mini|hochkant=2|Alte Karte von der Region aus dem Andrees Allgemeiner Handatlas (1881)

Die Geschichte Gambias umfasst sowohl den heutigen westafrikanischen Staat Gambia, dessen Staatsgründung bzw. Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich 1965 erfolgte, als auch heute nicht zum Staatsgebiet Gambias zählende Gebiete. Gambia liegt in den wechselfeuchten Tropen und ist mit einer Fläche von 11.295 km² der kleinste Flächenstaat auf dem afrikanischen Kontinent. Seine Geschichte ist durch die geographische Lage stark mit der Geschichte des Senegal verbunden.

Frühzeit mini|Karawane durch die Sahara

Aus der Region der Sahara, die ehemals fruchtbar war, wie es die Felszeichnungen im Tassili n'Ajjer zeigen, zogen die Völker allmählich nach Süden, als ungefähr 2500 Jahre v. Chr.Jojo Cobbinah, ISBN 3-89859-103-4.Werner Forman, ISBN 3-7611-0715-3. die Wüstenbildung fortschritt. Die ältesten Skelettfunde in Westafrika stammen aus dem Neolithikum.Ilona Hupe, ISBN 3-932084-19-5. Man nimmt an, dass die Pygmäen im 6. Jahrtausend v. Chr. in Westafrika lebten und später nach Zentralafrika wanderten oder durch nach Süden ziehende Völker verdrängt wurden. Auch Herodot berichtete von einem kleinwüchsigen Volk jenseits der Wüste. Die fruchtbaren Ufer der Flüsse Gambia und Senegal sind seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. besiedelt, wie neueste Ausgrabungen belegen.Rosel Jahn, ISBN 3-87936-239-4.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. war der Sahel, damals eine üppig grüne Landschaft, noch reich an Großwild. Zu dieser Zeit besiedelten Nomadenstämme die Region und aus Jägern und Sammlern wurden allmählich sesshafte Bauern und Fischer. Funde paläolithischer Werkzeuge geben Aufschluss über die frühen Siedler.

Schriftliche Überlieferungen reichen bis in die vorchristliche Zeit, ein erstes schriftliches Zeugnis gab der Karthager Hanno der Seefahrer um 470 v. Chr. im Bericht seiner Reise bis in den Golf von Guinea. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (484–424 v. Chr.) stellte während seines Aufenthaltes in Ägypten Berichte von nordafrikanischen Reisenden zusammen, die durch den Transsaharahandel, der sich etwa ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. entwickelte, mit den westafrikanischen Völkern Kontakt hatten. Die Verbindung zum Mittelmeerraum verringerte sich aber mit dem Fall des Römischen Reiches und später mit der Ausbreitung des Islams. Eine römische Expedition soll unter der Führung Polybios 146 v. Chr. die Gewässer des Senegal erreicht haben; eine glaubwürdige Aufzeichnung darüber liegt vor.Hartmut Buchholz, ISBN 3-7701-4189-X.

mini|Die rätselhaften Steinkreise von Wassu

Datiert auf das 4. Jahrhundert n. Chr.Reisebegleiter, The Gambia, FTI Touristik Publications, München 1999. hatte man die Funde nördlich und südlich der Gambia-Mündung, dort hatte man große Müllhalden von Muscheln gefunden. Die Meerestiere dienten der Bevölkerung als Nahrung – noch heute werden Muscheln im Oyster Creek (dessen Name sich von Auster ableitet) im Tanbi Wetland Complex gesammelt.

Vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. wurden die mysteriösen Megalithen, die Senegambischen Steinkreise, aufgerichtet. Deren genaue Bedeutung liegt aber noch im Dunkeln – genauso wie die Herkunft ihrer Erbauer. Wissenschaftler vermuten, dass es sich um Grabanlagen handelt. Anhand von Grabbeigaben lässt sich das Alter dieser Formationen, die sich hundertfach in der Central River Region und im angrenzenden Senegal finden lassen, um das Jahr 750 datieren (mehrere Quellen geben auch fälschlich den Zeitraum 8. Jahrhundert v. Chr. an).

Die alten Reiche Da es in fast allen afrikanischen Reichen lange Zeit keine Tradition der Geschichtsschreibung im abendländischen Sinne gab, erfolgte die Überlieferung mündlich. Weitere Quellen ergeben sich durch Berichte der islamischen Handelspartner und Eroberer, die aufgrund der langen und umfangreichen Handelstradition der Reiche in großer Zahl vorliegen.

