mini|Sondhi Limthongkul spricht auf einer Versammlung der PAD (27. Februar 2006). Sondhi Limthongkul (, Aussprache: ; * 7. November 1947 in der Provinz Sukhothai) ist ein thailändischer Medienunternehmer und politischer Aktivist. Er ist der Gründer der Mediengruppe um die Tageszeitung Phuchatkan („Manager“) und den Satelliten- und Kabelfernsehsender ASTV. Von 2006 bis 2013 war er einer der prominentesten Anführer der Volksallianz für Demokratie (PAD), die als Bewegung der „Gelbhemden“ bekannt ist.

Herkunft, Bildung, Mediengeschäft Sondhi gehört der Volksgruppe der chinesischstämmigen Thailänder an. Sein Großvater wanderte Ende des 19. Jahrhunderts aus Hainan ein.Jean Baffie: Les Hainanais de Thaïlande. Une minorité tournée vers Bangkok plus que vers Haikou. In: Hainan. Von China nach Südostasien. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2000, S. 270. Sondhi studierte an der University of California, Los Angeles und der Utah State UniversityDeirdree Carmody: The Media Business; Thai Publisher Plans to Expand Empire in U.S. In: The New York Times. 12. Oktober 1992. Geschichte.Daniel Ten Kate, Anuchit Nguyen: Thai Protest Leader Sondhi Given 20-Year Jail Term for Fraud. In: BloombergBusinessweek. 28. Februar 2012.

Nach seiner Rückkehr nach Thailand arbeitete er zunächst als Journalist für die Zeitung Prachathippatai („Demokratie“), die 1973 den von Studenten ausgehenden Volksaufstand gegen die Militärregierung unterstützte. Im Jahr 1983 gründete er die auf Wirtschaftsthemen ausgerichtete Wochenzeitung Phuchatkan Rai Sapda („Manager Weekly“).Manager launches new weekly business paper. In: Chronicle of Thailand. 2009, S. 252. 1990 kam die Tageszeitung Phuchatkan Rai Wan („Manager Daily“) hinzu, die sich in erster Linie an jüngere, karrierebewusste Großstädter richtete.Status of Media in Thailand. In: Donald H. Johnston (Hrsg.): Encyclopedia of international media and communications. Band 4, Academic Press, 2003, S. 477. Im selben Jahr brachte er die Manager Media Group an die Börse.Justin Doebele: Too much, too soon. In: Forbes. 20. Oktober 1997. Sondhi vertrat mit seinen Publikationen die überwiegend chinesischstämmige Geschäftselite und strebte eine Beschränkung des Einflusses der Bürokratie an.Duncan McCargo: Thai Politics as Reality TV. In: The Journal of Asian Studies. Band 68, Nr. 1, Februar 2009 doi:10.1017/S0021911809000072, S. 8. Er unterstützte den Ministerpräsidenten Chatichai Choonhavan, der 1991 durch einen Militärputsch entmachtet wurde. Die Medien der Phuchatkan-Gruppe schrieben gegen die Junta von General Suchinda Kraprayoon, die sich selbst „National Peace Keeping Council“ (NPKC) nannte, indem sie deren Glaubwürdigkeit in Frage stellten.McCargo: Politics and the Press in Thailand. Media Machinations. Routledge, London, 2000. Sondhis Zeitung setzte sich für Bürgerrechte einGlen Lewis: Virtual Thailand: The Media and Cultural Politics in Thailand, Malaysia and Singapore. Routledge, Abingdon/New York 2006, S. 28. und drohte während des „Schwarzen Mais“ 1992 verboten zu werden, weil sie Bilder von den Massenprotesten gegen die militärgestützte Regierung und dem Militäreinsatz gegen die Demonstranten druckte.

