Traumindikatoren sind Elemente in Träumen, die Hinweise auf Verarbeitungsmechanismen im Erleben liefern. Sie lassen sich mit Hilfe TraumanalysemethodenHall, C. S., & Van de Castle, R. L. The content analysis of dreams, 1966. Appleton-Century-Crofts, New York.Moser, U. & Zeppelin, I. v. (1996): Der geträumte Traum. Stuttgart (Kohlhammer) anhand speziell definierter Kategorien identifizieren. Die Kategorien beruhen auf theoretischen Überlegungen zum Gedächtnis, Affektregulation wie sie in der psychoanalytischen Theorie Freuds beschrieben wurden.

Theoretischer Hintergrund Im Erscheinen von Freuds TraumdeutungFreud, S. (1900a): Die Traumdeutung. GW 2/3. sehen vielen die Geburtsstunde der Psychoanalyse. Auch heute noch betrachten viele klinisch tätigen Psychoanalytiker den Traum als die “via regia zum Unbewussten”, als zentrale Quelle von Erkenntnissen in ihrer „spezifischen Wissenschaft des Unbewussten“Leuzinger-Bohleber, M. (2010a): Psychoanalyse als "Wissenschaft des Unbewussten" im ersten Jahrhundert der IPA. Internationale Psychoanalyse 18, Sonderausgabe zum 100-jährigen Bestehen der IPV, 24-26.. Doch, haben sich in den letzten Jahren für die psychoanalytische Traumforschung neue Chancen für den interdisziplinären Dialog mit den angrenzenden Wissenschaften ergebenFonagy, P., Kächele, H., Leuzinger-Bohleber, M. & Taylor, D. (eds.) (2012): The significance of dreams: Bridging clinical and extraclinical research in psychoanalysis. London (Karnac Books).. Mit der Entdeckung der raschen Augenbewegungen bei SäuglingenAserinsky, E. & Kleitman, N. (1955): Two types of ocular motility occuring in sleep. J App Physiol 8, 1-10. begann ein neues Kapitel der Traumforschung. Der biologische Traumprozess rückte ins Zentrum der ForschungHartmann, E. (1973): The biology of dreaming. Springfield (Thomas)., während die psychologische Traumforschung und -deutung eher in den Hintergrund verbannt wurde. Erst in den beiden letzten Jahrzehnten versuchten verschiedene Forschergruppen, neurobiologische und psychologische Traumforschung in neuer Weise zu verbindenKaplan-Solms, K. & Solms, M. (2000): Neuro-Psychoanalyse. Eine Einführung mit Fallstudien. Stuttgart (Klett-Cotta), 2003.Ellman, S. & Weinstein, L. (2011): REM sleep, dreaming and the role of endogenous stimulation. Ann Psychoanal.. Die psychoanalytische Traumtheorie und -deutung erfuhr ein neues Interesse und löste heftige Kontroversen aus. Die bekannteste fand zwischen Allan J. Hobson und Mark Solms statt. In einer neuen Arbeit zum Thema „Hobson's protoconsciousness and Freud's primary process“, zeichnet SolmsSolms, M. (2012): Hobson’s protoconsciousness and Freud’s primary process. Manuskript für die DGPT-Tagung in Lindau, 2012. (2012) eine Annäherung des biologisch orientierten Hirnforschers Hobson an Freuds Traumtheorie nach.

