Märkisch Buchholz (bis 1888 meist Buchholz, danach bis 1937 Wendisch Buchholz; ) ist eine Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Sie ist die kleinste Stadt Brandenburgs und die achtkleinste in Deutschland. Die Stadt gehört seit 1992 zum Amt Schenkenländchen.
Geografie Die Stadt liegt an der Dahme. Im Ortsbereich mündet der Dahme-Umflutkanal in die Dahme. Die Gegend wurde während der Eiszeiten überformt. Die Stadt selber liegt in einer Talsandfläche und bietet mit den Krausnicker Bergen und der dort erhaltenen höchsten geologischen Terrasse im Gebiet einige geografische Besonderheiten. Außerdem befindet sich die Stadt in einem möglichen Abflussgebiet der Spree, welche mit dem Dahme-Umflutkanal ausgenutzt wird.
Stadtgliederung Zur Stadt Märkisch Buchholz gehört laut ihrer Hauptsatzung der Stadtteil KöthenHauptsatzung der Stadt Märkisch Buchholz, der sich etwa 6 km südöstlich vom Stadtkern am Südufer des Köthener Sees befindet. Wohnplätze der Stadt sind Neuköthen am nördlichen Ufer des Köthener Sees, Siedlung auf der linken Seite des Dahme-Umflutkanals sowie Herrlichenrath nördlich von Märkisch Buchholz.
Geschichte Frühgeschichte bis Mittelalter Die Besiedlung des Gebietes um Buchholz ist schon seit der Steinzeit belegt. Es wurden verschiedene Siedlungsplätze im Bereich des Dahmetals, bei Köthen und im weiteren Umfeld gefunden. Bei weiteren Ausgrabungen konnten Urnen, Äxte und Schmuck in die Bronzezeit datiert werden.Geschichte, Webseite des Fremdenverkehrsvereins Märkisch Buchholz, abgerufen am 21. Dezember 2015. Die Slawen hinterließen im Bereich des Dorfes Köthen eine Siedlungsstätte. Im Mittelalter siedelten hier überwiegend Wenden (Sorben). Die Besiedlung der Stadt aus deutscher Sichtweise wird in das 12. und 13. Jahrhundert gelegt. Dabei finden die ersten urkundlichen Nennungen im Konflikt der Markgrafen von Meißen mit dem Markgrafen aus askanischem Hause statt. Es wird vermutet, dass der Ort damals als Burgbefestigung mit einer angeschlossenen Siedlung angelegt war. Diese Vermutung wird durch die erste urkundliche Nennung belegt, welche die Gegend am 3. August 1301 als castrum et oppidum Bucholt beschreibt. Aus dem 13. und 14. Jahrhundert wurden bei Ausgrabungen zahlreiche Gegenstände des täglichen Bedarfs sichergestellt, aber auch die Überreste eines Wehrgrabens. Der Ort lag in einer sehr konfliktreichen Gegend und wurde bis ins Jahr 1443 mehrmals verkauft, verschenkt, eingenommen oder als Lehen weitergegeben. Auslöser für diese Unruhen dürfte das Aussterben der brandenburgischen Askanier im Jahre 1319 gewesen sein. Erst im Jahre 1443 kam der Ort endgültig zu den Besitzungen des Markgrafen von Brandenburg. Es folgten Jahre relativer Ruhe.
Frühe Neuzeit mini|hochkant|Kirche mini|Mahlstein der ehemaligen Wassermühle Der Dreißigjährige Krieg brachte dem Ort umfangreiche Verwüstungen. Am Ende des Krieges waren von der Bausubstanz nur ärmliche Hütten geblieben. Über 65 % der Bevölkerung waren ausgelöscht worden. Nach dem Krieg konnte sich allmählich ein Bürgertum etablieren, und es wurde mehr und mehr Gewerbe angesiedelt. 1642 gründete sich als erste Zusammenkunft die Innung der Schneider; 1715 fanden sich die „Weiß-Kuch-Bäcker im Hochhfreyherrlichen Städtlein“ zusammen.Fremdenverkehrsverein Tor zum Spreewald (Hrsg.): „Willkommen in Märkisch Buchholz/Köthen – Tor zum Spreewald“, 1. Auflage, März 2017, S. 30.
