mini|Adelheid von Carolath-Beuthen, um 1830 Fürstin Adelheid von Carolath-Beuthen, geb. Gräfin Pappenheim (* 3. März 1797 in Pappenheim; † 29. April 1849 in Dresden) war eine deutsche Autorin, Briefschreiberin und Landschaftsmalerin.
Sie verkehrte und korrespondierte unter anderem mit Johann Wolfgang von Goethe und Ottilie von Goethe, Rahel und Karl August Varnhagen von Ense, Bettina von Arnim und Hermann von Pückler-Muskau.
Adelheid von Carolath-Beuthen hat einen umfangreichen schriftlichen Nachlass (Briefe, Manuskripte und Lebensdokumente) hinterlassen, der als Dauerleihgabe in der Forschungsstelle Pückler-Archiv der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz aufbewahrt wird.
Leben und Wirken
Adelheid wurde als erstes Kind von Lucie von Hardenberg – Tochter des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg – und Karl Theodor von Pappenheim in Pappenheim geboren. Zwei Geschwister starben kurz nach der Geburt. Nach der räumlichen Trennung der Eltern im Jahr 1802 (1817 erfolgte die Scheidung) ließ sich Adelheid nach Zwischenstationen in Dennenlohe, Hamburg und Frankfurt am Main zunächst mit ihrer Mutter Lucie und deren Pflegetochter Helmine Lanzendorf (um 1799–1843, verheiratete von Blücher) in Berlin nieder. Hier entstand auch das erste nachgewiesene Porträt Adelheids. Der Maler Wilhelm Hensel fertigte um 1816 Bleistiftzeichnungen von Adelheid und ihrer Mutter an und verewigte die Gezeichneten in dem Gedicht Malers Abschied von seiner WerkstattWilhelm Hensel: Malers Abschied von seiner Werkstatt, in: Georg von Blankensee et al.: Bundesblüthen Berlin 1816, S. 40–41. in der Strophe:
O Dreiblatt deutscher huldiger Gräfinnen, Sieh nicht so lieblichfesselnd zu mir her! Die Freiheit ruft – der Maler eilt von hinnen, Wird auch das Scheiden seiner Seele schwer.
Ein weiteres Gemälde von Gerhard von Kügelgen befindet sich in Privatbesitz und als Kopie im Schloss Branitz. Ein Gemälde von Friedrich Raschke, das im Jahr 1818 entstanden ist und Adelheid als Fürstin mit einer Rose in der Hand zeigt, ist verschollen und nur in einer historischen Fotografie überliefert. Eine Lithographie mit dem Porträt Adelheids ist in den Erinnerungsbüchern des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau erhalten geblieben.
In Berlin lernten Adelheid, Helmine und Lucie den Reiseschriftsteller und Gartenkünstler Hermann von Pückler-Muskau kennen. Lucie heiratete Pückler-Muskau im Herbst 1817 und widmete sich fortan gemeinsam mit ihm der Anlage und Gestaltung des berühmten Muskauer Landschaftsgartens.Astrid Roscher: Lucie von Pückler-Muskau – heimliche Hauptakteurin im Schatten des Grünen Fürsten. In: Die Gartenkunst, Jg. 21, 2 (2008), S. 187–198. Adelheid hatte bereits am 1. Juli 1817 den Fürsten Heinrich zu Carolath-Beuthen geheiratet und war ihm in die Standesherrschaft in Schlesien gefolgt.
Adelheids Lebensmittelpunkt war fortan das Schloss von Carolath (heute Siedlisko), das über zahlreiche Gebäudekomplexe, einen Gartensaal, einen Fürstensaal, eine der größten Privatbibliotheken Schlesiens und weitläufige parkähnliche Anlagen verfügte. Das Schloss ist heute eine Ruine. Aus der Ehe mit dem Fürsten Heinrich, die von gemeinsamen musischen Interessen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war, gingen die zwei Töchter Lucie (1822–1901) und Adelheid (1823–1841) hervor.
