Das Braunschweigische Infanterie-Regiment Nr. 92 war ein Infanterieregiment der Braunschweigischen Armee. Am 18. März 1886 erfolgte die Militärkonvention mit Preußen, die Herzoglich Braunschweigischen Truppen wurden in die Preußische Armee eingereiht, behielten jedoch ihre landsmännischen Bezeichnung.
Geschichte Das Regiment hat seine Wurzel in der Schwarzen Schar des Herzogs Friedrich Wilhelm. Der offizielle Stiftungstag ist der 1. April 1809. Zunächst bestanden die beiden neu gegründeten Bataillone aus je 1000 Mann Husaren und Infanteristen. Die Offiziere und Soldaten der Infanterie wurden zu einem Großteil aus der preußischen Armee übernommen. Das Regiment wurde in Náchod gebildet und marschierte im Mai/Juni 1809 durch Böhmen, wo es an der Eroberung von Zittau mitwirkte; anschließend weiter nach Leipa. Im Juni und Juli 1809 folgten Feldzüge durch Sachsen, Franken und Thüringen bis in das heimatliche Braunschweig. Von dort marschierte es im August 1809 weiter bis an die Nordsee, wo es sich zunächst in Elsfleth nach Helgoland einschiffte. Von dort ging es auf englischen Schiffen weiter zur Isle of Wight, wo das Regiment Station bezog, um anschließend unter englischer Führung gegen Frankreich zu kämpfen. Die 12 Kompanien wurden in dieser Zeit als „Englisch-Braunschweigisches leichtes Infanterie-Regiment“ bezeichnet. Im Jahr 1810 wurde es auf der Iberischen Halbinsel (Peninsula) und in Südfrankreich als Braunschweig-Lüneburgsche Jäger im Feldzug gegen Napoleon eingesetzt. Nach der Rückkehr 1814 wurde das Regiment vorübergehend aufgelöst. Im März 1822 wurde das Infanterie-Regiment mit dem 1. Leib- und dem 2. Bataillon mit je 5 Kompanien neu aufgebaut. 1830 bestand das Regiment aus 3 Bataillonen zu je 4 Kompanien (Grenadiere, leichtes Leibbataillon und Infanteristen). Bis 1867 wurde das Regiment weiterhin als „Schwarze Schar“ bezeichnet.
Als das Herzogtum Braunschweig im Jahr 1867 Mitglied des neu gegründeten Norddeutschen Bundes wurde, erhielten auch die bisherigen Regimenter neue Bezeichnungen: Zu diesen gehörten das Herzoglich Braunschweigische Infanterie-Regiment Nr. 92, das Herzoglich Braunschweigische Husaren-Regiment Nr. 17 und die Herzoglich Braunschweigische Batterie des Hannoverschen Feldartillerie-Regiments Nr. 10. Damit gingen auch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und der preußischen Militärgesetze einher. Ausgestattet wurden die Truppen mit Zündnadelgewehren. Gemeinsam mit der Artillerie gehörte das Regiment zum X. Armee-Korps. auf archive.today.
Errichtung des Korps 1809 mini|hochkant|Corps des Herzogs von Braunschweig-Öls. 1809 Das Schwarze Korps wurde zum Zweck einer möglichen Unterstützung Österreichs bei einem Kriegsausbruch mit Frankreich vom Herzog auf eigene Kosten ausgehoben. Dieses wurde am 25. Februar 1809 in einer Übereinkunft zwischen Herzog Friedrich Wilhelm und Oberstleutnant Freiherr von Steinmetzer, dem Bevollmächtigten Österreichs, festgehalten. Dieser Vertrag wird daher als die eigentliche Geburtsstunde des Regiments betrachtet. Ebenso wurde die Truppenstärke darin auf zunächst rund 2000 Mann festgesetzt. Der offizielle Name des Korps lautete „Herzoglich Braunschweigisches Corps“. Die Farbe der Mäntel sollte graumeliert sein, die Uniformen wurden auf schwarz mit lichtblauen Aufschlägen und die Farben der Feldzeichen auf gelb und silber festgelegt. Die Aufstellung der marschbereiten Truppen sollte maximal zwei Monate nach Vertragsschluss abgeschlossen sein. Mit Kleidung, Waffen und Munition ausgestattet wurde das Korps aus dem K.u.K. Magazin Österreichs. Dazu gehörten 1000 Karabiner, 1000 leichte Infanteriegewehre und 1000 preußische Pistolen sowie zwei leichte Haubitzen und zwei sechspfündige Kanonen nebst Munition. Dieser Vertrag wurde in Wien unterzeichnet.Kortzfleisch: 1. Errichtung des Corps. In: Das schwarze Korps 1809 und das Englisch-Braunschweigische Infanterie-Regiment bis 1814. S. 2–6.