Sozial- und Wirtschaftsstruktur um 1700 Einen detaillierten Einblick in die Lebensverhältnisse des Ortes bietet ein Urbar der Herrschaft Buchholz aus dem Jahr 1700, das nach der Wiedereinlösung der Herrschaft durch Otto Wilhelm Schenk von Landsberg angelegt wurde. Zur Erfassung der Besitz-, Abgaben- und Dienstverhältnisse wurden die Bürger einzeln befragt; ihre Angaben zu Grundstücken, Rechten und Verpflichtungen wurden protokolliert.Evamaria Engel: Kleine Stadt oder großes Dorf? Märkisch Buchholz um 1700. In: Festschrift für Lieselott Enders, S. 171–181. Das Urbar verzeichnet 55 Bürgerstellen, darunter fünf Ganzhüfner-, drei Halbhüfner-, 31 Kossäten- und 16 Büdnergüter. Die Wirtschaftsweise war überwiegend landwirtschaftlich geprägt; Ackerbau, Viehhaltung sowie die Nutzung der Wald- und Heideflächen bildeten die Grundlage des Lebensunterhalts. Zugleich zeigt das Verzeichnis eine deutliche soziale Differenzierung innerhalb der Bürgerschaft.Evamaria Engel: Kleine Stadt oder großes Dorf? Märkisch Buchholz um 1700. In: Festschrift für Lieselott Enders, S. 171–181. Die Einwohner hatten Geld-, Natural- und Dienstabgaben zu leisten und waren zu Hand- und Spanndiensten für die Herrschaft verpflichtet. Im Gegenzug besaßen sie Nutzungsrechte in Wald und Heide. Die protokollierten Befragungen dokumentieren zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen Herrschaft und Einwohnern über Umfang und Rechtmäßigkeit dieser Verpflichtungen.Evamaria Engel: Kleine Stadt oder großes Dorf? Märkisch Buchholz um 1700. In: Festschrift für Lieselott Enders, S. 171–181. Trotz ihrer ausgeprägt agrarischen Struktur unterschied sich die Siedlung deutlich von den umliegenden Dörfern. Das Urbar nennt Bürgermeister, Stadtrichter und weitere städtische Amtsträger. Die Einwohner wurden als Bürger bezeichnet und verfügten über Bürgergüter, während für einzelne Amtsträger besondere Vorrechte galten.Evamaria Engel: Kleine Stadt oder großes Dorf? Märkisch Buchholz um 1700. In: Festschrift für Lieselott Enders, S. 171–181. Neben Landwirtschaft und Viehhaltung besaß Buchholz weitere wirtschaftliche Funktionen. Belegt sind Brau- und Brennrechte, Jahrmärkte sowie Zoll- und Geleitrechte. Handwerker arbeiteten auf Grundlage herrschaftlicher Privilegien. Die Lage an der Verkehrsverbindung zwischen der Lausitz und Berlin förderte Handel und Marktverkehr.Evamaria Engel: Kleine Stadt oder großes Dorf? Märkisch Buchholz um 1700. In: Festschrift für Lieselott Enders, S. 171–181. Die Historikerin Evamaria Engel charakterisierte Buchholz deshalb als „kleine adlige Mediatstadt“. Bürgerstatus, Marktprivilegien, städtische Amtsträger und gewerbliche Funktionen unterschieden den Ort trotz seines überwiegend agrarischen Charakters deutlich von den umliegenden Dörfern.Evamaria Engel: Kleine Stadt oder großes Dorf? Märkisch Buchholz um 1700. In: Festschrift für Lieselott Enders, S. 171–181.
18. Jahrhundert Nach den im Urbar von 1700 dokumentierten Verhältnissen blieb Buchholz zunächst weiterhin durch Landwirtschaft und handwerkliche Gewerbe geprägt. Mit dem Niedergang derer von Landsberg und dem Verkauf an den preußischen Staat änderte sich an den Lebensverhältnissen zunächst nur wenig. 1734 gründeten sich auf Initiative des Königs weitere Innungen, darunter die Tischler, Böttcher, Fleischer und das Bauhandwerk. Durch den Stadtbrand im Jahr 1752 wurde die seit mindestens 1346 bestehende Kirche so stark beschädigt, dass sie als Kronenkirche erneuert wurde. Im Südosten der Stadt, wo vom 15. bis 17. Jahrhundert ist der Anbau von Hopfen belegt ist, wurden schon seit dem 16. Jahrhundert mehrere Bürgergärten angelegt.Informationstafel des Heimatvereins Märkisch Buchholz: Zur Geschichte der Gemarkung 2, aufgestellt östlich der Sperrschleuse, Inaugenscheinnahme im Dezember 2015. Um 1716 befand sich in Buchholz eine Wassermühle. An sie erinnert heute ein 21 cm starker, im Durchmesser 90 cm großer Mahlstein am Überfallwehr.
