mini|Eduard Pelz (vor 1858) „Lassen wir die arbeitsame Demuth leben, so wird sie uns leben lassen. Ed. Pelz genannt Treumund Welp“Portraits-Catalog: Verzeichnis aller Portraits welche in Deutschland bis Ende des Jahres 1857 erschienen und noch vom Verleger zu beziehen sind mit Einschluß einer großen Anzahl ausländischer Portraits und mit Angabe der Verleger und Ladenpreise bearb. von Johann Heitzmann. Widmayer, München 1858, S. 208 (google.de).

Wilhem Eduard Ludwig Pelz (geboren am 9. September 1800„Pelz, Eduard – Deutsche Biographie. Lebensdaten: 1801–1876“. In der Deutschen Biografie ist das Geburtsjahr versehentlich fehlerhaft. Vgl. Mittheilungen über die Verhandlungen des Landtags II. Kammer des Königreichs Sachsen. Nr. 58 vom 29. Mai 1850 (S. 1855) sowie DNB und VIAF. in Penig, Königreich Sachsen; gestorben am 14. Mai 1876 in Gotha) war ein deutscher Buchhändler, Verleger, Politiker, Publizist, Reiseschriftsteller und 1848 Mitglied des Frankfurter Vorparlaments. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Treumund WelpNach Vater Pelz, S. 218, Ist Welp die Abkürzung seiner drei Vornamen (Wilhem Eduard Ludwig) und des Nachnamens. und Johannes Horniß.Eduard Pelz (Treumund Welp): Die Stellung der Arbeiter bei der Landwirthschaft. Ein Nichtgehaltener Vortrag. S. 2.

Leben Eduard Pelz erlernte von 1815 bis 1818 den Beruf eines Buchhändlers bei der „Hallischen Waisenhausbuchhandlung“ in Halle. Er setzte seine Ausbildung 1819 in Leipzig und bis 1825 in Kopenhagen fort. Danach war er in Breslau in der „Kornschen Buchhandlung“ tätig. In Breslau lernte seine Ehefrau Henriette kennen und vermählte sich mit ihr. 1826 wird er Teilhaber an der Buchhandlung „J. D. GrüsonJohann David Grüson (* 27. April 1780; † 7. November 1848). & Co.“, die er 1828 übernahm.

1836 gründete er gemeinsam mit Georg Arnold Eggers (1791–1851) die Firma „Eggers & Pelz“ (auch „Eggers & Comp“.) in St. Petersburg. Im Herbst 1836 erwarb er ein Freigut in Seitendorf bei Waldenburg und wurde so Freigutsbesitzer. Von 1836 bis 1839 lebte er in Sankt Petersburg, betrieb dort den Verlag Eggers & Pelz und erkundete das Land. Im Frühjahr 1839 verließ er Russland, begab sich auf seinen Gutshof und begann seine Eindrücke aus dem Zarenreich in verschiedenen Büchern wiederzugeben.Petersburger Skizzen. Ab 1840 beschäftigte er sich mit dem Elend der Weber, speziell der Leinenweber,Siehe: „Stand der Leinwand-Angelegeheit“. und kritisierte die Rückständigkeit des preußischen Kommunalrechts.

In keiner anderen preußischen Provinz gab es zwischen 1842 und 1848 eine so starke Bewegung der Demokraten wie Eduard von Reichenbach, Eduard Pelz, Friedrich Wilhelm Schlöffel, Wilhelm Wolff, Karl Friedrich Wilhelm Wander und Moritz Elsner. Die preußischen Behörden nannten ihre Agitation „Aufreizung gegen die adligen Gutsbesitzer“. Schlöffel, Wander und Pelz wurden zu Haftstrafen verurteilt, andere konnten der Polizei entkommen.

