mini|hochkant|Stammwappen derer von Linsingen in Siebmachers Wappenbuch von 1870 Linsingen ist der Name eines deutschen Uradelsgeschlecht edelfreier HerkunftValentin Ferdinand von Gudenus: Codex diplomaticus exhibens anecdota ab anno DCCCLXXXI, Bd. I, Göttingen, 1743, S. 568f, Nr. 234, 2. April 1241: „nobilium a Linsingen“. – Johannes Rogalla von Bieberstein: Adelsherrschaft und Adelskultur in Deutschland, Limburg a.d. Lahn, 1998, S. 54, 114. mit den Stammburgen LinsingenRudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, Gudensberg-Gleichen, 2000, 3. Aufl., S. 160. und JesbergRudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, Gudensberg-Gleichen, 2000, 3. Aufl., S. 85. im heutigen Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen.

Der erste Vertreter des Geschlechts erscheint 1170/77 als Burgmann des Grafen von Ziegenhain auf der Burg Schönstein.Gerhard Bätzing: 1085-1985. 900 Jahre Densberg, Jesberg, 1985, S. 29, 34. sowie: Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, Gudensberg-Gleichen, 2000, 3. Aufl., S. 163f. Die lückenlose Stammreihe beginnt 1230 mit dominus Ludowicus de Linsingen, miles, der von 1230 bis 1265 urkundlich erwähnt wird.Eckhart Franz: Kloster Haina, Regesten und Urkunden, Marburg, 1962/1970, 2. Bd., Index, S. 572. – StArchiv Marburg, Güterverzeichnis des Klosters Haina ab 1229. Von der hessischen Stammlinie, die 1721 ausstarb, wurde 1466 der kurpfälzische Statthalter Friedrich von Linsingen (urkdl. bis 1490) führender Amtsträger des kurmainzischen Vicedominats Rusteberg im Eichsfeld; er legte mit seinem Lehns- und Allodialbesitz die Grundlagen für die sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts bildenden drei eichsfeldischen Linien des Geschlechtes: (I.) zu Birkenfelde und Uder, (II.) zu Rengelrode und (III.) zu Burgwalde. Zweige des Geschlechts waren im Thüringischen, Hannoverschen, Schwarzburgischen, Limburgischen und in Pommern landsässig.Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, 5 Bd., Leipzig 1864, Nachdruck Hildesheim 1973, Bd. L, S. 570: Linsingen, auch Freiherren und Grafen. – Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon, 2. Band, Leipzig, 1842, S. 258, und 5. Band, Leipzig, 1839, S. 312: Linsingen, die Grafen, Freiherren und Herren von. Aus den eichsfeldischen Linien verzweigten sich Nebenlinien nach Holland, England, Frankreich,Philippe Dayre de Maihol: Dictionnaire de la Noblesse Française, Tome II, Paris, 1896, Nachdruck Hildesheim, 2001, S. 416 (Art. Linsingen). SüdafrikaDictionary of South African Biography, Cape Town, 1977, Vol. III, S. 825: Von Linsingen, Baron Wilhelm Carl Ferdinand. und Brasilien.Liuta Pfeiffer Utsch: A Familia von Linsingen no Brasil, Curitiba, 2. Aufl. 2012. Das Uradelsgeschlecht von Linsingen war ritter-, stifts- und turniermäßigAdolph Ernst von Linsingen: Geschlechtsfolge der uralten ritter- und stiftsmäßigen Familie von Linsingen. Erfurt, 1774. – Urk. d. Burggrafen der Reichsburg Friedberg v. 26. August 1781. Urk. d. Hohen Deutschen Ordens v. 8. April 1785. und gehörte zur Althessischen Ritterschaft, zur Mittelrheinischen Reichsritterschaft der Burggrafschaft Friedberg,StArchiv Würzburg, Mainzer Domkapitel, Urkunden, L 34, Nr. 32a (Abschrift der Aufschwörung des Ludwig Eitel von Linsingen (1655–1721) am 20. September 1718 mit 32 uradligen Ahnen). sowie zur Ritterschaft des Eichsfeldes und zur Ritterschaft Calenberg-Grubenhagen. Das Geschlecht blüht heute noch in Deutschland und in Brasilien.

