mini|350px|Hahnenstraße – Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator: „Die hanen straiß“ Die Hahnenstraße im Kölner Stadtteil Altstadt-Süd führt von der Hahnentorburg an den Kölner Ringen bis zum Neumarkt. Sie verband ursprünglich die mittelalterliche Stadtgrenze an der alten Hahnentorburg von 1106, mit der neuen Torburg der Stadterweiterung des Jahres 1180.Peter Glasner: Die Lesbarkeit der Stadt. Kulturgeschichte und Lexikon der mittelalterlichen Straßennamen Kölns. S. 113 f, mit Verweis auf Hermann Keussen Band I, S. 168. Die Bebauung und der aktuelle Straßenverlauf beruhen auf einem einheitlichen Bebauungsplan von 1947.

Entstehungsgeschichte Die Hahnenstraße kann auf eine bis zum Mittelalter reichende Geschichte zurückblicken.

Mittelalter mini|links|Stadtausgang Hahnentorburg am Rudolfplatz Die Hahnenstraße entstand als Torstraße zur Hahnentorburg, von der sie wohl ihren Namen bekam, als Nachfolgerin der alten römischen Fernstraße nach Westen (Via Agrippinensis), zwischen dem römischen Westtor an St. Aposteln und dem heutigen Hahnentor. Im Zuge der Stadtzerstörungen, etwa beim Überfall der Franken 355 n. Chr. und dem Normannenüberfall 881 n.Chr füllten die Kölner die im westlichen Stadtgebiet vorhandenen Senken mit Bauschutt auf und baute auf dem Schutthorizont neu. Die führte zu einer allgemeinen Erhöhung der Oberfläche. Vermutlich konnte das römische Westtor im 10. Jahrhundert schon lange nicht mehr vollständig benutzt werden. Bis heute stieg das Gelände hier um etwa 2,5 m gegenüber dem antiken Horizont an. An der Außenseite der Römerstadt gründete sich im 9. Jahrhundert eine den Aposteln geweihte Kapelle, die sich zum Kollegialstift St. Aposteln entwickelte. Durch dessen Ausbau auf der Terrasse der alten Römerstraße war das römische Stadttor spätestens im Jahre 1000 nicht mehr benutzbar und wurde endgültig geschlossen. Als Ersatz für das Tor schlugen die Kölner am Römerturm am heutigen Laach eine Öffnung in die Mauer (sog. "Foramen") und bauten den Turm zu einem Ersatztor um. Wenige Jahre später verlor dieses Tor durch die Stadterweiterung von 1106 seine Bedeutung und erhielt den Namen "älteste Schafenpforte". Am westlichen Ende des Marsilstein entstand in der Mauer von 1106 das "ältere" Hahentor. Als Folge der versperrten alten Römerstraße entwickelte sich zwischen dem "Foramen" und der alten Trasse der Landstraße vor der Stadt eine neue Straßenführung (Umleitung). Spätestens mit der dritten Stadterweiterung von 1180 und dem Bau der großen Stadtmauer kam es nun zur endgültigen Straßenführung zwischen Foramen/ältestes Schafenpforte und dem "neuen", dem heutigen Hahentor. Der Abschnitt zwischen dem "älteren" und dem "neuen" Hahnentor erhielt den Namen Hahnenstraße.Alexander Hess: Die Hahnenstraße als Nachfolgerin der alten römischen Ausfallstraße. In: Fortis Das Magazin. 2015/2016, S. 7-S.11.

Der Name des großen Tores leitet sich möglicherweise von „Hageno von Anselm“ ab, einem früheren Grundbesitzer aus dem 12. Jahrhundert, nach welchem es zunächst Hanenporcen und dann Hagenenporcen hieß.Kölnischer Geschichtsverein: Jahrbuch. Band 22, S. 75. Nach anderen Quellen geht die Herleitung auf Hano („Hain“) zurück, also „Holzpforte“ oder „Holztor“ wegen der Waldgebiete entlang der nach Aachen führenden Straße außerhalb der Stadtmauer. Der Name „Hanenporce“ ist um 1200 belegt, „Porta Hanonis“ aus 1227 ist der älteste belegte lateinische Name des Hahnentores.Helmut Signon, Klaus Schmidt: Alle Straßen führen durch Köln. 2006, S. 178. Eine weitere Auffassung sieht die Hahnenstraße nach dem hier gelegenen Haus „zum Hanen“ („zum Hahn“) im 13./14. Jahrhundert benannt.Adolf Bach, Dieter Berger: Deutsche Namenkunde: Die deutschen Ortsnamen. Band 3, 1954, S. 224. „Zum Hanen“ gehörte möglicherweise dem Brauer Johann zum Hanen und Sohn Claes zum Hanen; ein Johan von der Hanenstrasse ist 1396 erwähnt. Im mittelalterlichen Latein hieß sie „platea gallorum“.Klaus Militzer: Quellen zur Geschichte der Kölner Laienbruderschaften vom 12. Jahrhundert bis 1562/63. Band 1, 1997, S. 138. Im Mai 1253 wurden 12 Morgen Land zwischen der Ehren- und Hahnenpforte („porta Hanonis Colonie“) durch den Konvent St. Mauritius verpachtet.Leonard Ennen: Quellen zur Geschichte der Stadt Köln. 1863, S. 333. Seit dem 14. Jahrhundert lag in Hahnenstraße Nr. 43 der Besitz der Kölner Patrizierfamilie Hardevust. Für die Heilung von kranken Pferden erhielt im Jahre 1370 der Schmied Meister Arnold auf der Hahnenstraße von der Stadt 72 Mark.Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1865, S. 531. (books.google.de) Ein anderes Haus in der Hahnenstraße gehörte bis April 1384 dem Heinrich vame Koesyn (van dem Cuesyn), der es an Styne, die Tochter des verstorbenen „Stede smyt“ (Stadtschmied) Meister Godschalk verkaufte.Ludwig Röhrscheid: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. Ausgaben 71–73, 1901, S. 139. Thys von der Hahnenstraße vermachte 1405 anscheinend seinen gesamten Besitz, insbesondere den Hof „zume Duppen“, an die Dominikanerinnen.Jutta Prieur: Das Kölner Dominikanerinnenkloster St. Gertrud am Neumarkt. 1983, S. 345.

