mini|hochkant=1.2|Bauplatz des House of One in Berlin-Mitte am Petriplatz, 2015

Das House of One (, nicht der Sprachnorm entsprechend; House of the One ließe sich übersetzen als: Haus des Einen) ist ein jüdisch-christlich-muslimisches Friedens- und Bauprojekt in Berlin. Die gleichnamige Stiftung plant nicht nur den Bau dieses einzigartigen Sakralbaus, sondern engagiert sich intensiv im interreligiösen Dialog und unterhält ein Bildungsangebot, das von Schulen, Organisationen oder Unternehmen stark nachgefragt wird. Die Bildungsarbeit wird unter der Überschrift „Interreligiös gegen Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit“ seit 2020 durch das Programm „Demokratie Leben!“ des Bundesfamilienministeriums gefördert.

Die Baukosten für das Gebäude des House of One werden auf 69,5 Millionen Euro beziffert. Davon kommen rund 45 Millionen Euro zu etwa gleichen Teilen vom Bund und von der Stadt Berlin, der Rest wird aus Spenden aufgebracht.„House of One“ – Ein Haus, drei Religionen am Petriplatz. In: Berliner Morgenpost. 3. Juni 2014. Träger ist die gleichnamige Stiftung. Das House of One wird auf den Fundamenten der ehemaligen Petrikirche am Petriplatz im Berliner Ortsteil Mitte geplant. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und zu DDR-Zeiten abgerissen. Das House of One wird unter seinem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen, errichtet rund um einen zentralen Begegnungsraum.

Vorarbeiten mini|hochkant|links|Petrikirche im 19. Jahrhundert mini|hochkant|Ruine der Petrikirche, 1951

Die stark kriegsbeschädigte Petrikirche hatte der Ost-Berliner Magistrat 1964 entfernen lassen. In der Folge wurde der Petriplatz unter anderem auch als Markt- und Parkplatz genutzt.

Nach dem Mauerfall und dem Zusammenwachsen der deutschen Hauptstadt fanden auf dem Petriplatz intensive archäologische Grabungen ab den späten 1990er Jahren und wiederum ab 2006 statt. Die vorgefundenen Fundamente der Petrikirche und weiterer früherer Bauten wurden aus Konservierungsgründen vorläufig wieder mit Erdreich verfüllt, die Gebeine Verstorbener aus dem Frühmittelalter wurden gesichert. Diese sollen in Zukunft in einem Ossuarium am Petriplatz ihre letzte Ruhe finden.Ausgrabungsfunde: Ein Knochenhaus am Petriplatz. In: Berliner Zeitung. 15. November 2012.

2009 sammelte die Gemeindeversammlung der Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien Ideen, was auf dem Grundstück der ehemaligen Petrikirche entstehen könnte. Der Pfarrer der Kirchengemeinde, Gregor Hohberg, brachte den Vorschlag ein, „etwas mit mehreren Religionen gemeinsam zu machen.“ Mit dieser Idee ging er auf Ercan Karakoyun zu, der damals Vorsitzender des muslimischen Partners Forum Dialog e. V. war. Gemeinsam begeisterten sie den Rabbiner Walter Homolka für das Projekt. Damit war die Idee eines interreligiösen Gotteshauses für die drei monotheistischen Religionen geboren.

Bald fasste der Berliner Senat den Beschluss, auf der Fläche einerseits die Funde ständig präsent zu haben und andererseits durch einen kirchlichen Neubau ein gemeinsames Bethaus für alle drei Religionen, die im Laufe der Geschichte in Berlin eine Rolle gespielt haben, zu errichten: das Christentum, das Judentum und der Islam, die einen gemeinsamen Gott verehren (the One) sollen im Gebäude symbolisiert werden. Die Trägerstiftung wurde am 8. September 2016 gegründet.Stiftung House of One gegründet, Mitteilung der Stiftung vom 23. September 2016, abgerufen am 14. Juni 2021.

Ein offener weltweiter Architektenwettbewerb wurde ausgelobt. Die Jury kürte den Entwurf des Berliner Architekturbüros Kuehn Malvezzi zum Sieger, das sich gegen zahlreiche Entwürfe durchgesetzt hat.Architektur: Die Liebe zum Ziegelmauerwerk. In: Der Tagesspiegel. 12. März 2013.

