Red Hat Enterprise Linux (RHEL) [] ist eine populäre Linux-Distribution, die von der Firma Red Hat hergestellt wird und auf den Unternehmensmarkt abgestimmt ist. Sie gilt in diesem Bereich als Marktführer unter den Linux-Distributionen und genießt eine große Unterstützung durch unabhängige Software-Hersteller.
Geschichte der Distribution RHEL hat sich aus der ehemaligen Linux-Distribution Red Hat Linux (RHL) herausgebildet und wurde das erste Mal am 17. Mai 2002 veröffentlicht. Ziel war, eine speziell für Geschäftskunden ausgerichtete Distribution mit entsprechendem Support- und Schulungsangebot aufzubauen. Als Red Hat im September 2003 das Endkundenprodukt Red Hat Linux zugunsten des Fedora-Projekts aufgab, blieb RHEL als einzige von Red Hat vermarktete Linux-Distribution übrig. Red Hat nutzt die Communityarbeit des Fedora-Projekts (das es maßgeblich sponsert), um diese zu RHEL weiterzuentwickeln. RHEL 7 basiert auf einem Mix von Fedora 19 und Fedora 20.
Varianten RHEL existiert in verschiedenen Varianten. Dazu gehört die Server-Variante Red Hat Enterprise Linux Server sowie die Desktop-Variante Red Hat Enterprise Linux for Workstations. Diese Produkte können über Red Hat Lightspeed verwaltet werden.
Besonderheiten der „Red Hat Enterprise Linux“ Red Hat Enterprise Linux hebt sich durch eine Reihe von Besonderheiten von anderen Distributionen ab:
Enterprise-Betriebssystem RHEL ist ein Enterprise-Betriebssystem, also ein Betriebssystem, das auf die Bedürfnisse großer Unternehmen ausgerichtet ist. Als Enterprise-Betriebssystem ist es deshalb auf Stabilität und lange Wartungszyklen ausgelegt. Man kann RHEL-Versionen bis zu 13 Jahre lang nutzen, ohne Pakete bzw. Softwareversionen migrieren zu müssen, weshalb es für den kommerziellen Einsatz geeignet ist. Für RHEL bieten große Softwarehäuser wie Oracle oder SAP Zertifikate an, die garantieren, dass deren Software auf RHEL problemlos funktioniert, was analog für große Serverhersteller gilt. Enterprise-Betriebssysteme findet man daher meist auf Workstations und Servern, auf denen ein extrem stabiler Betrieb verlangt wird. (Z. B. in der Wissenschaft, Forschung, Börse, Militär oder Raumfahrt.)
Lebenszyklus Der Lebenszyklus einer RHEL-Version beträgt zehn Jahre. In dieser Zeit wird die Verfügbarkeit von Updates und Patches von Red Hat garantiert. Die ersten drei RHEL-Versionen wiesen anfänglich eine siebenjährige Lebensdauer auf. Durch den Erwerb einer Extended Life Cycle Support-Lizenz (ELS) erhält man eine Versorgung mit Hotfixes und Sicherheitsupdates für weitere drei Jahre. Für die RHEL-Versionen 5 bis 6 verlängerte Red Hat nachträglich die Lebenszeit ebenfalls um drei Jahre auf insgesamt 13 Jahre, im Rahmen der sogenannten Extended Life Phase (ELP).
Red Hat unterschied bis RHEL 6 zwischen drei „Production“-Phasen: Während der ersten Phase („Production 1“) werden noch neue Funktionen hinzugefügt und die Hardware-Unterstützung optimiert, falls sich diese im Fedora-Projekt bewährt haben. In der zweiten Phase („Production 2“) werden nur noch neue Gerätetreiber hinzugefügt, wenn dafür keine großen Änderungen notwendig sind. In der dritten Phase („Production 3“) empfiehlt Red Hat die Virtualisierung, falls aktuelle Hardware genutzt werden soll. Während der darauf folgenden dreijährigen „Extended Life Phase“ (ELP) wird nur noch ein stark eingeschränkter Support geboten.
Version Support-Ende für Phase … „Production 1“ „Production 2“ „Production 3“ „Extended Lifecycle Support“ (AS) 1. Mai 2003 (ES) —
Ab RHEL 7 wird nur noch zwischen einer „Full Support“-Phase von fünf Jahren und einer anschließenden „Maintenance Support“-Phase von ebenfalls fünf Jahren unterschieden. Auch hier gibt es danach eine „Extended Life Cycle Support“-Phase (ELS) von drei Jahren, welche additiv zu erwerben ist. RHEL 7 wurde nachträglich auf diese neuere Supportstruktur migriert, weswegen diese auch eine abweichende ELS-Phase von fünf Jahren aufweist.
