Wiek, früher auch Wieck, ist eine Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Rügen auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Gemeinde wird vom Amt Nord-Rügen mit Sitz in der Gemeinde Sagard verwaltet.
Geografie und Verkehr Wiek liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich von Bergen auf Rügen auf der Halbinsel Wittow. Die Gemeinde ist über die Landstraße 30 entweder über die Nehrung der Schaabe zu erreichen oder über die Wittower Fähre, einer Autofähre zwischen den Gemeinden Wiek und Trent. Wiek grenzt im Westen an den Wieker Bodden, der im Westen durch die Halbinsel Bug von der Ostsee abgetrennt ist und so einen guten Naturhafen darstellt. Im Süden hat der Bodden eine schmale Verbindung zum Meer. Von Wiek aus gibt es einen regelmäßigen Fährverkehr zur Insel Hiddensee.
Umgeben wird Wiek von den Nachbargemeinden Altenkirchen im Nordosten, Breege im Osten, Trent im Süden (Seegrenze) sowie Dranske im Westen und Nordwesten (teilweise Seegrenze).
Vom 21. Dezember 1896 bis zum 10. September 1968 verlief die 750-mm-Schmalspurbahnstrecke Bergen–Trent–Wittower Fähre–Wiek–Altenkirchen der Rügenschen Kleinbahn (RüKB) durch Wiek. Auf dem Bahndamm nördlich der Ortslage von Wiek wurde ein Radweg angelegt.
Ortsteile
Geschichte Bischofsdorf Ersterwähnt als Biscoppesdorp und Bysscoppersdorp.Hrsg. Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterthumskunde: Quellen zur Pommerschen Geschichte. 1885, Band 1, Register, Verlag Léon Saunier’s Buchhandlung (Paul Saunier), Stettin 1885, S. 137. online 1486 zu Heinrich (von) Normann-Streu und 1500 an Martin (von) Barnekow, hier durch Bischof Niels Skave, gab man Einkünfte des Ortes an Adlige.Bengt Büttner: Die Pfarreien der Insel Rügen. Von der Christianisierung bis zur Reformation, Zugleich Dissertation Universität Göttingen, Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2007, S. 339. ISBN 978-3-412-00706-5. online Detail
Bohlendorf mini|Gutshaus Bohlendorf Seit dem 13. Jahrhundert war Bohlendorf Stammsitz der Familie von Bohlen mit einem Gut von etwa 264 ha. Dieses Geschlecht gab dem Ort auch seinen Namen und blieb bis zum Zweiten Weltkrieg. 1794 ließ Ernst Casimir von Bohlen das heutige Gutshaus bauen. Mitte des 19. Jahrhunderts war Julius von Bohlen der Gutsinhaber. Er war auch als namhafter HeimatforscherTheodor Pyl: Pommersche Genealogien, Band 2, Heft 1, Selbstverlag der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterthumskunde, Greifswald 1868, S. 15. online und Autor tätig.Julius von Bohlen-Bohlendorf: Der Bischofs-Roggen und die Güter des Bisthums Roeskild auf Rügen in erblichem Besitz der Barnekow und Umriß der Geschichte dieses adlichen, freiherrlichen und gräflichen Geschlechts, Familien-Chronik, Vorwort, Commission der Löfflerschen Buchhandlung (C. Hingst), Bohlendorf, Stralsund 1850, S. VI f. online 1893 war dessen jüngster Sohn der nächste Erbkämmerer des Fürstentums Rügen und der Lande Barth, Leutnant Arnold Freiherr von Bohlen (* 1854; † 1899), Nutznießer des vormals zur Sicherung der Erbfolge gegründeten Bohlendorf’schen Familienfideikommiss. Er war verheiratet mit Elisabeth von BurgsdorffMarcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. 1893, Band 2, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 152. online und begann einst seine LaufbahnErnst Siegfried Köpke: Ritter-Akademie zu Brandenburg. Zu der am 22. März 1872 Vormittags 11½ Uhr in der Ritter-Akademie stattfindenden Feier des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs ladet ehrerbietig und ergebenst ein der Director, Band Schüler, III. Secunda, Gedruckt bei Adolph Müller, Brandenburg a. H 1872, S. 60. online auf dem Adelsinternat der Ritterakademie Brandenburg. Nacherbe wurde die zweite Tochter Hertha, verheiratete von der Schulenburg, dann der Vetter Hauptmann Adolf von Wolff,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1921, in: "Der Gotha", 15. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1920, S. 934. online der den Namen von Wolff-Bohlen annahm.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1912, in: "Der Gotha", Nr. Bohlen, 62. Auflage, Justus Perthes, Gotha 1911-11-13, S. 61–62. online Noch 1939 galten die v. Wolff-Bohlenschen Erben als Gutseigentümer der konstanten Besitzesgröße von 264 ha. Nachdem die Besitzer kinderlos starben, kaufte Alexander von Quistorp nach verschiedenen genealogischen Angaben bereits nach 1935 das Gut Bohlendorf.Achim v. Quistorp (Hrsg.): Beiträge zur Genealogie und Geschichte der Familie Quistorp, Familien-Chronik. Festschrift, Bohlendorf, Crenzower Zweig, Books on Demand, Hamburg, Norderstedt 2006-11-19, S. 238–245. Das Gut wurde 1945 mit der Bodenreform zersiedelt. Das Herrenhaus wurde Wohnhaus für Umsiedler, später dann als Ferienanlage des VEB Erdöl-Erdgas Grimmen genutzt.Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1993, S. 38, ISBN 3-88042-636-8. Nach der Wiedervereinigung wurde das Gutshaus umfangreich renoviert und ein Hotelbetrieb eingerichtet.
