Die Kirche in Lasdehnen (, der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Haselberg) ist ein neugotischer Backsteinbau mit Apsis und hohem Turm. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die im Kirchspiel des einst ostpreußischen Ortes und der heute Krasnosnamensk genannten Stadt im Nordosten der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Seit 1992 ist sie gottesdienstliches Zentrum der örtlichen russisch-orthodoxen Gemeinde.
Geographische Lage Die heutige Kreisstadt Krasnosnamensk liegt am Scheschuppe-Fluss im Schnittpunkt mehrerer Regional- und Nebenstraßen. Bis zur Staatsgrenze nach Litauen sind es zehn Kilometer. Eine Bahnanbindung besteht seit 1945 nicht mehr.
Die Kirche steht im einstigen Ortsteil Neuhof-Lasdehnen (1938 bis 1946: Altbaum, russisch: Smolenskoje) auf einem steil zur Scheschuppe abfallenden Hügel in einiger Entfernung zum Stadtzentrum. Der hohe Turm lässt die Kirche weithin sichtbar sein.
Kirchengebäude Eine erste bereits 1578 vorhandene Kirche in LasdehnenLasdehnen bei GenWiki wurde – wohl durch den Einfall der Schamaiten – zerstört und abgebrannt. Ein Nachfolgebau, für den Kurfürsten Friedrich Wilhelm das Geld und die Ziegel gestiftet hatte, wurde 1869 wegen Baufälligkeit geschlossen.
Nach Entwürfen des preußischen Baumeisters und Berliner Architekten Friedrich August Stüler wurde 1875 mit dem Bau einer neuen KircheWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 109, Abb. 479 begonnen, deren Grundsteinlegung am 8. Juni 1875 erfolgte. Die Bauregie führte der Pillkaller Kreisbaumeister Costede. Es entstand ein rechteckiger neugotischer Ziegelbau mit Apsis und einem 40 Meter hohen Turm. Als dreischiffige Basilika bot die Kirche Platz für 1.100 Gottesdienstbesucher. Im Osten befand sich der Altarraum mit zwei seitlichen Anbauten. Im Westen hatte der Turm ebenfalls zwei Anbauten.
Der Innenraum der Kirche war wie ihr Äußeres in neugotischem Stil gehalten. Über dem mittleren Kirchenschiff war die Decke gewölbt. Der Altar war eine Holzarbeit, der Taufstein aus Terrakotta gebildet. Vor 1945 befanden sich im Pfarrarchiv noch ein Glasbild von 1578, ein Abendmahlskelch von 1691 sowie eine Patene von 1661.
Während des Zweiten Weltkrieges war die Kirche nur wenig beschädigt worden.A.P. Bachtin, Kirchen Ostpreußens. Alte und neue Fotos. Informationen zur Geschichte, Reihe: Sehenswürdigkeiten in der Region Kaliningrad A 87, Verlag Baltpromo, Kaliningrad, 2013, S. 48–49. Nach 1945 allerdings wurde sie zweckentfremdet und als Lagerhalle benutzt. Immerhin blieb das Gebäude auf diese Weise einigermaßen unversehrt erhalten. Nur an der südlichen Mauer war eine quadratische Tür durchgebrochen worden. Im oberen Teil des Turms, an seiner Südostecke, steckte ein nicht explodiertes Artilleriegeschoss.
Im Jahre 1991 wurde der Bau an die Russisch-orthodoxe Kirche übereignet.Кирха Ласденена - Die Kirche Lasdehnen bei prussia39.ru (mit Fotos der Kirche aus dem Jahre 2012) Diese ließ eine grundlegende Renovierung durchführen und stattete den Altarraum mit einer – der orthodoxen Liturgie entsprechenden – Ikonostase aus. Im Oktober 1992 erhielt die Kirche die Weihe durch Metropolit Kyrill I. Sie trägt seither den Namen der „Heiligen Apostel Peter und Paul“.
Kirchengemeinde Die bis 1945 bestehende evangelische Kirchengemeinde Lasdehnen (ab 1938: Haselberg) erfuhr ihre Gründung im Jahre 1578.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 485. Einst zur Inspektion Ragnit gehörig war sie zuletzt Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte sie 8061 Gemeindeglieder, die in einem weitflächigen Kirchspiel von mehr als 50 Dörfern, Ortschaften und Wohnplätzen (darunter 13 Schulorte) lebten. Amtierte an der Kirche zunächst lediglich ein Geistlicher, so wurde ab 1846 ein Hilfsprediger eingesetzt und ab 1874 eine zweite Pfarrstelle errichtet.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie die restriktive Kirchenpolitik der Sowjetunion machten kirchliches Leben nach 1945 in Lasdehnen wie im ganzen Gebiet der Oblast Kaliningrad nicht mehr möglich.