Historische Anmerkungen Wie Fischmann, Leuzinger-Bohleber und KächeleFischmann, T., Leuzinger-Bohleber, M., Kaechele, H. (2012) Traumforschung in der Psychoanalyse: Klinische Studien, Traumserien, extraklinische Forschung im Labor. Psyche - Z Psychoanal 66: 833-861. (2012, S. 834ff.) skizzieren, kann Freuds ausführliche Darstellung einer fast vollständige Analyse des Irma – Traums als Markenstein der psychoanalytischen Traumforschung gelten (Freud 1900a). Dank der ausführlichen Dokumentation der einzelnen Interpretationsschritte bei der Traumdeutung machte es Freud möglich, sein Verständnis kontrovers zu diskutieren und seine Konzepte kritisch weiterzuentwickelnErikson, E. H. (1954): Das Traummuster der Psychoanalyse. Psyche – Z Psychoanal 8, 1955, 561-604.Schur, M. (1966): Some additional ‘day residues’ on the specimen dream of psychoanalysis. In: Loewenstein, R. M. (ed.): Psychoanalysis. A general psychology. New York (International Universities Press), 45-85.Thomä, H. (1987): Wer war Freuds „Irma“? Anmerkungen zu K. R. Eisslers “A Farewell to Freud’s ‘Interpretation of Dreams’”. Psyche – Z Psychoanal 41, 987-991.Peters, U. H. (1989): Irma – Emma – Martha – Anna. Einige zusätzliche Bemerkungen zu Ausführungen von K. R. Eissler und H. Thomä. Psyche – Z Psychoanal 43, 830-848.. Franz Alexander (1925)Alexander, F. G. (1925): Über Traumpaare und Traumreihen. Intern Z Psychoanal 11, 80-85. untersuchte als erster „Traumpaare und Traumreihen“ und entdeckte das Phänomen der Wiederholung von Trauminhalten. Damit verbunden war die Frage, warum in Traumserien immer wieder die gleichen Problemstellungen bearbeitet werden. Thomas FrenchFrench, T. M. (1952): The integration of behavior. Vol. I: Basic postulates: 1. Chicago (University of Chicago Press).French, T. M. (1954): The integration of behavior. Vol. II: The integrative process in dreams. Chicago (University of Chicago Press).French, T. M. (1958) The integration of behavior. Vol. III: The reintegrative process in a psychoanalytic treatment. Chicago (University of Chicago Press). (1952, 1954, 1958) postulierte in seinem drei-bändigen Werk „The Integration of Behavior“, dass jeder Traum eine charakteristische logische Struktur aufweist. Zudem zeigen Träume eines bestimmten Individuums logische Strukturen auf, die auf ungelöste unbewusste Konflikte dieser Person hinweisen. Weniger bekannt geworden ist, dass Alexander Mitscherlich (1947)Mitscherlich, A. (1947): Vom Ursprung der Sucht. Gesammelte Schriften, Bd. 1. Frankfurt a. M. (Suhrkamp), 1983, 141-404. 103 Träume einer Analysandin publizierte, um daran zu illustrieren, was die Patientin mit diesen Träumen mitzuteilen versuchte. In den 1960er Jahren legten EnkeEnke, H., Ohlmeier, D. & Nast, J. (1968): Eine formale Affekt- und Beziehungsanalyse in Traumserien von Patienten mit psychosomatischen Krankheitsbildern. Z Psychosom Med Psychoanal 14, 15-33. und seine Mitarbeiter eine formale Affekt- und Beziehungsanalyse von psychosomatischen Patienten vor. Geist & Kächele (1979)Geist, W. B. & Kächele H. (1979): Zwei Traumserien in einer psychoanalytischen Behandlung. Jahrb Psychoanal 11, 138-165. nutzten die erste auf Tonband aufgezeichnete Psychoanalyse von Helmut Thomä, um bestimmte Traumkonfigurationen präzise zu untersuchen. Sie eröffneten damit neue Möglichkeiten der empirischen Traumforschung in der Psychoanalyse. Leuzinger-Bohleber (1987)Leuzinger-Bohleber, M. (1987): Veränderung kognitiver Prozesse in Psychoanalysen, Band I: eine hypothesengenerierende Einzelfallstudie. Ulm (PSZ). untersuchte Veränderung kognitiver Prozesse zuerst anhand eines Traumtagebuchs eines transvestitischen Analysanden und entwickelte daran eine Reihe von Hypothesen zu Veränderungen des manifesten Trauminhalts sowie des Umgangs mit Träumen in einer, aufgrund verschiedener Perspektiven, als erfolgreich beurteilten Psychoanalyse. Anschließend wurden diese Hypothesen mit einer computerunterstützten, theoriegeleiteten Inhaltsanalyse anhand der Traumerzählungen der ersten und letzten 100 Analysestunden von vier tonbandaufgezeichneten psychoanalytischen Behandlungen abgestützt (Leuzinger-Bohleber 1989)Leuzinger-Bohleber, M. (1989). Veränderung