mini|Burg Trenčín
Die Burg Trenčín (auch Burg Trentschin bzw. Trentschiner Burg; slowakisch Trenčiansky hrad) befindet sich in der Stadt Trenčín im Nordwesten der Slowakei.
Geschichte mini|Burg Trenčín mini|Aufstieg zur Burg mini|Ansicht der Burg Trenčín
Die Burg wurde im 11. Jahrhundert auf einem steilen Felsen erbaut. Sie war eine königliche Burg, unter der sich allmählich eine Stadt entwickelte. Das mächtige Festungswerk ist das Ergebnis einer allmählichen Vervollkommnung der wichtigen Grenzfestung und des späteren Komitatssitzes Trenčín. Dabei spielte die Burg eine wichtige Rolle in der Geschichte des Königreichs Ungarn, vor allem während der Türkeneinfälle.
Matthäus Csák (Matúš Čák, Máté Csák) kam 1302 in den Besitz der Burg und beherrschte von hier aus bis zu seinem Tod im Jahre 1321 faktisch die gesamte West- und Mittelslowakei. Nach seinem Tod wurde die Burg wieder königliches Eigentum. Sein Vater Peter Csák hatte den 39 m hohen Zentralturm in Jahren 1260 bis 1270 umbauen lassen.
Am 24. August 1335 wurde auf der Burg Trenčín der Vertrag von Trentschin abgeschlossen. Vertragsparteien waren der böhmische König Johann von Luxemburg und dessen Sohn Karl IV. sowie der polnische König Kasimir der Große. Als Vermittler bei den Vertragsverhandlungen wirkte Kasimirs Schwager, der ungarische König Karl von Anjou. Mit dem Vertrag gab Kasimir der Große alle Ansprüche Polens auf die von den Piasten dominierten schlesischen Herzogtümer auf. Im Gegenzug verzichteten Johann von Luxemburg und sein Sohn Karl auf den polnischen Königstitel, den sie von den Přemysliden ererbt hatten.
Ebenfalls auf der Burg Trenčín bestätigte Kasimirs Nachfolger Ludwig I. 1372 in seiner Eigenschaft als König von Polen die Trentschiner Verzichtserklärung von 1335 in vollem Umfang.
Zum robusten Matthäusturm kamen im Laufe der Zeit weitere Objekte hinzu: der Mühl- und Jeremiasturm sowie der Ludwigs-, Barbara- und Zápolyapalast. Den für die heutige Burg charakteristischen Barbara-Palast ließ König Sigismund von Luxemburg auf der Burg für seine zweite Gemahlin Barbara errichten.
1600 wurden die Erbgespane Illésházys Eigentümer der Burg. Von 1663 bis 1782 ließ sich eine deutsche Besatzung auf der Burg nieder. 1742 wurde die Burg umgebaut und nach 1782 als Kaserne genutzt. Die Pläne von Ján Illésházy zur Erneuerung der Burg wurden nicht verwirklicht, da sie 1790 durch einen Brand zerstört wurde. Intensivere Renovierungsarbeiten begannen erst im Jahr 1956 und werden bis heute fortgeführt.
Burgbesitzer, Burghalter und Burgherren Bolesław I., genannt der Tapfere (1001–1018) Michael (1193–1195 Trentschiner Gespann) Stoysa und Brüder (1208 Burgkapitän) Lodomerius (1240 Trentschiner Gespann) Bogomir (1241–1244 Trentschiner Gespann)
Die Mitglieder der Familie Csák Stefan Csák (1275 Trentschiner Gespann, Sohn des Matthäus I. Csák) Peter Csák de Trencsén (Vater des Matthäus III.) Matthäus (III.) Csák (1296–1321) Stefan Bohemus von Sternberg (1321) (Neffe des Matthäus (III.) Csák)
Die Königsfamilie Anjou und die hochrangigen Adeligen Karl I. Ludwig I. Maria (1371–1395) Nicolaus Uljaki (1352–1357) Peter Cudara von Onodu (1373–1375) Georg Bebek von Pelsöci (Plešivec)
Die Königsfamilien Luxemburg und Habsburg und ihre Ritter Ctibor von Ctiborice der Ältere bis 1414 (1391–1401, 1409–1418) Ctibor von Ctiborice der Jüngere ab 1414 Sigismund von Luxemburg (ab 1386) Barbara von Cilli (1424–1439) (Ehefrau des Sigismund von Luxemburg) Ladislaus von Garai Elisabeth von Luxemburg (1439) (Tochter des Ehepaares Sigismund und Barbara) Albrecht V. von Habsburg (Ehemann der Elisabeth von Luxemburg) Ulrich II. (Cilli) (1439–1454) (Cousin der Elisabeth)