In den 1990er-Jahren expandierte Sondhi über die Grenzen Thailands hinaus: 1992 brachte er das Hochglanz-Wirtschaftsmagazin Asia, Inc. auf den Markt, im Jahr 1995 folgte die Tageszeitung Asia Times, die als genuin-asiatisches, englischsprachiges Leitmedium für die Region konzipiert war.Stir-fried news. In: The Economist. 9. Dezember 1995. In Kommentaren und Leitartikeln bezog er für die Emanzipation asiatischer Staaten von westlichem Einfluss, für „asiatische Werte“ und für den Vorrang der wirtschaftlichen Entwicklung vor westlichen Vorstellungen von Menschenrechten Stellung.Gestohlene Tochter. In: Der Spiegel. Nr. 15/1996, S. 146–148. Im Jahr 1996 wurde Sondhis Vermögen auf 600 Millionen US-Dollar geschätzt.Patit Paban Mishra: The History of Thailand. S. 166. Er bezeichnete sich als „asiatischen Rupert Murdoch“.Richard Covington: Asian ‘Murdoch’ In Hard Times. Sondhi's Media Empire Ailing. In: International Herald Tribune. 8. Mai 1997. Sondhi gründete die gemeinnützige Chaiyong-Limthongkul-Stiftung, die Kultur und Wissenschaft förderte und deren Vorsitzender der Politikwissenschaftler und Verfassungsrichter Chai-anan Samudavanija war. Für seine Investitionen hatte er allerdings enorme Kredite aufgenommen. Als 1997 die Finanzkrise über Thailand und andere asiatische Länder hereinbrach, ging er bankrott.

Sondhi war ein Geschäftspartner des Telekommunikationsunternehmers Thaksin Shinawatra. Dieser unterstützte ihn beim Wiederaufbau seines Mediengeschäfts. Sondhi begrüßte im Gegenzug Thaksins Einstieg in die Politik und lobte ihn nach seinem Wahlsieg im Jahr 2001 als „besten Premierminister, den Thailand je hatte“.Gerald W. Fry, Gayla S. Nieminen, Harold E. Smith: Historical Dictionary of Thailand. 3. Auflage. Scarecrow Press, Lanham MD/Plymouth 2013, S. 307. Als das thailändische Verfassungsgericht über Korruptionsvorwürfe gegen Thaksin und ein mögliches Politikverbot für diesen entschied, stand Sondhi an seiner Seite. Phuchatkan drohte, dass eine Verurteilung Thaksins das Ende für Thailand wäre.Thitinan Pongsudhirak: The Tragedy of the 1997 Constitution. In: Divided Over Thaksin. 2009, S. 33.

Politische Aktivität als „Gelbhemden“-Führer Proteste gegen Thaksin 2005/06 mini|Sondhi moderiert Mueang Thai Rai Sapda (17. März 2006). Ab 2004 trat Sondhi jedoch als Kritiker Thaksins auf. Als Grund für den plötzlichen Bruch zwischen den beiden wird die Weigerung des Premiers vermutet, einen eigenen Fernsehsender Sondhis zuzulassen.Federico Ferrara: Thailand Unhinged. Unraveling the Myth of a Thai-style Democracy. Equinox Publishing, Singapur 2010, S. 45. Sondhi nutzte die Medien seiner Gruppe, um Vorwürfe der Korruption und des Machtmissbrauchs gegen den Regierungschef zu verbreiten. Im September 2005 wurde Sondhis wöchentliche Fernsehsendung Mueang Thai Rai Sapda („Thailand Weekly“), in der er das politische Geschehen kommentierte, von Kanal 9, der von der staatseigenen Rundfunkorganisation MCOT betrieben wird, abgesetzt.Michael J. Montesano: Political Contests in the Advent of Bangkok's 19 September Putsch. In: Divided Over Thaksin. 2009, S. 2. Dies wurde mit dem Vorwurf der Majestätsbeleidigung und einseitigen Angriffen Sondhis begründet, die zu Gerichtsverfahren geführt hatten. Sondhi erklärte das Ende der Sendung dagegen als politisch motiviert. Zuvor hatte Ministerpräsident Thaksin Sondhi wegen Verleumdung auf Zahlung von 500 Millionen Baht verklagt, weil dieser ihm angeblich Illoyalität gegenüber dem König vorgeworfen hatte.Sondhi's talk show axed by Channel 9. In: Chronicle of Thailand. 2009, S. 388.

Nach Ansicht des Südostasienwissenschaftlers Michael J. Montesano war die Absetzung von Mueang Thai Rai Sapda ein Wendepunkt, von dem an die Anti-Thaksin-Kräfte zur Massenbewegung anwuchsen.John Funston: Introduction. In: Divided Over Thaksin. 2009, S. xiv. Sondhi setzte die Sendung über Satellitenfernsehen und das Internet fort und zeichnete sie nun statt im Studio auf öffentlichen Versammlungen im Bangkoker Lumphini-Park auf.Michael Kelly Connors: Democracy and National Identity in Thailand. 2. Auflage. NIAS Press, Kopenhagen 2007, S. 269. Die Bewegung erhielt weiteren Auftrieb als im Januar 2006 bekannt wurde, dass Thaksin und seine Familie Anteile an ihrem Unternehmen Shin Corporation im Wert von 73 Milliarden Baht (2 Milliarden US-Dollar) an die staatliche singapurische Investmentgesellschaft Temasek Holdings verkauft hatten, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen.Montesano: Political Contests in the Advent of Bangkok's 19 September Putsch. 2009, S. 3–4.

