mini|hochkant=1.5|Baumschule Späth (2014) Die Baumschule Späth (Firma: Späth’sche Baumschulen Handel GmbH) ist eine Baumschule an der Späthstraße im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin. Das Unternehmen im Ortsteil Baumschulenweg ist eines der ältesten von Berlin und geht auf eine 1720 von Christoph Späth in Kreuzberg gegründete Obst- und Gemüsegärtnerei zurück. Nach Verlegung in die Landgemeinde Britz hinter die damalige Stadtgrenze und der Erweiterung der Flächen war die Späth’sche Baumschule im Jahr 1900 mit etwa 225 Hektar die größte Baumschule der Welt.

Auf dem Areal befindet sich das ab 1879 von Franz Späth im Stil englischer Landschaftsgärten angelegte Späth-Arboretum. Es kann seit 1966 in den Sommermonaten an einigen Wochentagen von jedermann besucht werden. In der übrigen Zeit wird es von der Biologischen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität mit rund 200 Studenten für Lehre, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit genutzt.

Geschichte mini|hochkant|Franz Späth, 1899 mini|links|Zeitungsanzeige der Baumschule L. Späth in der Illustrirten Zeitung (1868) mini|Gedenktafel am Herrenhaus Christoph Späth (1696–1746) erwarb für 300 Taler ein erstes Grundstück an der Straße Am Johannestisch östlich des Halleschen Tors in Kreuzberg. Nach seinem Tod führte der Sohn Carl Späth ab 1746 den Betrieb weiter. Um den Pflanzenanbau zu erweitern, verlegte er 1760 den Betrieb nach Luisenstadt in die Köpenicker Straße. Damit konnte die Anbaufläche auf acht preußische Morgen vergrößert werden. Das entspricht etwa zwei Hektar.Umrechnungstabelle TU Dresden (PDF). Nach dem Tod Carl Späths im Jahr 1782 führte zunächst seine Frau Anna, danach ab 1792 der gemeinsame Sohn Friedrich den Betrieb fort. Unter dessen Leitung wandelte sich die Obst- und Gemüsegärtnerei entsprechend seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen zu einer Musteranstalt und einem Studienort.

Friedrich Späths Sohn Ludwig übernahm die Gärtnerei im Jahr 1831. Sein Hauptinteresse lag auf der Züchtung von Blühpflanzen und er verlegte den Schwerpunkt der Baumschule auf Blumen und Topfpflanzen. Diese fanden überregional zunehmend Absatz, so dass bereits 1856 erste Preislisten gedruckt und auch ins Ausland verschickt wurden. Der erste Katalog erschien 1862.

mini|Herrenhaus, gebaut im Auftrag von Franz Späth Ein Jahr später kaufte Franz Späth die Baumschule von seinem Vater und in den folgenden Jahren erwarb er große Flächen der im Bereich des späteren Ortsteils Berlin-Baumschulenweg bis 1840 gerodeten Cöllnischen Heide. Er nannte die Firma im Gedenken an seinen Vater L. Späth, unter welchem Namen sie auch 1903 in das Handelsregister eingetragen wurde. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich auf diesem Gelände die größte Baumschule der Welt mit einer vollständig bepflanzten Fläche von 120 Hektar. Das 1874 auf dem Gelände errichtete repräsentative Herrenhaus dient seit den 1950er Jahren der Humboldt-Universität als Institutsgebäude. Neben dem Herrenhaus ließ Franz Späth durch den Berliner Stadtgartendirektor Johann Heinrich Gustav Meyer ein Arboretum im englischen Gartenstil anlegen, aus dem in der Folge das Späth-Arboretum hervorging.

Im Jahr 1890 bekam die Baumschule mit dem Bahnhof Baumschulenweg einen Eisenbahnanschluss der Görlitzer Bahn. Im Jahr 1899 galt die Späthsche Baumschule als die „größte Sortimentsbaumschule der Welt“.Interview mit Holger Zahn: Berliner Unternehmen mit großer Züchtungstradition. In: Das Grundstück, Journal des VdGN, Heft 9(2020), S. 24.