Die Königsfamilien Jagiełło und Corvinus Władysław III. (Polen und Ungarn) (1441) Johann Hunyadi (1454–1456) Johann Giskra von Brandeis (bis 1470) (war in den Diensten der Elisabeth von Luxemburg) Matthias Corvinus (1458–1475) Franz Hag „Haagy“ (František z Hája) (1468?–1475) (der Befehlshaber der sogenannten „schwarzen Armee“, war in den Diensten des Matthias Corvinus) Margit Gyulay (die Witwe des Franz Hag) (bis 1477)
Die Familie Zapolya Stephan Zápolya (1475–1499) Hedwig von Teschen, Tochter des Teschener Herzogs Przemislaus II. (Teschen) (Ehefrau des Stephan Zápoya) Johann Zápolya (bis 1528) (Sohn der Vorstehenden)
Die Familie Thurzo und die Töchter der Margita Séczy Alexius Thurzo (1534–1543) und Magdalena Székely von Ormoszd (1543–1549) Nikolaus II. von Salm-Neuburg (1543–1549) Margita Séczy (1548) (Ehefrau des Nikolaus II. und die Tochter der Magdalena Székely) Ferdinand I. von Habsburg (1548–1560) Pirrhus d’Arco (1560) (Ehemann der Margita Séczy) Anna d’Arco (bis 1570) (Tochter des Ehepaares Séczy und d’Arco) Georg Serine (Zrínyi-Zrínsky) (Ehemann der Anna d’Arco) Ladislaus Popel von Lobkowitz d. J. (1573–1582) (Ehemann der Marie Magdalena von Salm, Tochter des Ehepaares Margita Seczy und Nikolaus II. von Salm) Ernfrid (Ehrenfried) von Ortenburg (1582) (Ehemann der Giulia d’Arco, Tochter des Ehepaares Seczy und d’Arco) Imrich Forgách (1582–1594) (Ehemann der Katarina Zrínyi, die Schwester des Georg Zrínyi)
Die Familie Illéshazy Stephan Illéshazy (1594–1609) Gaspar Illesházy (1609–1648) Gabriel Illesházy (1649–1667) Georg Illesházy (1667–1689) Nicolaus Illesházy (1689–1723) Josef Illesházy (1723–1766) Johan Babtist Illesházy (1766–1799) Stefan II. Illesházy (1799–1835)
Die letzten Besitzer – Familie Sina Georg Simon von Sina (ab 1835) Iphigenie d Hartcoure (bis 1905)(Enkeltochter des Georg Sina)
Die Burg im Besitz der Familie Illésházy An den Wänden des Zapolya-Palastes hängen die acht Porträts der Mitglieder des Hauses Illésházy, die 241 Jahre lang die Burgbesitzer waren (1594–1835). Der erste Besitzer und der Gründer der Gemäldegalerie aus dem Hause Illésházy war Stefan I. Illésházy. Das Geschlecht Illésházy gehörte zu den bedeutenden Geschlechtern im Waaggebiet, seine Mitglieder übten am königlichen Hof bedeutende Funktionen aus. Dazu waren sie Vorsitzende der Gespanschaft Trenčín und Liptov.
Stephan I. Illésházy hatte einen jähzornigen Charakter, der ihn fast den Kopf kostete. Bei einem Konflikt zwischen ihm und Kaiser Rudolf II., bei welchem es um die Eigentümerschaft zweier Städte im Besitz der Illésházys ging, kam es von Seiten Stephans zur Majestätsbeleidigung. Als alter Mann floh er nach Polen. Vorher besuchte er heimlich die Burg Trenčín, um die Wertgegenstände zu verstecken oder aus der Burg an einen sicheren Ort zu bringen. Über seine heimlichen Besuche erfuhr der Kaiser, der dem Stadtmagistrat einen Brief schickte. Dieser sollte den Illésházy fassen und ausliefern. Aus Angst vor dem Kaiser, aber auch aus Angst vor einer möglichen Rache des Illésházy erfanden sie eine Geschichte, nach der Illésházy durch einen Geheimgang auf die Burg gelangte und diese jederzeit ungesehen verlassen konnte. Auf diese Weise entstanden die Legenden über die Geheimgänge der Burg. Stephan I. konnte schließlich, ohne den Kopf zu verlieren, nach Hause zurückkehren.
Georg Illésházy übersiedelte im Jahr 1678 aus der unbequemen Burg in ein Herrenhaus. Dabei wurden fast alle Wertgegenstände wie Möbel und Gemälde aus der Burg weggebracht. Im 18. Jahrhundert wurden auch die Steinportale der Fenster und Türen entfernt. (Das aus dem Jahr 1678 stammende Burginventar ist heute in einer Vitrine des Zapolya-Palastes ausgestellt.)
Der letzte Burgbesitzer des Hauses Illésházy war Stephan II. Illésházy. Sein ehrgeiziger Vater Johan Baptist Illésházy, war der reichste Adelige im Waaggebiet und wollte die Burg zu einem pompösen Barockwohnsitz umbauen. Die Burg fiel allerdings am 11. Juni 1790 einem verheerenden Brand zum Opfer.
