mini|Dawn Brancheau während einer Believe-Show 2006 Dawn Therese Brancheau (* 16. April 1969 in Cedar Lake, Indiana; † 24. Februar 2010 in Orlando, Florida) war eine US-amerikanische Tiertrainerin bei SeaWorld. Sie arbeitete 15 Jahre mit Orcas im SeaWorld Park Orlando, wo sie unter anderem maßgeblich an der Entwicklung der Believe-Show beteiligt war, und galt als Aushängeschild von SeaWorld. Sie wurde vom Orca Tilikum getötet, der auch am Tod von Keltie Byrne und Daniel P. Dukes beteiligt war.

Leben und Karriere Brancheau wurde als Dawn Therese LoVerde in Cedar Lake, Indiana, geboren und war das jüngste von sechs Kindern, von Marion und Charles LoVerde. Ihre Faszination für Wale begann mit sechs Jahren, als sie in SeaWorld eine Show mit dem Wal Shamu sah, die sie tief beeindruckte. Sie besuchte die Andrean High School in Merrillville (Indiana) und studierte an der University of South Carolina Biologie und Psychologie. Nach ihrem Studium begann sie als Tiertrainerin im Freizeitpark Six Flags Great Adventure in New Jersey. Ab 1994 war sie bei SeaWorld tätig. Zunächst arbeitete sie mit Seelöwen und Seeottern. 1996 heiratete sie Scott Brancheau der ebenfalls bei SeaWorld tätig war. Kurz danach begann sie als Trainerin für Orcas. Neben ihrer Arbeit engagierte sie sich ehrenamtlich in einem örtlichen Tierheim, kümmerte sich um zwei braune Labradore und hielt verschiedene streunende Enten, Hühner, Kaninchen und kleine Vögel bei sich zu Hause.

2000 sprach Brancheau im NBC affiliierten Orlando WESH-TV darüber, wie wichtig es ist physisch fit zu bleiben um dem arbeiten mit Orcas gewachsen zu sein. Um fit zu bleiben, lief sie Marathon, fuhr Rad und trainierte Gewichtheben. 2006 wurde über ihre seit nun einem Jahrzehnt andauernde Arbeit mit Orcas berichtet, wozu auch die zwei bis drei Jahre langen Anstrengungen zur Neugestaltung der Orca-Shows gehörten, welche in der Believe Show gipfelten. Brancheau bestätigte, dass sie sich den Gefahren, welche mit dem Arbeiten in unmittelbarer Nähe zu Orcas einhergeht, bewusst sei. Als leitende Trainerin trat sie jahrelang in unzähligen öffentlichen Vorstellungen von SeaWorld auf. Die Believe-Show, bei der Tiertrainer mit Orcas interagierten, galt als Hauptattraktion von SeaWorld. Sie war auf SeaWorld-Plakaten in ganz Orlando zu sehen und verkörperte durch ihre Art pure Freude sowie das Versprechen, dass man mit genug Ausdauer alles erreichen kann.

Tod mini|Tilikum im Mai 2009(6,9 m lang und 5.700 kg schwer) Am 24. Februar 2010 gab Brancheau eine Dine with Shamu-Show mit Tilikum, dem größten Orca im SeaWorld Orlando Park. Bei dieser Veranstaltung speisten die Gäste in einem Open-Air-Restaurant und verfolgten dabei am Beckenrand die Vorführung, während der Orca Kunststücke vorführte und gefüttert wurde. Im Rahmen des Endes der Show befand sie sich am Beckenrand und streichelte Tilikums Kopf, sie lag neben ihm auf einer Slide-Out-Rampe, als sie plötzlich „Ouch“ schrie und entweder am linken Unterarm oder am Pferdeschwanz ins Wasser gezogen wurde. Der Vorfall wurde von mehreren Besuchern auf Videoband festgehalten, einige Zeugen berichteten, sie hätten gesehen, wie Tilikum Brancheau am Pferdeschwanz oder an der Schulter packte. Zudem beobachtete mindestens ein Dutzend Besucher, wie Brancheau mit Tilikum im Wasser war. Die Bewegungen des Orcas waren laut Augenzeugen sehr schnell, als er sie unter Wasser zog und ertränkte. Mitarbeiter setzten Netze ein und warfen Futter ins Wasser, um ihn abzulenken. Andere Trainer versuchten, Tilikum von Becken zu Becken innerhalb der Anlage zu führen und schafften es nach einer Zeit, ihn schließlich in ein kleineres Behandlungsbecken zu bringen, wo es einfacher gewesen sei, ihn zu beruhigen. Nach etwa 45 Minuten ließ Tilikum Brancheaus Leiche los.