Rahel Varnhagen, mit der Adelheid befreundet war und eine langjährige Korrespondenz pflegte, nannte Adelheids Töchter „Modell-Kinder“Barbara Hahn (Hrsg.): Rahel Varnhagen. Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde, Göttingen 2011, Bd. 5, S. 211. und auch die Fürstin Liegnitz, morganatische Gattin von Friedrich Wilhelm III., fühlte sich sehr zu den beiden Mädchen hingezogen.Jana Kittelmann: Herrinnen des Terrains – Der Briefwechsel zwischen Lucie von Pückler-Muskau und Adelheid von Carolath-Beuthen, Cottbus 2013, S. 45 ff. Der Musiker Johann Nisle widmete den beiden ein Musikstück.Zeitung für die elegante Welt, Bd. 37 Jg., 1837, Cotta’sches Morgenblatt für gebildete Stände, Nr. 144, 1837.mini|Schloss Carolath, Sammlung Duncker
Adelheid von Carolath-Beuthen pflegte enge Beziehungen zum preußischen Hof, vor allem zu Friedrich Wilhelm III. In ihrem Nachlass sind Briefentwürfe an den König erhalten geblieben. Die preußischen Prinzen und Angehörige des Hofes waren häufiger zur Jagd in dem nahe bei Carolath gelegenen Jagdhaus Heinrichslust zu Gast. In Carolath wirkte in den 1820er Jahren auch der preußische Forstwissenschaftler Wilhelm Pfeil. Dieser findet mehrmals in Briefen Adelheids Erwähnung.
In Carolath widmete sich Adelheid der musischen Ausbildung und Erziehung ihrer Töchter sowie ihren eigenen künstlerischen Interessen. Dazu zählten vor allem ihre Tätigkeiten als Verfasserin von Briefen, Gedichten, Romanentwürfen und als Landschaftsmalerin. Außerdem förderte sie die Gründung von Einrichtungen zur Bildung und Erziehung von Mädchen in Schlesien.
Gemeinsam mit ihrer Mutter Lucie von Pückler-Muskau gestaltete sie einzelne Anlagen des Parks von Carolath. Unterstützt wurden sie dabei von den Muskauer Gärtnern Eduard PetzoldEduard Petzold: Erinnerungen aus meinem Leben, Leipzig 1890, S. 39 ff. und Jacob Heinrich Rehder. Ein im Carolather Oderwald gelegenes Cottage, das sich am Englischen Haus im Muskauer Park orientierte, entstand in den frühen 1830er Jahren. An den Planungen war anfangs auch Karl Friedrich Schinkel beteiligt. Darauf weisen Aussagen im Briefwechsel zwischen Lucie von Pückler-Muskau und Adelheid von Carolath-Beuthen hin.Kittelmann: Herrinnen des Terrains, S. 62. In späteren Jahren war in dem im neugotischen Stil erbauten Cottage der mit dem Fürsten Heinrich befreundete Dichter Emanuel Geibel zu Gast. Das Cottage bekam deshalb den Namen Geibelhäuschen. Bis auf Wegestrukturen, einen historischen Baumbestand und einige historische Ziegel ist nichts von dem Cottage erhalten geblieben.
Auch das Terrain um die in den 1840er Jahren im klassizistischen Stil erbaute Villa Adelheid, die in Sichtweise des Carolather Schlosses liegt und heute eine Schule beherbergt, wurde auf Anregungen Adelheids von Lucie von Pückler-Muskau gestaltet. Das zur Oder hin abschüssige Terrain wurde terrassiert und mit Wegen ausgestattet.
Impulse in gartenkünstlerischen Fragen erhielt Adelheid von Carolath-Beuthen zudem von der Herzogin Dorothea von Sagan, die in unmittelbarer Nachbarschaft lebte und mit der sie freundschaftlich verbunden war. Dorothea hatte in Sagan und in Günthersdorf Landschaftsgärten anlegen lassen und tauschte sich in landschaftsgestalterischen Fragen auch mit Adelheids Stiefvater Hermann von Pückler-Muskau aus.Günter Erbe: Dorothea Herzogin von Sagan (1793–1862). Eine deutsch-französische Karriere, Köln / Weimar / Wien 2009, S. 128 ff.
Das Leben in Carolath wurde immer wieder von zahlreichen Reisen unterbrochen. Ihre Sommerfrischen verbrachte die Fürstin Adelheid häufig in Bad Gastein. Hier entstanden unter anderem das Gedicht Die Aussicht und eine Zeichnung des Gasteiner Wasserfalls. Der Wasserfall war ein beliebtes Motiv der Zeit und wurde unter anderem auch von Karl Friedrich Schinkel gezeichnet.
Die weiteste Reise führte die Fürstin Carolath im Jahr 1830 nach England, wo sie an den Krönungsfeierlichkeiten für Wilhelm IV. teilnahm. Mit Queen Adelaide war sie verwandtschaftlich und freundschaftlich verbunden. Im Nachlass Adelheid von Carolath-Beuthens sind Briefe der Queen Adelaide erhalten geblieben. Anlässlich des Aufenthaltes der Carolaths in England erschien eine Artikelserie in der Times. Der Bildhauer Peter Turnerelli fertigte eine Büste von Adelheids Tochter Lucie an, über deren Verbleib allerdings nichts bekannt ist.London Standard, Friday 26th of November 1830, Page 2.
