Rhododendron farrerae, auch Netzaderige Azalee genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Rhododendren (Rhododendron) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Sie ist in China, Taiwan und Japan verbreitet.
Beschreibung Erscheinungsbild und Laubblatt miniatur|Zweig mit den in Dreierwirteln angeordneten Laubblättern miniatur|Nahaufnahme der Blüten Rhododendron farrerae wächst als sommergrüner Strauch, der Wuchshöhen von 1,5 bis 3 Meter erreichen kann. Die Rinde der Zweige ist anfangs rau behaart und verkahlt später.
Die in Dreierwirteln an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der rau behaarte Blattstiel ist 0,3 bis 0,7 Zentimeter lang. Die einfache und pergamentartige Blattspreite ist breit eiförmig bis rautenförmig-eiförmig mit einer Länge von 3 bis 7 Zentimeter und einer Breite von 2 bis 5 Zentimeter. Die Spreitenbasis ist keilförmig bis gerundet, die Spreitenspitze ist zugespitzt und endet in einer Blattdrüse. Der Spreitenrand ist fein bewimpert-gezähnt. Die Blattoberseite ist anfangs rau behaart und verkahlt später, es kann jedoch eine spärliche Behaarung verbleiben während die Blattunterseite vor allem an den Nerven flaumig behaart ist, selten verkahlt sie.
Blütenstand und Blüte In Japan erstreckt sich die Blütezeit von Mitte April bis in den frühen Mai, wobei sich die Blüten bereits vor dem Ausbreiten der Laubblätter öffnen. Die endständige Blütenknospe ist eiförmig oder länglich-eiförmig mit einer Länge von 7 bis 8 Millimetern und einer Breite von etwa 4 Millimetern und enthält ein bis zwei Blüten. Die äußeren Knospenschuppen sind breit-eiförmig und auf der Außenseite dicht rau behaart und am Rand dicht flaumig behaart. Der flaumig behaarte Blütenstiel ist 0,5 bis 0,7 Zentimeter lang.
Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die an der Außenseite spärlich kurz flaumig behaarten und am Rand rau behaarten Kelchblätter bilden einen tellerförmigen Kelch mit einem Durchmesser von etwa 2,5 Millimetern. Die fünf etwa 2,5 Zentimeter langen und etwa 3 Zentimeter breiten Kronblätter sind nur an ihrer Basis kurz offen-trichterförmig verwachsen. Die Farbe der Kronblätter ist violett, sie weisen an der oberen Innenseite dunkelviolette Sprenkel auf. Die Kronröhre ist etwa 0,5 Zentimeter lang und auf beiden Seiten kahl. Die fünf Kronlappen sind länglich-verkehrt-eiförmig mit einer Länge von rund 2 Zentimetern und einer Breite von 1 bis 1,2 Zentimetern. Von den zehn Staubblättern sind die fünf oberen 1 bis 1,5 Zentimeter und die fünf unteren 2 bis 2,5 Zentimeter lang. Die Staubfäden sind kahl. Die ellipsoiden Staubbeutel sind an den kürzeren Staubblättern etwa 1 Millimeter und an den längeren etwa 2 Millimeter lang. Der eiförmige Fruchtknoten ist dicht rau behaart. Der kahle Griffel ist etwa 2,5 Zentimeter lang.
Frucht und Samen Die rau behaarte Kapselfrucht ist schräg länglich bis länglich-eiförmig mit einer Länge von 0,7 bis 1,2 Zentimetern und einem Durchmesser von 0,4 bis 0,5 Zentimetern. Die 1 bis 1,2 Millimeter langen und 0,4 bis 0,5 Millimeter breiten Samen sind spindelförmig mit einem spitzen Ende und einem undeutlichen Anhängsel am anderen Ende.
Vorkommen Das natürliche Verbreitungsgebiet von Rhododendron farrerae ist China, Taiwan und der westliche Teil Japans. Es umfasst die chinesischen Provinzen Chongqing, Fujian, Guangdong, Hunan, Jiangxi sowie das östliche Guangxi. In Japan umfasst es das Zentrum und den Süden der Insel Honshū sowie die Inseln Shikoku und Kyūshū.
Rhododendron farrerae gedeiht in Japan in Dickichten an sonnigen Standorten in Sekundärwäldern in Höhenlagen von 0 bis 700 Metern. In China gedeiht Rhododendron farrerae in dichten Wäldern in Höhenlagen von 800 bis 2100 Metern.
Systematik Die Erstbeschreibung von Rhododendron farrerae erfolgte 1831 durch Robert Sweet auf der Grundlage eines nomenklatorisch ungültigen Manuskriptes des englischen Pflanzenzüchters Mr. Tate. Der Name ehrt Mrs. Farrer, die Ehefrau von Captain Farrer, der Exemplare dieser Art 1829 auf dem Schiff Orwell der Britischen Ostindienkompanie aus China einführte. Der Holotypus ist die die Erstbeschreibung begleitende Farbtafel, die auf einem in England kultivierten Exemplar basiert.