Infopavillon und die House of One-Box mini|House of One – Pavillon, 2018

Zwischen Ende 2017 und Januar 2019 stand neben der Baufläche für das House of One ein Pavillon. Hier konnten Besucher das Projekt und Geschichtsdetails in dem Flachbau aus Holz und durchsichtigem Kunststoff kennen lernen. Die beheizbare Konstruktion bildete den künftigen zentralen Raum nahezu im Maßstab 1:1 nach. Bis zum tatsächlichen Baubeginn im Februar 2019 diente der Pavillon als Informations- und Veranstaltungsort und zur Werbung für das House of One. Der Pavillon wurde erstmals auf der Weltausstellung der Reformation im Rahmen des Reformationsjubiläum 2017 in der Lutherstadt Wittenberg aufgebaut. Um mit den Ausschachtungsarbeiten beginnen zu können, wurde der Abbau des Pavillons am 16. Januar 2019 mit einem Festakt begangen. Nach dem Abbau wird er in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) wieder aufgebaut.

Im Juni 2023 eröffnete am Rand des Bauplatzes die House of One-Box, ein begehbarer Informationsort, der aus einem Standardcontainer hergestellt worden ist. Rabbiner Andreas Nachama, Pfarrer Gregor Hohberg und Imam Kadir Sanci haben die Box im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik und Gesellschaft eingeweiht. Bis zur Fertigstellung des House of One wird dort von der ersten Idee, über den Bau und die Verständigungsarbeit der Stiftung Interreligiös gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit informiert. Jeden Freitag, Samstag und Sonntag von 13 bis 16 Uhr ist die House of One-Box für Besucher geöffnet. Vom Dach des Containers ist ein direkter Blick auf die Baustelle möglich.

Beschreibung des geplanten Gebäudes mini|Modell des House of One

Überblick

Der Siegerentwurf gruppiert die drei religiösen Räume in der ersten Etage des Gebäudes um einen zentralen Raum, den Raum der Begegnung. Dieser zentrale Gebäudeteil ist von außen als Turm zu erkennen, der in der „Stadtloggia“ in 40 m Höhe endet. Die Synagoge, Kirche und Mosche sind nur durch den Begegnungsraum zu erreichen. Begegnung ist somit in der Architektur festgelegt. Jeder der drei Sakralräume soll jedoch die Besonderheiten der jeweiligen Religion widerspiegeln oder anders ausgedrückt: „Lessings Ringparabel wird Architektur“.Ein Lehr- und Bethaus für Berlin: Lessings Ringparabel wird Architektur. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. September 2012.Visualisierung des House of One auf der Website der Architekten, 8 Ansichten; Stand: 2017. Abgerufen am 10. März 2019.

Im Untergeschoss des House of One werden die freigelegten Fundamente der einstigen Petrikirche in einem Archäologischen Fenster zu sehen sein.

Zitate der drei Religionsvertreter

Baustart und Ausführungsprobleme

2010–2019 Ab Mitte der 2010er Jahre nahm das Projekt, inzwischen vollständig als House of One – Bet- und Lehrhaus bezeichnet, seinen konkreten Anfang. Zur Baubegleitung und anschließenden Betreuung gründete sich eine Stiftung mit Roland Stolte als Vorsitzendem. Bei der Finissage des Infopavillons wurde bekanntgegeben, dass die Grundsteinlegung am 14. April 2020 stattfinden sollte, am Jahrestag der Uraufführung von Lessings Drama Nathan der Weise 1783 in Berlin.

Die Stiftung erwarb am 4. März 2019 für einen symbolischen Euro für 99 Jahre ein Erbbaurecht an dem Baugrundstück für den Bau des Drei-Religionen-Hauses.Rückzug aus Projekt „House of One“. In: Berliner Zeitung. 9./10. März 2019, S. 13. Zur Stabilisierung des zukünftigen Gebäudes wurden im Jahr 2019 Betonpfeiler mit einer Länge von je 30 Meter im feuchten Berliner Boden versenkt.

Im Juli 2019 veröffentlichte der Senat einen Bebauungsplan, mit dem die Bürger zur Begutachtung und Beteiligung aufgefordert wurden. Nach diesem Plan soll die Nutzung einer Teilfläche des früheren Petriplatzes dahingehend geändert werden, dass eine bisherige öffentliche Verkehrsfläche zu einer privaten Verkehrsfläche mit der besonderen Zweckbestimmung „Aufenthaltsbereich“ geändert werden soll. Die öffentliche Nutzbarkeit bliebe jedoch erhalten.Bebauungsplan I-218-1, Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauleitplanung. In: Berliner Zeitung. 26. Juli 2019, S. 16, Bekanntmachungen. Das war Anfang September 2019 der Fall, sodass am 16. September 2019 die letzte der 71 bis zu 35 m tiefen Kernbohrungen für den Bau durchgeführt werden konnte.

