mini|hochkant=1.3|Horst Jährling (2009) Horst Jährling (* 25. Februar 1922 in Erfurt; † 4. Februar 2013 in Bad Berka) war ein deutscher Künstler, Maler, Graphiker, Architektur-Restaurator, Kunstpädagoge, Hochschullehrer und Glocken-Gestalter sowie Glocken-Ritzzeichner.

Leben und Wirken Kindheit, Jugend, Studium Horst Jährlings Vater stammte aus Rheinhessen, seine Mutter aus dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt.S. 13–14 in Jährling-Katalog 1997 Die Familie zog 1923 von Erfurt nach Apolda, da der Vater dort als Reichsbankbeamter tätig wurde. Jährling besuchte 1928–1932 die Volksschule und 1932–1940 das Gymnasium in Apolda. Nach Abitur und Militärdienst (1941–1945) studierte Jährling 1947–1951 an der Staatlichen Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst Weimar bei Felix Jacob, Albert Schaefer-Ast und Otto Herbig. Sein Studium blieb ohne Abschluss, weil die Abteilung Bildende Kunst aus der Hochschule in Weimar herausgelöst und nach Dresden verlagert wurde, während Jährling in Weimar blieb.S. 5 und 50 in Jährling-Katalog 1997 Jährling war von 1952 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler.

Dozent und Freiberufler mini|Horst Jährling bei einem Vortrag (im Jahr 2009) mini|Von Horst Jährling gestaltete Jubiläums-Glocke von 1976 mit der Aufschrift Glocken aus Apolda im Rathaus von Apolda: Anlass zum Guss war das Jubiläum 150 Jahre Glockengießerei Ulrich und Schilling (seit 1826). Gegossen von Apoldas letztem Glockengießermeister Peter Schilling Von 1953 bis 1962 war Jährling Dozent für Architekturfarbe und Baugeschichte an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar,Diese Vorstudienabteilung wurde 1962 geschlossen; sie ermöglichte es begabten jungen Menschen, die keine Oberschule hatten besuchen können, das Abitur nachzuholen. Quelle: S. 5 im Jährling-Katalog 1997 danach war er in Weimar freischaffender Maler.Michael von Hintzenstern: Meister der Farbigkeit. Der Maler Horst Jährling feiert seinen 90. Geburtstag. In: Glaube und Heimat, 26. Februar 2012.

Für die Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen in Jena hielt Horst Jährling von 1996 bis etwa 2008 Vorträge und führte Studienreisen durch.S. 16 in: Jenaer Kunstverein (Hrsg.): Horst Jährling – Malerei und Zeichnung. Katalog zur Ausstellung im Jenaer Kunstverein, 17. April – 13. Mai 2009, Jena 2009, ohne ISBN.

Maler und Künstler Hauptgegenstand seines künstlerischen Schaffens als freiberuflicher Maler ab 1962 sind Jährlings thüringische Heimat, deren Landschaft und Architektur gewesen. In den 1990er Jahren konzentrierte er sich wieder mehr auf seine Malerei, er „schwelgte in Farben“, wie er sagte, und gestaltete zahlreiche Ausstellungen. Jährlings Bilder sind meist unsigniert und ohne Jahreszahl.

Ausstellungen (unvollständig) 1963: Schloss Sondershausen 1964: Kunstausstellung Kühl Dresden und Buchhandlung Engewald, Leipzig 1965: Stadtmuseum Mühlhausen 1968: Buchhandlung Katharina Becker, Weimar 1975 und 1979: Erfurt, Bezirkskunstausstellung 1977: Angermuseum Erfurt 1978: Kabinett am Goetheplatz Weimar (mit Horst Hausotte) 1979: Thüringer Museum Eisenach (mit Ehefrau Anneliese Jährling) 1979: Erfurt („spectrum. Bildende Künstler der DDR an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar 1946 – 1951“) 1982: Lucas-Cranach-Gesellschaft Weimar 1992: Stadtmuseum Weimar im Kunstkabinett am Goetheplatz 1993: Hofatelier Weimar 1994: Galerie Profil, Weimar und Glockenmuseum Apolda 1996: Galerie & Kunsthaus Hebecker, Weimar (mit Otto Paetz) 1997: Galerie Profil, Weimar und Kunstkabinett am Goetheplatz, Weimar 2002: Kunsthaus Apolda (anlässlich des 80. Geburtstags) 2012: Kunsthalle „Harry Graf Kessler“, Weimar (anlässlich des 90. Geburtstags)S. 50 im Jährling-Katalog 1997 2016: Kulturfabrik Apolda, 7. Mai bis 30. Juni 2022: Kunsthalle "Harry Graf Kessler", Weimar (anlässlich seines 100. Geburtstags), "Unterwegs - Zuhause" 2024: Kunstkaten Ahrenshoop, Ahrenshoop, "Landschaften aus fünf Jahrzehnten" sowie Ausstellungen in Berlin, Fulda und Schloss Kromsdorf (Zeitraum aktuell nicht bekannt)Katalog Horst Jährling – Malerei und Zeichnung zur Ausstellung im Jenaer Kunstverein, 17. April – 13. Mai 2009, S. 16.