In der Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator hieß sie „Hanen straiß“. Auf der Karte deutlich zu erkennen ist ihr Verlauf westlich der Benesisstraße („Am vinaffer poell“; „Am Venuspfuhl“) / Am Rinkenpfuhl feldwärts der römischen Stadtmauer in nordwestlicher Richtung bis zum Hahnentor. Heinrich Krumm von Frechen erwirbt 1624 ein Haus an der Hahnenstraße neben dem Zollhaus. Nördlich der Hahnenstraße in der Gegend des Hofs Benesis, auf dem „Pielspohl“ (Pfeilspuhl nach der Familie Pfeill von Scharfenstein, oder Venuspohl oder Benesispfuhler wird im Kölner Stadtplan von 1752 fälschlich „Benuspohl“ genannt), soll ein namensgebender Venustempel gestanden haben.Friedrich Everhard von Mering, Ludwig Reischert: Zur Geschichte der Stadt Köln am Rhein. Bände 1–2, 1838, S. 29. (books.google.de) Nachweise fanden sich hierfür jedoch bisher nicht. Der mit Treppenturm versehene Hof „Benesis“ oder „Pfeilshof“ der Familie Pfeill von Scharfenstein, Herrn zu Benesis und Stammheim, stand an der Ecke zur Benesisstraße in Nr. 5313–5315.Friedrich Everhard von Mering, Ludwig Reischert: Zur Geschichte der Stadt Köln am Rhein. Bände 1–2, 1838, S. 10. Die Gegend um die Benesisstraße war lange Zeit Sumpfgebiet, weshalb sie auch „Pielspuhl“ oder „Benesispfuhl“ hieß. Die Sümpfe westlich vom Neumarkt (Im Laach, Benesisstraße) wurden Ende des 18. Jahrhunderts trockengelegt.

Gründerzeit mini|Hahnenstraße 6 – Apostelgymnasium mit der Kirche St. Aposteln (um 1920) Nach dem ab dem 1. Januar 1813 geltenden „Itinéraire de Cologne“ hieß die Hahnenstraße während der Franzosenzeit wörtlich übersetzt „Rue des Coqs“. Seit dem Durchbruch der Mittelstraße als bürgerlicher Wohnstraße um 1844 besitzt der alte Zugang zum Hahnentor nicht mehr seine frühere Bedeutung.Else Utrecht: Wirtschafts- und Sozialtopografie der Alt- und Neustadt von Köln. 1929, S. 44. Der Zugang zum Hahnentor hat seit jener Zeit seinen Schwerpunkt zur Mittelstraße verlegt, so dass der Charakter der Hahnenstraße als Torstraße zurückgegangen ist.Else Utrecht: Wirtschafts- und Sozialtopografie der Alt- und Neustadt von Köln. 1929, S. 25.

Auf der Hahnenstraße lagen die Brauhäuser „St. Peter“ (Nr. 3), „Zum Wolf“ (spätestens seit 1746; Nr. 28), „Zum Tolles“ („Tolhuys“; zum Zollhaus) in Nr. 40 (brannte 1380 ab) und „Zum Kaiser“ (Nr. 43). Im letzteren wurde 1822 von Michael Joseph Frantzen die Brauerei „Hahnenbräu“ gegründet. Im Volksmund wurde sie „Leichenbräu“ genannt, weil die zum Melaten-Friedhof gehenden Trauergäste hier oft einkehrten.Historisches Archiv: Zeugen Kölner Braukultur 1396-1996. 1996, S. 184. Die Brauerei wurde 1838 von Franz Contzen übernommen, dessen Sohn Ambrosius Contzen sie 1872 übernahm. Zwischen 1895 und 1905 arbeitete hier der Brauer Matthias Heinrich Abels, von 1905 bis 1918 Peter Josef Maaßen. Seit 1918 war Paul Peter Besitzer des „Hahnenbräu“. Beim Gebäude handelte es sich um ein Doppelhaus mit zwei Giebeln und einem spitzen Dach. Den geschnitzten spätbarocken Kranbalken schmückte ein sich würgender Schnauzbartträger mit Mantel. Der bis Mai 2014 restaurierte Kranbalken befindet sich heute im Kölnischen Stadtmuseum. Das breit gelagerte Haus mit seinem Doppelgiebel stammte aus dem 18. Jahrhundert. 1934 wurde der Braubetrieb eingestellt, Nr. 43 musste 1939 der vorgesehenen Verbreiterung der Hahnenstraße weichen. Stadtbaumeister Johann Peter Weyer erwarb vor 1860 die Nr. 36 und 38.Joseph Klersch, Heribert A. Hilgers: Von der Reichsstadt zur Großstadt: Stadtbild und Wirtschaft in Köln 1794–1860. 1925, S. 67.