Am 1. Januar 1815 wurde das III. Bataillon mit 4 Kompanien als Braunschweigisches Leibbataillon aufgestellt, welches bis zum 1. Oktober 1893 bestand.
mini|Infanteriekaserne am Fallersleber Tor Organisation Im Jahr 1837 wurde der Bau einer neuen Kaserne außerhalb der Stadtmauern von Braunschweig beschlossen. Die neue Infanteriekaserne am Fallersleber Tor wurde 1841 eingeweiht und bezogen. Die Soldaten waren in Sälen mit dreistöckigen Betten untergebracht, die wenig Platz boten. Erst nach der Erweiterung der Anlage zog dort das Herzoglich Braunschweigische Infanterie-Regiment ein.Daniel Weßelhöf: Soldatenleben im 19. Jahrhundert. Der soldatische Alltag in Krieg und Frieden am Beispiel der Braunschweigischen Armee. auf brunswiek-historica.de (PDF, S. 5.) Regimentsbezeichnung Zeitraum Herzoglich Braunschweigisches Corps als Teil der Schwarzen Schar 1809 (April–August) Englisch-Braunschweigisches leichtes Infanterie-Regiment 1809 bis 1810 Braunschweig-Lüneburgsche Jäger 1810 bis 1814 vorübergehend aufgelöst nur als Braunschweigisches Leibbataillon 1815 bis 1822 Herzoglich Braunschweigisches Infanterie-Regiment 1822 bis 1867 Herzoglich Braunschweigisches Infanterie-Regiment Nr. 92 1867 bis 1893 Braunschweigisches Infanterie-Regiment Nr. 92 1893 bis 1919
Schleswig-Holstein Feldzüge Mit dem Ausbruch des Deutsch-Dänischen Krieges hatten die Herzöge des Herzogtums Schleswig und des Herzogtums Holstein sowie König Friedrich Wilhelm IV. militärischen Beistand aus den Herzogtümern Braunschweig, Schwerin und Oldenburg erbeten. Herzog Wilhelm berief daraufhin am 29. März 1848 das Kriegs-Kollegium zusammen, um die Maßnahmen zu besprechen. Bis zum 16. April fanden sich die Bataillone des Regiments auf dem Kriegsschauplatz bei Bramstedt ein. Anschließend war das Infanterie-Regiment in den Gefechten am 24. April bei Bilschau, am 28. Mai bei Nübel-Mühle und am 31. Mai in einem Scharmützel bei Alnoor sowie am 7. Juni im Gefecht bei Stenderup-Düppel eingesetzt. Im Jahr 1849 folgten weitere Einsätze beispielsweise bei der Kanonade von Sonderburg am 17. Mai und im Juni wiederum bei einem Gefecht bei Düppel.Kortzfleisch: V. Schleswig-Holstein. In: Von der Errichtung des neuen Truppenkorps 1813 bis zum Ausbruch des Krieges 1870. S. 205–321 und Gefechtskalender – 1848–1849. Krieg gegen Dänemark. In: Das schwarze Korps 1809 und das Englisch-Braunschweigische Infanterie-Regiment bis 1814. S. 361.
Deutsch-Französischer Krieg Das Regiment wurde 1870 von Oberst Heinrich Haberland mit seinem Adjutanten Premierleutnant Otto kommandiert. Es war unterteilt in das I. und II. Bataillon (Btl.) sowie das Füsilier-Leib-Bataillon. Die einzelnen Bataillone bestanden aus je vier Kompanien. Das I. Btl. unterstand dem Major von Erichsen, das II. Btl. Major von Rittmeyer und das Leib-Bataillon Major von Münchhausen. Es gab lediglich zwölf braunschweigische Offiziere, die als Leutnant eingesetzt waren, während die übrigen 36 Offiziersstellen von Reserveoffizieren oder Reserveunteroffizieren ausgefüllt wurden.Kortzfleisch: Mobilmachung und Ausmarsch. In: Der deutsch-französische Krieg und die Friedenszeit seit 1871. S. 4–7.