Fährhof Fährhof hieß einst Krakewitz und gilt als Stammhaus des gleichnamigen rügischen Adelsgeschlechts. Die FamilieMatrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV. bis in das XIX. Jahrhundert, Hrsg. Robert Klempin, Gustav Kratz, Verlag A. Bath (Mittler’s Sortimentsbuchhandlung), Berlin 1863, S. 46. online gewann 1459 Bedeutung mit dem Herzoglichen Vogt zu Wolgast und Usedom Hans von Krakevitz. Die Ortschaft selbst gilt spätestens seit 1896 als Fundstelle mit Bedeutung von Stein-Altertümer.v. Platen-Venz: Fundstelle für Stein-Alterthümer in Fährhof auf Rügen, in: Correspondenz-Blatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, Band Februar 1896, Nr. 2, XXVII. Auflage, Hrsg. Johannes Ranke, Akademische Buchdruckerei F. Straub, München 1896-02-03, S. 9–12. online Fahrhof wurde nachmals ein Gut der Familie von Platen. Ein Vertreter war Karl Friedrich von Platen. Seine Ehefrau Fanny von Watzdorf-Brambach stammte aus Sachsen.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel) 1900, 1. Auflage, in: "Der Gotha", Justus Perthes, Gotha 1900-01-10, S. 854. online Platen verkaufte Fährhof 1901 und zog nach Dresden,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1905, 6. Jahrgang, in: "Der Gotha", Justus Perthes, Gotha 1904-11-05, S. 620. online wo die Söhne auch dann zum bekannten Vitzthum-Gymnasium gingen.Richard Wagner (Hrsg.): XLIX. Jahresbericht des Vitzthumschen Gymnasiums als Einladung zu der am 15. März 1910 vormittags 10 Uhr stattfindenden Entlassung der Abiturienten sowie zu den am 17. März stattfindenden öffentlichen Prüfungen, Schulnachrichten von Ostern 1909 bis Ostern 1910, Verzeichnis der Schüler. Unterprima B. 1, Auflage 1910. Jahresber. Nr. 743, Verlag B. G. Teubner, Dresden 1910-09-15, S. 20. online Das in Fährhof bestehende Rittergut gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts der Familie O. Wittstock. Es handelte sich um einen mittelgroßen Landwirtschaftsbetrieb mit 252 ha.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch der Provinz Pommern. 1914. Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. Mit Unterstützung vieler Behörden nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet, Regierungsbezirk Stralsund, Kreis Rügen, in: Niekammer’s Güter-Adressbücher, Band I. für Pommern, 4. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914-05-01, S. 272–273. online
Parchow mini|Gutshaus Parchow, im Verfall Parchow war zunächst ein Gut der Familie von Viersen, bis 1561. Dann erwerben es die von Platen. Käufer war der Hauptmann auf Goldberg und Fürstenberg, der Fürstlich Pommersche Frauenzimmerhofmeister Achim von Platen, verheiratet mit Katharina von der Lancken. Ihr Sohn Christoph von Platen übernimmt dann Parchow und weitere Güter. Die genealogische Linie auf Parchow geht weiter zu seinem Urenkel Olof Joachim von Platen (1693–1727). Weitere drei Generationen war Friedrich Christoph von Platen der Grundbesitzer, liiert mit Anna Luise von Fabricius.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1903, in: "Der Gotha", Adelige Häuser nach alphabetischer Ordnung, Platen, Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1902-11-20, S. 683–685. online Wilhelm von Platen (1854–1901), respektive seine Witwe Elisabeth von Berg, veräußerte dann 1909 dann große Bereiche vom Parchower Güterkomplex. Th. Witthohn führte dann den Besitz bis 1945. Das unsanierte Gutshaus von ca. 1840 und die Nebengebäude verfallen – kein ungewohnter Umstand bezüglich der zahlreichen mecklenburgischen und vorpommerschen Gutshäuser.
