Das Franziskanerkloster war ein in der Kernstadt von Speyer gelegener Konvent der Franziskaner, der 1221 oder 1230 südlich der Moritzpfarrkirche und nordöstlich des Allerheiligenstifts errichtet wurde. Heute steht dort das Gebäude des Stiftungskrankenhauses.

Geschichte Das Speyerer Franziskanerkloster geht auf Cäsarius von Speyer zurück, der aus Speyer stammte und ab 1221 als erster deutscher Provinzial des 1210 gegründeten Ordens wirkte. Um 1222 erhielten die Franziskaner vom Speyerer Bischof Konrad III. von Scharfenberg das Leprosenhaus, das sich in der Nähe der Stadtmauer befand, als Unterkunft. Der erste Guardian des Klosters war Bruder Johann. An Mariä Geburt (8. September) 1223 hielt im Leprosenhaus der zuvor in Assisi zum neuen Provinzial ernannte Bruder Albert von Pisa ein Ordenskapitel ab, bei dem die Custoden für die verschiedenen deutschen Ordensbezirke ernannt wurden. Aufgrund einer Rede, die der spätere Provinzial Johann de Plano Carpinis in Speyer hielt, erhielten die Franziskaner noch weitreichendere Unterstützung durch den Bischof. Dieser gab ihnen die Erlaubnis, im Bistum Speyer zu predigen und Beichten abzunehmen. Diese Unterstützung ermunterte den Speyerer Canonikus Mitter schließlich, den Franziskanern im Jahre 1224 seine Wohnung zu schenken. Ob und wie die Franziskaner diese nutzten, ist unklar. Sicher ist, dass sie auch 1230, als die das Vermögen des Bruders Colini erhielten, noch im Leprosenhaus wohnten.

Bau der Klostergebäude 1230 erfolgte die Errichtung der Klosteranlage durch die Bürgerschaft der Stadt zwischen der damaligen Viehmarktgasse (heute Ludwigstraße), der Allerheiligengasse (heute Allerheiligenstraße zwischen Ludwigstraße und Abzweig Lindenstraße), der Herdgasse (heute Herdstraße) und einer nördlich der Petersgasse (heute Teil der Allerheiligenstraße) verlaufenden Gasse, die wegen des Klosters später den Namen Brudergasse erhielt. Zu der Anlage erhielten die Franziskaner von der Bürgerschaft zusätzlich einige Stiftungen.

Im Verlauf vieler Jahre wuchsen die Besitztümer des Klosters, sodass es schließlich Besitzungen in Berghausen, Diedesfeld, Dudenhofen, Hanhofen, Mühlhausen und Rupertsberg hatte. 1260 tauschten die Brüder vom Domkapitel den Frohnhof ein und bekamen von Haverne eine Tonne Heringe geschenkt. Im Rahmen des Armutsstreits im Franziskanerorden zwischen den Observanten und den Konventualen schlossen sich die Brüder des Speyerer Klosters bei der Teilung des Ordens 1517 den Konventualen (Minoriten) an, denen Eigentum erlaubt war. Um das Jahr 1500 war die Stadt Speyer sehr daran interessiert, dass die Franziskaner die strenge Observanz übernähmen, da die Stadt die Kontrolle über die Güter des Klosters anstrebte; die Speyerer Franziskaner konnten sich dem jedoch mit Unterstützung ihrer Ordensprovinz erfolgreich widersetzen.Max Heinrichsperger: Speyer. Franziskaner-Konventualen und Terziarinnen. In: Alemania Franciscana Antiqua V (1959) S. 48–83, hier S. 65.

Ebenso wie die Dominikaner waren die Franziskaner in der Bevölkerung lange Zeit sehr angesehen. Dies führte dazu, dass die Franziskaner und Dominikaner in Speyer bleiben durften, obwohl alle Geistlichen, sogar der Bischof, 1421 infolge von Streitigkeiten mit dem Rat durch die Bürgerschaft vertrieben wurden. Infolge dieser Vertreibung wurde Speyer ab dem Johannisabend (24. Juni) von Truppen des Bischofs von Speyer, der Kurfürsten von der Pfalz, von Trier und von Mainz und des Erzbischofs von Salzburg belagert. Diese Belagerung musste aber wegen eines kaiserlichen Befehls aufgegeben werden.