mini|Sondhi (3. v.l.) mit den anderen Anführern der PAD (17. März 2006) Im Februar 2006 schloss sich Sondhi mit anderen regierungskritischen Aktivisten und Gruppen zur „Volksallianz für Demokratie“ (PAD) zusammen. An ihrer ersten Versammlung am 4. Februar nahmen schätzungsweise 50.000 Menschen teilMontesano: Political Contests in the Advent of Bangkok's 19 September Putsch. 2009, S. 4. und forderten den Rücktritt des Premierministers. Zu ihrem Erkennungszeichen wurden gelbe Hemden – die Farbe Gelb wird in der thailändischen Farbensymbolik mit dem Geburtstag des Königs Bhumibol Adulyadej assoziiert.People's Alliance for Democracy born. In: Chronicle of Thailand. 2009, S. 391. Sondhi nahm für sich und seine Bewegung in Anspruch, für den König zu kämpfen und vereinnahmte so die Monarchie für sein politisches Engagement. Durch seinen Privatsekretär sowie den Kronratspräsidenten Prem Tinsulanonda richteten Sondhi und die PAD ein Gesuch an den König, Thaksin zu entlassen und einen neuen Regierungschef zu ernennen.

War es der heterogenen PAD – der auch Gewerkschafter, Bauern, Demokratie- und Sozialaktivisten angehörten – zu Anfang noch um Themen wie die Ablehnung von Privatisierungen, Menschenrechtsverletzungen und Korruption gegangen,Connors: Democracy and National Identity in Thailand. 2. Auflage. NIAS Press, Kopenhagen 2007, S. 270. richtete Sondhi die Rhetorik der Bewegung mehr und mehr auf Nationalismus und Royalismus aus.James Ockey: Thailand in 2008. Democracy and Street Politics. In: Southeast Asian Affairs 2009. ISEAS Publications, Singapur 2009, S. 317.Puangthong R. Pawakapan: State and Uncivil Society in Thailand at the Temple of Preah Vihear. 2013, S. 57–59. Sondhi warf Thaksin aber nicht nur mangelnden Respekt vor der Monarchie und Streben nach Alleinherrschaft vor, sondern auch Zerstörung der Religion: Als ein Geistesgestörter im März 2006 die hochverehrte Statue des Gottes Brahma im Erawan-Schrein zerstörte, machte Sondhi den Premier dafür verantwortlich.Justin Thomas McDaniel: The Lovelorn Ghost and the Magical Monk. Practicing Buddhism in Modern Thailand. Columbia University Press, New York 2011, ISBN 978-0-231-15376-8, S. 155. Im Mai 2006 publizierte Sondhis Manager-Magazin eine Reihe von Berichten über das vermeintliche Finnland-Komplott, demzufolge Thaksin plante, die Monarchie abzuschaffen und Thailand in einen Ein-Parteien-Staat nach kommunistischem Vorbild zu verwandeln.Fry, Nieminen, Smith: Historical Dictionary of Thailand. 2013, S. 162–163. Zwei Tage nach dem Militärputsch am 19. September 2006 löste sich die PAD vorerst auf.

Proteste gegen die Regierung 2008 Nach dem Putsch moderierte Sondhi wieder eine Fernsehsendung, diesmal unter dem Titel Yam Fao Phaendin („Beschützer der Nation“). Sie wurde vom regierungseigenen Kanal 11 ausgestrahlt.Surayud cabinet under pressure. In: Chronicle of Thailand. 2009, S. 399. Nach der Rückkehr zur Demokratie und dem Wahlsieg der Thaksin-nahen Partei der Volksmacht im Dezember 2007 und der Regierungsübernahme durch Samak Sundaravej im Januar 2008 belebte Sondhi die „Gelbhemden“-Bewegung wieder. Er warf dem Premier und seiner Regierung vor, bloße Marionetten des ins Ausland geflohenen Thaksin zu sein. Im März 2008 wurde Sondhi wegen Beleidigung eines Regierungsbeamten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt,Freedom House: Freedom of the Press 2008. A Global Survey of Media Independence. Rowman & Littlefield, Lanham MD/Plymouth 2009, S. 322. die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

mini|Sondhi beim Begräbnis einer PAD-Aktivistin (13. Oktober 2008)