mini|Moritz Schularick (2021) Moritz Schularick (* 1975 in BerlinFAZ vom 3. März 2023, S. 19.) ist ein deutscher Volkswirt. Er ist Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW).
Leben Schularick studierte ab 1995 an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie an der Universität Paris VII und erhielt dort 1998 die Maîtrise. Anschließend wechselte er mit Stipendium des DAADs an die London School of Economics and Political Science, wo er 1999 einen M.Sc. erhielt. Einen dritten Abschluss (M.A.) machte er 2000 an der Humboldt-Universität Berlin.Activity Report Moritz Schularik vom 5. Februar 2023, abgerufen am 8. September 2023.
2005 wurde er an der Freien Universität Berlin promoviert, wo er ab 2007 auch als Juniorprofessor lehrte. 2012 folgte er einem Ruf als W3-Professor für Makroökonomik an die Universität Bonn. 2008/09 ging Schularick als Gastprofessor an die Universität Cambridge, 2011/2012 an die Stern School of Business der New York University. Im akademischen Jahr 2015/16 war er Alfred-Grosser-Professor am Institut d’études politiques (SciencesPo) in Paris.
2018 wurde Schularick in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gewählt. 2022 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Academia Europaea gewählt. Des Weiteren ist er Mitglied des Exzellenzclusters ECONtribute.
Seit 2023 ist Schularick Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Zudem ist er Professor für Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie an Sciences Po in Paris.
Forschung In seiner Forschung beschäftigt sich Schularick mit der monetären Makroökonomik, der Globalisierung des Finanzwesens, Finanzmärkten und Vermögenspreisen und den Ursachen von Finanzkrisen und ökonomischer Ungleichheit.
2012 erhielt er ein Schumpeter-Fellowship der Volkswagen-Stiftung zur Erforschung der finanziellen Seite der Globalisierung, der von ihm so bezeichneten Finanzialisierung.
Schularicks Arbeiten zu den Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Amerika, den Ursachen von Populismus sowie zu Renditen verschiedener Anlageklassen sind ebenfalls auf großes Interesse in der Fachwelt und in den Medien gestoßen. Namensbeiträge von Schularick sind unter anderem in der New York Times, der Financial Times und der Süddeutschen Zeitung erschienen.
Der h-Index von Schularick betrug Stand März 2023 37.
Positionen Schularick forderte im Mai 2024 die Bundesregierung unter Olaf Scholz dazu auf, mehr für Verteidigung auszugeben. Er sagte, die deutsche Haushaltspolitik sei ein Sicherheitsrisiko für Europa. Um die enormen Lücken in der deutschen Verteidigungsfähigkeit zu schließen, müsse die Bundesrepublik auf absehbare Zeit statt zwei Prozent rund drei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben.sueddeutsche.de: "Die deutsche Haushaltspolitik ist ein Sicherheitsrisiko für Europa" (21. Mai 2024) Dies würde eine Nettoneuverschuldung implizieren, zu der die Schuldenbremse gelockert werden müsste.tagesschau.de: IfW-Präsident fordert höhere Verteidigungsausgaben
Die FAZ veröffentlichte einen Gastbeitrag von Schularick und dem britischen Historiker Niall Ferguson mit dem Tenor die Zeit ist gekommen: Deutschland muss aufrüsten.FAZ: Deutschland hat den Schuss nicht gehört (faz.net 29. Juni 2024)
Gemeinsam mit seinen Fachkollegen Clemens Fuest, Michael Hüther und Jens Südekum konzipierte er kurz nach der Bundestagswahl 2025 eine Ausnahme von der Schuldenbremse für die in seinen Augen unerlässlichen Rüstungsausgaben, um Deutschland und Europa wieder verteidigungsfähig zu machen. Zusammengebracht wurde das parteiübergreifende Ökonomen-Quartett von Jakob von Weizsäcker (SPD).
Er kritisierte im August 2026 massiv das Vorgehen von Verteidigungsminister Boris Pistorius bei der Rüstung. Statt in Waffensysteme der Zukunft zu investieren, gebe Pistorius einen Großteil des Geldes weiter für veraltete Technologien wie Panzer und Fregatten aus. „Statt auf mehr Soldaten, mehr bemannte Fahrzeuge und mehr Kasernen müssen wir – wo immer möglich – auf KI, Robotik, Drohnen und Satellitentechnik setzen.“ „Statt hochkomplexe, maßgefertigte Panzer in kleiner Stückzahl oder 200 Flugabwehrraketen zu ordern, müsse es also darum gehen, Produktionskapazitäten aufbauen.“ Um dieses zu erreichen, solle es einen zentralen Koordinator für die militärische Beschaffung im Kanzleramt geben.
Ehrungen 2018: Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik 2022: Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis
Werke Moritz Schularick (Ed.): Leveraged: The New Economics of Debt and Financial Fragility, 2022, University of Chicago Press, ISBN 978-0-226-81693-7, https://doi.org/10.7208/chicago/9780226816944.001.0001 Der entzauberte Staat. Was Deutschland aus der Pandemie lernen muss. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77782-0 (mit Anmerkungen). Moritz Kuhn, Moritz Schularick, Ulrike Isabel Steins: Income and Wealth Inequality in America, 1949–2016. In: Journal of Political Economy, 2020, doi:10.1086/708815. Alina Bartscher, Moritz Kuhn, Moritz Schularick: The College Wealth Divide: Education and Inequality in America, 1956–2016. In: Federal Reserve Bank of St. Louis Review 102(1), 2020, S. 19–49, doi:10.20955/r.102.19-49. Katharina Knoll, Moritz Schularick and Thomas Steger: No Price Like Home, American Economic Review, 2017, 107: 331–353. Manuel Funke, Moritz Schularick, Christoph Trebesch: Going to Extremes: Politics after Financial Crises, European Economic Review, 2016, 88: 227–260. Oscar Jordà, Moritz Schularick, Alan Taylor: The Great Mortgaging: Housing Finance, Crises, and Business Cycles, Economic Policy, 2016, 85: 107–152 Oscar Jordà, Moritz Schularick, Alan Taylor: Betting the House, Journal of International Economics, 2015, 96: 2–18. Oscar Jordà, Moritz Schularick, Alan Taylor: Leveraged Bubbles, Journal of Monetary Economics, 2015, 76: 1–20. Moritz Schularick, Alan Taylor: Credit Booms Gone Bust: Monetary Policy, Leverage Cycles, and Financial Crises, American Economic Review, 2012, 102: 1029–1061. Niall Ferguson, Moritz Schularick: The End of Chimerica, International Finance, 2011, 14: 1–26.
Literatur
Weblinks
private Website von Moritz Schularick Profil beim Kiel Institut für Weltwirtschaft Interview. FAZ.net
Einzelnachweise
Kategorie:Ökonom (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Leibnizpreisträger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1975 Kategorie:Mann