Verkauf Stephan II. verkaufte die Burg im Jahr 1835 dem Wiener Bankier Georg Sina. Stephan II. starb 1838 ohne männliche Nachkommen. Seine Ehefrau gebar nur Töchter und beide lebten zuletzt getrennt. Stephans Frau fand ein tragisches Ende, eine Kerze entzündete ihre Bettwäsche und sie verbrannte in ihrem Bett.
Das Geschlecht Sina besaß die Burg zwischen 1835 und 1905. Die letzte Burgbesitzerin war Iphigenie d’Hartcoure, die die Burgruine der Stadt Trenčín 1905 schenkte. Sie befreite sich dadurch von der Pflicht, sich um die Pflege der Burgruine zu kümmern.
Bauteile Matthäus-Turm Der älteste Wohn- und Wehrbau auf der Burg ist der Hauptturm (Bergfried) der traditionell Matthäus-Turm genannt wird. Der Turm wurde am Ende des 11. Jahrhunderts im romanischen Stil gebaut, und um das Jahr 1270 bekam er einen Ziegelmantel und wurde der Gotik angepasst. Auf dem 4. Stockwerk hatte nach einer Legende Matthäus Csák (Tschak) von Trenčín sein Arbeitszimmer. Dieses Arbeitszimmer dient heute als kleiner Ausstellungsraum, der dieser kontroversen Persönlichkeit der Geschichte gewidmet ist. Auf den einzelnen Stockwerken findet man ausgestellte Büchsen aus dem 19. Jahrhundert und an den Wänden hängen Wappen der Burgbesitzer. Den Kern bildet ein romanischer Turm aus dem 11. Jahrhundert (16 Meter hoch). Wegen der Bedrohung durch die Tataren (Mongolensturm) wurde der romanische Turm auf Befehl des Königs Béla IV. (Ungarn) zwischen den Jahren 1260 und 1270 umgebaut. Die Tataren griffen das Ungarische Königreich im Jahr 1241 an.
Heute trägt der romanische Turm einen gotischen Mantel und hat ein 700 Jahre altes Steintreppenhaus. Die Höhe des Turms beträgt 39 Meter. Die Mauerstärke am Boden beträgt 4 Meter und an der Krone 2 Meter. An der rechten Seite des Eingangs ist der freigelegte Originalputz, ein rotes quadrierter Muster aus dem 14. Jahrhundert zu sehen. Nach diesem Putz wurden auch die übrigen Turmwände rekonstruiert. Vom Treppenhaus aus liegen die einzelnen Räume immer in einer anderen Richtung. So entstand für einen Feind fast ein Labyrinth, in dem er schnell die Orientierung verlor. Die Durchgänge sind sehr eng, was eine bessere Verteidigung des Turmes ermöglichte. Der größte Wohnraum im Turm ist das Herrenzimmer, das Arbeitszimmer des Matthäus Csák (Tschak) von Trenčín, der der bedeutendste Burgbesitzer war.
Rotunde Zwischen dem Barbara-Palast, dem Mathias-Turm und dem 5. Tor wurden bei der archäologischen Untersuchung in den Jahren 1972–1975 Grundmauern einer vorromanischen Rotunde (9.–10. Jahrhundert) entdeckt. Dieser Fund legte nicht nur die Datierung der Entstehung der Trenčíner Burg fest, sondern ordnete sie den ältesten Bauten Mährens zu.
Der einmalige Grundriss mit vier Apsiden (eine Kleeblattform) unterscheidet die Trenčíner Rotunde von allen bis heute bekannten Zentralbauten in der Slowakei. Durch Grabfunde ist der Bau der Rotunde für das Ende des 11. Jahrhunderts belegt, aber möglicherweise kann es sich hier um eine großmährische Architektur handeln. Einen fast identischen Grundriss findet man in Mähren in Mikulčice.
Sommerturm Am Burghof, unweit des Mathias-Turmes und dicht am 5. Tor steht der sogenannte Sommerturm. Dieser Renaissancebau diente angeblich besonders den Burgherren als Ruheplatz. Die dauerhafte Ausstellung, die hier ihren Platz gefunden hat, ist der Geschichte des Benediktinerklosters auf Skalka, der Tradition des heiligen Sworad und heiligen Benedikt, aber auch den archäologischen Funden gewidmet. Die archäologischen Funde belegen die slawische und vorslawische Besiedlung des Ortes.
Ludwig-Palast Auf der Akropolis der Burg stehen drei Paläste. Der älteste ist der Ludwigs-Palast, den König Ludwig der Große von Anjou in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts direkt neben dem ältesten Wohnbau auf der Burg, dem Mathias-Turm, errichten ließ.