Das Ghana-Reich mini|Das Ghana-Reich in seiner mutmaßlichen Ausdehnung

Das sagenumwobene Reich Ghana, das keine historischen Verbindungen mit dem modernen Staat Ghana hat, wurde vermutlich von hellhäutigen Berbervölkern um das 8. Jahrhundert, nach anderer Quelle schon um das 3. JahrhundertWestern Sudan. metmuseum.org gegründet. Es hatte unter der Führung des dunkelhäutigen Volkes der Serahuli (auch Soninke) seinen Höhepunkt im 9. und 10. Jahrhundert. Ihre westliche Einflussnahme bis in das Gambia-Tal reichte dabei vom 10. bis zum 11. Jahrhundert und wurde durch die Eroberung von Koumbi Saleh, der damaligen Hauptstadt von Ghana, durch die Almoraviden 1076 beendet.

Basis der Macht war der Transsaharahandel, der unter Ghana einen neuen Aufschwung erfahren hatte. So wurden Gold, Elfenbein, Baumwolle und Leder mit den nordafrikanischen Händlern gegen Kupfer, Salz, Seide und andere Waren getauscht. Neben dem Salzhandel sollen auch Sklaven nach Norden gehandelt worden sein. Grundlage des Goldhandels waren Goldvorkommen im Bambouk und Fouta Djallon, dem Bergland, in dem auch der Gambia, der Senegal und viele andere Flüsse entspringen. Der Ruf des sagenhaften Goldlandes Ghana reichte damals bis zum Kalifen von Bagdad, Hārūn ar-Raschīd.

Das Mali-Reich mini|Das Mali-Reich in seiner mutmaßlichen Ausdehnung mini|Detail des Katalanischen Weltatlasses (1375): Mansa Kankan Musa I. hält einen Gold-Nugget

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts übernahm das Volk der Mandinka vom oberen Niger aus die Kontrolle des lukrativen Transsaharahandels. Sundiata Keïta, genannt der Löwe, gründete 1235 das Reich Mali. Auch dieses Reich hat mit dem modernen Mali nichts zu tun – wie bei Ghana wurde hier eine historische Bezeichnung zur Namensfindung herangezogen. Keita ließ es durch seine Feldherren in kürzester Zeit bis zum Gambia-Tal ausweiten. Zu seinem Höhepunkt war das Reich in seiner Ausdehnung größer als das Reich Ghana und umfasste fast ganz Westafrika. Nach der Eroberung der Gebiete erfolgte eine intensive Besiedlung der Mandinka und es entstanden zahlreiche Trabantenstaaten, die dem Mali-Kaiser unterstanden, und denen wiederum viele kleine Königreiche unterstanden.

So entstand im Westen unter anderem der Trabantenstaat Kaabu des traditionellen Mandinka-Clans der Nyancho, der im Gebiet der heutigen Casamance lag und dessen Grenze bis zu den heutigen Staaten Guinea-Bissau und Guinea reichte. Durch Wechselheirat der Nyancho-Familie mit den Völkern in den nördlicheren Regionen, wie den Wolof, den Serer und den Bainounka, wurde der Einfluss nach Norden gefestigt. Im 16. Jahrhundert unterstanden fast alle Kleinstaaten am Gambia der Macht von Nyancho. So entstanden am Fluss unter anderem die Kleinstaaten Niumi, Baddibu, Eropina, Kombo, Foni (andere Schreibweise Fogny oder Fogni) und Kiang. Drei große Mandinka-Familien spielten dabei eine große Rolle, die Jammeh, Manneh und Sonko. Der Jammeh-Clan hatte seine Wurzeln im Nyancho-Clan und Verbindung zu den Serer des Saloum-Gebietes. Sie besiedelten Baddibu und gründeten im frühen 15. Jahrhundert den Staat Niumi (zu deutsch Seeküste, von den Portugiesen Barra genannt). In Foni und Kiang herrschte der Manneh-Clan, der ebenfalls vom Nyancho-Clan Kaabus abstammte. Diese beiden Clans vereinten ihre Kraft zusammen mit dem in Eropina siedelnden Sonko-Clan in Nuimi. Durch die strategisch günstige Lage an der Mündung des Gambias an der Küste (Nuimi lag dort, wo sich heute die North Bank Region befindet) profitierten die Nuimika vom lukrativen Binnenland- und Flusshandel. Mit der Ankunft der Europäer richtete sich der Handel mehr und mehr auf den Atlantik aus. Nuimi konnte seine Macht durch den afroeuropäischen Handel weiter festigen, wohingegen die alten Reiche, die ihren Wohlstand durch den Transsaharahandel erreicht hatten, an Einfluss verloren. Mit dem Transsaharahandel kam zwar auch der Islam nach Westafrika, gleichzeitig aber verlor dieser Handel die Bedeutung früherer Tage. Bis ins 19. Jahrhundert hatte Nuimi eine starke Stellung und die Vorherrschaft über andere Kleinstaaten im Gambia-Tal. Erst später in den Religionskriegen wurde die Vormachtstellung der Mandinka-Staaten von den islamischen Fulbe abgelöst.