mini|Bismarck pflanzte einen Baum in der Baumschule Späth Die Baumschule besaß in dieser Zeit deutschland- und weltweit ein so großes Renommee, dass zahlreiche Prominente zu ihren Kunden gehörten. So war Franz Späth der persönliche Gartenberater von Reichskanzler Bismarck und General von Moltke. Er wusste diese Beziehungen geschickt für sein Unternehmen zu nutzen. So pflanzten Bismarck und Graf Moltke öffentlichkeitswirksam je eine Linde vor dem Späthschen Haus.Späth-Buch 1720–1930. Baumschule L. Späth, Berlin 1930, S. I Zum 200-jährigen Betriebsjubiläum schenkte der ehemalige Kaiser Wilhelm II. der Baumschule eine Eberesche aus seinem Park in Doorn, die durch seinen zweitältesten Sohn Prinz Eitel Friedrich von Preußen gepflanzt wurde. General von Gluck pflanzte eine Fichte und der Großherzog von Oldenburg eine Lorbeerkirsche.

mini|hochkant|Katalog der Baumschule Späth 1898 mini|hochkant|Katalog der Baumschule Späth 1900 Im Jahr 1911 trat Hellmut Späth, der Sohn von Franz Späth, zunächst als Prokurist in das Unternehmen ein,Personalnachrichten., In: Die Gartenkunst – Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst. Stürtz, Würzburg 1912, S. 64. bevor er dessen alleinige Leitung 1912 übernahm. Er hatte in Berlin und Cambridge Botanik und Philosophie studiert und an der Landwirtschaftlichen Hochschule promoviert (Dr. phil.). Vor der Wirtschaftskrise 1929/1930 gehörten 61 ha zum Betrieb.Ernst Seyfert et al.: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. (1929). Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 4. Auflage (Letztausgabe), Stadtkreis Groß-Berlin, Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 2.

Bereits 1933 trat Hellmut Späth der NSDAP bei. Sein Betrieb profitierte von diesen Kontakten und erhielt Aufträge zur Begrünung von Autobahnen, beim Bau des Olympiastadions in Berlin und des Flughafens in Tempelhof. Späths erste Frau und damit auch die Tochter aus dieser Ehe waren Jüdinnen, auch beschäftigte Späth Juden in seiner Baumschule.Späth’sche Baumschulen von der ersten Ausgabe an dabei. In: Berliner Morgenpost, 8. Mai 2005; abgerufen am 28. Juni 2014 Im Jahr 1943 wurde Hellmut Späth verhaftet und wegen „Umgangs mit Juden und versteckter Hetz- und Wühlarbeit gegen Deutschland“ zu einem Jahr Haft verurteilt. Er wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert und am 15. Februar 1945 ermordet.Heinrich-Wilhelm Wörmann: Widerstand in Köpenick und Treptow, (= Band 9 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945), Hrsg. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1995, S. 265.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Flächen im Baumschulenweg zum größten Teil verwüstet und die Gebäude beschädigt. Viele Gärtner waren im Krieg umgekommen. Der Betrieb wurde am 8. Dezember 1947 durch die deutsche Treuhandstelle in Treuhandeigentum und 1949 in Volkseigentum überführt. Die Berliner Baumschule wurde der VEG Saatzucht Dresden angegliedert, die Baumschule in Ketzin wurde als auf die Obstbaumzucht spezialisierte VEG Baumschule Ernst Thälmann weitergeführt. Auch in der DDR-Zeit wurde weiter erfolgreich im Baumschulbetrieb gezüchtet. Diese Züchtungen errangen auf Ausstellungen im In- und Ausland Anerkennung, Preise und Medaillen. mini|Baumquartier der Baumschule VEG Saatzucht in Späthsfelde, 1977

Hellmut Späths Tochter, die Journalistin und Fernsehmoderatorin Dagmar Späth, gründete nach dem Krieg eine neue Baumschule in der Finckensteinallee. Nachdem sie 1959 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, bestand die Firma noch bis 1970 in Zehlendorf.

Nach der Wende kam der Betrieb erneut unter Treuhandverwaltung und wurde im Frühjahr 1997 an die Erben der Familie Späth zurückübertragen.Späthsche Baumschule geht an die Erben zurück, In: Berliner Zeitung, 19. November 1996, abgerufen am 28. Juni 2014. Zunächst führte eine Erbengemeinschaft die Baumschule weiter, zu der unter anderem Manfred Späth, Sohn von Hellmut Späth gehörte. Wenige Jahre danach wurde sie an ein Konsortium mit den Gesellschaftern Georg Graf zu Castell-Castell und Felix Gädicke, Christian von Stechow und Christoph Rechberg übertragen.B. Schmiemann: Landflucht eines „Kunstgärtners“ – Der fast 300 Jahre alte Traditionsbetrieb Späth’sche Baumschulen hat weniger Anbauflächen zur Verfügung. In: Berliner Morgenpost, 18. Dezember 2012

2018 verlagerte die Baumschule den größten Teil ihrer Anbauflächen nach Brandenburg. Grund waren Gebührenforderungen der BSR, die für die Firma nicht tragbar sind.Straßenreinigungsgebühren. Baumschule kapituliert im BSR-Streit. Die älteste Baumschule Berlins zieht mit einem großen Teil ihrer Anbauflächen nach Brandenburg um. Die Firma will keine hohen Kosten für die Straßenreinigung tragen. In: Der Tagesspiegel, Berlin 27. Mai 2018.

