Der Malaysia-Airlines-Flug 17 (Flugnummer MH17) war ein internationaler Linienflug der Malaysia Airlines von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Am 17. Juli 2014, in den Anfangstagen des russisch-ukrainischen Krieges, wurde das Flugzeug vom Typ Boeing 777-200ER von Russland mit einer russischen Luftabwehrrakete des Typs Buk M1 über dem Osten der Ukraine abgeschossen. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Der frühere russische Geheimdienstoberst Igor Girkin wurde von einem Gericht in den Niederlanden in Abwesenheit mit zwei weiteren Angeklagten im November 2022 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Im Mai 2025 erklärte der Luftfahrtrat der Vereinten Nationen und im Juli 2025 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Russland als für den Abschuss von Flug MH17 verantwortlich. Russland leugnet jede Schuld an dem Vorfall.
Überblick Der Malaysia-Airlines-Flug 17 (Flugnummer MH17 sowie Codesharing mit KLM-Flug KL4103) war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Die Boeing 777-200ER mit dem Kennzeichen 9M-MRD stürzte zwischen 16:20 Uhr und 16:25 Uhr ukrainischer Ortszeit auf de.flightaware.com, 18. Juli 2014, abgerufen am 25. Juli 2014. nahe der Stadt Tores in der Ostukraine ab, wobei Trümmerteile über eine Fläche von 35 Quadratkilometern verstreut wurden. (PDF; 754 kB) Karte des Absturzgebiets auf www.government.nl, 10. August 2014, abgerufen am 14. Februar 2016.Map of a Tragedy: How MH17 Came Apart Over Ukraine. auf graphics.wsj.com, Juli 2014, abgerufen am 31. Juli 2014.Sam Webb: First aerial images emerge showing the 8 square miles of devastation caused by shot down MH17. In: Daily Mail. 21. Juli 2014 (englisch).
Nach Erkenntnissen der technischen Untersuchung wurde das Flugzeug durch eine aus Russland stammende Flugabwehrrakete des Typs Buk M1 abgeschossen. Trümmer der mobilen Lenkwaffe wurden vom russischen Hersteller Almas-Antei am 2. Juni 2015 am Abschussort identifiziert.MH17: Bildbearbeitungsvorwürfe gegen Russland. In: heise online (09:55h: „Traces of Buk 9M38M1 missile fragments found on remains of MH17 Boeing – manufacturer“). Sowohl die Bergungsarbeiten als auch die Ermittlungen wurden durch die Kriegshandlungen im Osten der Ukraine erschwert, in deren Rahmen die Rakete abgefeuert worden war. Laut der internationalen Strafermittlung stammte die Buk-Rakete von der in Kursk stationierten 53. Luftabwehrbrigade der russischen Streitkräfte.Investigators identify Russian military unit in downing of flight MH17. In: Reuters. 24. Mai 2018.MH17-Abschuss: Ermittler machen russische Armee für Flugzeugabschuss verantwortlich. In: Zeit Online. 24. Mai 2018. Von dort aus wurde die Lenkwaffe in die Ukraine zu einem von prorussischen Rebellen kontrollierten Feld in der Nähe von PerwomajskyjTagesschau, abgerufen am 29. September 2016. transportiert, dort abgefeuert und der Raketenwerfer am selben Tag zurück nach Russland gebracht. Der Transport und Rücktransport des Raketenwerfers geschah in einem Fahrzeugkonvoi der russischen Streitkräfte.Flight International, 5. Juni 2018 (englisch), Untersuchungsbericht, S. 22.MH17 missile owned by Russian brigade, investigators say. In: BBC. 24. Mai 2018. Das Untersuchungsteam identifizierte etwa 100 Menschen, die an dem Transport des Raketenträgers und dem Abschuss beteiligt waren.Tim Hume und Claudia Rebaza: MH17 shot down by Buk missile brought from Russia, say investigators. In: BBC. 28. September 2016.Toby Sterling und Anthony Deutsch: Malaysian flight MH17 downed by Russian-made missile: prosecutors. In: Reuters. 28. September 2016.Eva Hartog: A 'Long Haul' Still Ahead for Russia and Flight MH17 Crash. In: Moscow Times. 28. September 2016.
Die Länder des Gemeinsamen Ermittlungsteams (englisch: Joint Investigation Team JIT) verständigten sich darauf, ein UNO-Tribunal anzustreben.Christian Weisflog: «Wir haben Tausende von Telefonmitschnitten». In: Neue Zürcher Zeitung. 17. Juli 2015 (Interview mit Fred Westerbeke). Elf Länder im UNO-Sicherheitsrat stimmten am 29. Juli 2015 für ein UNO-Tribunal; Russland legte dagegen sein Veto ein. Nachdem Russland die Einrichtung eines Sondertribunals blockiert hatte, wurden vier mutmaßliche Täter in den Niederlanden vor Gericht gestellt; am 17. November 2022 wurden drei der vier Angeklagten für ihre Beteiligung am Abschuss zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Zwei weitere offene Verfahren sind vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) anhängig.