Der Sittenverfall und seine Folgen Am Ende des 16. Jahrhunderts verfielen die Sitten der zwei oder drei verbliebenen Brüder – früher waren es zeitweise 60 gewesen – sehr stark. Sie überließen die Gebäude dem Verfall, verschleuderten das Vermögen, ignorierten ihre Pflicht zum Gottesdienst und überließen sich der Trunkenheit und , was einen schlechten Einfluss auf die Klarissen im St.-Klara-Kloster in Altspeyer hatte und sie zum Gespött der Protestanten machte, weshalb die Katholiken sehr verärgert waren. Als Papst Gregor XIII. davon hörte, ordnete er durch seine Bulle vom 9. Juli 1580, die zu Remlings Zeit im Kreisarchiv (heute Landesarchiv, sofern nicht im Zweiten Weltkrieg zerstört) lagerte, die Auflassung des Klosters und die Übergabe sämtlicher Besitzungen an den Bischof von Speyer an, der zugleich die Vollmacht erhielt, zu entlassen und im Kloster innerhalb eines Jahres eine katholische Jungenschule einzurichten. Diese Bulle wurde am 9. September 1580 von Kaiser Rudolph II. bestätigt, aber, vermutlich durch das Eingreifen des Ordensoberen, nicht ausgeführt. Nachdem wieder Ordnung eingekehrt war, erhielt das Kloster erneut reiche Zuwendungen. Besonders wichtig war das Vermögen, das ihnen der Sexpräbendar Rudger Eding(er) 1598 überließ, da es durch dieses möglich war, wieder 20 Brüder aufzunehmen. Hier S. 690 und 691.

Neubau des Klosters In den folgenden Jahren verfiel das Kloster aufgrund der zu geringen Einkünfte weiter. Um einen Neubau zu finanzieren, baten die Brüder beim Bischof um Erlaubnis, im Bistum Geld sammeln zu dürfen. Diese Erlaubnis erteilte schließlich Bischof Philipp Christoph im Jahr 1629. Im Jahr 1630 erlaubte der Bischof dem Guardian Johann Ludwig a Musis, der zugleich Provinzial der Oberdeutschen (Straßburger) Franziskanerprovinz (Provincia Argentina) war, zu der Speyer gehörte, Geld für die Einrichtung eines philosophischen Lehrstuhls zu sammeln. Allerdings scheint die Sammlung für den Neubau, wohl auch wegen der unruhigen Zeiten, nur wenig Geld gebracht zu haben, da Bischof Johann Hugo von Orsbeck im Jahr 1679 eine weitere Erlaubnis für eine Sammlung zum Neubau des baufälligen Klosters gab. 1677 wurde hier die Adelige Agnes Apollonia Elisabeth von Neuneck, letzte Angehörige ihres Geschlechtes und Kanonissin in Münsterbilsen, beigesetzt.

Beim Stadtbrand 1689 brannte das Kloster bis auf die Grundmauern nieder, sodass die Brüder wie die übrigen Bewohner die Stadt verlassen mussten. Nach der Rückkehr der Brüder erschien ein Neubau, für den sie sich sehr stark einsetzten, unbedingt nötig. Zur Finanzierung desselben erhielten sie am 5. April 1698 von Bischof Johann Hugo einen neuen Sammelbrief, welcher von Damian Hugo Philipp von Schönborn 1722 bestätigt wurde. 1735 wurde das Kloster fertiggestellt und die Kirche geweiht.

Die französische Revolution Wegen des Ausbruchs der französischen Revolution kamen am 2. August 1792 kaiserliche Truppen von Schwetzingen nach Speyer und nutzten alle Klöster als Unterkunft oder Lazarett. Nur das Klara-Kloster blieb von einer Umnutzung verschont, musste aber im Gegenzug die im Lazaretthaus , dem früheren Heilig-Grab-Kloster, untergebrachten acht Feldbäcker samt Familien versorgen. Der Truppenkern zog bereits wenige Tage später in Richtung Frankreich ab, sodass nur noch 3000 aus Mainz und Ungarn stammende Männer in Speyer blieben.

