mini|Tesla Model 3 am Supercharger in Wittenburg, 2021
Tesla Supercharger sind Schnellladestationen für Elektroautos, die von Tesla aufgebaut und betrieben werden. Die Verteilung der Ladestationen entlang von Autoverkehrsmagistralen in 20 Ländern ermöglicht Fahrten auf langen Strecken mit kurzen Ladestopps. Das gesamte Netzwerk wird von Tesla selbst finanziert. Bis 2017 war die Nutzung der Supercharger im Kaufpreis der Modelle S und X enthalten, dann galt dies nur noch für Erstkäufer und nicht kommerzielle Nutzung und seit 2018 werden nur noch bestimmte Kontingente kostenfrei gewährt. Anfänglich konnten die Ladestationen nur mit Fahrzeugen von Tesla genutzt werden. Seit November 2021 wurden sie sukzessiv für Fahrzeuge anderer Hersteller geöffnet.
Entwicklung und Technik Erste Supercharger-Stationen mini|Typ-2-Stecker eines Tesla Supercharger in Europa mini|Typ-2-Anschlussdose in der linken Rückleuchte eines europäischen Model S. Die Isolatoren der Steckkontakte sind beleuchtet. Tesla Motors begann 2012 mit der Errichtung seiner Ladestationen unter dem Namen „Tesla Supercharger“. Beim Laden am Supercharger wird mit einem fest an der Ladesäule installierten Kabel unter Umgehung des Bordladegeräts die Antriebsbatterie direkt mit Gleichspannung geladen. Der Stecker am Kabel passt zu der Tesla-eigenen Ladebuchse (als „Charge port“ bezeichnet), mit dem die Tesla-Fahrzeuge ausgerüstet sind. Das Laden mit Wechselspannung kann mittels eines Adapters an jedem SAE J1772-Typ-1-Stecker erfolgen.
Anders als bei vielen anderen Gleichspannungs-Schnellladesystemen der damaligen Zeit befindet sich beim Tesla-Supercharger die Ladetechnik nicht in der Ladesäule, sondern in von den Ladesäulen abgesetzten, etwas entfernt stehenden Schaltschränken, den so genannten „Cabinets“. Dadurch wird die Ladeinfrastruktur kostengünstiger. So ging das Entwicklungsteam bei der Generation V4 (V4-Ladesäulen mit V4-Schaltschränken, 500 kW pro Ladepunkt) von Gestehungskosten um USD 40'000 pro Ladepunkt aus.
Die ersten Stationen lieferten eine maximale Ladeleistung von rund 90 kW. Ab 2013 wurde Technik für 120 kW installiert, später für maximal 145 kW. In einer ersten Phase wurden Ladestationen entlang der West- und Ostküste der Vereinigten Staaten errichtet. In einer zweiten Phase erfolgte die Verbindung der beiden Küstenkorridore. Seitdem war es möglich, mit einem Model S die Vereinigten Staaten unter ausschließlicher Nutzung der Supercharger zu durchqueren. Parallel zum Netzausbau in den USA begann Tesla Motors mit der Installation von Supercharger-Ladestationen in Europa, Asien und Australien. Im Juni 2014 gab Tesla Motors bekannt, einige Patente, die mit ihrer hauseigenen Entwicklung für Ladestationen verbunden sind, der Allgemeinheit zur freien Verwendung zur Verfügung zu stellen.
Supercharger für Europa Tesla-Fahrzeuge für den europäischen und australischen Markt wurden – abweichend vom US-Markt mit der Tesla-eigenen Buchse – mit Ladesteckdosen des in Europa als Standard eingeführten IEC Typs 2 ausgeliefert, wodurch diese Fahrzeuge an allen, in Europa weit verbreiteten, Typ-2-Säulen mit Wechselspannung laden können. Zudem konnten die Fahrzeuge mit dieser Ladebuchse an den in Europa aufgestellten Tesla-Superchargern der Versionen 1 und 2 mit Gleichspannung geladen werden; weit schneller als an AC-Anschlüssen und für die damaligen Fahrzeugkäufer kostenlos. Tesla schaffte es, die von seinen Cabinets bereitgestellten Leistungen von zunächst 90 kW, dann 120 kW und schließlich 135 kW DC über den Typ-2-Stecker zu übertragen. Dazu verwendete es von den vier Wechselspannungs-Pins je zwei für Plus und für Minus, wie es im Normungsprozess für den Typ-2-Stecker als „DC-Mid“ – mit bis zu 70 kW Leistung – vorgeschlagen worden war.Fahrzeuginlets und Kupplungen Typ 2 für AC- und DC-Ladung Pressemitteilung von Mennekes, September 2011. Abgerufen am 18. Februar 2025Mark Kane: Tesla Model S Charging Inlet In Europe. 18. August 2013, abgerufen am 12. Januar 2016 (englisch) Die dafür erforderliche Umschaltung durch die Fahrzeug-Elektronik hatte Tesla bereits für seine nordamerikanische Ladelösung entwickelt und eingebaut. Aufgrund der unterschiedlichen Stecker und Buchsen können amerikanische Tesla-Fahrzeuge nicht an den europäischen Superchargern geladen werden, und umgekehrt gilt dasselbe.