Der Autopsiebericht ergab, dass Brancheau an den Folgen des Ertrinkens und stumpfer Gewalteinwirkung starb. Ihr Rückenmark war durchtrennt, und sie hatte Brüche am Kieferknochen, an den Rippen sowie an einem Halswirbel erlitten. Ihre Kopfhaut war vollständig vom Kopf abgerissen, ihr linker Arm war abgerissen und ihr linkes Knie war ausgerenkt. Ihr linker Arm wurde nie gefunden, es wird davon ausgegangen das Tilikum ihn verschluckt hat.

Brancheau wurde später auf dem Holy Sepulchre Friedhof in Worth Township, Cook County, Illinois, beigesetzt.

Nachwirkungen Sicherheit Keine SeaWorld-Trainerin ist nach Brancheaus Tod jemals wieder in ein Becken mit Orcas gestiegen, um eine Show aufzuführen. Unmittelbar danach verbot SeaWorld, dass sich Trainer mit Orcas im Wasser aufhalten. Dieses interne Verbot entsprach dem normalen Vorgehen von SeaWorld und wurde in dieser Form auch schon bei früheren Angriffen von Orcas auf Trainer eingesetzt, jedoch war es immer temporär und nur so lange in Kraft, bis der jeweilige Vorfall ausreichend aufgearbeitet wurde. Diesmal wurde das Verbot jedoch durch das Eingreifen der US-Arbeitsschutzbehörde (OSHA) endgültig festgelegt, da SeaWorld nicht für die Sicherheit seiner Trainer im Wasser garantieren kann. Dies veranlasste SeaWorld dazu, bis 2014 wiederholt die Aufhebung verschiedener Aspekte der OSHA-Verwarnungen und -Entscheidungen zu einzuklagen. SeaWorld prozessierte durch alle Instanzen, zog seine Klage jedoch vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zurück.

Brancheau war nach Alexis Martínez die zweite Trainerin, die von einem Orca getötet wurde, der im Besitz von SeaWorld ist. Brancheau war das dritte Todesopfer im Zusammenhang mit Tilikum und das vierte durch einen in Gefangenschaft lebenden Orca. Seitdem Orcas in den 1960er Jahren erstmals in Gefangenschaft gehalten wurden, gab es mehr als 40 dokumentierte sicherheitsrelevante Vorfälle, bei denen Dutzende von Trainern durch verschiedene Orcas zum Teil schwer verletzt wurden. Nach einem Angriff im Jahr 2006 kam 2007 eine OSHA-Untersuchung zu dem Schluss: „Die zugrunde liegenden Faktoren für den Vorfall lassen sich, vereinfacht ausgedrückt, so zusammenfassen: Das Schwimmen mit in Gefangenschaft lebenden Orcas ist intrinsisch gefährlich, auch wenn bis jetzt noch niemand getötet wurde, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es passiert.“ SeaWorld legte Einspruch gegen den Bericht ein, woraufhin OSHA dessen Rücknahme zusagte.

Am 24. Dezember 2009, zwei Monate vor Brancheaus Tod, tötete ein weiterer Orca im Besitz von SeaWorld, Keto, den Trainer Alexis Martínez im Loro Parque auf den Kanarischen Inseln. Vier Orcas von SeaWorld waren im Februar 2006 in den Park überführt worden, und Mitarbeiter von SeaWorld hatten eine Gruppe von Trainern des Loro Parque in San Antonio und Orlando geschult. Im September 2006 hatte Brancheau vorübergehend im Loro Parque gearbeitet und soll die Zusammenarbeit mit Martínez als angenehm empfunden haben. SeaWorld stellte unmittelbar nach Martínez Tod für etwa eine Woche das Arbeiten mit den Tieren in seinen drei Parks ein.

Am 23. August 2010 wurde SeaWorld von OSHA wegen dreier Sicherheitsverstöße mit einer Geldstrafe von 75.000 US-Dollar belegt, von denen einer in direktem Zusammenhang mit Brancheaus Tod stand. OSHA vertrat die Auffassung, dass SeaWorld seine Mitarbeiter „vorsätzlich“ gefährdet habe, und erklärte, das Unternehmen „zeige offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber der Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter oder missachte diese absichtlich“. SeaWorld veröffentlichte eine Stellungnahme, in der sie die Feststellungen von OSHA als „unbegründet“ bezeichnete. SeaWorld legte gegen die OSHA-Geldstrafe und den Sicherheitsbericht im Rahmen eines Gerichtsverfahrens Einspruch ein und erklärte, dass „die Vorwürfe der OSHA in dieser Verwarnung durch keinerlei Beweise oder Präzedenzfälle gestützt seien und ein grundlegendes Unverständnis der Sicherheitsanforderungen im Zusammenhang mit der Betreuung von Meeressäugetieren widerspiegelten“. Bei einer vorläufigen Anhörung im Jahr 2011 wurde einer dieser Vorwürfe von OSHA zurückgezogen.