kognitiver Prozesse in Psychoanalysen, Band II. Fünf aggregierte Einzelfallstudien. Ulm (PSZ).. In den Träumen der Endphase der erfolgreichen Psychoanalysen erweitert sich das Spektrum der Affekte in den manifesten Trauminhalten (Motive der Freude, der Überraschung, des Stolzes, des Triumphes, der Trauer, der Distanzierung etc. Angstträume waren seltener als zu Beginn der Behandlung, kamen aber immer noch vor). Zudem finden sich mehr gelungene als misslungene Problemlösungen. Weiter ist das Traum-Ich seltener in der Beobachterposition und aktiver. Schließlich tauchen reifere Objektbeziehungen und mehr Menschen als Tierdarstellungen auf (vgl. Leuzinger-Bohleber 1989). „Zu einem späteren Zeitpunkt wurde untersucht, wie die Entwicklung über den gesamten Verlauf einer dieser vier psychoanalytischen Behandlungen, den der Patientin Amalie X bewertet werden kann (Kächele et al. 1999)Kächele, H., Eberhardt, J. & Leuzinger-Bohleber, M. (1999): Expressed relationships, dream atmosphere & problem solving in Amalia’s dreams – Dream series as process tool to investigate cognitive changes. A single case study. In: Kächele, H., Mergenthaler, E. & Krause, R. (Hg.) Psychoanalytic Process Research Strategies II. Ulm, http://www.horstkaechele.de/ english section.. Die ausschließliche Untersuchung der Träume der Anfangs – und Endphase der Behandlung lässt offen, wie sich Veränderungsprozesse im Verlauf der Therapie gestalten. Wir fanden sowohl Verläufe von Messgrößen mit Variationen um einen Mittelwert in der Intensität (wie z. B. in den aggressiven und ängstlichen Emotionen) als auch Veränderungen von Parametern, die sich entlang der Zeitachse abwärts oder aufwärts bewegen. Überraschend war der Befund, dass die Patientin Amalie X schon zu Behandlungsbeginn spezielle Traum-Fähigkeiten aufweist. Von Beginn an zeigt sie die Fähigkeit, aktiv Beziehungsmuster in ihrem Träumen zu organisieren. Die Veränderungen zeigten sich in der Qualität dieser Beziehungen: diese wurden freundlicher und sorgender.Beeindruckend sind die systematischen Veränderungen über die Zeit in der Traumatmosphäre: selbst-bezogene negative Emotionen nehmen deutlich ab: hingegen weisen objekt-bezogene negative Emotionen eine stabile Variabilität um einen Mittelwert auf, zeigen keine Trends, weder auf- noch abwärts. Über den Verlauf setzt sich in den Träumen der Patientin eine Fähigkeit zu erfolgreichen Problemlösungsstrategien immer deutlicher durch“ (vgl. Fischmann, Leuzinger-Bohleber und Kaechele, 2012, S. 836). Weitere, interessante Studien wurden im Bereich der experimentellen Schlaftraumforschung durch Psychoanalytiker durchgeführt. Mit der Möglichkeit die physiologischen Merkmale des Schlafes zu messen, war es möglich geworden, mit gezielten Weckungen aus verschiedenen Schlafphasen Träume im Schlaflabor zu erheben. In Laborexperimenten konnte so u. a. die Beeinflussbarkeit von Träumen durch visuelle und akustische subliminale Stimulation vor dem EinschlafenLeuschner, W. Hau, S. & Fischmann, T. (2000): Die akustische Beeinflussbarkeit von Träumen. Tübingen (Edition diskord).Leuschner, W. (1986): Mitteilung über eine akustische Methode experimenteller Traumerregung. Psyche - Z Psychoanal 40, 341-354.Strauch, I. & Meier, B. (1992): Den Träumen auf der Spur. Ergebnisse der experimentellen Traumforschung. 2. Aufl. Bern/Göttingen/Toronto (Huber), 2004.Schredl, M. (1999): Die nächtliche Traumwelt. Eine Einführung in die psychologische Traumforschung. Stuttgart (Kohlhammer). sowie die Bedeutung des Traums für das Gedächtnis untersucht werdenLeuschner, W. & Hau, S. (Hg.) (1995): Traum und Gedächtnis. Neue Ergebnisse aus psychologischer, psychoanalytischer und neurophysiologischer Forschung. Münster (LIT Verlag).Fiss, H. (1995): The post-Freudian dream. A reconsideration of dream theory based on recent sleep laboratory findings. In: Leuschner, W. & Hau, S. (Hg.): Traum und Gedächtnis. Neue Ergebnisse aus psychologischer, psychoanalytischer und neurophysiologischer Forschung. Münster (LIT Verlag), 11-35..

Klinische und extraklinische Traumforschung Gegenüberstellung von klinischer und extraklinischer Traumforschung in der LAC-Depressionsstudie