Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208 war ein vom 1. September 1914 bis zum 11. Januar 1919 bestehendes Infanterieregiment, das im Ersten Weltkrieg eine besondere Rolle bei der Einnahme der Stadt Belgrad am 11. Oktober 1915 spielte.

Geschichte Aufstellung Das Regiment wurde gemäß Weisung des preußischen Kriegsministeriums vom 16. August 1914 am 1. September 1914Die Regimentsgeschichte von Fritz Haleck: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O./Berlin 1922 gibt hier abweichend den Aufstellungsbeginn mit 10. Sept. 1914 an. durch das Stellvertretende Generalkommando des X. Armee-Korps aufgestellt.Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 2: Reserve- und Landwehr-Regimenter. Verlag Militaria. Wien 2012. ISBN 978-3-902526-52-6. S. 146.

Das I. Bataillon in Braunschweig wurde dabei durch das Ersatz-Bataillon des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 78 und das II. Ersatz-Bataillon des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92; das II. Bataillon in Celle durch das Ersatz-Bataillon der Infanterie-Regimenter Nr. 77 und 78., sowie das III. Bataillon in Hildesheim durch das Ersatz-Bataillon der Infanterie-Regimenter Nr. 78 und 79 gebildet.

Der Verband gehörte zur neu gebildeten 44. Reserve-Infanterie-Division, die dem XXII. Reserve-Korps unter General der Kavallerie Eugen von Falkenhayn unterstellt war. Das Regiment bestand zunächst aus etwa 60 Offizieren, 250 Unteroffizieren und 2500 Mannschaften in drei Bataillonen, die aber zunächst mit Versorgungsengpässen bei der Ausrüstung zu kämpfen hatten; so fehlte es an Feldküchen und anderem Gerät.

Einsatztätigkeit Nachdem das Regiment am 10. September 1914 mobil gestellt war, wurde es neun Tage später zu Übungszwecken auf den Truppenübungsplatz Zossen verlegt. Ab dem 20. Oktober 1914 begannen die Kampfeinsätze an der Westfront in Flandern, bei denen etwa 1750 Soldaten fielen. Weitere verlustreiche Kämpfe waren am 29. Juli 1915 durch die Erstürmung der sogenannten „Höhe 212“, in der Nähe des polnischen Dorfs Wólka Kańska zu verzeichnen; weiterhin etwa 1700 Gefallene am 4. Juni 1916 in der Schlacht um VerdunMarkus Klauer: Die „Höhe Toter Mann“ während der Kämpfe um Verdun in den Jahren 1916/17. Gesellschaft für Druck und Verlag Velbert, Osnabrück 2001, S. 76–117, ISBN 978-3-980764-80-3. und im Mai 1917 am Chemin des Dames in Nordfrankreich, wobei über 2000 Soldaten fielen oder vermisst wurden. Im November 1917 wurde das Regiment wieder nach Flandern verlegt, hier leistete das 208er Regiment einen entscheidenden Beitrag im schweren Abwehrkampf, welcher am 10. November nördlich von Passchendaele tobte.Jack Sheldon: The German Army at Passchendaele. Pen & Sword Books Ltd., South Yorkshire 2007, S. 303, S. 305, S. 307, S. 319, S. 332, ISBN 978-1-844155-64-4.Werner Beumelburg: Schlachten des Weltkrieges: Flandern 1917. Verlag Gerhard Stalling (Nachdruck Melchior Verlag), Wolfenbüttel 2006, S. 154 ff, S. 167, ISBN 978-3-939102-55-7. Die Gesamtzahl der Gefallenen wurde bei Kriegsende mit 2391 Soldaten angegeben, die Zahl der Vermissten belief sich auf 3664 Mann.Fritz Haleck: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin 1922, S. 109.

Serbischer Feldzug 1915 Nach zahlreichen Einsätzen an der Westfront in Flandern, im Osten und vor allem in Serbien war sein größter militärischer Erfolg der verlustreiche Übergang über die Save am Morgen des 7. Oktobers 1915, die Erstürmung des Banovo-Berges am Nachmittag des 8. Oktobers und die folgende Einnahme Belgrads.Franz Zach: Geschichte des Weltkrieges. Kriegsjahr 1915. Band 2, Verlag der St.Josef-Bücherbruderschaft, S. 148–155. Die Operation wurde mit Artilleriefeuer auf das gegenüberliegende Ostufer der Save eingeleitet. Am frühen Morgen setzten sich die Infanteristen in Bewegung, um den Fluss in der Nähe zweier Inseln, die Deckung boten, zu überqueren.Leutnant Tolle: Vom Kriegsschauplatz in Serbien. in: Die Braunschweiger im Weltkriege 1914–1918. Vaterländisches Kriegsgedenkbuch im Auftrage des Landesvereins für Heimatschutz im Herzogtum Braunschweig. Heft 11. E. Appelhans, Braunschweig 1920, , S. 412. Während der Überquerung mit Hilfe von Pontons und Booten begann die Gegenwehr serbischer Truppen, die auf deutscher Seite 330 Opfer forderte. Am 11. Oktober war der spätere Stadtteil Banovo brdo, im Süden Belgrads besetzt.Fritz Haleck: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208.Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin 1922, S. 34f.