mini|Pfarrkirche St. Georg zu Wiek mit Glockenstuhl
Wiek Der Ort wurde erstmals 1165 als Vikr (also mit altnordischer Wortendung) urkundlich dokumentiert. Dabei war auch die Rede von einem slawischen Burgwall. Nach 1168 wurde auch das Gebiet von Wiek christianisiert. Es siedelten sich dann im Laufe der Zeit immer mehr Deutsche in dem Ort an und die slawische Bevölkerung wurde assimiliert. 1314 und 1318 wurde eine parochia Medowe sive Wyk, also eine Pfarrei namens Medow oder Wiek erwähnt.
Den Wortstamm vik, verwandt mit dem Lateinischen vicus (Dorf, Gehöft) gibt es sowohl in germanischen als auch in slawischen Sprachen. „Vik“ in den nordgermanischen Sprachen und „Wik“ oder „Wyk“ im Friesischen steht für Bucht und deutet ebenso auf Marktstelle oder Handelsort hin, denn diese entwickelten sich an Gewässern und besonders in Buchten. Stadtähnliche Siedlungen in Deutschland wurden vor Erteilung eines Stadtrechts oft als „Weichbild“ bezeichnet. In slawischen Sprachen ist der Namensbestandteil -wiec für einen Ort nicht selten, etwa in Sosnowiec (Kiefernort) und Królewiec (Königsort, der polnische Name für Königsberg). Im Bereich der südlichen Ostseeküste kann „Wie(c)k“ für eine vorbestehende Siedlung stehen, in deren Nähe ein neuer Ort, oft mit deutschen Siedlern, gegründet wurdeMarian Rębkowski: Greifswald – Stettin – Kolberg. Drei Modelle räumlicher Anknüpfungen in der Stadtgründungszeit in Pommern auf academia.edu. PDF. Stand 1. Januar 2024. z. B. Wendisch Wieck und Denewieck (Dänisch Wieck) bei Greifswald. Somit kann Wiek das ältere Gegenstück zum neuen, christlichen Altenkirchen sein. Da außer diesem fast alle Orte auf der Halbinsel Wittow Namen slawischer Herkunft tragen, kann Medove der slawische Name von Wiek gewesen sein. Die Wortendung -ove, heute zumeist -ow ist bei slawischen Namen sehr verbreitet und kann einen Genitiv Plural oder ein Adjektiv bezeichnen.
Mittelalter Vor der Völkerwanderung hatte in der Region die germanischen Rugier gelebt. Etwa seit dem 8. Jahrhundert und somit auch um 1000 wohnte auf Rügen und auch weiter südlich das slawische Volk der Ranen (Rujanen). Der Inselname war also aus der Germanenzeit in die Slawenzeit übernommen worden. Die Rujanen sprachen eine lechische Sprache. Der Ort dürfte einen der auf Rügen typischen Burgwälle (wie Arkona oder Charenza) gehabt haben und kann von Wäldern umgeben gewesen sein.
mini|Hafen von Wiek mit Hafenmeisterei und der damals noch unsanierten Kreidebrücke Die Dänen kämpften im 12. Jahrhundert mehrfach um die Oberhoheit über Rügen und erzwangen schließlich 1168 die Christianisierung des slawischen Fürstentums. Bis zur Schlacht bei Bornhöved (1227) beherrschte Dänemark die südliche Ostseeküste. Deutsche Siedler kamen und lebten neben den slawischen Einwohnern. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich Sprache, Sitten, Religion und die Landwirtschaft. Auch der Ortsname änderte sich; 1314 und 1318 hieß es Medove sive Wiek und Medove sive Wyk, 1324 nur noch Wik, später de Wyke, Wick, Wieck und heute wieder Wiek. 1404 starb auf Jasmund die letzte Einwohnerin, die noch wendisch sprach.