Neben der Herrschaft der Mandinka spielte der politische Einfluss der Wolof im Gambia-Tal eine Rolle. Im 16. Jahrhundert standen neben Saloum auch die meisten Staaten am Nordufer, außer Nuimi und Baddibu, unter der Lehnsherrschaft des Wolof-Herrschers. Diese waren Niani, das sich als Upper Niani und Lower Niani trennte und Wuli. Zentrum dieses Staates war das zwischen dem Gambia- und dem Senegal-Fluss gelegene Reich Jolof, das im 13. Jahrhundert gegründet worden war und bis zum späten 19. Jahrhundert und vdiest.nl bestand. Dieser Binnenstaat wurde zunächst zentralistisch regiert, bis er sich in Teilstaaten auflöste.

Weitere Kleinstaaten am Südufer waren: Jarra, Niamina, Eropina, Jimara, Tomani (andere Schreibweise Tomana) und Kantora. Viele dieser Staaten sind noch in den Namen der 37 Distrikte von Gambia überliefert (zwei Karten, die die ungefähren Territorien der Kleinstaaten aufzeigen, sind auf der Website von Mariama Kanteh zu sehen, siehe Quellen).Mariama Kanteh: Mariama Kanteh:

Erwähnenswert ist noch die Theorie des malischen Dramatikers und Hörspielautors Gaoussou Diawara, der zufolge der König von Mali, Abubakari II. (reg. 1310–1312), von Gambia aus mit etwa 2000 hochseetüchtigen Schiffen (davon die Hälfte allein mit Trinkwasser und Proviant) den Atlantischen Ozean überquerte und an der Küste Brasiliens oder alternativ im Golf von Mexiko landete. Bei einer vorangegangenen ersten Expedition auf seinen Befehl, an der er nicht persönlich teilnahm, soll Abubakari II. 200 Schiffe über den Atlantik gesandt haben, von denen alle bis auf eins durch einen heftigen Sturm auf See gesunken waren. Diawaras Theorie stützt sich auf mehrere Indizien, so wurden beispielsweise auf den karibischen Jungferninseln zwei Skelette von etwa 30-jährigen Männern gefunden, die negroide Merkmale aufgewiesen haben sollen. Den Bodenproben zufolge mussten die Männer um etwa 1250, also lange vor der angeblichen Entdeckungsreise Abubakaris, dort begraben worden sein. Die Knochenreste sind aber nie untersucht worden und zwischenzeitlich verschwunden, so dass sie für Spekulationen aller Art leicht nutzbar gemacht werden können.Africa’s 'greatest explorer.' Joan Baxter BBC News 13. Dezember 2000. – Die Theorie wurde erstmals in den 1920er Jahren entwickelt und ist von der Fachwissenschaft als afrozentristischer Mythos abgelehnt worden.

Das Songhai-Reich mini|Das Songhai-Reich in seiner mutmaßlichen Ausdehnung

Vom frühen 15. bis zum späten 16. Jahrhundert war das Songhaireich das dritte große westafrikanische Reich der Geschichte. Die zentrale Macht des Reiches, die auf der Lage am Niger beruhte, ging von der Stadt Gao aus. Das Songhaireich dehnte sich von dort entlang des Flusses bis zum heutigen Nigeria im Nordosten, nach Mali im Norden und nach Westen teilweise sogar bis zum Atlantischen Ozean nach Gambia aus. Der Name des Reiches stammt von seiner dominierenden ethnischen Gruppe, den Songhai. Das Songhaireich, das ab 1582 durch zahlreiche Bürgerkriege geschwächt war, wurde 1591 von den marokkanischen Herrschern besiegt. Wegen der Größe des ehemaligen Reiches zogen sich die Marokkaner aber wieder aus dem Gebiet zurück und hinterließen das Songhaireich in einzelne kleine Königreiche zersplittert. Das Songhaireich hatte im Gambia-Tal aber kaum Einfluss auf die Geschichte.

Vorkoloniale Zeit Die Entdeckung durch die Portugiesen mini|Nuno Tristão, hier auf einer alten 50-Escudos-Banknote, gilt als der europäische Entdecker Gambias mini|Nachbau einer portugiesischen Karavelle mit Lateinersegel, wie sie um das Jahr 1500 üblich war