Alle 298 Insassen, darunter 80 Kinder und 15 Besatzungsmitglieder, kamen ums Leben. Der Vorfall gehört somit nach Anzahl der Opfer zu den zehn schwersten Katastrophen der Luftfahrt. Zudem handelt es sich sowohl um den opferreichsten Absturz in der Ukraine als auch des Flugzeugtyps Boeing 777. Für Malaysia Airlines war es – nach dem Verschwinden von Malaysia-Airlines-Flug 370 im März 2014 – der zweite Totalverlust innerhalb weniger Monate und verdrängte den Iran-Air-Flug 655 von 1988 als tödlichsten Flugabschussunfall.
Flugzeug Das Flugzeug vom Typ Boeing 777-200ER mit dem Luftfahrzeugkennzeichen 9M-MRD und der Seriennummer 28411 war die 84. produzierte Boeing 777. Nach seinem Jungfernflug am 17. Juli 1997 wurde es am 29. Juli 1997 an Malaysia Airlines geliefert. Die Maschine war somit bis zu ihrem Absturz 17 Jahre im Dienst. Sie war mit zwei Triebwerken vom Typ Rolls-Royce Trent 892 und 282 Sitzplätzen für Passagiere ausgestattet. Die letzte Generalüberholung (D-Check) hatte 2013 stattgefunden; am 16. November ging das Flugzeug wieder in Betrieb. Die letzte Inspektion erfolgte laut Malaysia Airlines am 11. Juli 2014 auf dem Flughafen Kuala Lumpur, während die niederländische Flugunfalluntersuchungsbehörde OVV den 16. April als Zeitpunkt der letzten kleinen Inspektion (A-Check) nannte. Die nächste Wartung war für den 27. August 2014 geplant. Nach Angaben des Betreibers befand sich das Flugzeug in einwandfreiem Zustand; der Hinflug nach Amsterdam verlief ohne technische Probleme. Insgesamt hatte die Maschine 75.322 Flugstunden bei 11.434 Flügen absolviert. Die Untersuchung fand auch keine Irregularitäten in den Abläufen während der Standzeit des Flugzeuges in Amsterdam.
Passagiere und Besatzung Staatsangehörigkeit Anzahl 192 43darunter sämtliche (15) Besatzungsmitglieder 27 12 9 4 4 3 1 1 + 1 + 1
An Bord waren 298 Menschen: 283 Passagiere und 15 malaysische Besatzungsmitglieder. Die vier Piloten der Langstreckenbesatzung waren der 50-jährige Wan Amran Bin Wan Hussin und der 45-jährige Eugene Choo Jin Leong (Kapitäne) sowie der 29-jährige Ahmad Hakimi Bin Hanapi und der 27-jährige Muhamad Firdaus Bin Abdul Rahim (Copiloten).
Sechs der Passagiere, darunter der AIDS-Forscher Joep Lange und seine Partnerin und Mitarbeiterin Jacqueline van Tongeren, waren auf dem Weg zur 20. Welt-AIDS-Konferenz in Melbourne.MH17: AIDS conference organisers name six delegates killed in crash. auf theguardian.com, 19. Juli 2014, abgerufen am 16. September 2014. auf aidsfonds.nl, abgerufen am 16. September 2014. In dem Flugzeug befanden sich auch der sozialdemokratische niederländische Abgeordnete Willem Witteveen, seine Ehefrau und seine Tochter. Zudem befanden sich unter den Opfern der australische Schriftsteller Liam DavisonVictorians among those killed in MH17 crash: Premier. auf www.bendigoadvertiser.com.au, 18. Juli 2014, abgerufen am 30. Juli 2014. sowie die malaysische Theater- und Filmschauspielerin Shuba Jaya, die zusammen mit ihrem Ehemann Paul Goes und ihrem Kind starb. auf www.themalaysianinsider.com, 19. Juli 2014, abgerufen am 30. Juli 2014.