Version Veröffentlichung Support-Ende für Phase … „Full Support“ „Maintenance Support“ „Extended Lifecycle Support“ Softwaremanagement Red Hat Enterprise Linux wird mit einem grafischen Installer mit dem Namen Anaconda installiert, der auch für Einsteiger leicht bedienbar ist. Bei der Softwareverwaltung setzt Red Hat Enterprise Linux auf den Paketmanager RPM und die Software-Verwaltung dnf. Anwendungen und System-Teile werden dabei online auf einem Repository-Server gesucht, von dort als RPM-Package heruntergeladen und installiert. Zur allgemeinen Konfiguration des Systems stehen die system-config-*-Programme zur Verfügung, die jeweils auch grafische Benutzeroberflächen haben. Die system-config-*-Werkzeuge sind nach den üblichen Red-Hat- und Fedora-Prinzipien programmiert – diese legen fest, dass „Management-Tools“ (Hilfsprogramme zur Systemverwaltung) jeweils nur gezielt eine einzige Aufgabe erfüllen und keine exklusive Kontrolle über Konfigurationsdateien benötigen. Administratoren eines Systems müssen trotz Verwaltungswerkzeugen in der Lage sein, beliebige Änderungen manuell in den Konfigurationsdateien vorzunehmen.
Software-Repository-Anbieter Repositories anderer Anbieter verfolgen meist andere Ziele oder eine andere Lizenzpolitik als RHEL. Nennenswert sind hier Dag Wieers, RPM Fusion, RPMForge und atrpms. Diese Quellen sind nicht immer zueinander kompatibel. Darüber hinaus stellen immer mehr Softwareprojekte und Firmen, wie das Mono-Projekt, das GStreamer-Projekt, Skype oder Adobe, eigene Repositories zur Verfügung.
EPEL EPEL (Extra Packages for Enterprise Linux) ist ein vom Fedora-Projekt gepflegtes Repository, das portierte Pakete von Software bereitstellt, die in Fedora selbst, aber nicht in RHEL, CentOS oder Scientific Linux enthalten ist. Weil diese Enterprise-Distributionen auf der Basis von Fedora entwickelt werden, sind meist nur sehr kleine Anpassungen an den Paketen notwendig. EPEL erweitert somit die Enterprise-Distributionen um viele dort nicht enthaltene Anwendungen und Treiber. Da EPEL allein vom Einsatz der Community abhängt, geben Red Hat und das Fedora Projekt für EPEL-Pakete keine Garantien, Support oder Zertifizierungen, wie dies für Pakete im offiziellen RHEL-Repository üblich ist.
Sicherheit RHEL integriert vollständig die Kernel-Erweiterung SELinux, um so Mandatory Access Control zu ermöglichen. Neben dem eigentlichen SELinux-Kern wird auch ein grafisches Programm mitgeliefert, mit dem die Aktivitäten von SELinux analysiert und weiter bearbeitet werden können.
Ziel der SELinux-Integration ist, dass insbesondere RHEL 5 den Zertifizierungen EAL4+ und Labeled Security Protection Profile nach dem Common Criteria Standard genügen soll.
Open Source Assurance Red Hat bietet für die RHEL-Distribution eine Versicherung an, die gegen Klagen auf geistiges Eigentum an der Software schützt. Diese sind aufgrund von Softwarepatenten möglich. Zum Beispiel schützte die Versicherung vor möglichen Klagen der Firma SCO, die Teile des geistigen Eigentums von Linux beanspruchte (siehe auch SCO gegen Linux).
LSB-Zertifizierung Alle RHEL-Versionen wurden bis Version 7 durch die Linux Foundation gemäß der Linux Standard Base (LSB) zertifiziert. Diese Zertifizierung stellte sicher, dass RHEL eine Binärkompatibilität zu anderen Linux-Distributionen aufweist, was die Softwareentwicklung und -Migration stark vereinfacht. Während sich ältere RHEL-Versionen nach älteren LSB-Standards richten, sind RHEL 5.6 und 6.0 nach LSB 4.0 zertifiziert. Mit RHEL 7.0 erfolgte eine Zertifizierung nach LSB 4.1. Innerhalb von RHEL 8 wurden LSB-Pakete als „deprecated“ eingestuft und mit dem Release von Version 9 gänzlich entfernt. Seitdem werden neuere Versionen von RHEL nicht mehr nach der LSB zertifiziert.
Versionen und unterstützte Architekturen Red Hat Enterprise Linux wird ab der Version 5.x in zwei Varianten (Server oder Workstation) angeboten.