Denkmalpfleger und Kirchen-Restaurator Ab 1965 war Jährling auch als freier Mitarbeiter des Instituts für Denkmalpflege in Erfurt tätig. Er war beteiligt an der Restaurierung von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden und an der Restaurierung historischer Stadtkerne (Erstellung von Farbdispositionen für Fassaden) in Weimar (1975),Jährling gestaltete anlässlich der Tausendjahrfeier in Weimar 1975 farblich den Altstadtbereich, die klassizistische Ringbebauung, den Schlösserbereich und die Achse zum Bahnhof Weimar – dort ließen sich die verschiedenen städtebaulichen Räume farbig gegeneinander stellen.Horst Jährling: Eine Flanierzone, kein Architekturmuseum. Zur farbigen Neugestaltung des Erfurter Angers. S. 581 in: Bildende Kunst Nr. 12/1978, herausgegeben vom Verband Bildender Künstler der DDR für den Anger in Erfurt (1976–1978, dort wurden mehr als 60 Gebäude farblich gefasst), in Arnstadt (1977–1978) und Nordhausen. Auch schuf er die Farbkonzeption für die Greifswalder Straße und die damalige Klement-Gottwald-Straße in Berlin.Laut der biographischen Angaben (S. 18) in: Horst Hausotte und Horst Jährling: Malerei/Grafik. Katalog zur Ausstellung in Weimar vom 4. Mai bis 15. Juni 1978 im Kabinett am Goetheplatz (heute: Kunsthalle „Harry Graf Kessler“), veranstaltet vom Kabinett für Kulturarbeit Weimar-Stadt. Jährling hat „in den zurückliegenden Jahrzehnten der DDR-Zeit mit Mut und Überzeugungskraft Farbe in das alltägliche Grau gebracht“ (Christine Lieberknecht, 1997).S. 2 im Jährling-Katalog 1997

Horst Jährling übernahm seit Mitte der 1960er Jahre die Farbgebung historischer Bauten und die Innengestaltung von Kirchen. Er brachte frische Farben in rund 150 Kirchen, so in die Martinskirche (Apolda), in St. Severi (Blankenhain) (1981), in die Kirche in Kapellendorf, St. Trinitatis (Legefeld), die Dorfkirche Oettern sowie 1988 auch in die Kirche zu Oldisleben und nach 1994 in die Kirche zu Schöndorf bei WeimarQuelle: Auskunft von Pfarrer im Ruhestand Martin Steiger, Weimar, am 31. Januar 2020.

Restaurierte Gebäude und Straßenzüge Apolda: Martinskirche (Apolda) und die Kirchen in Döbritschen, Frankendorf, Gröben, Großromstedt, Herressen, Dorfkirche Hirschroda, Isserstedt, Kloster Kapellendorf, Dorfkirche Kleinromstedt, St. Marien (Mattstedt), St. Bonifatius (Nennsdorf), Niederroßla, Pfuhlsborn, Dorfkirche Schlöben, Dorfkirche Schmiedehausen, Schöten, Utenbach, Wersdorf, Wormstedt und Dorfkirche Reisdorf Arnstadt: Katholische Kirche, Rathaus, Altstadt-Straßenzüge sowie die Kirchen in Bittstädt, Haarhausen, Holzhausen, Plaue, Siegelbach und Sülzenbrücken Berlin: Straßenzüge im Prenzlauer Berg, Achse Greifswalder Straße sowie in Weißensee Erfurt und Umgebung: Kirche St. Lorenz, Lutherkirche Umbau und Erweiterung zu Gemeindezentrum (1983), Straßenzüge der Altstadt, Anger, Dominsel, Bahnhofstraße sowie die Kirchen in Dielsdorf, Eckstedt, Elxleben, Goldbach, Kerspleben und Kleinmölsen Sömmerda: Stadtkirche, Barockkirche, Katholische Kirche, Rathaus sowie die Kirchen in Sprötau, Straußfurt (auch das dortige Gemeindezentrum), Tunzenhausen und Udestedt Heiligenstadt: Propsteikirche sowie die Kirchen in Oberdorla und Rüstungen Jena: Rathaus sowie die Kirchen in Ammerbach, Dornburg und Dorndorf und das Gemeindezentrum in Camburg Straßenzüge in Nordhausen und die Kirche in Mauderode Rudolstadt: Stadtkirche, Lutherkirche, Gemeindezentrum, Straßenzüge der Altstadt, Schloss Kochberg in Großkochberg sowie die Kirchen in Katzhütte, Neckeroda, Uhlstädt, Wittersroda und Zwabitz Saalfeld: Katholische Kirche und Gemeindezentrum sowie die Kirchen in Großneundorf und Thimmendorf Schmalkalden: Schloss Wilhelmsburg Sondershausen: Katholische Kirche und Festsaal im Schloss Sondershausen sowie die Kirchen in Bad Tennstedt, Greußen (Katholische Kirche), Grüningen, Jecha, Niedertopfstedt, Stockhausen, Trebra und Urleben Weimar: Herderkirche, Katholische Kirche, Chor der Jakobskirche, Kreuzkirche, Kirche Tiefurt, Kirche Oberweimar, 380 Gebäude in der Altstadt in Weimar: Marienstraße, Carl-August-Allee, Schillerstraße und klassizistische Bauten von der Alten Wache in der Erfurter Straße bis zum Ende der Karl-Liebknecht-Straße sowie Kirchen in Bad Berka, Bergern, Blankenhain (auch Gemeindezentrum und Straßenzug), Daasdorf am Berge, Drößnitz, Göttern, Gutendorf, Hammerstedt, Hochdorf, Hottelstedt, Keßlar, Kleinrudestedt, Kleinschwabhausen, Kranichfeld (auch Gemeindezentrum), Kromsdorf, Lehnstedt, Magdala, Neumark, Niedersynderstedt, Nohra, Obersynderstedt, Oßmannstedt, Possendorf, Ramsla, Schwerstedt, Tannroda, Troistedt, Tromlitz und WohlsbornS. 20 im Jährling-Katalog 1997

