berlin, genauso wie der Cousin Caesar von Hofacker, der sich später ebenfalls dem Widerstand anschloss. Aufgrund hervorragender Noten an der Akademie erhielt Stauffenberg ein Reise-Stipendium für Großbritannien und verbrachte 1936 eine Woche in London. 1937 wurde Stauffenberg zum Hauptmann der Kavallerie befördert und 1938 als Zweiter Generalstabsoffizier zur 1. Leichten Division (später als 6. Panzerdivision bekannt) versetzt. 1939 war Stauffenberg Vater von drei Kindern (Franz Ludwig, Heimeran und Berthold), ein Jahr später wurde ein viertes Kind geboren (Valerie). 1938 kam es zur von der SA und SS ausgelösten Reichskristallnacht. Stauffenberg hatte zwar befürwortet, den jüdischen Einfluss in den Künsten und im öffentlichen Leben einzuschränken, Gewalt und Plünderungen gegenüber Juden verurteilte er allerdings. Als hochrangige Offiziere, darunter auch sein Onkel, ihn um Unterstützung bei einem Staatsstreich gegen Hitler baten, lehnte er dennoch ab. Er begann allerdings zunehmend das Nazi-Regime zu hinterfragen. Stauffenberg war später auch am 10. Mai 1940 dabei, als seine 6. Panzerdivision in Luxemburg und Belgien einfiel. Er wurde gegen seinen Willen von der Front abgezogen und zum Generalstab des Heeres versetzt.
Von Zweifeln zum aktiven Widerstand