Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der italienischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Italien nahm bisher 18-mal an Weltmeisterschaften teil und konnte viermal den Titel erringen, zuletzt 2006 in Deutschland.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF-Datei; 195 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien Finale Tschechoslowakei Weltmeister Vittorio Pozzo 1. WM-Titel 1938 Frankreich Finale Ungarn Weltmeister Vittorio Pozzo 1. Titelverteidigung 1950 Brasilien Vorrunde Schweden, Paraguay 7. Ferruccio Novo 1. Ausscheiden eines amtierenden Weltmeisters in der Vorrunde 1954 Schweiz Vorrunde England, Schweiz, Belgien 10. Lajos Czeizler Aus im Entscheidungsspiel gegen die Schweiz 1958 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Nordirland gescheitert 1962 Chile Vorrunde Deutschland, Schweiz, Chile 9. Paolo Mazza Schlacht von Santiago 1966 England Vorrunde Nordkorea, Sowjetunion, Chile 9. Edmondo Fabbri Erste Niederlage gegen eine asiatische Mannschaft 1970 Mexiko Finale Brasilien Vizeweltmeister Ferruccio ValcareggiJahrhundertspiel 1974 Deutschland Vorrunde Polen, Argentinien, Haiti 10. Ferruccio Valcareggi 1978 Argentinien Spiel um Platz 3 Brasilien Vierter Enzo Bearzot 1982 Spanien Finale Deutschland Weltmeister Enzo Bearzot Italien stellt mit seinem 3. WM-Titel den Rekord von Brasilien einPaolo Rossi Torschützenkönig 1986 Mexiko Achtelfinale Frankreich 12. Enzo Bearzot 1990 Italien Spiel um Platz 3 England Dritter Azeglio Vicini Halbfinalniederlage im Elfmeterschießen gegen ArgentinienDeutschland stellt mit seinem 3. WM-Titel den Rekord von Brasilien und Italien einSalvatore Schillaci Torschützenkönig 1994 USA Finale Brasilien Vizeweltmeister Arrigo SacchiNiederlage im 1. Elfmeterschießen eines WM-FinalesBrasilien wieder alleiniger Rekordweltmeister 1998 Frankreich Viertelfinale Frankreich 5. Cesare Maldini Aus im Elfmeterschießen 2002 Südkorea/Japan Achtelfinale Südkorea 15. Giovanni Trapattoni Aus in der Verlängerung durch Golden Goal 2006 Deutschland Finale Frankreich Weltmeister Marcello Lippi 1. Sieg in einem Elfmeterschießen bei einer WMKopfstoß Zidanes gegen Materazzi 2010 Südafrika Vorrunde Paraguay, Slowakei, Neuseeland 26. Marcello Lippi 2014 Brasilien Vorrunde England, Costa Rica, Uruguay 22. Cesare Prandelli 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation wurde Italien hinter Spanien Zweiter und konnte sich in den Playoffspielen der Gruppenzweiten nicht gegen Schweden durchsetzen. 2022 Katar nicht qualifiziert In der Qualifikation wurde Italien hinter der Schweiz Zweiter und scheiterte im Halbfinale der Play-offs an Nordmazedonien. 2026 Kanada/Mexiko/USA nicht qualifiziert In der Qualifikation scheiterten die Italiener im Play-off-Finale im Elfmeterschießen an Bosnien und Herzegowina. mini|Platzierung der italienischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle mini|Finalaufstellungen 1934 Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) Teilnahmeverzicht: 1 × (4,3 %; 1930) Nicht qualifiziert: 4 × (17,4 %; 1958, 2018, 2022 und 2026) Sportliche Qualifikation (inkl. Teilnahme als Titelverteidiger): 17 × (73,9 % bzw. bei 77,3 % der Versuche) Ohne Qualifikation teilgenommen (durch automatische Qualifikation als Gastgeber): 1 × (4,3 %; 1990) Vorrunde: 7 × (30,4 %; 1950, 1954, 1962, 1966, 1974, 2010 und 2014) Achtelfinale: 2 × (8,7 %; 1986, 2002) Viertelfinale: 1 × (4,3 %; 1998) Vierter: 1 × (4,3 %; 1978) Dritter: 1 × (4,3 %; 1990) Finale: 6 × (26,1 %; 1934, 1938, 1970, 1982, 1994 und 2006) Vizeweltmeister: 2 × (8,7 %; 1970 und 1994) Weltmeister: 4 × (17,4 %; 1934, 1938, 1982, 2006)
Häufigster letzter Gegner: Brasilien und Frankreich (je 3 ×, dabei nur einmal im Elfmeterschießen gewonnen)
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay An der ersten WM nahm Italien nicht teil.