Grundherrschaft und Burg Linsingen In der Ebene zwischen der Schwalm und dem Knüllgebirge liegt 9 km nördlich von Ziegenhain der Stammsitz des Geschlechts, der Ort Linsingen, seit der Gemeindereform in Hessen von 1971 Ortsteil von Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis. Diese ehemalige Grundherrschaft der Edelherren zu Linsingen, „nobilium a Linsingen“Gudenus, wie Anm. 1., wird erstmals in einer Urkunde von 1241 genannt.Heinrich Bischoff: 750 Jahre Linsingen, Frielendorf, 1991, S. 13 (Abb. d. Urk.); Franz, wie Anm. 5, 1. Bd. S. 83, Nr. 131. Zentrum dieser Grundherrschaft war eine schon im 12. Jahrhundert aufgegebene Burg, von der keine Baureste mehr sichtbar erhalten sind.Felix von und zu Gilsa: Historische Schriften über die Burgen Schönstein und Jesberg, Schriftenreihe des Heimat- u. Geschichtsvereins Jesberg e. V. 2009, Bd. 5, S. 49–51. Urk. v. 1241 auf S. 50. Die Burg stand auf einer spornartigen Geländestufe, vermutlich an der Stelle der jetzigen Kirche. Das sumpfige Gelände lässt auf eine Wasserburg schließen. Ob die Burg zerstört wurde, unterging oder verfiel, ist nicht bekannt.

Der grundherrliche Allodial- und Lehensbesitz der Herren von Linsingen in Hessen umfasste mit unterschiedlicher Zeitdauer und unterschiedlichen Anteilen: Edelsitze (z. B. Espe), Dorfanteile (z. B. Bernigerode, Ellnrode), Streubesitz (zu Operterode, Großenenglis, Brünchenhain, Vockenrode, Gemünden an der Wohra, Zwesten) und Lehen (an Wolmersdorf, Brommershausen, Richerode, Hundshausen, Niederhainer Lehne, Lembach, Freudenthal, Gungelshausen, Schlierbach). Der Linsinger Wald, der noch 1466 zu den größeren Waldungen Hessens gezählt wurde, war reich an Wild und wurde von den Landgrafen von Hessen sehr begehrt. Nach etlichen Widerständen der Linsingen gegen die Kaufabsicht der Landgrafen willigten sie ein und verkauften 1358 den Linsinger Wald und das Hohe Jagdrecht an den Landgrafen von Hessen.

Die hessische Stammlinie hatte Lehnsverhältnisse mit den Landgrafen von Thüringen und Hessen, den Grafen von Ziegenhain, den Erzbischöfen von Mainz, dem Kloster Haina, den Grafen von Schaumburg, dem Chorherrenstift St. Peter zu Fritzlar und den Reichsabteien Hersfeld und Fulda.

Name Der Name des adeligen Grundherrn lautete vermutlich „Linus“ (nach dem Hl. Linus, dem Nachfolger des Hl. Petrus und 1. Papst). Seine Nachfahren nannten ihren Stammsitz „Linsingen“, indem sie dem Namen Linus – in der verkürzten Form „Lins“ – die Nachsilbe „-ing“ bzw. „ingen“ anfügten. Dieses Suffix bezeichnete die Abstammung und machte deutlich, dass sie die Nachfahren und Herren der Grundherrschaft waren. Ortsnamen mit der Endung „–ing“ oder „–ingen“ haben ihren Ursprung in der Zeitspanne vom 6. bis 9. Jh. und reihen sich in die agilolfingisch-karolingischen Ortsnamensgruppen ein, wie sie im Herzogtum Baiern (der Agilolfinger) zu finden sind (Aying, Freising usw.) oder auch im Namen von Herzog- und Fürstentümern in Verbindung mit dem Vornamen (Lothar, Sigmar) vorkommen, so Lothringen oder Sigmaringen.

Etymologisch kann aber auch der Namensbestandteil „Lins“ Sumpf bedeuten, da das Zentrum der Grundherrschaft, die Burg, im Wiesengrund mit Galeriewaldung lag.Hans Bahlow, Deutschlands geographische Namenwelt, Etymologisches Lexikon der Fluß- und Ortsnamen altdeutscher Herkunft, Frankfurt am Main 1985, S. 304f.

Weiterer Burgenbesitz Burg Lenswideshusen Im Dreieck des Zusammenflusses von Gilsa und Treis, etwa 25 km von Linsingen entfernt, hatten die Herren von Linsingen noch im 12. Jahrhundert eine befestigte Turmburg inne.Felix von und zu Gilsa: Historische Schriften, wie Anm. 15, S. 49. – Knappe, wie Anm. 2, S. 85. Etymologisch lassen sich die Namensbestandteile „lens“ und „wides“ als Sumpf oder Weide und Gehölz oder Wald (wida) deuten.Adolf Bach: Deutsche Namenkunde, Band II/1: Die deutschen Ortsnamen, Heidelberg 1953, S 308, § 318. Mit diesem Namen wird die Turmburg in der Urkunde über die steinerne Burg Jesberg als deren Vorläuferburg genannt. Das Dorf trug bis ins 16. Jahrhundert den Namen Lenswideshusen. Der siedlungsgeschichtlichen Namensform „–h(a)usen“ folgend wäre der Bau im 10./11. Jahrhundert zu vermuten, denn burgengeschichtlich wurden im 9. und 10. Jahrhundert in den Ebenen Turmburgen gebaut, die von Wassergräben umgeben waren.

