Uncle Wiggily in Connecticut (deutsche Erstübersetzung unter dem Titel Onkel Wackelpeter in Connecticut von Elisabeth Schnack, 1966) ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers J. D. Salinger, die nach ihrer Erstveröffentlichung am 20. März 1948 im New Yorker 1953 in die Sammlung Nine Stories (dt. Neun Erzählungen in der Übersetzung von Elisabeth Schnack und Annemarie und Heinrich Böll, 1966) aufgenommen wurde.

Onkel Wackelpeter in Connecticut schildert einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben der Protagonistin Eloise Wengler, der im Verlauf dieser Erzählung schmerzhaft bewusst wird, wie sehr sie sich seit ihrer Studienzeit in den letzten Jahren zum Negativen verändert hat. Am Ende der Kurzgeschichte verdichtet sich die Selbsterkenntnis der Protagonistin, dass sie sich von einem einst lebensfrohen und warmherzigen Mädchen nach ihrer Hochzeit und der Geburt ihrer Tochter zu einer frustrierten, verbitterten Haus- und Ehefrau gewandelt hat.Vgl. Horst Groene: Jerome D. Salinger, ”Uncle Wiggily in Connecticut“. In: Peter Freese (Hrsg.): Die amerikanische Short Story der Gegenwart: Interpretationen. Schmidt Verlag, Berlin 1976, ISBN 3-503-01225-7, S. 111. Siehe auch Peter Freese: J.D. Salingers Nine Stories · Eine Deutung der frühen Glass-Geschichten. In: Paul Gerhard Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1968, S. 263 ff. Der Text der Erzählung wird im Folgenden nach dem unten angegebenen Abdruck in Nine Stories bzw. in der dt. Übersetzung von Elisabeth Schnack in der Rowohlt-Ausgabe Neun Erzählungen zitiert

Inhalt Die Erzählung beginnt mit dem verspäteten Besuch der unverheirateten, berufstätigen Mary Jane, einer früheren Zimmergenossin aus den alten College-Zeiten, bei Eloise Wengler. Die Beschreibung des äußeren Rahmens der Begegnung deutet bereits zu Beginn auf eine Atmosphäre der Unordnung, des Schmutzes, der Unzufriedenheit und des Ekels. So heißt es von Mary Jane, sie sehe „verstört, ja sogar zerknirscht“ („upset, even fouled“, S. 19; dt. wörtlich eher „grauenhaft“ bzw. „schmutzig“) aus. Das „ganze verdammte Mittagessen“ („whole damned lunch“, S. 19) ist angebrannt; der Grund für Mary Janes freien Tag ist eine Hernie ihres Arbeitgebers. Eloise wirft ihre Zigarettenstummel einfach in den „schmutzigen Schnee“ („the soiled snow underfoot“, S. 20); dieser schmutzige Schneeschlamm („filthy slush“, S. 22) draußen erstarrt wiederum langsam zu Eis. Auf dem Fensterkreuz zwischen den Scheiben des Wohnzimmerfensters befindet sich eine dicke Schmutzschicht („grit ...on one of the crosspieces beween the panes“, S. 22); die Gastgeberin hat keine Zigaretten mehr und raucht stattdessen die ihrer Besucherin, da das „blöde Dienstmädchen“ („dopey maid“, S. 20) wohl nicht wisse, was sie mit den zwei Kartons Zigaretten mache solle, die Eloise kurz zuvor vor ihrer Nase ausgepackt habe. Missgelaunt stellt Eloise fest, sie habe keinen einzigen „elenden Fetzen“ zum Anziehen („I don‘t have one damn thing holy to wear“, S. 21) und es gebe „im ganzen verdammten Haus“ nicht ein einziges Kissen, das sie ausstehen könne (S. 23); das Blech mit den Eiswürfeln für die alkoholischen Getränke lässt sie beim Herausnehmen fallen, um das Dienstmädchen aufzuschrecken, das auf seinem „dicken schwarzen Hintern“ sitzt und den Roman „Das Gewand“ liest („sitting on her thick black butt reading ’The Robe‘“, S. 22).