links|mini|Gianpiero Combi (li.) und František Plánička (re.) vor dem Finale 1934
1934 in Italien Bei der ersten Weltmeisterschaft in Europa konnte Italien den Heimvorteil nutzen, musste sich aber zuvor sogar selber qualifizieren, indem Griechenland zunächst daheim mit 4:0 besiegt und durch Zahlungen hoher Geldbeträge dazu bewegt wurde, auf das Rückspiel zu verzichten. Aber auch die Leistungen der Schiedsrichter trugen dazu bei, dass der italienische Diktator Benito Mussolini den WM-Titel feiern konnte. Zum Auftakt wurde die Mannschaft der USA mit 7:1 abgefertigt, die sich erst drei Tage vorher durch ein zusätzlich angesetztes Qualifikationsspiel gegen Mexiko für die Endrunde qualifiziert hatte. Um das Viertelfinale gegen Spanien zu überstehen, wurden zwei Spiele benötigt: Nach einem 1:1 nach Verlängerung musste einen Tag später ein Wiederholungsspiel entscheiden, das die Italiener durch einen umstrittenen Treffer mit 1:0 gewannen. Zwei Tage später sorgte der schwedische Schiedsrichter Ivan Eklind dafür, dass Italien auch gegen Österreich mit 1:0 gewann. Im Finale gegen die Tschechoslowakei wirkte mit Luis Monti auch ein Spieler mit, der vier Jahre zuvor als Argentinier schon einmal im Finale stand und wieder bevorzugte Eklind die Italiener, die am Ende nach 120 Minuten mit 2:1 gewannen. Durch den WM-Titel verdrängten die Italiener die Uruguayer, die nicht teilnahmen, von Platz 1 der ewigen Rangliste.
1938 in Frankreich mini|Finalaufstellungen 1938 (Italien spielte in einigen Spielen aber in schwarzen Trikots, der Farbe der Faschisten)
Als Titelverteidiger war Italien automatisch qualifiziert und konnte nach dem Olympiasieg 1936 erneut den WM-Titel gewinnen. Im Finale wurde Ungarn mit 4:2 besiegt, nachdem in den Runden zuvor Norwegen nach Verlängerung, Gastgeber Frankreich und Brasilien (bei denen Torjäger Leônidas für das Finale geschont wurde) besiegt wurden. Bei allen drei Turnieren war Vittorio Pozzo der Trainer und er ist bis heute der einzige Trainer, der zweimal mit seiner Mannschaft Weltmeister werden konnte. Mit dem Titel verteidigte Italien Platz 1 der ewigen Rangliste. Vittorio Pozzo blieb noch bis 1948 Nationaltrainer und trat dann zurück.
1950 in Brasilien Erneut war Italien als Titelverteidiger automatisch qualifiziert, auch wenn die letzte WM kriegsbedingt zwölf Jahre zurücklag. Ein Jahr vor der WM kam aber die Mannschaft des AC Turin, der damals mit Abstand stärksten Mannschaft Italiens, die auch einen Großteil der Nationalmannschaft stellte, beim Flugunfall von Superga ums Leben. Für die WM musste daher eine neue Mannschaft aufgebaut werden und Italien reiste mit einer relativ unerfahrenen Mannschaft nach Brasilien, in der kein Spieler mehr als 12 Länderspiele bestritten hatte.1950 F.I.F.A. World Cup Final Tournament Italy - Sweden 2:3 Verantzwortlich für die Zusammenstellung war eine technische Kommission unter der Leitung von Ferruccio Novo. Erstmals scheiterte der Titelverteidiger – auch bedingt durch den Modus, wonach nur die Gruppensieger die Finalrunde erreichten – in der Vorrunde. Nach einem 2:3 gegen Schweden reichte ein 2:0-Sieg gegen Paraguay nicht zum Gruppensieg. Dennoch konnten Italien Platz 1 der ewigen Rangliste verteidigen.
