Lucius Calpurnius Piso († 24 n. Chr.) war ein römischer Konsul und Politiker der frühen Kaiserzeit.

Herkunft Lucius Calpurnius Piso war ein Sohn des Suffektkonsuls von 23 v. Chr., Gnaeus Calpurnius Piso,Tacitus, Annalen 2, 34; 3, 11. und Bruder des Konsuls von 7 v. Chr., der ebenfalls Gnaeus Calpurnius Piso hieß. Er entstammte der Familie (stirps) der Calpurnii Pisones des bedeutenden Geschlechts der gens Calpurnia, die bereits in republikanischer Zeit von großem politischen Einfluss gewesen war und mehrere Konsule hervorbrachte.

Ursprünglich Plebejer, wurde sie in der Kaiserzeit patrizisch. Unter dem Prinzipat der julisch-claudischen Dynastie stieg ihr Einfluss noch, auch wenn mehrere Angehörige der gens Calpurnia wegen Hochverrats angeklagt wurden und ihr Leben verloren.

Laufbahn Piso durchlief die übliche Ämterlaufbahn und wurde zusammen mit Cossus Cornelius Lentulus im Jahr 1 v. Chr. ordentlicher Konsul. Als Prokonsul von Asia amtierte er um 6 n. Chr.Inscriptiones Graecae ad res Romanas pertinentes 4, 94. Neben seinen politischen Ämtern übte er auch das Amt eines Augurs aus, war also dafür zuständig, durch Vogelbeobachtung den Willen der Götter zu ermitteln.; . Wegen der Verwechslungsgefahr mit seinem gleichnamigen Vetter, der Pontifex war, führte er zusätzlich den Beinamen Augur, während sein Vetter den Beinamen Pontifex erhielt.

Im Senat trat Piso als Vertreter altrömischer Strenge und Rechtlichkeit auf. So wetterte er 16 n. Chr. in einer großen Rede gegen die immer mehr um sich greifende Ämtererschleichung und Bestechlichkeit der Senatsoligarchie. Deshalb wollte er Rom verlassen, ließ sich aber von Kaiser Tiberius und den Bitten seiner Verwandten umstimmen. Bald darauf verklagte er Urgulania, eine enge und mächtige Freundin der verwitweten Kaiserin Livia, und ließ sich dabei weder von der beleidigten Livia noch von Tiberius von der Klage abhalten, bis er seine Ansprüche durchgesetzt hatte.Tacitus, Annalen 2, 34; 4, 21.

Im Jahr 20 n. Chr. übernahm Piso die Verteidigung seines wegen crimen laesae maiestatis angeklagten Bruders Gnaeus, der für den Tod des designierten Thronerben Germanicus verantwortlich gemacht wurde.Tacitus, Annalen 3, 11. Nach dem Selbstmord seines Bruders blieb Piso zunächst unbehelligt, wurde dann aber im Jahr 24 n. Chr. von Quintus Granius der Majestätsverletzung beschuldigt. Er starb aber noch vor der Verhandlung seines Falles im Senat.Tacitus, Annalen 4, 21.

Literatur

Anmerkungen

Kategorie:Konsul (Römische Kaiserzeit) Kategorie:Augur Lucius Kategorie:Römer Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben 24 Kategorie:Mann