Heinrich Müller Malten bezeichnete die Hahnenstraße 1844 „als nicht zum besten gepflasterte“ Straße.Heinrich Müller Malten: Köln und seine Umgebungen: Ein Führer für Fremde und Einheimische. 1844, S. 46. Am 6. April 1859 begann der Bau für das von Julius Carl Raschdorff mit Backsteinfassade und großen Rundbogenfenstern versehene Apostelgymnasiums in Nr. 6, dessen feierliche Eröffnung am 15. Oktober 1860 stattfand.Zeitschrift für Bauwesen. Band 11, 1861, S. 686. Es hieß damals „Katholisches Gymnasium an der Apostelkirche“, seit 1919 „Staatliches Apostelgymnasium“. Nach einer „Heldengedenkfeier“ im März 1939 wurde das Gymnasium im April 1939 von den Nazis geschlossen und das Gebäude wegen Verbreiterung der Hahnenstraße abgerissen.Konrad Adenauer, Volker Gröbe: Lindenthal: Die Entwicklung eines Kölner Stadtteils. 1988, S. 118.

Neuzeit mini|Hahnenstraße 20 – Wohn- und Geschäftshaus (um 1910) mini|Hahnenstraße 6 – Der Hahn (Toni Stockheim, 1962) Am 15. April 1902 eröffnete die elektrische „Lindenthalbahn“, die von der Stadtwaldschleife über die Hahnenstraße bis Frankenwerft führte. Auf derselben Strecke fuhr auch vom selben Tag an die „Müngersdorfbahn“.

Bereits in den 1920er Jahren gab es Überlegungen zu autogerechten Straßendurchbrüchen, die aber am Widerstand des Oberbürgermeisters Konrad Adenauer scheiterten. Nach dessen Entlassung im März 1933 hatten die Verkehrsplaner freie Bahn. Nachdem am 7. Juni 1939 NSDAP-Gauleiter Josef Grohé den Auftrag zur Neugestaltung der Stadt erhielt,Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 239. wird die Hahnenstraße ab Juli 1939 zum Zentrum der Planungen einer Ost-West-Achse mit einer Breite von 68 Metern, die jedoch wegen der Kriegsereignisse nicht realisiert werden konnte.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 255. Wegen der für 1940 geplanten Internationalen Verkehrsausstellung in Köln begnügten sich die Planer aus Zeitmangel mit einer Breite von 28 Metern.Helmut Fußbroich: Architekturführer. Köln 1997, S. 44. Die Ausstellung wurde jedoch kriegsbedingt abgesagt. Bereits ab dem 22. Januar 1939 begann der Durchbruch Hahnenstraße / Pipinstraße,Gerhard Dietrich: Museum für Angewandte Kunst: Chronik 1888–1988. 1988, S. 124. was zur Begradigung des ursprünglichen Straßenverlaufs führte. Hierdurch lagen die älteren Hausgrundstücke unter der heutigen Straße,Gebrüder Mann: Kölner Jahrbuch für Frühgeschichte und Vorgeschichte. Band 23, 1990, S. 401. einige Gebäude wie das Apostelgymnasium mussten noch 1939 dem Durchbruch weichen. Im August 1939 war der Durchbruch zum Hahnentor geschafft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Rudolf Schwarz Mitte 1945 den Auftrag zur Gesamtgestaltung der Hahnenstraße, seit 1946 wurden die Kriegstrümmer in der Straße beseitigt. Wilhelm Riphahn bekam von der Stadt den zusätzlich Auftrag, einen konkreten „Aufbauplan“ für diese Verbindung zwischen Neumarkt und Rudolfplatz zu entwickeln. Er konzipierte im September 1945 seine „Grundgedanken zur Neugestaltung von Hahnenstraße/Cäcilienstraße“Historisches Seminar der Universität zu Köln: Geschichte in Köln. Bände 29–32, 1991, S. 66. als Flanier- und Kulturmeile mit großstädtischem Charakter sowie eine architektonische und optische Verbindung zwischen hohen Gründerzeitbauten am Ring und den Gebäuden der niederen Altstadtbebauung.