Red Hat Enterprise Linux 2.x Red Hat Enterprise Linux 2.x gab es in folgenden Versionen:
Red Hat Enterprise Linux AS (Red Hat Linux Advanced Server) – i386, IA-64 Red Hat Linux Advanced Workstation – IA-64 Red Hat Enterprise Linux ES – i386 Red Hat Enterprise Linux WS – i386
Red Hat Enterprise Linux 4.x, 3.x Red Hat Enterprise Linux 3.x und 4.x wurden in drei Varianten entwickelt: Advanced Server (AS, max. 16 CPUs, bis 64 GB RAM) Enterprise-Server (ES, 2 CPUs, 8 GB RAM) Workstation (WS, 2 CPUs, 64 GB RAM)
Es werden folgende Architekturen unterstützt: AS, ES, WS: x86 (32-Bit, i386-kompatibel)
AS, WS: x64 (64-Bit-x86) – AMD64 (x86-64) und Intel 64 (EM64T) IA-64 (64-Bit)
AS: PowerPC (32-/64-Bit, u. a. Apple Macintosh, IBM iSeries und pSeries) IBM-Mainframes (31-/64-Bit, IBM S/390 und zSeries)
Red Hat Enterprise Linux 5.x Workstation und Server: x86 (32-Bit, i386-kompatibel) x64 (64-Bit-x86) – AMD64 (x86-64) und Intel 64 (EM64T)
Weitere unterstützte Architekturen (Server-Version): PowerPC (32-/64-Bit, u. a. Apple Macintosh, IBM iSeries und pSeries) IBM-Mainframes (31-/64-Bit, IBM S/390 und IBM zSeries) IA-64 (64-Bit)
Red Hat Enterprise Linux 6.x Workstation und Server: x86 (32-Bit, i386-kompatibel) x64 (64-Bit-x86) – AMD64 (x86-64) und Intel 64 (EM64T)
Weitere unterstützte Architekturen (Server-Version): PowerPC (32-/64-Bit, u. a. Apple Macintosh, IBM iSeries und pSeries) IBM-Mainframes (31-/64-Bit, IBM S/390 und IBM zSeries)
Red Hat Enterprise Linux 7.x Workstation und Server: x64 (64-Bit-x86) – AMD64 (x86-64) und Intel 64 (EM64T)
Weitere unterstützte Architekturen (Server-Version): Power7 und Power8 (u. a. IBM iSeries und pSeries) IBM zSeries ARM v8 bzw. 64-Bit-ARM (Beta), seit 7.4 vollständig
Red Hat Enterprise Linux 8.x Workstation und Server: x64 (64-Bit-x86) – AMD64 (x86-64) und Intel 64 (EM64T)
Weitere unterstützte Architekturen (Server-Version): Power7 und Power8 (u. a. IBM iSeries und pSeries) IBM zSeries ARM (64-Bit)
Red Hat Enterprise Linux 9.x Workstation und Server: x64 (64-Bit-x86) – AMD64 und Intel 64 (x86_64-v2)
Weitere unterstützte Architekturen (Server-Version): Power9 IBM Zseries(z14) ARMv8.0-A (64-Bit)
Red Hat Enterprise Linux 10.x Workstation und Server: x64 (64-Bit-x86) – AMD64 und Intel 64 (x86_64-v2)
Weitere unterstützte Architekturen (Server-Version): Power9 IBM Zseries(z14) ARMv8.0-A (64-Bit)
Auf RHEL basierende Linux-Distributionen Bis Juni 2023 veröffentlichte Red Hat wie bei Open Source üblich den Quelltext von RHEL. Es gibt keine frei verfügbaren RHEL-Bootmedien oder -Images. RHEL kann, wie z. B. auch das (nicht RHEL-basierte) Konkurrenzprodukt SUSE Linux Enterprise Server, nur im Zusammenhang mit Supportverträgen erworben werden. Um dennoch ein frei verfügbares, RHEL-kompatibles Linux anbieten zu können, sind Projekte wie CentOS oder Scientific Linux entstanden. Da alle Quellpakete für die RHEL-Distributionen im Internet bereitstanden, konnten diese Projekte alle frei verfügbaren Pakete kompilieren und auf eigenen Boot-Images und Installationsmedien anbieten. Das Ziel war dabei, meist mit nur geringfügigen Änderungen, eine Distribution zu erzeugen, die vollständig zu RHEL kompatibel ist und ausschließlich aus frei verfügbarer Software besteht. In der Regel mussten daher aus Lizenzgründen einzelne Pakete (z. B. Adobe Reader, Flash Player) aus der Distribution entfernt werden. Umgekehrt konnten zusätzliche Pakete hinzugefügt werden, die ebenfalls frei sind und keine Verpflichtung zum Kauf von Lizenzen oder Supportverträgen mit sich bringen.
Beispiele für Distributionen, die auf RHEL basieren, sind: AlmaLinux: Zunächst binärkompatibel zu RHEL als inoffizieller Nachfolger von CentOS. ABI-kompatibel zu RHEL seit 13. Juli 2023. CentOS: Ist eine auslaufende weit verbreitete zu RHEL kompatible und freie Enterprise-Distribution. Der Nachfolger CentOS-Stream ist eine Distribution, um neue Pakete für RHEL zu testen. ClearOS: Eine kommerzielle, kostenpflichtige Distribution mit dem Ziel, Desktop-Computer als Server bzw. Gateway zu verwenden.