Ende Mai 2012 gab Richter Ken S. Welsch OSHA in Bezug auf die Sicherheitsvorkehrungen von SeaWorld im Umgang mit Orcas offiziell Recht. Welsch kritisierte scharf die Behauptung von SeaWorld, man habe nicht gewusst, dass die Arbeit mit Orcas eine Gefahr für die Mitarbeiter darstelle. Welsch erklärte, dies sei „unplausibel“ und „schwer nachzuvollziehen“ mit den wiederholt getätigten Äußerungen der Geschäftsführung sowie mit der Vielzahl an Vorfällen und Verletzungen von Trainern, die sich im Laufe der Jahre ereignet haben. Allerdings stimmte Welsch zu, dass die Einstufung des Bußgeldes zu hoch war, und stufte sie herab, von „vorsätzlich“ (insgesamt 75.000 Dollar für die beiden Verstöße) auf „schwerwiegend“ (insgesamt 12.000 Dollar), wobei er erklärte, dass das Unternehmen Wert auf die Sicherheit der Trainer gelegt habe, auch wenn die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen unwirksam waren.

Das Gericht stellte fest, dass zwar der Sachverständige von SeaWorld, Herr Andrews, seinen Bericht mit der Feststellung abschließt: „Mein Sachverständigengutachten lautet, dass SeaWorld den Trainern unter den vor dem 24. Februar 2010 bestehenden administrativen und technischen Kontrollmaßnahmen den engen Umgang mit Schwertwalen, einschließlich der Arbeit im Wasser, sicher gestatten kann“, das Gericht kam jedoch zu einem anderen Schluss: „Wie im Abschnitt über die anerkannte Gefahr dargelegt, zeigen SeaWorlds eigene Unfallberichte, dass sein Sicherheitsprogramm, sei es aufgrund eines fehlgeleiteten Vertrauens in die Konditionierung oder aufgrund menschlicher Fehler bei deren Umsetzung, seine Trainer dem Risiko des schwerer körperlicher Verletzungen bis zum möglichen Tod aussetzt.“ Das Gericht bekräftigte dies und schloss sich dabei dem OSHA-Sachverständigen, Dr. Duffus an der erklärte: „Das von SeaWorld verwendete Trainingsprogramm ist wirkungsvoll, es funktioniert. Mein Punkt ist jedoch, dass es nicht immer funktioniert.“ Das Gericht stimmt Dr. Duffus zu. „Das Trainingsprogramm von SeaWorld ist äußerst detailliert, gut kommuniziert und intensiv. Dennoch kann es das Element der Unvorhersehbarkeit das der Arbeit mit Schwertwalen inhärent ist, nicht beseitigen.“

Welsch stellte klar, dass seine Entscheidung nur „[...] für die Arbeit der Trainer während der Shows und nicht während anderer Aktivitäten wie medizinischer Eingriffe oder Maßnahmen zum Vertrauensaufbau gelte [...] als Tierhalter hat SeaWorld die ethische Pflicht, für die Bedürfnisse der Wale zu sorgen [...] die Tierpflege erfordert ein gewisses Maß an Kontakt zwischen den Trainern und den Walen [...] im Gegensatz zu Vorführungen, die auch ohne die Trainer im Wasser erfolgreich fortgesetzt werden können“. OSHA erklärte, dass sie andere Schutzmaßnahmen akzeptieren würde, solange diese ein gleichwertiges oder höheres Maß an Sicherheit bieten als physische Barrieren. SeaWorld prüfte die Möglichkeit von anhebbaren Beckenböden und „Spare-Air“-Systemen, um seine Mitarbeiter während der Shows wieder ins Wasser zu bringen. Angesichts der Gerichtsurteile betraten die SeaWorld-Trainer auch nach 2010 weiterhin das Wasser mit Orcas im Becken im Rahmen von „Sicherheits-Desensibilisierungstrainings“ sowie für andere Pflegemaßnahmen.

SeaWorld legte eine Reihe von Rechtsmitteln ein, um die Wiederaufnahme der Vorführungen mit Trainern im Wasser zu erreichen. Im Jahr 2012 lehnte eine Sonderkommission des Arbeitsministeriums die Verhandlung des Falls ab, da die Interaktionen zwischen Trainern und Orcas in der Believe-Show als SeaWorlds Hauptattraktion galten, argumentierte SeaWorld, dass diese für sein Geschäft von grundlegender Bedeutung seien. Im April 2014 wies das US-Berufungsgericht für den District of Columbia einen „Antrag auf Überprüfung“ zurück, wobei der spätere Richter am Obersten Gerichtshof, Brett Kavanaugh, als einziger Richter auf der Seite von SeaWorld stand. Im Jahr 2015 wurde SeaWorld in San Diego erneut wegen unzureichenden Schutzes der Orca-Trainer angeklagt.