Die Evangelische Kirche Wischwill () war ein in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtetes Bauwerk und bis 1945 evangelisches Gotteshaus für die Bewohner im Kirchspiel des seinerzeit ostpreußischen Dorfes und heute Viešvilė genannten Städtchens in Litauen.
Geographische Lage Viešvilė liegt an der Memel (litauisch: Nemanas), die hier die Grenze zwischen Litauen und der russischen Exklave Oblast Kaliningrad bildet. Durch den Ort verläuft die Hauptstraße KK 141, die Kaunas mit Klaipėda (Memel) verbindet. Eine Bahnanbindung besteht seit 1944 nicht mehr.
Der einstige Standort der Kirche befindet sich an der Hauptstraße unweit der Einmündung einer von der Memel in Richtung Nemanskoje (Trappönen, 1938 bis 1946 Trappen, heute auf russischer Seite gelegen) verlaufenden Nebenstraße. Der Platz ist durch ein Gedenkkreuz gekennzeichnetGedenkkreuz für die ehemalige Kirche Wischwill.
Kirchengebäude Herzog Albrecht persönlich soll als Hochmeister des Deutschen Ordens den Platz ausgesucht haben, auf dem 1517 in Wischwill eine evangelische Kirche errichtet wurde. In den Jahren 1734 bis 1737 erfolgte die Errichtung eines NachfolgebausHistorisches Bild von der evangelischen Kirche Wischwill, bei dem es sich um einen rechteckigen Massivbau mit Fachwerkgiebel handelteWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 109. Nach einem Brand, verursacht wohl durch Blitzschlag, der den Turm vernichtete, wurde die Kirche 1811 wieder aufgebaut. Erst 1895 wurde der Turm mit Uhr und drei Glocken ergänzt.
Der Kircheninnenraum, an dessen seitlichen Wänden sich Emporen befanden, war sehr schlicht gehalten. Der Kanzelaltar war von keinem künstlerischen Wert. Die Orgel stammte aus dem Jahre 1822. Im Jahre 1912 hatte man das Gotteshaus noch einer umfangreichen Renovierung unterzogen.
Die Kirche, die das älteste Gotteshaus im Kreis Pogegen war, kam mit Blessuren durch den Zweiten Weltkrieg. Zu Sowjetzeiten jedoch ging sie mit anderen kulturellen Einrichtungen (so auch Friedhöfe) verloren, indem sie abgetragen wurde. Mehr Glück hatte die kleine katholische Kirche des Ortes, die erhalten blieb und umgebaut wurde.
Kirchengemeinde 1517 gilt als das Gründungsjahr der evangelischen Kirchengemeinde WischwillWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 513. Scherzweise nannte man sie wegen ihrer riesigen Ausdehnung „Pfarrfürstentum“Wischwill bei GenWiki. Erst später wurde das Kirchspiel durch Abtrennungen von eigenständigen Pfarrgemeinden verkleinert. 1925 zählte die Kirchengemeinde 3000 Gemeindeglieder, die außer im Pfarrdorf noch in 16 anderen Orten und Wohnplätzen lebten. Die Kirche war patronatlos.
Noch bis 1609 gehörte die Kirche Wischwill zur Inspektion Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk). Dann war sie bis in die 1920er Jahre Teil des Kirchenkreises Ragnit (Neman), später dann in den Kirchenkreis Pogegen (heute litauisch: Pagėgiai) im Landessynodalverband Memelland eingegliedert, und war von 1939 bis 1945 zur Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugehörig.
Kirchspielorte Neben dem Kirchdorf Wischwill gehörten bis 1945 noch 16 weitere größere und kleinere Orte und Ortschaften zum KirchspielDer * kennzeichnet einen Schulort:
Deutscher Name Litauischer Name Deutscher Name Litauischer Name Abschruten Apšriūtai *Pagulbinnen Pagulbiniai Antgulbinnen Antgulbiniai Schönbruch Balinė Antuppen Antupiai Smalodarßen Smalodaržis Auerhahn Tetervinė Szardehlen Žardeliai *Baltupönen Baltupėnai *Uszballen (Ußballen) Užbaliai *Kallwehlen Kalveliai Usztilten (Ußtilten) Užtilčiai Leibgirren Leipgiriai Wolfsgrund Vilkdaubis Neuhof-Kassigkehmen Wolfspaß Vilktakis
Pfarrer An der Kirche Wischwill amtierten als evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 151–152:
Nicolaus von Chelnien, ab 1553 Johann Gettkandt, 1592–1601 Tacharias Blothno, 1601–1602 Jacob Herbst, ab 1603 Burchard Löbel, 1617–1621 Johann Wittich Johann Schützowius, 1643 Heinrich Eysenblätter, 1657–1688 Heinrich Mey, 1678–1710 Gottfried Daniel Meder, 1710–1734 Theodor Gottfried Gerich, 1735–1749 Johann Friedrich Wengorovius, 1749–1759 Georg Christoph Radtke, 1759–1770 Gottfried Tiedke, 1770–1778 Johann Boguslav Ernst, 1778–1815 Johann Friedrich Ernst, 1808–1817 Carl Wilhelm Gottfried Schreiner, 1817–1844 Wilhelm Ewald Radtke, 1845–1851 Johann Gottfried Hammer, 1851–1875Johannes Hammer († 1889) war Angehöriger des Corps Littuania. Eduard Hermann Hammer, 1869–1906 Georg Louis B. Wittke, 1891–1893 Moritz A.G. Scheduikat, 1893–1894 Hermann K.G. Schnöberg, 1894–1900 Max Glang, 1907–1922 Johannes Magnus, 1923–1932 Paul Jellinghaus, 1933–1935 Erich Moser, 1935–1945
Kirchenbücher Zahlreiche Kirchenbücher der evangelischen Pfarrei Wischwill haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, S. 118: Taufen: 1766 bis 1800 und 1830 bis 1911 Trauungen: 1766 bis 1874 Begräbnisse: 1767 bis 1871 und 1883 bis 1916
Darüber hinaus gibt es Namensregister auch der nicht vorhandenen Kirchenbücher.
Verweise
Kategorie:Erbaut in den 1730er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Memelland Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Litauen