1954 in der Schweiz Für die WM im Nachbarland qualifizierte sich Italien in einer Europa/Afrika-Gruppe durch zwei Siege gegen Ägypten. In der Schweiz waren England und Italien in einer Gruppe mit Belgien und dem Gastgeber gesetzt und mussten nicht gegeneinander spielen. Italien trat mit einer relativ unerfahrenen Mannschaft an und wurde von dem Ungarn Lajos Czeizler trainiert. Drei Spieler machten im ersten Spiel erst ihr zweites Länderspiel.1954 F.I.F.A. World Cup Final Tournament Switzerland - Italy 2:1 Nur Kapitän Giampiero Boniperti hatte schon mehr als 20 Länderspiele bestritten. Italien verlor dann das erste Spiel gegen die Schweiz, die ihrerseits anschließend gegen England verlor. Nachdem Italien gegen Belgien gewonnen hatte, hatten die Italiener zwar die bessere Tordifferenz aber ebenso wie die Schweizer 2:2 Punkte und da Tordifferenzen nicht berücksichtigt wurden, mussten sie zu einem Entscheidungsspiel um Platz 2 antreten, in dem der Trainer der Italiener Boniperti für das Viertelfinale schonte. Aber auch dieses konnten die Schweizer gewinnen, wobei die Italiener am von Karl Rappan erfundenen Schweizer Riegel scheiterten, den die Italiener später zum Catenaccio perfektionierten. Italien war damit zum zweiten Mal nacheinander in der Vorrunde ausgeschieden, was sich 1962/1966 wiederholen sollte. In der ewigen Rangliste verloren die Italiener Platz 1 an Vorgänger Uruguay, der bei der WM Vierter geworden war.
1958 in Schweden Zum ersten und bis 2018 einzigen Mal konnte Italien sich nicht qualifizieren, da die Mannschaft in der Qualifikation an Nordirland gescheitert war. Beim 1:2 im entscheidenden Spiel in Nordirland wurde Alcides Ghiggia, der 1950 Uruguay gegen Brasilien zum WM-Titel geschossen hatte, vom Platz gestellt.F.I.F.A. World Cup Qualifying Tournament 1956-1958 North. Ireland - Italy 2:1 Juan Schiaffino, sein Mitspieler aus dem Maracanaço, der das 1:1 gegen Brasilien erzielt hatte, stand ebenfalls in der italienischen Elf gegen Nordirland. Für ihn war es das letzte Länderspiel, Ghiggia machte noch ein weiteres. Indirekt Schuld am Ausscheiden hatte auch der Londoner Nebel, denn dieser verhinderte, dass am 4. Dezember 1957 der für das Qualifikationsspiel angesetzte Schiedsrichter in Belfast eintreffen konnte. Das Spiel wurde dann zum Freundschaftsspiel deklariert, da es von einem nordirischen Schiedsrichter geleitet wurde, und für den 15. Januar 1958 neu angesetzt. Mit dem 2:2 im Freundschaftsspiel wäre Italien qualifiziert gewesen. Durch die verpasste Qualifikation musste Italien in der ewigen Rangliste auch die beiden anderen Weltmeister Brasilien und Deutschland an sich vorbeiziehen lassen und fiel auf Platz 4. Beide halten Platz 1 und 2 bis dato.
1962 in Chile mini|Schlacht von Santiago – Giorgio Ferrini wird von Polizisten vom Feld geführt.
Um sich für die dritte WM in Südamerika zu qualifizieren, benötigte Italien nur zwei Siege gegen Israel. Italien erreichte das Play-off gegen Israel, den Gewinner der Nahost-Ausscheidung, kampflos, weil sich Rumänien von der WM-Qualifikation zurückzog. In Chile kam es mit dem Spiel gegen Deutschland zum ersten Aufeinandertreffen zweier Ex-Weltmeister bei einer WM, aber keinem gelang ein Tor. Da Italien anschließend in der Schlacht von Santiago gegen den Gastgeber verlor und nur gegen die Schweiz gewinnen konnte, scheiterte Italien erneut in der Vorrunde, konnte aber Uruguay, das ebenfalls in der Vorrunde ausschied, von Platz 3 in der ewigen Rangliste verdrängen.
1966 in England Für die WM im „Mutterland des Fußballs“ hatte Italien sich durch Spiele gegen Schottland, Polen und Finnland qualifiziert. Verantwortlicher Trainer war nach dem Vorrundenaus 1962 nun Edmondo Fabbri. Da 1963, 1964 und 1965 die Mailänder Vereine Inter und AC den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatten, galt Italien als einer der WM-Favoriten, zumal mit Neuling Nordkorea ein vermeintlich schwacher Gegner in der Vorrunde wartete. Aber die Italiener, die schon das Gruppenspiel gegen die Sowjetunion mit 0:1 verloren hatten und denen ein Remis zum Weiterkommen gereicht hätte, verloren auch dieses Spiel mit 0:1 und schieden wieder in der Vorrunde aus. Die gelungene Revanche gegen Chile für die Schlacht von Santiago im ersten Spiel hatte dann nur statistischen Wert. Mit dem Vorrundenaus endete die Amtszeit von Edmondo Fabbri. In der ewigen Rangliste mussten die Italiener Uruguay und Ungarn an sich vorbeiziehen lassen.
1970 in Mexiko