Synonyme für Rhododendron farrerae sind: Azalea farrerae , Rhododendron cinereoserratum , Rhododendron daiyunicum , Rhododendron daiyuenshanicum , Rhododendron farrerae var. leucotrichum , Rhododendron gnaphalocarpum , Rhododendron kiyosumense , Rhododendron dilatatum var. kiyosumense , Rhododendron lagopus , Rhododendron wadanum var. lagopus , Rhododendron reticulatum var. lagopus , Rhododendron mariesii , Rhododendron mariesii f. albiscens , Rhododendron mayebarae , Rhododendron nudipes var. mayebarae , Rhododendron viscistylum var. mayebarae , Rhododendron mayebarae var. ohsumiense , Rhododendron nagasakianum , Rhododendron nudipes var. nagasakianum , Rhododendron nudipes , Rhododendron reticulatum var. nudipes , Rhododendron nudipes var. kirishimense , Rhododendron nudipes subsp. niphophilum , Rhododendron lagopus var. niphophilum , Rhododendron nudipes var. tokushimense , Rhododendron lagopus var. tokushimense , Rhododendron nudipes var. tsurugisanense , Rhododendron lagopus var. tsurugisanense , Rhododendron nudipes var. yakumontanum , Rhododendron reticulatum , Rhododendron reticulatum var. bifolium , Rhododendron reticulatum f. bifolium , Rhododendron reticulatum var. ciliatum , Rhododendron reticulatum var. parvifolium , Rhododendron reticulatum f. parvifolium , Rhododendron reticulatum f. trichostylum, Rhododendron shimidzuanum , Rhododendron tsurugisanense var. nudipetiolatum , Rhododendron umbelliferum , Rhododendron shojoense .
Für die Pflanzen aus dem japanischen Teilareal war bislang der Name Rhododendron reticulatum akzeptiert. Xiao-Feng u. a. 2010 konnten beim Vergleich mehrerer hundert Herbarbelege aus Japan und aus China keine taxonomisch relevanten Unterschiede finden und stellten deshalb Rhododendron reticulatum in die Synonymie von Rhododendron farrerae. Rhododendron reticulatum wurde 1834 durch George Don junior auf der Grundlage eines nomenklatorisch ungültigen Manuskriptes von David Don veröffentlicht. Zur Herkunft wird nur angegeben, dass Mr. Knight von King’s Road in Chelsea diese Art aus den Gebirgen Japans eingeführt hat. G. Don nennt keine Illustration oder Herbarmaterial im Protolog zur Art. Um die Anwendung dieses Namens zu fixieren, war es erforderlich, einen Typus festzulegen. Nachdem ihnen kein von für die Erstbeschreibung verwendetes Herbarmaterial zugänglich war, wählten Xiao-Feng u. a. als Neotypus einen von dem japanischen Botaniker F. Yamazaki gesammelten Herbarbogen aus, der und im Herbarium der Universität Tokio deponiert ist, der der Erstbeschreibung entsprechend netznervige Laubblätter und wenige Blüten enthält.
Bei Xiao-Feng u. a. 2010 sind keine Subtaxa mehr anerkannt.
Rhododendron farrerae gehört zur Sektion Brachycalyx , die früher in die Untergattung Azaleastrum gestellt wurde, heute aber in die Untergattung Tsutsusi innerhalb der Gattung Rhododendron gehört.
Quellen Fang Mingyuan (方明渊), Fang Ruizheng (方瑞征 Fang Rhui-cheng), He Mingyou (何明友), Hu Linzhen (胡琳贞 Hu Ling-cheng), Yang Hanbi (杨汉碧), David F. Chamberlain: Rhododendron. In: Aus T. Yamazaki Rhododendron. S. 16–44. In: K. Iwatsuki, T. Yamazaki, D. E. Boufford, H. Ohba (Hrsg.): Flora of Japan. Volume 3a, Kodansha. Tokyo, 1993. Jin Xiao-Feng, Ding Bing-Yang, Zhang Yue-Jiao, Hong De-Yuan: A Taxonomic Revision Of Rhododendron subg. Tsutsusi sect. Brachycalyx (Ericaceae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 97, Nr. 2, 2010, S. 163–190 (hier v. a, S. 176–182), doi:10.3417/2007139, (PDF-Datei).
Einzelnachweise Jin Xiao-Feng, Ding Bing-Yang, Zhang Yue-Jiao, Hong De-Yuan: A Taxonomic Revision Of Rhododendron subg. Tsutsusi sect. Brachycalyx (Ericaceae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 97, Nr. 2, 2010, S. 163–190, doi:10.3417/2007139, (PDF-Datei). Rhododendron. In:
Robert Sweet: The British flower garden, (series the second,) containing coloured figures & descriptions of the most ornamental and curious hardy flowering plants. Band 1, J. Ridgway, London 1831, Tafel 95 und 2 Seiten Text, . George Don junior: A General History of the Dichlamydeous Plants comprising complete descriptions of the different orders … the whole arranged according to the natural system. Band 3 Calyciflorae. J. G. and F. Rivington, London 1834, S. 846 (online). John McNeill u. a.: International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants (Melbourne Code) (= Regnum Vegetabile. Band 154). A.R.G. Gantner, Ruggell 2012, ISBN 978-3-87429-425-6, Artikel 9.16, 9.18 (online, engl.).
Weblinks
Illustration aus Xiao-Feng u. a. 2010.
Kategorie:Rhododendren farrerae