Nach dem Weberaufstand in Peterswaldau und Langenbielau vom 4. bis 6. Juni 1844 suchte die preußische Regierung Friedrich Wilhelm Schlöffel, Wilhelm Wolff, Alexander Schneer, Isidor Pinoff, Eduard PelzKempter Zeitung Nr. 123, 2. August 1844, S. 503. (books.google.de).Zeitung für die elegante Welt. Nr. 32, 7. August 1844, S. 512. (google.de).Jakob Eduard Singer, Metternich Konfident schrieb am 10. August 1844: . und andere schlesische Demokraten als angeblich verantwortliche Rädelsführer des Weberaufstands zu kriminalisieren, obwohl keiner von ihnen in den Orten des Aufstandes gewesen war.Arbeiterunruhen. In: Carl von Rotteck, Carl Welcker (Hrsg.): Supplemente zur ersten Auflage des Staats-Lexikons oder der Encyklopädie der Staatswissenschaften. 1. Band. Johann Friedrich Hammerich, Altona 1846, S. 255 ff. (google.de). So etwa Wilhelm Stieber in seinem Practisches Lehrbuch der Criminal-Polizei. A. W. Hayn, Berlin 1860, S. IV.Practisches Lehrbuch der Criminal-Polizei (books.google.de). Graf von Arnim-Boitzenburg verfolgte Pelz zuerst wegen „literarischer Aufreizungen“,„Die Dorfgerichte in Preußen“; „Die Patrimonial-Gerichtsbarkeit“; „Die Gebirgsdistrikte. Über den Einfluß der Fabriken und Manufakturen in Schlesien“. dann wegen frechen und unehrerbietigen Tadels und Verspottung der Landesgesetze. Am 24. Juli 1844 wurde Eduard Pelz in Schweidnitz verhaftet. Ehefrau Henriette Pelz besuchte den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. persönlich, um ihn zu bitten ihren Mann aus der Haft zu entlassen. Der König lehnte das ab.Singer am 2. September 1844. (Hans Adler, S. 50.) Hennriette bat am 13. August Bettina von Arnim ihr zu helfen.Tagebücher aus dem Nachlaß Varnhagen’s von Ense. Band 2. Brockhaus, Leipzig 1861, S. 352. (google.de). 1845 wurde Pelz mit Urteil des „Kriminalsenats des Oberlandesgerichts in Breslau gegen den ehemaligen Buchhändler, jetzigen Bauerngutsbesitzer Eduard Pelz vom 24. Februar 1845 wegen frechen und unehrerbietigen Tadels und Verspottung der Landesgesetze und Anordnungen im Staate‘ sowie Majestätsbeleidigung und Urteil des zweiten Senats des gleichen Gerichts gegen Pelz vom 19. August 1845“ bestraft.

Im Februar 1845 startete Wilhelm Wolff seine Auseinandersetzung mit Pelz.Aus Schlesien. In: Das Westphälische Dampfboot. Bielefeld Februar 1845, S. 89–94. Er warf ihm vor ein „Liberaler“ zu sein, der zwar den preußischen Staat richtigerweise anklagt, aber gleichzeitig nicht erkennen würde, dass die sogenannten „Armen“ nichts davon hätten, bedauert zu werden, und dass dem Proletariat mehr zustehe als Mitleid. Ein Zurück zur Handarbeit der Leineweber habe keine Chance gegen das Maschinensystem.Leider sind Eduard Pelz' Antworten in der Zeitschrift „Freikugeln“ noch nicht digital einsehbar. Wolff antwortete jedenfalls im Juli 1845 sehr scharf.Herr Pelz: In: Das Westphälische Dampfboot. Bielefeld Juli 1845, S. 419–424 Einer abermals drohenden Verhaftung wegen Pressevergehen Anfang 1846 entzog Wolff sich durch Flucht nach London und Anfang April 1846 nach Brüssel.

Bei seiner Biografie über Peter den Großen, die 1848 erschien, ließ sich Pelz sehr stark von Friedrich Christoph Schlossers Werk „Geschichte des 18. Jahrhunderts“ leiten. Außerdem hat sein „Freund“ Heinrich Wuttke Korrektur gelesen und Verbesserungen angebracht.Geschichte Peters des Großen (1848), S. 335.

Pelz wurde in der Provinz Schlesien in das Vorparlament gewählt,Bundesarchiv: Mitglieder des Vorparlaments und des Fünfzigerausschusses (PDF; 79 kB). In: Heinrich Best, Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Droste, Düsseldorf 1998, ISBN 3-7700-0919-3, S. 18. das vom 31. März bis zum 4. April 1848 in der Frankfurter Paulskirche tagte. Er stimmte u. a. mit Friedrich Kapp und Nikolaus Tituss ab. Er gründete gemeinsam mit Christian Essellen die Allgemeine Arbeiter-Zeitung: Organ für die politischen und sozialen Interessen des arbeitenden Volkes, zugleich Zeitung des Arbeiter-Vereins zu Frankfurt a. M. Der Arbeiterverein (am 14. Mai 1848 gegründetMax Quarck, S. 126.) hatte bald an die 2000 Mitglieder und wurde Ende Mai 1848 auf Antrag von 125 Bürgern aufgelöst und die beiden Anführer aus Frankfurt ausgewiesen. Daraufhin starteten sie eine Eingabe in der siebenten Sitzung der Nationalversammlung „um Freisprechung der sogenannten politischen Verbrecher in ganz Deutschland“, unterzeichnet vom Vorstand des Frankfurter Arbeitervereins Christian Esselen, Eduard Pelz, Heinrich Klein und Moritz Löwenstein im Namen von 1972 Mitgliedern, vorgelegt vom Abgeordneten Franz Zitz. Dagegen erhob der Frankfurter Bürger Friedrich Funck Widerspruch. Der Petitionsausschuss unter Vorsitz von Gabriel Rießer lehnte den Antrag am 6. Juni 1848 ab.Verhandlungen der deutschen verfassunggebenden Reichsversammlung zu Frankfurt am Main. Erster Band. Frankfurt am Main 1848/49, S. 4, 12, 13, 49, 115. (google.de). Die beiden Redakteure nahmen auch am Frankfurter Barrikadenaufstand im September 1848 teil.Max Quarck: Die erste Frankfurter Arbeiterzeitung.