19. Jahrhundert Die Stadt wuchs bis zum Jahr 1905 auf 1205 Einwohner an und erlangte eine regionale Bedeutung. Durch die ansässige Poststation war zudem auch eine direkte Verbindung nach Prag und Berlin möglich. Durch die Lage an der Dahme und am Unterspreewald wurde der Ort bereits im 19. Jahrhundert ein beliebter Ausflugsort für die Berliner. So entstanden für einen Ort dieser Größe zahlreiche Restaurants und Hotels. 1863 eröffnete eine Spar- und Darlehenskasse; 1869 gründete sich eine Dampfmühle mit Sägewerk. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wies der Ort mit 3 % einen für die Gegend ungewöhnlich hohen jüdischen Bevölkerungsanteil auf. Die Juden errichteten 1840 einen Friedhof an der Birkenstraße, auf dem bis 1917 bestattet wurde.Stadtrundwanderung Märkisch Bucholz, Webseite des Fremdenverkehrsvereins Märkisch Buchholz, (PDF), abgerufen am 21. Dezember 2015. 1876 betrieb die Firma Schulze & Schramm in der Stadt ein Hobelwerk sowie eine Ölmühle. 1883 kam ein zweites Sägewerk hinzu; 1897/1898 gründete sich eine Molkereigenossenschaft.
20. bis 21. Jahrhundert In den Jahren 1908–1910 entstand der Dahme-Umflutkanal, der zum Bau des Überfallwehrs an der Schützenstraße führte. Ab 1909 wurde der Ort mit städtischem Gas versorgt. 1929 übernahm der Schmiedemeister Friedrich Glomb das Mühlwerk. Er importierte Weizen aus Kanada und lieferte die Mahlerzeugnisse bis nach Berlin. 1935 errichtete Glomb ein 35 m hohes Silo mit einem Fassungsvermögen von 600 Tonnen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Geflügel zu verbessern, baute die Stadt 1936 im Osten der Stadt eine Hühnerfarm, in der unter anderem das Weiße Leghorn gezüchtet wurde.
Bis 1888 hieß die Stadt in amtlichen Veröffentlichungen und im Stadtsiegel in der Regel Buchholz. Die Bezeichnung Wendisch Buchholz wurde erst danach amtlich und tauchte zuvor nur in vereinzelten Veröffentlichungen auf.Joachim Schölzel: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Band IX: Kreis Beeskow-Storkow. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2021, ISBN 978-3-88372-310-5, S. 43. 1937 wurde die Stadt entsprechend der nationalsozialistischen Politik, die sorbische Geschichte und Kultur Ostdeutschlands zu tilgen, von Wendisch Buchholz in Märkisch Buchholz umbenannt. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten erhielt der Ort seinen ursprünglichen Namen nie zurück. Nationalsozialisten zerstörten weitgehend den Friedhof der Jüdischen Gemeinde.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt aufgrund ihrer Lage am Rand des Kessels von Halbe stark in Mitleidenschaft gezogen, mehr als 70 % der Bausubstanz wurden innerhalb einer Woche vernichtet. Dabei wurde auch die Mühle zerstört; das Silo blieb jedoch erhalten. Zu DDR-Zeiten errichteten und unterhielten die Grenztruppen der DDR das Pionier-Ferienlager „Egon Schultz“. Märkisch Buchholz lag inmitten dreier Sperrgebiete, welche von strategischer Bedeutung für die SED der DDR waren: dem südlich gelegenen militärischen Sperrgebiet rund um den militärischen Flugplatz Brand der GSSD, auf welchem u. a. nukleare Bomben stationiert waren, dem nördlich gelegenen Bunkerkomplex der NVA in Hermsdorf Mühle und dem östlich gelegenen „Staatsdiplomatenjagdgebiet Märkisch Buchholz“ rund um Klein Wasserburg, welches u. a. durch die Staatssicherheit überwacht wurde. Außerhalb des Stadtkerns liegt ein Kommunikationsbunker der Staatssicherheit.
1990 musste die Hühnerzucht geschlossen werden. 1994 entstand nordwestlich des Stadtzentrums ein Tierheim, das Platz für bis zu 120 Tiere bietet. In den Jahren 1999 bis 2002 sanierte die Stadt das Überfallwehr. Am 18. August 2012 gründete sich das Franz Fühmann Literatur- und Begegnungszentrum Märkisch Buchholz e. V., das im historischen Schulgebäude seit dieser Zeit zahlreiche Veranstaltungen durchführt.
Märkisch Buchholz gehörte seit 1836 zum Kreis Beeskow-Storkow in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Königs Wusterhausen im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald.
Archäologie