In dem weiteren durch Alkohol aufgelockerten Gespräch mit der Besucherin stellt sich heraus, dass die Gastgeberin keinen Kontakt zu ihren kinderlosen Nachbarn hat (S. 27). Obwohl Eloise nur eine einzige Tochter hat, wird sie von den Nachbarn als „Die fruchtbare Fanny“ („Fertile Fanny“, S. 27) bezeichnet. Eloise hat sich ihrerseits an dieses hartherzige, bezugslose und oberflächliche Umfeld angepasst; ihre Interessen beschränken sich überwiegend auf die unverbindliche Welt des Films und der Mode.Vgl. Peter Freese: J.D. Salingers Nine Stories · Eine Deutung der frühen Glass-Geschichten. In: Paul G. Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1968, S. 264.

Ihre lieblose Ehe beruht, wie sie ihrer Freundin anvertraut, auf einer Lüge: Ihr Mann hatte ihr vor der Hochzeit vorgegaukelt, das Werk Jane Austens sehr zu schätzen; kurz nach der Eheschließung stellte Eloise jedoch fest, dass er noch keinen einzigen Roman von Austen gelesen hatte und sich seine Interessen auf Cartoons und Trivialliteratur beschränkten (S. 32).

Tagsüber ist Eloise allein; ihr Mann arbeitet als Pendler in der Stadt. Ihre Tochter, die stark kurzsichtige Ramona, war zuvor offensichtlich lange Zeit krank. Ramona lebt ganz in ihrer kindlichen Welt und hat keine tiefer gehende Beziehung zu ihrer Mutter. Eloises Schwiegermutter ist ihr fremd und verhasst. In dieser Umgebung hat Eloise angefangen zu trinken, um ihre bedrückende Lebenssituation zu vergessen; zudem ist sie ungerecht und gemein geworden. So schlägt sie beispielsweise ihrem Dienstmädchen grundlos die Bitte ab, deren Ehemann angesichts des harten Winterwetters die Nacht im Haus verbringen zu lassen; kaltherzig merkt sie nur an, sie betreibe schließlich kein Hotel („I‘m not running a hotel“, S. 36). Des Weiteren belügt sie am Telefon ihren Ehemann, als dieser in der eisigen Kälte darauf wartet, von ihr am Bahnhof abgeholt zu werden. Sie gibt vor, sie könne den Wagen nicht aus der Garage holen, da Mary Jane die Einfahrt zugeparkt und ihren Autoschlüssel im Schnee verloren habe. Bissig schlägt sie dann ihrem Mann vor, er könne ja mit den anderen Männern „einen Infanterie-Zug bilden“ und gemeinsam mit ihnen nach Hause marschieren. Dem Dienstmädchen trägt sie auf, nicht vor acht Uhr aufzutragen, da Herr Wengler sich etwas verspäten werde (S. 35). Vgl. auch die Inhaltsangabe bei Peter Freese: J.D. Salingers Nine Stories · Eine Deutung der frühen Glass-Geschichten. In: Paul G. Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1968, S. 264 f.

Die beiden Frauen nehmen weiter alkoholische Getränke zu sich und plaudern über frühere Mitstudierende an ihrem College, das Eloise 1942 im zweiten Studienjahr verlassen musste, da sie im Schlafsaalgebäude „mit einem Soldaten im geschlossenen Fahrstuhl ertappt worden war“ (S. 20). Ihre Freundin Mary Jane brach das College etwa einen Monat später ab, um einen Fliegerkadetten zu heiraten (S. 20).

Enthemmt durch den reichlich genossenen Alkohol beginnt Eloise von Walt Glass zu erzählen, ihrem humorvollen und stets gut gelaunten Geliebten aus einer glücklichen Vergangenheit („the only boy I ever knew that could make me laugh. I mean really laugh“, S. 28), und erzählt ihrem Gast vertraulich, sie bereue zutiefst ihren Mann Lew geheiratet zu haben.