Burg Jesberg mini|Burg Jesberg mini|Burg Jesberg 1623 Um das Jahr 1200 erbauten die Linsingen die romanische Burganlage Jesberg, bis heute auch „der Linsing“ genannt,Felix von und zu Gilsa: Historische Schriften, S. 43 ff. auf dem 235 m über NHN hohen Berg, der auch Jagdsberg oder jäher Berg hieß. Laut der Urkunde vom 2. April 1241 wurde die Burg auf eigenem Grund und Boden gebaut, war also keine Lehnsburg, sondern (allodiale) Eigentumsburg. Sie wurde der zweite Stammsitz der Linsingen in Hessen. Sie beherrschte das Tal von der Gilserberger Höhe bis in den Löwensteiner Grund, an der alten Fritzlarer Straße gelegen, einer der ältesten Handelsstraßen Hessens, die die Wetterau mit dem Raum Fritzlar/Gudensberg verbindet, dem Weg von Oberhessen nach Niederhessen. Mit dieser Lage war die Jesburg im 13. Jahrhundert für Kurmainz strategisch wichtig zum Schutz der Verbindung zum Archidiakonat Fritzlar und als Wehrburg gegen die Landgrafen von Hessen. Deshalb kaufte Erzbischof Siegfried III. 1241 die Burg von den Brüdern Ludwig und Wortwin von Linsingen und ließ sie zu einem Hauptstützpunkt gegen die Landgrafen ausbauen. Aber entweder war der Kaufvertrag unwirksam oder es hatte in der Abwicklung des Kaufpreises Probleme gegeben, denn 1403 schloss Erzbischof Johann II. mit Dietrich und Lotz von Linsingen einen Vergleich, worin er sich zu einer Schuld von 1.000 Gulden bekannte und ihnen den halben Teil der Burg verpfändete. Die andere Hälfte wurde von hessischer Seite als Linsingensches Eigentum angesehen. In den Kämpfen um die Burg im 14. und 15. Jahrhundert wurde sie mehrfach zerstört, wieder aufgebaut, fiel dann an den Landgrafen von Hessen, der wiederum mit den Linsingen 1586 einen Vergleich schloss. Im 16. Jahrhundert hatte die Burg ihre Bedeutung als Grenzfeste verloren, sie wurde nicht mehr bewohnt und dem Verfall überlassen. Von 1982 bis 1987 wurde die erhaltene Bausubstanz der stattlichen Burgruine saniert, der Bergfried mit einer Wendeltreppe begehbar und mit einer Aussichtsplattform ergänzt. Die Burg ist heute mit ihrem hohen Bergfried das Wahrzeichen von Jesberg.

Burg Schönstein mini|Burgruine Schönstein Die Burg Schönstein, 15 km nördlich von Ziegenhain, wurde 1368 mit Dörfern (Schönau, Monscheid, Treisbach, Sachsenhausen, beiden Winterscheid und Lichtenscheid) und Gericht und mit Einkünften von Gilserberg von Graf Gottfried von Ziegenhain für 900 Schillinge und 300 kleine Golddukaten an Gottfried von Linsingen und Hans und Helwig von Gilsa verpfändet, denen erlaubt wurde, die Burg zu verstärken. 1380 übertrugen die Herren von Linsingen ihren Anteil an die Herren von Gilsa.Felix von und zu Gilsa: Historische Schriften, S. 81.

Burg und Stadt Rosenthal sowie andere Lehen Ludwig und Dietrich von Linsingen waren ab 1385 mainzische Pfandinhaber der Burg Rosenthal und der Stadt RosenthalStArchiv Würzburg, Mainzer Ingrossaturbücher 10 fol. 318, 313. in Hessen und 1445 Erben der Burgen und fuldischen Lehen Buchenau und Werdau.Felix von und zu Gilsa: Historische Schriften, S. 67. – Georg Landau: Hessische Ritterburgen, 2. Band, Kassel, 1833, S. 143.

Standeserhöhungen Mitglieder des Adelsgeschlechts von Linsingen erhielten für sich und ihre Nachkommen folgende Standeserhöhungen und Bestätigungen: Wien, 7. März 1684, Reichsfreiherrenstand mit „Wohlgeboren“ für Johann Friedrich von Linsingen auf Jesberg, Kaiserlicher ReichshofratÖsterreichisches Staatsarchiv Wien, Adel RAA 251.63. Kurmainzische Bestätigung des Freiherrnstandes Mainz 1769 für die Freiherren von Linsingen eichsfeldischer Linie. Hartmann, OTribunalrat: Das Provinzial-Recht des Fstt. Eichsfeld, Berlin 1835, im Auftrag d. preuß. JustizMin. S. 369, Anm. 1, S. 370: churmainz. Acta Linsingen 1769. – Kurmainz. Lehnhof, Genealogie der Freiherrn v. Linsingen eichsfeldischer Linie, Kurfstl. Siegel Mainz 25. April 1782.