Ab 2020 und Grundsteinlegung Zusammen mit dem Abbau des Pavillons legte der Stiftungsrat mit allen anderen Beteiligten den Termin für die Grundsteinlegung fest. Sie sollte ursprünglich am 14. April 2020 erfolgen, am 237. Jahrestag der Erstaufführung von Lessings Nathan der Weise. Auf: house-of-one.org, 16. Januar 2019, abgerufen am 7. März 2019.April 2020 ist Grundsteinlegung auf house-of-one.org, 4. Juli 2019, abgerufen am 16. Mai 2026.

Wegen der COVID-19-Pandemie wurde die geplante Grundsteinlegung des House of One abgesagt und auf den 27. Mai 2021 verschoben. Pandemiebedingt wurde der Grundstein mit nur wenigen Gäste gefeiert und per Livestream international übertragen. Grußworte wurden von dem inzwischen verstorbenen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble, dem damals amtierenden Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, und der damaligen Generalsekretärin von Religion for Peace, Azza Karam, gehalten.

Seit 2023: Schleppender Baufortschritt mini|Blick vom Informationscontainer auf die Baugrube des House of One während des Frühlingsfestes am 26. Mai 2026 Als ein Problem des kontinuierlichen Baues stellte sich die Festlegung des Materials heraus: Das deutsche Baurecht fordert für Bauwerke, die aus Klinkersteinen errichtet werden, die Einhaltung einer bestimmten DIN-Norm für die Ziegel. Obwohl bereits wegen des schwammigen Untergrundes Maßnahmen umgesetzt wurden (Erstellen von 71 Bohrpfählen, auf denen ein Ringfundament aufliegt, um die historischen Fundamente der St.-Petri-Kirche zu schützen) dauerte die Erteilung der Baugenehmigungen außerordentlich lange. Schließlich sind durch die Verzögerungen die voraussichtlichen Kosten bis auf knapp 70 Millionen Euro gestiegen, wodurch eine Finanzierungslücke entstand, deren Überbrückung noch zu klären ist (Stand: Ende März 2024). Die Lücke beträgt laut Tagesspiegel rund 16,3 Millionen Euro.

Um die Preisspirale bei der Entwicklung der Baukosten zu durchbrechen, wurden die Pläne für das House of One überarbeitet. Der neue Zeitplan sieht aktuell (Stand Mai 2026) einen Baubeginn im Jahr 2028 vor.

In der Umgebung mini|hochkant|Petri Berlin im Bau, 2021

Nordöstlich vom Standort des House of One wurde ein moderner einfach gehaltener viergeschossiger Neubau errichtet, der im Bauverbund eine Public Library – Bücher für alle und ein Hotel enthält. Südwestlich davon entstand über den Fundamenten der früheren Cöllnischen Lateinschule anschließend ein ähnlich gestaltetes und dimensioniertes viergeschossiges Gebäude, das Archäologische Haus am Petriplatz, kurz Petri Berlin. Hier können ab Ende 2024 Interessenten die bei den Vorbereitungsgrabungen freigelegten Objekte betrachten und ihre Geschichte erfahren. Betreiber ist das Berliner Denkmalamt.Petri Berlin, abgerufen am 5. April 2024.

Trägerstruktur Träger des Projektes House of One ist die am 8. September 2016 gegründete Stiftung House of One – Bet- und Lehrhaus Berlin. Dem Stiftungsrat gehören aktuell Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbiner Andreas Nachama, Imam Kadir Sanci sowie Renate Franke, Süleyman Bag, Nina Reicke, Celal Findik, Dirk Fischer, Johann Hafner, Gerrit Popkes und Mike de Vries an. Vormals gehörten auch der Journalist und Theologe Dirk Pilz und die inzwischen verstorbene Barbara Witting, einst Direktorin des Jüdischen Gymnasiums, sowie der ebenfalls verschiedene Karl-Heinz Blickle dem Gremium an. Die Unternehmerin Catherine Dussmann war Spenderin, aber entgegen anders lautender Berichte kein Mitglied des Stiftungsrats. Im Verwaltungsdirektorium der Stiftung sind Roland Stolte (Vorsitz und Konzept), Maximilian Müllner (Finanzen) berufen. Die Stiftung House of One ist aus dem Verein Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e. V. hervorgegangen, der inzwischen aufgelöst ist.