Erst in den 1990er Jahren entstanden neue evangelische und auch orthodoxe Gemeinden. So konnte sich in Krasnosnamensk eine russisch-orthodoxe Gemeinde mit der einst evangelischen Pfarrkirche als Gotteshaus etablieren. Sie ist Teil der Diözese Kaliningrad und Baltijsk der Russisch-orthodoxen Kirche. Für evangelische Kirchenglieder allerdings liegt die nächste – evangelisch-lutherische – Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgwangen). Sie gehört zur Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel der Kirche Lasdehnen (Haselberg) gehörten vor 1945 neben dem Pfarrort (eingeschlossen der Wohnplatz Bergershof, heute russisch: Samarskoje) noch 54 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Ein * kennzeichnet einen Schulort Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Alt Skardupönen Königsfeld *Löbegallen Löbenau Tolstowo *Alxnupönen Altsnappen Wyssokoje Löblaugken seit 1929: Waldlinden Rossoschanskoje,jetzt: Ostrogoschskoje Ambrasgirren seit 1929:Waldlinden Rossoschanskoje,jetzt: Ostrogoschskoje Lubinehlen Lubenwalde Illowaiskoje Antbudupönen Vormwalde *Maszuiken1936–38: Maschuiken Blockswalde Udarnoje Bagdohnen Rodungen Scheikino Neu Löbegallen Neulöbenau Meschduretschje *Ballupönen Ballen Poljanskoje *Neu Skardupönen Grenzwald Pugatschowo Beinigkehmen Beinicken Dolgoje Neuhof-Lasdehnen Altbaum Smolenskoje Budupönen Sandhöhe Berestowoje Nickelstanaten Altbaum Smolenskoje Darguszen (Forst)1936–38: Darguschen Siebeneichen Sredneretschje Payszeln1936–38: Payscheln Insterwangen Lwowskoje Endruscheiten Kleinluben Udarnoje *Plonszöwen seit 1936:Waldhufen Paporotnoje Eygarren Eigern Rucken Rossoschanskoje,jetzt: Ostrogoschskoje Grenzwald Pugatschowo Sallehnen Sallen Gricklaugken Bönick Selenolessje Schillenehlen Flußfelde Groß Darguszen1936–38: Groß Darguschen Tanneck *Schilleningken Ebertann Chlebnikowo *Groß Wersmeningken Langenfelde Belkino Schönhof Hermoneiten Hermannsdorf Jolkino Sturmen Paporotnoje Inster (Forst) Szogelgalwen1936–38: Schogelgalwen Kiefernhorst *Jucknaten Meißnersrode Illowaiskoje Trakinnen Kalnischken Hohentann *Tulpeningken Tulpeningen Saretschnoje Kallwellen (Forst) Lindnershorst *Tuppen Podgorodnoje Karunischken Königsfeld Uszballen1936–38: Uschballen Lindnershorst Poljanskoje Klein Darguszen1936–38: Klein Darguschen Grenzheide Sredneretschje Uszbördszen1936–38: Uschbördschen Karpfenwinkel Ostrogoschsnoje Klein Wersmeningken Dreßlershausen Uszeszuppen1936–38: Uscheschuppen Altbaum Smolenskoje Klohnen Uszproduppen1936–38: Uschproduppen Dachsheide Udarnoje Königshuld Friedrichsweiler Poljanskoje Wersmeningken (Forst) Langenfelde Weszkallen1936–38: Weschkallen Forsthusen Grusdewo *Lasdinehlen Sommerswalde Mitschurino Weszkallen(Forst) seit 1929: Waldlinden Rossoschanskoje,jetzt: Ostrogoschskoje *Laukehlischken Cäsarsruhe Danilewskoje Woitekaten Ostfurt Saretschnoje
Pfarrer (1578–1945) An der Kirche Lasdehnen amtierten 32 evangelische Geistliche:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 82–83.
Stanislaus Musa, bis 1584. Daniel Musa, 1584–1623 Johann Wittich, 1623–1631 Johann von Sanden, 1631–1643 Tobias Woller, bis 1666. Johann Sperber, 1666–1683 Gottfried Sperber, 1683–1688 Abraham David Lüneburg, 1688–1706 Johann Christ. Rosochatius, 1698–1709 Johann Schultz, 1709–1710 Johann Friedrich Falck, 1710–1754 Carl Christoph Schiemann, 1753–1764 Daniel Gottfried Dresler, 1764–1799 Johann Ernst Lengnick, 1798–1826 August Ferdinand Lengnick, 1825–1827 Gotthilf Wilhelm Ernst, 1827–1844 Carl Wilhelm Gottfried Schreiner, 1844–1866 Theodor Otto Leopold Pastenaci, 1846–1853Pastenaci († 1863), Hahn († 1877) und Mack († 1906) waren Angehörige des Corps Littuania. Hermann Jacob Theodor Krüger, 1853–1855 Hugo Richard Friedrich Marcus, 1855–1860 Georg Adolf Michael Kerkau, bis 1896. Gustav Eduard Friedrich Hahn, 1866–1877 Eugen Louis Oskar Stephani, 1874–1880 Ludwig Emil Mack, 1877–1905 Carl Johann Robert Schimkus, 1887–1896 Alfred Otto Johann Schulz, 1896–1910 Georg Louis B. Wittke, 1905–1925 Ernst Köhler, 1911–1916 Kurt Donde, 1920–1932 Hans Jakobsen, 1923–1926 Erich Sack, 1926–1943 Gustav Müller, 1933–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Lasdehnen/Haselberg haben sich erhalten und werden im Sächsischen Staatsarchiv in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 170 bis 1834. Trauungen: 1683 bis 1702, 1705 bis 1765, 1803 bis 1834. Begräbnisse: 1710 bis 1834.
Literatur Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 132. Kühnast: Nachrichten über Grundbesitz, Viehstand, Bevölkerung und öffentliche Abgaben der Ortschaften in Littauen nach amtlichen Quellen. Band 2, Gumbinnen 1863, S. 482–506.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Orthodoxes Gotteshaus in Russland Kategorie:Peter-und-Paul-Kirche Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Neugotisches Bauwerk in der Oblast Kaliningrad Kirche Kategorie:Rekonstruiertes Bauwerk in Russland Kategorie:Rajon Krasnosnamensk Lasdehnen