Eigentümer 1720–1746: Christoph Späth (1696–1746) 1746–1782: Carl Späth (1721–1782) 1782–1792: Anna Späth 1792–1831: Friedrich Späth (1768–1831) 1831–1863: Ludwig Späth (1793–1883) 1863–1912: Franz Späth (1839–1913) 1912–1945: Hellmut Späth (1885–1945) 1945–1949: Dagmar Brockhues geb. Späth (1922–1959) und Manfred Späth (* 1942) zu gleichen Teilen 1949–1997: Eigentum des Volkes 1997–: Erbengemeinschaft der Familie Späth

Die Zweigniederlassungen in Falkenrehde und Ketzin Da in Berlin aufgrund der städtischen Lage die Expansionsmöglichkeiten begrenzt waren, erwarb Franz Späth im Jahr 1895 ein Gelände in Falkenrehde bei Potsdam, um dort eine Zweigniederlassung der Baumschule zu gründen.Personalnachrichten – Zum 70. Geburtstag von Franz Ludwig Späth. In: Die Gartenkunst – Zeitschrift für Gartenkunst und verwandte Gebiete. Selbstverlag der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst. 11. Jahrgang, 1899, S. 58 Er hatte hier die Möglichkeit, das Gelände durch den Ankauf von insgesamt fünf Höfen nach und nach zu vergrößern. auf der Homepage der Gemeinde Falkenrehde; abgerufen am 17. August 2014

Der Bau des Teltowkanals und des Britzer Zweigkanals führte ab ca. 1900 außerdem zu einem Sinken des Grundwasserspiegels, wodurch einige Flächen des Baumschulgeländes am Baumschulenweg nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden konnten und aufgegeben werden mussten, weshalb die Niederlassung in Falkenrehde weiter ausgebaut wurde.

Im Jahr 1917 gab Hellmut Späth das Gelände in Falkenrehde allerdings auf, nachdem er das Rittergut Albrechts von Ketzin in Neu-Ketzin gekauft hatte, auf dem er eine neue Baumschule aufbaute.Familie Späth – aus der Geschichte des ältesten Berliner Gewerbebetriebes. In: Berliner Zeitung, 18. September 1998 Der neue Standort hatte den Vorteil, dass er über einen Eisenbahnanschluss verfügte, was die Versendung der Baumschulprodukte per Bahn erheblich erleichterte. Zu dem von Späth erworbenen Gut gehörten insgesamt 1700 Morgen Land, auf denen Späth eine Baumschule anlegte, die unter anderem über einen Packschuppen und ein eigenes Anschlussgleis verfügte.

Die Leitung der Baumschule in Ketzin oblag ab 1919 Erich Otto Heinrich Maurer (1884–1981), der bereits seit 1911 als Gartenarchitekt in der Baumschule arbeitete. Ab 1927 war er Generaldirektor der Baumschule, bis er 1929 auf den Lehrstuhl für Gärtnerischen Pflanzenbau und zum Direktor des gleichnamigen Instituts an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin berufen wurde.

1924 kaufte Hellmut Späth die Villa des ehemaligen Ziegeleibesitzers Mannheimer an der Straße nach Vorketzin.S. Kösterin: Müll und Kommunalpolitik: Vorketzin, die Erste. In: S. Köstering, R. Rüb (Hrsg.): Müll von gestern? Cottbuser Studien zur Geschichte von Technik, Arbeit und Umwelt, Band 20. Waxmann Verlag, S. 60 Die Ziegelei war nach dem Ersten Weltkrieg geschlossen worden. Hellmut Spät hielt sich regelmäßig in Ketzin auf, um den Baumschulbetrieb zu überwachen und wollte während seiner Aufenthalte in der Villa wohnen und Geschäftspartner empfangen. Er renovierte und modernisierte das Gebäude, das auf einer Anhöhe lag, sehr aufwendig. Unter anderem ließ er eine Dachterrasse errichten, die einen umfangreichen Blick über das Baumschulgelände bot.