Im Dezember 1848 wies Herzog Georg vom Herzogtum Sachsen-Altenburg Eduard Pelz aus wegen seiner Herausgabe der „Allgemeine Volkszeitung Altenburg“.Die Zustände des Herzogthums Altenburg in ihrem wahren Lichte dargestellt von einem Altenburger. H. A. Pierer, Altenburg 1849, S. 70 f. (opacplus.bsb-muenchen.de).Siehe dazu auch die beiden Schriften von Ed. Pelz: Das Wort als That. Ein Gutachten und besonders Eine Ausweisungsgeschichte mit den ganzen Akten gegen Pelz und seiner Ehefrau Henriette.

Laut dem „Allgemeinen Polizei-Anzeiger“ 1851 soll Pelz am „20. Jun. 1850“ mit der „Gaston“ nach New York emigriert sein. Eine Bremer Quelle nennt aber unter diesem Datum „20.06.1850“ Kapitän „Charles Edward“ das Schiff „Poppe, J G“.Abfahrtsdaten von Auswandererschiffen. Ein Gemeinschaftsprojekt mit der Handelskammer und dem Staatsarchiv Bremen.Anzeiger für die Politische Polizei Deutschlands auf die Zeit vom 1. Januar 1848 bis zur Gegenwart. Ein Handbuch für jeden deutschen Polizeibeamten. Hrsg. von r. Liepsch und Reichhardt, Dresden 1855, S. 50, 106, 228.

Während Pelz schon im New-Yorker Exil angekommen war, verhandelte die II. Kammer im Königreich Sachsen noch darüber, ob der „Ausländer“ Eduard Pelz in seine Geburtsstadt einreisen darf oder nicht. Auf Grund eines Gesetzes von 1831 wurde ihm die Rückkehr in seine Geburtsstadt verwehrt.Mittheilungen über die Verhandlungen des Landtags II. Kammer des Königreichs Sachsen. Nr. 58 vom 29. Mai 1850 Dresden.Aus Erfurt. In: Europa. Chronik der gebildeten Welt Hrsg. Gustav Kühne. Nr. 36 vom 4. Mai 1850, S. 288. (google.de).

Eduard Pelz beschäftigte sich überwiegend während seiner Emigrationszeit und danach mit der Auswanderungsfrage, besonders der Deutschen nach Nordamerika.Erstmals schrieb Pelz 1847 in seiner Schrift Patriotische Betrachtungen darüber. Unter Auswanderungsfrage verstand er nicht nur Reiseführer, sondern auch die Weitergabe von rechtlichen und geografischen Angaben sowie Details über die speziellen Probleme der Deutschen Auswanderer in der anglo-amerikanischen Wirklichkeit. „Eduard Pelz (…) ist wie Dr. A. Petermann in seinen Mittheilungen sagt, der Rath eines in hohen Grade sachverständigen und zuverlässigen Mannes, der das wahre Wohl der Auswanderer im Auge hat“.Deutsche Roman Zeitung. 8. Jg. 4. Band. Otto Janke, Berlin 1871, Sp. 713. (google.de).„Vorwort“ im Buch von Ed. Pelz: „Einige Worte über die Verschiedenheit der Ansichten in Betreff der Auswanderung“.

Von April bis August 1866 hielt er sich in Hamburg auf.Siehe Deutsche Industrie-Zeitung. Chemnitz vom 5. April 1866 und sein „Vorwort“ in: Die Auswanderung, mit besonderer Beziehung auf Minnesota und Britisch Columbia. von Thomas Rawlings. S. 18. Ab 1869 bis zu seinem Lebensende wohnte er in Gotha. Das gothaische Staats-Ministerium empfahl seine Schriften bezüglich der Auswanderung nach Minnesota.Steiger’s Literarischer Monatsbericht. 2. Band. 1870, S. 40. (google.de).

Am 14. Mai 1876 starb Eduard Pelz in Gotha. Seine Gothaer Kollegen widmeten ihm einen Nachruf.Der Hausfreund. 19. Jg. Leipzig 1876, Nr. 39 und 40.

Familie Pelz war mit der KochbuchautorinPraktisches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen enthaltend leicht verständliche und genaue Anweisungen zum Kochen, Braten, Einmachen, Getränkebereiten, Pökeln, Räuchern ec. ; nebst einem nach den Jahreszeiten geordneten Küchenzettel ; ein unentbehrliches Handbuch für angehende Hausfrauen, Köchinnen und alle … / hrsg. von Henriette Pelz. 5., verb. und verm. Aufl. Korn 1865 (Auch u.d.T.: Pelz, Henriette: Schlesisches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen); Kochbuch für Haus und Schule. Neubearb. v. Martha Rößner u. Käte Hendewerk. 13. Aufl. Korn, Breslau 1934. Henriette PelzPelz, Henriette. In: Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder. 2. Band: M–Z. Berlin 1898 (deutschestextarchiv.de). geborene von SchimpfVater Pelz, S. 213., seit ca. 1826 verheiratet. Sie starb vermutlich 1864 in Philadelphia.