Walts sinnloser Tod bei einem geradezu absurd erscheinenden Unfall während seines Militärdienstes im Pazifik, über dessen Hintergründe Eloise nicht weiter reden möchte (“I don‘t know exactly”, S. 33) ist der wesentliche Grund für ihre Veränderung von einem lebensfrohen, lustigen Mädchen zu einer oberflächlichen, verbitterten und gefühlskalten Frau. Ihr Ehemann Lew kann den verstorbenen Geliebten, der mit seinen ausgefallenen Scherzen und seiner Fröhlichkeit ihr Leben unbeschwert und lebenswert gemacht hatte (S. 28 f.), nicht ersetzen. Aus Eloises Sicht ist er ungebildet und nicht sonderlich intelligent („damn unintelligent“, S. 33); so kennt er Jane Austens Werk überhaupt nicht und liest einzig einen trivialen Roman von L. Manning Vines, da dessen sadistischer Inhalt ihn anspricht. Vgl. Text S. 33. Siehe auch die Inhaltsangabe bei Peter Freese: J.D. Salingers Nine Stories · Eine Deutung der frühen Glass-Geschichten. In: Paul G. Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1968, S. 266 f.

In ihrer verklärenden Rückschau erinnert Eloise sich an einen Vorfall, als sie bei dem Versuch, einen abfahrenden Bus einzuholen, hinfiel und sich einen Knöchel verstauchte. Da sagte Walt in netter Form („nice“): „Armer Onkel Wiggily!“ und meinte damit ihren Knöchel („He said, ’Poor Uncle Wiggily. He meant my ankle“, S. 29).

Bei der Vorstellung ihrer Tochter Ramona zwingt Eloise nach einer aufdringlichen Frage der neugierigen Mary Janes das kleine Mädchen dazu, seinen rein imaginären, d. h. nur in der kindlichen Vorstellungswelt existierenden, Freund Jimmy Jimmereeno (S. 25–27) preiszugeben und damit zu entweihen. Nach dieser grausamen Zerstörung ihrer kindlichen Wunsch- und Ersatzwelt geht Ramona nochmals nach draußen, um – wie sie sagt – wieder mit ihrem Freund Jimmy zu spielen. Vgl. Text S. 26 f. Siehe auch die Inhaltsangabe bei Peter Freese: J.D. Salingers Nine Stories · Eine Deutung der frühen Glass-Geschichten. In: Paul G. Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1968, S. 265 f.

Als Ramona wieder ins Haus kommt, erklärt ihr Mary Jane, ihr Freund Jimmy sei überfahren worden und gestorben. Eloise schließt sich Mary Jane an und fordert Ramona auf, zu wiederholen, was mit Jimmy geschehen sei. Teilnahmslos wiederholt Ramona Mary Jane's Neuigkeit von Jimmy's Tod. Eloise schickt Ramona wegen angeblichen leichten Fiebers ins Bett, ohne sich weiter um sie zu kümmern.

Erst später am Abend begibt Eloise sich in betrunkenem Zustand in das Kinderzimmer, um nach ihrer Tochter zu sehen. Da Ramona ganz auf der Außenkante des Bettes schläft, weckt Eloise sie auf und fragt nach dem Grund, Jimmy Jimmereeno sei doch überfahren worden. Als ihre Tochter daraufhin verschlafen antwortet, sie wolle Mickey Mickeranno nicht wehtun, zieht Eloise Ramona gegen deren Willen in die Mitte des Bettes und befiehlt ihr mit kreischender Stimme, in dieser Position wieder einzuschlafen. (S. 36 f.)

Eloise verharrt längere Zeit an der Türschwelle, stürzt danach im Dunklen zu Ramonas Bett, ohne den Schmerz von einem Stoß mit ihrem Knie gegen die Bettkante zu spüren, ergreift voller Tränen die Brille ihrer Tochter, presst sie gegen ihre Wangen und sagt dabei immer wieder „Poor Uncle Wiggily“ (S. 37). Anschließend steckt sie das Betttuch fest und gibt der ebenfalls weinenden Ramona einen Kuss.

Die Kurzgeschichte endet damit, dass Eloise in schluchzendem und flehendem Ton ihren Gast fragt: „Ich war ein nettes Mädchen, nicht wahr?“ („I was a nice girl, ... wasn‘t I?“, S. 38).

Interpretationsansatz