Adelheid führte ein Reisetagebuch, das sie ursprünglich veröffentlichen wollte. Allerdings ist nur ein kleiner Teil davon in einem Buch ihrer Enkelin Adly von Pückler publiziert. Die Publikation gibt Adelheids Aufzeichnungen über ihre Begegnung mit Goethe wieder. Am 30. August 1830 traf Adelheid von Carolath-Beuthen im Weimarer Haus am Frauenplan mit Goethe und dessen Schwiegertochter Ottilie zusammen.Jana Kittelmann: Mildes Feuer – andächtiger Schauer. Goethe und Adelheid von Carolath-Beuthen, in: Goethe-Jahrbuch Bd. 130, Göttingen 2014, S. 206–214. Goethe gab ihr einen Kuss und regte sie zu einer Veröffentlichung ihrer Gedichte in der von Ottilie von Goethe redigierten Zeitschrift Chaos an. Dort erschienen im Jahr 1831 die Gedichte Meinem Heinrich zu seinem Geburtstage. 29ten November und Im Herbst 1821 gedichtet. Verse wie die folgenden künden von einem ausgeprägten Naturempfinden der Fürstin:A.C.(Adelheid von Carolath-Beuthen): Im Herbst 1821 gedichtet. In: Chaos, 1831, Nr. 4, S. 16.
Wenn kühle Abendlüfte säuseln, In schöner Sommernacht; Im Strome Silberwellen kräuseln, Erinnerung erwacht. Wenn auf der Wiese Nebel schweben, In duftiger Gestalt; Da mahnet mich ein sanftes Beben An Zeiten, die verhallt.
Ein Brief Adelheids an Goethe vom 31. Dezember 1830 ist im Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv erhalten geblieben. Mit Ottilie von Goethe stand sie in losem Kontakt. Zwei Briefe Adelheids an Ottilie befinden sich ebenfalls im Archiv in Weimar.
Letzte Jahre, Tod und Begräbnis Die letzten Lebensjahre Adelheids waren von zunehmender Krankheit und schweren Schicksalsschlägen überschattet. Im Jahr 1841 starb ihre Tochter Adelheid auf einer Reise durch Süddeutschland, vermutlich an den Pocken. Im Jahr 1843 verlor sie ihre Freundin und Pflegeschwester Helmine von Blücher, mit der sie aufgewachsen war und zeitlebens in engem Kontakt grestanden hatte. Auch die Unruhen der Revolution im März 1848, die Adelheid in Berlin hautnah miterlebte, erschütterten sie und trugen zu einer Destabilisierung ihrer physischen und psychischen Verfassung bei. Die Fürstin starb vermutlich an einem Nervenleiden am 29. April 1849 in Dresden und wurde wenige Tage später unterhalb des einst für sie erbauten Aussichtspunktes „Adelheidshöh“ in Carolath bestattet. Die Gruft existiert noch. Der Dichter Oskar Hartig verfasste 1849 das Gedicht Die Gruft der Fürstin Adelheid zu Carolath-Beuthen, geb. Reichsgräfin zu Pappenheim. Darin heißt es unter anderem:Oskar Hartig: Die Gruft der Fürstin Adelheid zu Carolath-Beuthen, geb. Reichsgräfin zu Pappenheim, Glogau 1849. mini|Begräbnisstätte von Adelheid von Carolath-Beuthen in Carolath (Siedlisko)
Dort ruht sie nun! – Am Fuße jener Höhe Die ihren Namen in die Nachwelt trägt; Daß sie des Zephirs milder West umwehe, Manch banges Herz Ihr weine tief bewegt! Dort ruht sie nun! – Von Aller Blick geschauet, Vom Sonnenstrahl, vom Sternenschein umglänzt, Von der Naturen Labetrunk bethauet - Von der Naturen Blumenflor umkränzt.
Freundschaft mit Rahel Varnhagen Adelheid von Carolath-Beuthen verband eine langjährige Freundschaft mit Rahel Varnhagen von Ense, die sie bereits 1815 in Frankfurt am Main kennengelernt hatte. Rahel schrieb im Dezember desselben Jahres der damals 18-jährigen Adelheid ins Stammbuch:
„Das Beste was gesagt werden kann, ist doch nur das, welches am besten ausdrückt, was nicht gesagt werden kann.“Hahn: Rahel. Ein Buch des Andenkens, Bd.III, S. 333.
Schriftliches Zeugnis der Freundschaft ist ein über zwei Jahrzehnte geführter und recht umfangreicher Briefwechsel, der sich in der Sammlung Varnhagen (derzeit in der Jagiellonen-Bibliothek