Der Untergang des Klosters begann mit der Belagerung Speyers durch französische Truppen unter General Custine, die am 30. September 1792 um die Mittagsstunde begann und mit der Eroberung wenige Tage später endete. Die erste schwerwiegende Folge der Eroberung war die Anweisung von General Custine, mit der er am 10. Oktober alle Ordensbrüder und Nonnen auf das Kriegskommissariat rief und ihnen dort mitteilen ließ, dass sie innerhalb von 24 Stunden 2100 Gulden zu zahlen hätten. Im Gegensatz zu den Klarissen gelang den Franziskanern die Zahlung der geforderten Summen offenbar nicht, da der Beichtvater der Nonnen, ein franziskanischer Ordenspriester, als Geisel nach Landau in der Pfalz verschleppt wurde. Nach der später dennoch erfolgten Zahlung wurde er wieder freigelassen. Schon am nächsten Tag verließen die Franzosen nach 10 Tagen die Stadt und zogen in ihr Lager bei Edesheim und Rußdorf. Während ihres Aufenthalts hatten die Truppen die österreichischen Proviant-Magazine geleert beziehungsweise zerstört, alle Schiffe in Brand gesetzt und Teile der Stadtmauer abgerissen und die Gräben aufgefüllt. Die Truppen rückten am 18. Oktober nach Mainz vor und übernahmen die Festung. Kurz danach kamen erneut französische Truppen nach Speyer, die am 12. November alle Nahrungsmittel der Klöster aufnahmen. Am 13. November wurde der erste Freiheitsbaum aufgestellt. Am 25. November wurde die alte Verwaltung aufgelöst, der Ratskonsulent Petersen zum Maire ernannt und ein weiterer Freiheitsbaum aufgestellt. Auch unter den Franziskanern wuchs ebenso wie unter den Klarissen nun die Angst, ähnlich wie die Klöster in Frankreich all ihre Besitzungen zu verlieren. Es war aufgrund der Bewachung unmöglich, wertvolle Objekte über den Rhein zu bringen.

Für die Bewohner der Stadt wuchsen die Lasten, die durch die Einquartierung entstanden, und auch das rohe Benehmen der Soldaten stellte eine große Last dar. Darüber hinaus konfiszierten die Soldaten Schilder und sperrten die Läden. Ähnlich wie die Klarissen wurden wahrscheinlich auch Karmeliten gezwungen, ein genaues Verzeichnis des Eigentums, von Schuldbriefen und Einkünften des Klosters zu erstellen und an die Administration in Mainz zu schicken. Darüber hinaus erhielten sie von der Mairie den Befehl, einen Eid auf die Zivilverfassung des Klerus abzulegen, was sie wahrscheinlich ablehnten. Dieser Schwur fand für die Katholiken in der Franziskanerkirche statt und für die Protestanten in der lutherischen Kirche. Nachdem der Befehl am 27. Februar für die Geistlichkeit wiederholt worden war, flohen die Geistlichen heimlich und verkleidet in der Nacht.

Da preußische und österreichische Truppen näher kamen, begannen die Republiktreuen alles, was sie transportieren konnten, wegzufahren, und zündeten am 31. März, dem Ostersonntag 1793, die Heu- und Strohmagazine an. Auch das Franziskanerkloster wollten sie anzünden, ließen sich aber durch Bestechung davon abhalten. Gegen drei Uhr zogen schließlich österreichische Truppen mit etwa 7.000 Mann in Speyer ein, am 2. April kamen zusätzlich 5.000 Soldaten aus der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt mit ihrem Landgrafen und General Wurmser in die Stadt. Ihnen folgten über die folgenden Tage verteilt weitere Truppen und Gefangene. Im Franziskanerkloster lagerten damals 180 Kanoniere, deren , während das Heu für die Pferde in der Kirche lagerte. Am 21. Mai schien wieder Ordnung einzukehren, denn der alte Stadtrat wurde wieder eingesetzt und die Revolutionsordnung damit abgeschafft. Am 27. Juni erlitten die Franzosen bei Germersheim und der Johanniterkomturei Hainbach eine schwere Niederlage. Doch dieser Sieg der Deutschen Truppen bedeutete nicht, dass die Franziskaner und viele Ordensmänner in ihr Kloster zurück durften, da es nun Gefängnis für 225 Franzosen war und die Kirche weiterhin als Heumagazin diente. Die drei verbliebenen Patres und ein Laienbruder mussten sich eine andere Unterkunft suchen.

Der Frieden erwies sich letztlich als trügerisch, da man am 28. Dezember 1793 überall in der Stadt hörte, dass sich die deutschen Truppen nach ihrer Niederlage bei Salmbach zurückzogen. Infolge dieser Nachrichten flohen viele Menschen, wahrscheinlich auch die drei Franziskaner, den Rhein entlang. Am Abend, als die Franzosen Speyer bereits erobert hatten, überquerten schließlich bei Mannheim die kaiserliche Reserveartillerie und 2000 Menschen mit unzähligen Fuhrwerken den Rhein. Die drei Brüder, der Guardian Bernhard Weck († 1803 in Würzburg) und die Patres Friedrich Hoffmann und Martialis Kirsch gelangten in das Kloster in Würzburg.Max Heinrichsperger: Speyer. Franziskaner-Konventualen und Terziarinnen. In: Alemania Franciscana Antiqua V (1959) S. 48–83, hier S. 82f.

Ende des Klosters