Der Save-Übergang mini|Der Übergang über die Save und die folgende Einnahme Belgrads Am frühen Morgen des 7. Oktober 1915 begann das XXII. Reservekorps mit dem Übergang über die Save. Die Regimenter der 43. Reserve-Division wurden bereits nach Angriffsbeginn auf der Großen und Kleinen Zigeuner-Insel in schwere Kämpfe verwickelt. Das im Verband der 44. Reserve-Division kämpfende „Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208“ war am selbigen Morgen mit Teilen des I. Bataillons, an der Großen Zigeuner-Insel vorbei, am von serbischen Truppen besetzten Südufer der Save gelandet.Fritz Haleck: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin 1922, S. 34ff.Richard L. DiNardo: Invasion: The Conquest of Serbia, 1915. Preager, Santa Barbara 2015, S. 59–78. Die Serben wurden zwar überrascht, sie konnten jedoch schnell ihre Verteidigung organisieren und eröffneten folgend das Feuer auf die sich am Uferhang empor kämpfenden deutschen Infanteristen. Die Teile des I. Bataillons befanden sich nunmehr in einer gefährlichen Lage, ein weiteres Vordringen war nicht möglich, nur die Uferböschung bot einigermaßen Schutz. An die Zuführung von Verstärkung war vorerst nicht zu denken, das andauernde Abwehrfeuer der Serben machte dies unmöglich. Jedoch gelang die Zuführung von Munition, so konnten die Infanteristen wenigstens ihre Stellung halten bzw. verteidigen. In der folgenden Nacht gelang es dann doch, die Reste des I. Bataillons und das II. Bataillon über den Fluss zu setzen. Das III. Bataillon und eine österreichische Gebirgsbatterie hatten für den nötigen Feuerschutz gesorgt. Schließlich gelang es, den Landungsplatz zu sichern und die serbische Stellung zu stürmen. Nachfolgend konnte auch das restliche Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208 übersetzen.

Banovo-Berg Nach dem erfolgreichen Save-Übergang am 8. Oktober 1915, wurde am Nachmittag desselben Tages der Befehl zur Erstürmung des Banovo-Berges erteilt. Der Auftrag sollte vom I. und III. Bataillon des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 208 ausgeführt werden, während das II. Bataillon als Reserve vorgehalten wurde.Fritz Haleck: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin 1922, S. 36f. So begann um 16.00 Uhr der Angriff, folgend musste noch eine Sumpfniederung durchquert werden. Um 18.00 Uhr begann schließlich die Erstürmung der Anhöhe. Die serbischen Verbände konnten dem energischen Angriff der beiden Bataillone nicht standhalten, und so fiel der Banovo-Berg in die Hände der Braunschweiger Bataillone. Sogleich besetzten die Infanteristen den Berg zu allen Seiten und bezogen hier Stellung. Ein folgender Gegenangriff der Serben, am 9. Oktober gegen 14.00 Uhr, konnte erfolgreich abgewehrt werden. Das I. und II. Bataillon traten umgehend zum Gegenangriff an, in dessen Verlauf Zarkovo genommen wurde.

Verdun 1916 Verdun steht für eine der größten Materialschlachten des Ersten Weltkrieges. In diesem grausamen und unmenschlichen Kampfgeschehen mussten hunderttausende Soldaten ihr Leben lassen. Einer der meist umkämpften Punkte war die Höhe „Toter Mann“, dort sollte auch das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208 zum Einsatz kommen.