Am 16. Juli 1870 erreichte um 4 Uhr morgens der Mobilmachungsbefehl die Bezirkskommandantur in der Stadt Braunschweig. Am 27. Juli wurde in Blankenburg ein Feldgottesdienst abgehalten, ehe die Kompanien des Leib-Bataillons in Richtung Halberstadt abmarschierten. Für das restliche Regiment wurde im Beisein von Herzog Wilhelm ein Gottesdienst in Braunschweig vor der Infanteriekaserne abgehalten.Kortzfleisch: Mobilmachung und Ausmarsch. In: Der deutsch-französische Krieg und die Friedenszeit seit 1871. S. 13–15.
Die Bataillone wurden am 27. Juli mit der Bahn bis nach Bingerbrück transportiert von wo aus sie über Kreuznach durch die Pfalz bis nach Saargemünd marschierten. Die Grenze zu Frankreich hatten sie am 8. August bei Frauenberg überquert. Die Infanterie kämpfte am 16. August bei Mars-la-Tour, zwei Tage später bei Gravelotte und St. Privat und machte vom 19. August bis 27. Oktober die Einschließung und Belagerung von Metz mit. In dieser Zeit erhielten die Soldaten sogenannte Liebesgaben aus dem heimatlichen Braunschweig. Diese Spenden wurden per Bahn oder Post bis nach Courcelles befördert und durch den Baron von Cramm an die Soldaten weitergeleitet. Durch insgesamt drei Transporte aus Braunschweig und einen aus Blankenburg erhielten die Truppen wollene Decken und Hemden, Leibbinden, Socken und Tabakwaren. Von diesen erhielt beispielsweise jedes Bataillon am 5. September 1870 rund 23.000 Zigarren.Kortzfleisch: Der deutsch-französische Krieg und die Friedenszeit seit 1871. S. 95–97. An die Belagerung schlossen sich die Schlachten bei Bellevue, Orléans und Le Mans an. Während der Hauptteil des Regiments aus den weiteren Kämpfen herausgezogen wurde, kam das III. Bataillon noch bei Chauffour, Chassillé und Saint-Jean-sur-Erve zum Einsatz.
Nach der Rückkehr der Truppen in das Reichsland Elsaß-Lothringen am 20. März 1871 gehörte das Regiment zum Verband des neu gegründeten 15. Armeekorps dessen Generalkommando in Straßburg lag. Das Regiment bildete mit dem 7. Brandenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 60 die 60. Infanterie-Brigade Saarburg i. L. der 30. Division Metz. Den Oberbefehl über das 15. Armeekorps hatte General von Fransecky. Kommandeur der 30. Division war Generalmajor von Sandrart und Kommandeur der 60. Infanterie-Brigade Generalmajor von Lehmann.
Jahre zwischen den Kriegen
Zur Jahreswende 1873/74 wurden die Feldzeichen des Regiments vom Herzog Wilhelm mit Fahnenbändern ausgezeichnet. Die offizielle Order lautete:
Die Verleihung fand am 12. Januar 1874 statt, dem Gedenktag an die Schlacht bei Le Mans, an der alle drei Bataillone teilgenommen hatten. In Pfalzburg wurde sie durch den Regiments-Kommandeur Oberst von Tschirschky für das I. und II. Bataillon vorgenommen und in Zabern durch Major von Packzinsky, den Kommandeur des Leibbataillons. Die Fahnenbänder waren blau, 90 cm lang und mit goldfarbenen Buchstaben bestickt.
Der Verband blieb anschließend als Besatzung der Gebiete Pfalzburg, Marsal, Dieuze und Saarburg i. L. in Elsaß-Lothringen stationiert. Zu dem dortigen zu Braunschweig gehörenden Truppenkontingent gehörten um 1880 zudem zwei Landwehrbataillone sowie das Husaren-Regiment Nr. 17 und die Batterie Nr. 6. In dieser Zeit waren diese Truppen dem 15. Armeekorps unterstellt.Militär auf deutsche-schutzgebiete.de.
Seit 1887 bildete das Regiment gemeinsam mit dem 2. Hannoverschen Infanterie-Regiment Nr. 77 die 40. Infanterie-Brigade der 20. Division des X. Armeekorps Hannover. In diesem Jahr kehrten die Truppen zurück in die Garnison Braunschweig. Ab 1893 wurde das Regiment als Braunschweigisches Infanterie-Regiment Nr. 92 bezeichnet.
Stammtafeln des Regiments