Flugverlauf mini|Verlauf des Malaysia-Airlines-Fluges 17 mini|Flugverlauf von MH17 und SQ351 um 12:55–13:27 UTC mit Luftraum-Sperrzonen
Das Flugzeug war um 10:31 Uhr UTC (12:31 Uhr Ortszeit) auf der Bahn 36C des Flughafens Schiphol in Amsterdam gestartet und überquerte Deutschland und Polen, bevor es den ukrainischen Luftraum erreichte. auf www.flightradar24.com. Die Flugroute war durch Eurocontrol und die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) freigegeben worden. Die westliche Ukraine überflog MH17 in einer Höhe von 33.000 Fuß (ca. 10,06 km).Nach Angaben von Malaysia Airlines sah der Flugplan für die Westukraine eine Höhe von 35.000 Fuß vor, die Fluglotsen hätten jedoch 33.000 Fuß zugewiesen (siehe auf malaysiaairlines.com vom 18. Juli 2014). Laut vorläufigem Untersuchungsbericht des OVV, Seite 11, sah der Flugplan hingegen 33.000 Fuß vor. Um 12:53 Uhr UTC fragten die Fluglotsen an, ob MH17 auf die im Flugplan vorgesehene Höhe von 35.000 Fuß steigen könne, auch um Platz für eine von Nordwesten auf 33.000 Fuß herannahende Maschine – Singapore-Airlines-Flug SQ351 – zu machen. Die Piloten lehnten dies jedoch ab, woraufhin SQ351 auf 35.000 Fuß stieg.Preliminary report; Crash involving Malaysia Airlines Boeing 777-200 flight MH17; Hrabove, Ukraine – 17 July 2014. auf onderzoeksraad.nl, 9. September 2014, abgerufen am 9. September 2014 (PDF).Full flight history for Singapore Airlines flight SQ351. auf flightradar24.com, abgerufen am 9. September 2014. vom 20. September 2014.
In der Umgebung der MH17-Flugroute gab es mehrere Gewitter. Gegen 13 Uhr genehmigte die Flugverkehrskontrolle eine wetterbedingte Abweichung von der vorgesehenen Route in nördliche Richtung, während sie einen angefragten Anstieg auf 34.000 Fuß ablehnte. Das Flugzeug drehte etwas nach links und erreichte den Luftraum um Donezk, der bis zu einer Höhe von 32.000 Fuß (ca. 9,75 km) gesperrt war. Um 13:20 Uhr befand es sich etwa 7 km nördlich der geplanten Route und nahe der Ortschaft Rossypne, als der Funkkontakt mit den Fluglotsen abbrach. Die Aufzeichnungen des Cockpit-Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers stoppten um 13:20:03 Uhr UTC bei einer Flughöhe von 33.000 Fuß und normaler Reisegeschwindigkeit. Die Maschine setzte keinen Notruf ab; die Daten- und Tonaufzeichnungen bis zum Ausfall der Systeme zeigten keine Unregelmäßigkeiten. Nur die Mikrofon-Aufzeichnung im Cockpit zeigt in den letzten 20 Millisekunden vor Ende der Aufzeichnung zwei Geräuschausschläge.Rapport van eerste bevindingen wijst op externe oorzaak crash MH17. auf onderzoeksraad.nl, 9. September 2014, abgerufen am 9. September 2014 (niederländisch). Vom russischen Militär veröffentlichte Radar-Aufzeichnungen zeigen einen plötzlichen Geschwindigkeitsverlust der Maschine kurz nach 13:20 Uhr UTC; sie bewegte sich nun in einer Drehung in nordöstliche Richtung und verschwand 90 Sekunden später mit einer Geschwindigkeit über Grund von 200 km/h vom Radarschirm. Das Radargerät erfasste Objekte oberhalb von 5 km Flughöhe.Брифинг Минобороны России по катастрофе Boeing 777 около Донецка. (russisch/englisch): Vom russischen Militär am 21. Juli 2014 veröffentlichte Radaraufnahmen der südöstlichen Ukraine am 17. Juli 2014 um 13:19 bis 13:25 Uhr UTC; YouTube-Kanal des Außenministeriums der Russischen Föderation, 22. Juli 2014, abgerufen am 15. Mai 2015. Die Korrektheit mancher während dieser Pressekonferenz gemachten Aussagen ist umstritten.
Die Haupt-Überreste, das waren der hintere und mittlere Flugzeugteil, legten nach dem Raketentreffer den größten Weg zurück und wurden beim Dorf Hrabowe aufgefunden, der „Hauptabsturzstelle“ etwa 12 km nördlich von Tores (Oblast Donezk) und 8,5 km ostnordöstlich der letzten bekannten Flugposition. Die übrigen Trümmer stürzten steiler zu Boden und verteilten sich über ein näher am Detonationspunkt liegendes langgestrecktes Gebiet von Hrabowe bis zum 6 Kilometer westlich gelegenen Rossypne – dort lag der unmittelbar nach der Detonation abgerissene Cockpitbereich – und weiter nach Nordwesten bis in die Nähe des 3000-Einwohner-Ortes Olchowatka.
Die Rakete wurde von einem Feld bei Perwomajskyj gestartet.Closing speech of the Public Prosecution Service day 2 - 21. Dezember 2021