Höhe „Toter Mann“ mini|Lagekarte vom 20. Mai 1916 Nach der Verlegung auf das Schlachtfeld von Verdun, bezog das Regiment zunächst Stellungen im „Rabenwald“. Am 20. Mai 1916 sollte dann der Angriff auf die französischen Stellungen am „Toten Mann“ folgen.Markus Klauer: Die Höhe „Toter Mann“ während der Kämpfe um Verdun in den Jahren 1916/17. Gesellschaft für Druck und Verlag Velbert, Osnabrück 2001, S. 83–88.Fritz Haleck: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg/Berlin 1922, S. 44–48. Nach der Einnahme der Ausgangsstellungen, begann am 20. Mai um 1.30 Uhr das Vorbereitungsfeuer der deutschen Artillerie. Das wurde durch den Gegner mit Sperrfeuer beantwortet, welches das erwartbare Vorgehen der deutschen Infanterie behindern sollte. Das deutsche Vorbereitungsfeuer hielt bis in den frühen Nachmittag an, um 16.00 Uhr begann dann der Angriff. Das III. Bataillon ging unterstützt von Pionieren und Flammenwerfertrupps zum Angriff über. Folgend konnten die feindlichen Gräben genommen werden. Die Angriffsbewegung endete jedoch vor Chattancourt, dort setzte die eigene Artillerie dem weiteren Vordringen ein Ende. Die eroberten Stellungen wurden vom III. und I. Bataillon besetzt, das II. Bataillon sollte für die Herstellung von Verbindungswegen sorgen. In den folgenden Stunden wurde die eingenommene Stellung jedoch vom französischen Artilleriefeuer eingedeckt. So musste das gesamte III. Bataillon in seine Ausgangsstellung zurückweichen, nur Teile des I. Bataillons verblieben in den zuvor eroberten Stellungen. Ein weiterer Angriff am 23. Mai, musste infolge des gegnerischen Abwehrfeuers abgebrochen werden. Auch ein für den 24. Mai angesetzter Angriff konnte nicht ausgeführt werden, das gegnerische Feuer machte eine vorherige Bereitstellung unmöglich. Aufgrund der zuvor erlittenen Verluste wurde das Regiment am 25. Mai vom Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 16 abgelöst. In den folgenden Tagen wurde dem Regiment Ersatz zugeführt, der die vorherigen Verluste ausgleichen sollte. Nachfolgend bildete sich aus Abgaben anderer Verbände ein Sturmbataillon, das den unterblieben Angriff vom 23. Mai am 29. Mai erfolgreich ausführte.

Flandern 1917 Passendale Anfang November 1917 positionierte sich die 44. Reserve-Infanterie-Division als rechte Flügeldivision der Gruppe Ypern. Am Morgen des 10. November 1917 kam es dann zum Großangriff der kanadischen und englischen Verbände auf den rechten Flügel der Gruppe Ypern. Um 14.00 Uhr geriet auch der Nordteil von Passendale unter schweren Artilleriebeschuss, wo zu diesem Zeitpunkt das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208 in Stellung lag. Folgend stürmten die Engländer in mehreren Angriffswellen gegen die Stellungen des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 208 an. Das deutsche Maschinengewehr- und Artilleriefeuer konnte diesen Angriff und die folgenden Angriffswellen erfolgreich abwehren. Jedoch wurde links vom Braunschweiger Regiment die deutsche Sicherung bis in die Hauptkampflinie zurückgedrückt. Das Bereitschaftsbataillon der 208er war nun dazu bestimmt den Gegenstoß auszuführen, der folgend den Gegner über die alte Linie zurücktreiben sollte. Die Unternehmung war von Erfolg gekrönt, allerdings war der Kampf damit noch nicht beendet. Kanadier und Engländern griffen immer wieder die Stellungen des Regiments an. Um 16.00 Uhr kam es dann zum vierten tiefgegliederten Angriff, der vorhergehend von ausgedehntem Artilleriebeschuss eingeleitet wurde. Auch dieser Angriff brach im deutschen Abwehrfeuer zusammen. Die Kriegsparteien erlitten in diesem Kampfgeschehen zahlreiche Verluste.

Einsatzverlauf 1914–1918 mini|hochkant|Zeitgenössische Feldpostkarte des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 208. 1914 10. Oktober – Abfahrt aus Zossen. 20. Oktober – Kämpfe vor Dixmuiden. 25. Oktober – Erstürmung von Stuyvekenskerke. 3. November – Angriff auf Streenstrate. 1915 9. Mai – Erfolgloser Angriff auf Nieuport. 8. Juni – Verlegung an die Ostfront. 25. Juni – Erstürmung von Woydra. 26. Juni – Erstürmung der Höhen Kardinalski. 2. Juli – Einnahme von Wilkie-Chomenciska und Stary-Zamose. 29. Juli – Erstürmung der Höhe 212 und Einnahme von Olesniki. 2. August – Eroberung der russischen Stellungen nördlich von Majdan-Stare. 18. August – Erstürmung von Lipnica.