Tesla rollte sein Gleichspannungs-Schnellladungssystem in Europa aus, bevor 2013 der internationale Ladestandard Combined Charging System verabschiedet wurde, der für Gleichspannungsübertragung ein erweitertes Steckerdesign mit zwei zusätzlichen Gleichstromkontakten vorsieht. Erst die ab 2019 in Europa ausgelieferten Fahrzeuge des Model 3 und Model Y wurden von Anfang an mit dem CCS-Combo2-Anschluss ausgerüstet, die Modelle S und X wurden ab Modelljahr 2022 in Europa mit der CCS-Combo2-Buchse ausgeliefert. Die Supercharger in Europa wurden ab Ende 2018 auf diesen Standard umgestellt. Bei den Superchargern der Version 2 wurde hierzu nachträglich ein zusätzliches Kabel mit dem CCS-Combo2-Stecker in die Ladesäulen integriert, das Gleichspannungsladen per Typ-2-Stecker war also an diesen Ladesäulen weiterhin möglich. Die Ladesäulen der Versionen 3 und 4 wurden von Anfang an in Europa nur noch mit einem CCS-Combo2-Stecker ausgestattet. Damit die Fahrzeuge der Model S & X bis zum Modelljahr 2022 die Supercharger ab Version 3 nutzen können, bietet Tesla für diese Fahrzeuge einen CCS-Adapter als Zubehör an. Bei einigen älteren Fahrzeugen war zusätzlich noch eine Modifikation der Ladeelektronik notwendig, um diesen Adapter nutzen zu können.
Die Bezahlung und Abrechnung erfolgt bei Tesla-Fahrzeugen automatisch über eine Erkennung des Fahrzeuges beim Einstecken („Plug & Charge“) und eines online mit dem Fahrzeug verknüpften Benutzerkontos mit hinterlegtem Zahlungsmittel. Somit ist die Nutzung der Supercharger auch für zahlende Kunden mit Tesla-Fahrzeug genauso einfach, wie für diejenigen, die die Supercharger noch kostenlos nutzen können – neben dem Einstecken sind keine weiteren Schritte erforderlich, der Ladevorgang startet sofort. Für Kunden mit Fahrzeugen anderer Marken gibt es an den Superchargern bis Version 3 die Möglichkeit der Zahlung über eine App, ab Version 4 sind zusätzlich Kartenterminals für Kontaktlos-Kreditkartenzahlungen an den Ladesäulen verbaut.
Supercharger Version 2 Die als V2 bezeichneten Supercharger der zweiten Generation wurden ab 2015 aufgestellt und 2019 auf 150 kW Leistung ausgebaut. Sie sind folgendermaßen aufgebaut: Ladepunkte pro Cabinet: 2 Maximale Leistung pro Ladepunkt: 150 kW Gesamtleistung eines Cabinet: 150 kW Lastverteilung in 25 kW-Schritten zwischen den beiden Ladepunkten eines Cabinets
Die V2-Supercharger in Europa wurden Ende 2018/Anfang 2019 mit einem zusätzlichen Ladekabel nach dem CCS-Standard ausgestattet, da ab dem in Europa neu eingeführten Tesla Model 3 alle neuen Tesla-Fahrzeugtypen mit einer CCS-Buchse ausgeliefert werden, für Ältere wird ein Adapter angeboten. Die Supercharger V2 arbeiten, wie V1, mit von den Ladesäulen abgesetzten Ladegeräten, so genannten „Cabinets“ in denen die eigentliche Ladetechnik untergebracht ist. Ein Cabinet versorgt bei V2 zwei Ladesäulen („Stalls“), also 2 gleichzeitig nutzbare Ladepunkte, zwischen denen eine stufenweise Lastverteilung stattfindet, wenn beide Ladepunkte an einem Cabinet belegt sind. Ab Mitte 2024 wurden in Deutschland die V2-Supercharger an Hauptverkehrsrouten (TEN-V) auf V4-Technik umgerüstet.