Glocken-Gestalter und -Ritzzeichner Horst Jährlings Vielseitigkeit zeigte sich auch in seinen gestalterischen Arbeiten für die Glockengießerei in Apolda. 1949 beauftragte ihn Glockengießer Franz Schilling in Apolda mit einem Zyklus zeichnerischer Darstellungen zur Glocken-Herstellung. Von da an verpflichtete Schilling den Künstler immer wieder als Gestalter und Ritzzeichner seiner Glocken.Franz Schilling versuchte nach dem Zweiten Weltkrieg, neue Wege in der äußeren Gestaltung seiner Glocken zu finden, auf traditionelle Model für Schrift und Ornament zu verzichten und griff auf im frühen Mittelalter ausgeübte Ritztechniken zurück – eine dekorativ wirkende Technik, die sich heute fast nur noch beim Glockenguss findet. Obwohl die Glockenritzungen zur graphischen Kunst gehören, die der Metallgravierung und dem Kupferstich nahestehen, unterscheiden sie sich von ihr, weil man sie nicht vervielfältigen kann. In Bronze erstarrt mittels künstlerischem Eingriff in den technischen Prozess, ist die Zeichnung fixiert und gestaltet mit ihrer Lineatur die Glocke. Die Zeichnungen können fast die gesamte Höhe beziehungsweise Fläche bedecken, ohne dass der Körper der Glocke in seiner Formbestimmtheit angegriffen wird. Der Künstler verfügt über einen großen Spielraum, beschränkt sich jedoch wie bei Holzschnitt oder Kupferstich auf das Typische und verzichtet auf unnötige Dekorelemente, seine Linien demonstrieren das Symbol oder eine Idee.

Jährling hat für die Verzierung der Glocken zwei Techniken angewandt: Einerseits mittels Aufbringen von Inschriften, Ornamenten und figürlichen Darstellungen aus Wachs auf die „falsche Glocke“ (mit dieser Technik – dem Wachsausschmelzverfahren – wurden die meisten Glocken verziert) und andererseits mit der Glockenritzzeichnung, also dem Einritzen von Inschriften und figürlichen Darstellungen in den Glockenmantel (das ist die interessantere und anspruchsvollere, von Franz Schilling bevorzugte Technik gewesen).Mehr dazu im Buch „Die Apoldaer Glockengießerei“ von Manfred Hofmann, veröffentlicht 2014

Die Glockenritzzeichnung verlangt außerordentliche Konzentration und Disziplin; der Künstler muss frei auf der gegebenen Fläche zeichnen und eine sichere Hand besitzen. Das leichte Ausbrechen des Schriftlehms verleiht diesen Werken – in Erz fixiert – einen sehr lebendigen Reiz und lässt die Zeichnungen frisch hervortreten.

Ein Beispiel für Jährlings künstlerisches Schaffen auf Glocken findet sich in Erfurt in der Kirche St. Severi: Die Neue Martha von 1961 trägt eine seiner Glockenritzzeichnungen, die Christopherus darstellt.S. 51 in: Franz Peter Schilling: Erfurter Glocken – Die Glocken des Domes, der Severikirche und des Petersklosters zu Erfurt. Berlin 1968.