Kraineje (, , auch: ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk. Die ehemaligen Orte Dundeln und Pabuduppen/Finkenhagen sind verlassen.

Geographische Lage Kraineje liegt an der Scheschuppe (1938 bis 1945: Ostfluss) im Nordwesten des Rajon Krasnosnamensk nahe der Grenze zum Rajon Neman. Durch den Ort verläuft die Regionalstraße 27A-025 (ex R508), die ihn mit der einstigen Kreisstadt Neman (Ragnit, 17 km) sowie der jetzigen Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg, 17 km) verbindet. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Geschichte Juckstein Juckstein, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Juckstein in der Nähe von Kraupischken, zunächst Manstein genannt, war ein adeliges Gut, das um 1730 der Familie Manstein und um 1780 der Starostin von Biallosor gehörte. Es gab dort auch eine Rossmühle und eine Ziegelei. Später gelangte das Gut in den Besitz der Familie von der Groeben. Von Juckstein aus wurden auch das Gut Neusorge (, wurde offenbar im 19. Jahrhundert aufgegeben) und die beiden Dörfer Ackmenischken und Mickehnen verwaltet. Während Mi(c)kehnen im Laufe des 19. Jahrhunderts selbständig wurde, blieb Ackmenischken als Vorwerk Bestandteil des Gutsbezirks Juckstein. 1874 wurde auch ein Teil der Landgemeinde Dundeln (s. u.) als Vorwerk in den Gutsbezirk Juckstein eingegliedert, um dann um 1900 zum eigenständigen Gutsbezirk zu werden.

1874 wurde Juckstein namensgebend für einen neugebildeten Amtsbezirk im Kreis Ragnit.Rolf Jehke: Amtsbezirk Sandkirchen. Seit 1909 gehörte der Gutsbezirk Juckstein zum Amtsbezirk Raudszen.Rolf Jehke: Amtsbezirk Rautengrund. 1928 wurde er, nun im Kreis Tilsit-Ragnit gelegen, in eine Landgemeinde umgewandelt.

Etwa 1941 wurde auf dem Gemeindegebiet der Militärflugplatz Lobellen eingerichtet. In Folge des Zweiten Weltkrieges kam Juckstein 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkung 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 244 1871 221 Davon in Ackmenischken 47 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 252 Davon in Ackmenischken 41, in Dundeln [Vorwerk] 62, in Kattenau (ex Neusorge ?) 10 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 195 Davon in Ackmenischken 43 1910 224 1925Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, Band 67, 1927 232 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 206 1939 206

Söhne und Töchter des Ortes Johann Gottlieb Wilhelm von Manstein (* 16. Oktober 1729 im damals noch „Manstein“ genannten Dorf Juckstein; † 1800), preußischer General

Amtsbezirk Juckstein (1874–1909) Der Amtsbezirk Juckstein wurde im Jahr 1874 im Kreis Ragnit eingerichtet. Ihm gehörten folgende Landgemeinden (LG) und Gutsbezirke (GB) an:

Name Bemerkungen Alt Mikehnen (LG) hieß seit etwa 1900 Mikehnen Dannenberg (LG) Dundeln [Gut] (GB) seit etwa 1900 Juckstein (GB) Neu Krauleidszen (LG) Neu Mikehnen (LG) wurde um 1880 an Alt Mikehnen angeschlossen Wedereitischken (LG) Weedern[Ksp Budwethen] (LG) seit 1902 zum Ksp Wedereitischken

Im Jahr 1909 wurde der Amtsbezirk Juckstein aufgelöst und dessen Verwaltungseinheiten an die Amtsbezirke Budwethen (Dundeln [Gut]), Raudszen (Juckstein) und Wedereitischken (Dannenberg, Neu Krauleidszen, Mikehnen, Wedereitischken und Weedern) verteilt.

Dundeln

Dundeln, zunächst Dundullen genannt, war im 18. Jahrhundert ein königliches Bauerndorf. Im Jahr 1874 wurde aus der Landgemeinde Dundeln ein Anwesen als Vorwerk in den Gutsbezirk Juckstein (s. o.) umgegliedert (). Die restliche Landgemeinde gehörte seit dem gleichen Jahr zum neu gebildeten Amtsbezirk Budwethen im Kreis Ragnit.Rolf Jehke: Amtsbezirk Altenkirch. Das ausgegliederte Vorwerk bildete seit etwa 1900 den eigenständigen Gutsbezirk Dundeln im Amtsbezirk Juckstein und kam nach dessen Auflösung im Jahr 1909 in den Amtsbezirk Budwethen. Dort wurde der Gutsbezirk im Jahr 1928 wieder an die Landgemeinde Dundeln angeschlossen.