Supercharger Version 3 mini|Tesla V3 Cabinet Seit 2019 wurden Supercharger V3 mit bis zu 250 kW Spitzenleistung pro Ladeanschluss aufgestellt, zunächst in Kalifornien. In Europa sind die V3-Ladesäulen ausnahmslos mit CCS-Steckern ausgestattet, der Typ2-DC-Mid-Stecker aus den V1 und V2 entfiel. Somit sind die V3-Supercharger technisch kompatibel mit den meisten schnellladefähigen Elektroautos in Europa. Die technische Architektur wurde gegenüber V2 in folgenden Punkten geändert: Ladesäulen pro Cabinet: 4 (statt 2 bei V2) Maximale Leistung pro Ladepunkt: 250 kW (statt 150 kW bei V2) Maximale Leistung pro Cabinet: 375 kW Maximale Spannung: 500 V, Maximale Stromstärke: (kurzzeitig) 700 A pro Ladepunkt 1000-V-DC-(Gleichspannungs)Schiene, mit der die Cabinets eines Standortes untereinander verbunden sind. Lastverteilung über einen gesamten Standort mit vielen Ladepunkten hinweg – die DC-Schiene erlaubt bis 1000 kW für die Ladepunkte an einem Cabinet.
Megacharger Des Weiteren gab Tesla bei der Vorstellung seiner Sattelzugmaschine Semi bekannt, Megacharger-Stationen zu errichten, um die Lkws innerhalb von 30 Minuten für eine Reichweite von etwa 645 km laden zu können. Die Leistung der Megacharger sollte dafür bei über 1 MW liegen und zunächst an Be-/Entladepunkten der Großkunden gebaut werden.Fred Lambert: Tesla-Megacharger-Stationen. Electrek, 2. Februar 2018Fred Lambert: Enthüllung des Tesla Semi. Electrek, 17. November 2017 Die Megacharger für den Erstbesteller Pepsi wurden 2023 mit 750 kW errichtet. (siehe auch Megawatt Charging System)
Für die zweite Generation der Tesla Semi kündigte Dan Priestley im April 2025 an, dass diese mit einem MCS-Stecker ausgerüstet werden sollen. Passend dazu werden neue Megacharger mit V4 Cabinet errichtet, die maximal 1,2 Megawatt an einem Ladepunkt geben können, und über Lastverteilung die verfügbare Ladeleistung auf 8 Ladepunkte verteilen können. Bis Anfang 2027 soll ein Ladenetzwerk mit 46 Standorten in den USA entstehen, dass mindestens 300 öffentliche Megawatt-Ladepunkte betreibt.
Supercharger Version 4 mini|Neues Design der Supercharger V4 Seit 2023 werden neue Supercharger aufgestellt, die im Design den Megachargern ähneln. Diese als Version 4 bezeichneten Ladesäulen sind höher, um ein längeres Kabel zu ermöglichen, farblich in Schwarz und Weiß gehalten und haben nicht mehr die mittige Öffnung. Es werden an den V4-Säulen auch Kartenleser für kontaktlose Kreditkartenzahlung (nur für Fahrzeuge anderer Hersteller als Tesla relevant) und ein kleines Display verbaut.
Laut Typschild auf den Ladesäulen wird eine Stromstärke von 615 A (Ladekabel) bzw. 1000 A (Ladesäule) und eine Spannung von bis zu 1000 V unterstützt. Dies hat jedoch bei den bis Ende 2024 aufgestellten V4-Superchargern keinen Einfluss auf die Spitzenleistung beim Laden, da die eigentliche Ladetechnik („Cabinets“) bis Ende 2024 identisch mit der Technik der V3-Supercharger ist. Damit beträgt wie bei V3 die maximale Leistung pro Ladepunkt 250 kW, die maximale Spannung 500 V und die maximale Stromstärke ca. 700 A. Seit Januar 2025 werden die V4-Ladesäulen mit V3-Technik in den USA für eine Ladeleistung bis zu 325 kW freigeschaltet, an denen der Tesla Cybertruck mit entsprechender Leistung laden kann. Dennoch lädt auch der Cybertruck dort noch mit 500-V-Technik, das bedeutet, die Leistungssteigerung wurde durch eine Erhöhung der Stromstärke erreicht und nicht durch eine Erhöhung der Spannung.
Auf den V4 Supercharger Ladesäulen sind 1000 V und eine maximale Stromstärke von 615 A vermerkt (bei 800 V etwa 500 kW). Seit Anfang 2023 verbaut Tesla die V4 Ladesäulen an seinen Superchargern. Die V4 Ladesäulen stellen nunmehr die 400 V, die 800 V und die 1000 V Technik bereit. Louis Mayer: Tesla V4 Supercharger im Kommen – was ist neu? 1. Dezember 2024, abgerufen am 27. März 2025
Supercharger V4 Cabinet Neue V4 „Cabinets“, also die Ladetechnik, die abseits der Ladesäulen in Schaltschränken steht, verändern die technische Architektur erneut: Ladesäulen pro Cabinet: 8 (statt 4 bei V3) Maximale Leistung pro Ladepunkt: 500 kW (MCS 1200 kW) Maximale Leistung pro Cabinet: 1200 kW Maximale Spannung: 1000 V, maximale Stromstärke 1200 A (Statt 500 V / 700 A bei V3) KEINE DC-Schiene mehr wie bei V3 Stufenlose Lastverteilung unter den 8 an ein Cabinet angeschlossenen Ladepunkten.