Auch Dundeln kam 1945 zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 191 1871 182 1885 58 In der Landgemeinde, zusätzlich im zu Juckstein gehörenden Vorwerk 62 1905 104 In der Landgemeinde 51, im Gutsbezirk 53 1910 96 In der Landgemeinde 35, im Gutsbezirk 61 1933 93 1939 80

Pabuduppen (Finkenhagen)

Pabuduppen, zunächst Papuduppen oder Kurschen genannt, war im 18. Jahrhundert ein königliches Bauerndorf. Seit 1874 gehörte die Landgemeinde Pabuduppen zum neu gebildeten Amtsbezirk Kackschen im Kreis Ragnit. 1909 gelangte sie in den Amtsbezirk Budwethen. Im Jahr 1929 wurden die beiden Landgemeinden Augskallen und Bejehnen (s. u.) an die Landgemeinde Pabuduppen angeschlossen. 1938 wurde Pabuduppen in Finkenhagen umbenannt.

Auch dieser Ort kam 1945 zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 119 1871 104 1885 146 1905 118 1910 133 1933 197 Einschließlich Augskallen und Bejehnen 1939 171 Einschließlich Behnen (Bejehnen) und Güldenflur (Augskallen)

Söhne und Töchter des Ortes Johann Wannagatis (; * 23. September 1869 in Pabuduppen), litauischer politisch-sozialer Aktivist und Journalist († 1946)

Bejehnen (Behnen)

Bejehnen, zunächst Beegenen genannt, war im 18. Jahrhundert ein königliches Bauerndorf. Die Landgemeinde Bejehnen gehörte seit 1874 zum neu gebildeten Amtsbezirk Kackschen und seit 1909 zum Amtsbezirk Budwethen. 1928 wurde sie an die Landgemeinde Papuschienen (s. o.) angeschlossen. Dort wurde der Ortsteil 1938 in Behnen umbenannt.

Über eine Wiederbesiedelung von Bejehnen/Behnen nach dem Zweiten Weltkrieg ist nichts bekannt. Der Ort ist verlassen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 105 1871 97 1885 87 1905 84 1910 67

Kraineje Im Jahr 1947 wurde Juckstein in Kraineje umbenannt und gleichzeitig dem Dorfsowjet Timofejewski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR „Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad“ vom 17. November 1947). In der Folge wurden auch die ehemaligen DundelnMöglicherweise nur das Gut und Pabuduppen/Finkenhagen zu Kraineje gezählt.Gemäß dem 1976 in Kaliningrad erschienenen russisch-deutschen Ortsverzeichnis Населенные пункты Калининградской области: краткий справочник. / Ред. В.П. Ассоров, В.В. Гаврилова, Н.Е. Макаренко, Э.М. Медведева, Н.Н. Семушина. - Калининград: Калининградское книжное издательство, 1976. Von 2008 bis 2015 gehörte Kraineje zur Landgemeinde Alexejewskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 50 2002Allrussische Volkszählung von 2002 35 2010Allrussische Volkszählung von 2010 35 2021Allrussische Volkszählung von 2021 34

Kirche Die Bevölkerung Jucksteins, Dundelns und Pabuduppens (bzw. Finkenhagens) war bis 1945 fast ohne Ausnahme evangelischer Konfession. Während Juckstein zum Kirchspiel der Kirche Groß Lenkeningken (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Großlenkenau, heute russisch: Lesnoje) gehörte, waren Dundeln und Pabuduppen (Finkenhagen) in das Kirchspiel der Kirche Budwethen (1938 bis 1946: Altenkirch, heute: Malomoschaiskoje) eingepfarrt. Beide Kirchen waren Teil der Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Kraineje im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Literatur Ernst Hofer: Am Memelstrom und Ostfluß. Düsseldorf 1967, Darin Juckstein S. 39–40.

Weblinks Kraineje bei bankgorodov.ru Kraineje bei prussia39.ru Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Juckstein Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Dundeln Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Finkenhagen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk