Olivetti ist ein italienisches Unternehmen mit Sitz in Ivrea, das Computer, Bürogeräte und -maschinen sowie Anwendungssoftware herstellt. Es wurde 1908 von Camillo Olivetti gegründet. Große Beachtung erlangte es mit dem hohen gestalterischen Niveau seiner Produkte, von denen viele als Meilensteine des Industriedesigns gelten. Olivetti ist seit 2003 ein Tochterunternehmen der Telecom Italia.Fusion mit Olivetti auf n-tv.de; abgerufen: 23. August 2016.

Der Fabrik- und Wohngebäudekomplex der Olivetti-Werke in Ivrea ist seit dem 1. Juli 2018 UNESCO-Welterbestätte.Olivetti-Werke und Kalifenstadt auf Welterbeliste orf.at, 1. Juli 2018, abgerufen am 1. Juli 2018.

Geschichte Anfänge mini|Die frühe Olivetti-Fabrik in Ivrea mini|hochkant|Werbung für die Schreibmaschine M1 mini|Schreibmaschine M40 von 1930

Camillo Olivetti, Sohn einer begüterten jüdischen Familie, gründete in einem kleinen Ziegelbau am Stadtrand von Ivrea eine Werkstatt, in der er mit einigen Technikern in dreijähriger Arbeit die Schreibmaschine „M1“ entwickelte, die er 1911 auf der Turiner Industrie-Ausstellung vorstellte. Die M1 wurde zum Erfolg: 1920 beschäftigte Olivetti 200 Arbeiter, 1933 rund 800 und im Kriegsjahr 1940 6000. 1930 eröffnete er seine erste Montagefabrik in Übersee. Zwei Jahre später wurde Olivetti in eine Aktiengesellschaft überführt.

Schon zu Anfang zeichnete sich Olivetti durch ein für damalige Zeiten ungewöhnliches soziales Engagement aus. So wurde 1909 eine Betriebskrankenkasse gegründet; in der Folge wurde ein Sozialsystem entwickelt, das vom Kindergarten und der Mütterfürsorge über die Begabtenförderung und Urlaubsheime bis zur kulturellen Betreuung der Betriebsangehörigen reichte. Arbeitnehmer wurden gezielt aus der Region Ivrea angeworben und stellten 90 % der Belegschaft. Olivetti erhoffte sich so deren stärkere Identifikation mit dem Unternehmen.Der Olivetti-Stil. In: Die Zeit. 21/1964. Um einer Enteignung durch die antisemitischen Faschisten zu entgehen, überschrieb Camillo Olivetti das Unternehmen seinem christlich getauften Sohn Adriano Olivetti. Dieser führte ein neues Managementsystem ein und definierte die Gestaltung als wesentliches Identifikationsmerkmal des Unternehmens. 1938 ließ er den Geschäftssitz von der alten Backsteinfabrik in ein neues Gebäude mit Glasfassade verlegen, das er bei den jungen Architekten Luigi Figini und Gino Pollini in Auftrag gegeben hatte.

Ab 1931 wurden Büromöbel der „Synthesis“-Produktlinie produziert, die von Alexander „Xanti“ Schawinsky und Marcello Nizzoli entworfen worden waren. Mit der Schreibmaschine MP1 „Ico“ stieg Olivetti 1932 in den Markt der portablen Schreibmaschinen ein. Das Plakat zur Produkteinführung wurde von Schawinksy gestaltet, das Gerät selbst von Aldo Magnielli. Wenngleich die Maschine in fünf Farben (schwarz, rot, blau, grau, grün) erhältlich war, wurden die meisten Exemplare in schwarz bestellt. Nach dem Erfolg der „Ico“ folgte 1935 die Studio 42 als halbprofessionelle Maschine. Schawinsky entwarf das Gerät, konsultierte jedoch auch die Architekten Figini und Pollini, die zu jener Zeit den Bau des neuen Hauptgebäudes betreuten. Die von Camillo Olivetti entworfene M20 wurde ab 1942 nicht mehr in schwarz hochglanz, sondern in einem dunkelgrauen Strukturlack ausgeliefert.

1948 brachte Olivetti seinen elektrischen Rechner Divisumma heraus. In den 1950er Jahren hatte das Unternehmen eigene Niederlassungen in 21 Ländern, zwei Drittel der Produktion wurden außerhalb Italiens verkauft.

Adriano Olivetti gründete 1946 die Zeitschrift «Comunità» und „vereinte die besten Denker und Theorien zu Staat und Politik, zu Kunst und Literatur“.Christine Wolter: In: NZZ vom 22. Februar 2010. Zu der unkonventionellen Unternehmenspolitik gehörte ein ungewöhnlicher Mitarbeiterstab. Chef der Sozialabteilung war der sozialkritische Lyriker Paolo Volponi, mitunter aber auch Absolventen eines katholischen Internats in Frankreich.

mini|Großrechner Elea 9003 von 1957

Der erste in Italien produzierte elektronische Computer mit Transistoren wurde 1959 von Olivetti unter der Bezeichnung Elea 9003 vorgestellt. Im gleichen Jahr übernahm Olivetti den US-amerikanischen Schreibmaschinenhersteller Underwood. Adriano Olivetti erlag 1960 im Schnellzug zwischen Montreux und Lausanne einem Schlaganfall; das bisher von ihm geführte Unternehmen wurde zum Zankapfel der insgesamt sieben Erben. Kurz darauf starb der noch von Adriano Olivetti eingesetzte Olivetti-Präsident Giuseppe Pero. 1964 geriet das Unternehmen erstmals in finanzielle Schwierigkeiten, nachdem die Übernahme von Underwood keine nennenswerten Mehrverkäufe einbrachte und der Export nach Südamerika hinter den Erwartungen zurückblieb. Die bisherige Unternehmensstrategie war ein „Sozialismus ohne Marx“ mit überdurchschnittlichen Löhnen und Sozialleistungen für die Belegschaft; nun war es zu großen Entlassungen und Lohnkürzungen gezwungen.

Entwicklung als Elektronik-Hersteller mini|Aktie über 5000 DM der Deutschen Olivetti AG vom Januar 1963 mini|Programma 101 von 1965

Bruno Visentini, ein Freund und Anwalt des Verstorbenen, übernahm die Führung des Unternehmens. Er gliederte 1964 die Werkzeugmaschinen- und Großrechnerfertigung (Geschäftsbereich Elektronik) an das US-Unternehmen General Electric aus, forcierte die Entwicklung und Produktion von Mikro-Computern und baute die Gestaltungsabteilung (Produktdesign, Werbung, Architektur) auf 100 Personen aus. 1968 lieferte Olivetti eine komplette Fabrik für Rechen- und Buchungsmaschinen in die Sowjetunion; der Wert des Auftrags belief sich auf 320 Millionen DM. Erstmals wurden CNC-Steuerungen für Werkzeugmaschinen angeboten und lokale Terminals statt Großrechnern. Zum Erfolg wurde in den 1960er Jahren der Computer Olivetti Programma 101 (Stückpreis: 16.428 DM), vor allem in den USA, wo ihn die NASA zur Berechnung der Mondlandung einsetzte. Mit Einführung der Mehrwertsteuer in Deutschland wurde der Büro-Computer P 203 ein Bestseller und verfünffachte den Umsatz Olivettis im Land. Erfolgreich war der BASIC-Computer P6060. Mit der TC 800 ab 1974 und mit der L1-MOS-Linie war Olivetti auch mit multiuserbasierten Minicomputern im Geschäft. (italienisch)

mini|Der Computer P6060 von 1976 mit integriertem Thermodrucker mini|M10 von 1983

Zu Beginn der 1970er Jahre erzielte Olivetti nur 20 % des Umsatzes direkt mit Computern; bis 1977 stieg dieser Anteil auf 43 %.Klaus North: Wissensorientierte Unternehmensführung: Wertschöpfung durch Wissen, S. 103. Ein großer Erfolg – weil Symbol einer hierarchiefreien Gegenkultur zum klassischen Büro – wurde 1969 die Design-Ikone Olivetti Valentine.

Olivetti in Deutschland mini|Die Olivetti-Türme in Frankfurt, entworfen von Egon Eiermann Seit den 1950er Jahren bis 1972 war die Deutsche Olivetti GmbH an verschiedenen Standorten im Kreis Offenbach angesiedelt, unter anderem mit einer Servicewerkstatt in Offenbach am Main (Kaiserlei), der Verwaltung in Neu-Isenburg und einem Lager in Dietzenbach (Waldstraße).

1972 zogen alle Bereiche außer dem Lager und dem technischen Kundendienst (dieser zog im Jahr 1977 aus der Schmickstraße nach) in die architektonisch markanten Olivetti-Türme in Frankfurt-Niederrad (Lyoner Straße 34) um, in denen sich heute verschiedene kleine Firmen eingemietet haben. Der linke Turm über dem Haupteingang des Gebäudes war hauptsächlich ein Schulungshotel mit sehr futuristisch eingerichteten Zimmern. Im rechten Turm befanden sich Geschäftsleitung, Verwaltung, Vertrieb und Marketing. In den Pavillons unterhalb der Türme lag über dem Haupteingang die Kantine, im rechten, größeren Pavillon im Erdgeschoss befanden sich ein Schauraum mit Produktausstellung, der technische Kundendienst (Teku) und im ersten Stock die Elektronikwerkstätten und zahlreiche Schulungsräume. Außerdem gab es weitere Schulungsräume in einem von Hertie angemieteten Komplex in der Rhonestraße. Das Zentrallager mit der Abteilung „Applikation“ für kundenspezifische Anpassungen und Installationen war bis 1992 im Osthafen in einem Lagergebäude in der Schmickstraße, dann zog dieser Bereich in ein größeres Gebäude in Flörsheim (Böttgerstraße) um. Weitere Teku-Niederlassungen gab es in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart und München.

Die Büromaschinen wurden hauptsächlich über den Fachhandel vertrieben, lediglich größere Kunden wie die Frankfurter Großbanken bediente Olivetti direkt und schloss mit diesen Kunden regelmäßig wiederkehrende Wartungsverträge mit eigenen Technikern ab.

Die Entscheidung von 1992 zur Aufteilung des Konzerns in drei Sparten (s. u.) hatte auch für die Deutsche Olivetti GmbH Folgen: Sie spaltete sich auf in die TA-Olivetti GmbH und die Olivetti Systems & Networks GmbH (OS&N). Erstere zog später nach München um und verkaufte über Händler Büroprodukte, PCs, Drucker und Zubehör.

OS&N betrieb das Projektgeschäft mit Großkunden, vor allem aus den Bereichen Banken, Handel und Behörden. Diesen Branchen wurden spezielle Produkte angeboten: Geldausgabeautomaten, Kontoauszugsdrucker, Automatische Kassentresore, Flachbettdrucker, IBM-kompatible Terminalsysteme und natürlich auch PCs mit spezieller und teils zugekaufter Peripherie. Dazu gehörten dann auch die entsprechenden Wartungsdienstleistungen sowie Professional Services.

Anfang 1998 wurde Olsy, der Unternehmensbereich für Systeme und Software, von der Olivetti Group an Wang Global verkauft. In Deutschland sollten die lokale Tochtergesellschaften von Wang und die OS&N GmbH nach ersten Planungen verschmolzen werden. Doch dann wurde die OS&N GmbH am 17. März 1998 zum symbolischen Preis von US$ 1,- an das US-Unternehmen Cartgateopencorporates (Abgerufen am 22. Dezember 2022) verkauft, das aus einer Wang-Tochter hervorgegangen war und in Deutschland vom Geschäftsführer der deutschen Wang-Tochter vertreten wurdeNotar Dr. Arnulf Weigel, Frankfurt, Nummer 70 der Urkundenrolle für 1998. Der neue Eigentümer beantragte am 8. Mai 1998 die Namensänderung von Olivetti Systems & Networks GmbH in INTES Information Technology Services GmbH. Nach Eintrag des neuen Firmennamens in das Handelsregister stellte die INTES GmbH am 12. Mai 1998 einen Konkursantrag wegen ÜberschuldungFrankfurter Neue Presse Online, 13. Mai 1998.

Weitere Entwicklung des Konzerns 1986 übernahm Olivetti den schwer defizitären Büromaschinen- und Computerhersteller Triumph-Adler vom Volkswagen-Konzern. Wenngleich das Unternehmen als rückständig galt, so verfügte es nach wie vor über ein gut ausgebautes Vertriebsnetz. Bei Triumph-Adler wurden unrentable Fertigungslinien aufgegeben und Abteilungen verkleinert; insgesamt wurden 4000 Arbeitsplätze abgebaut. Es folgte der Umzug der Deutschlandzentrale von Frankfurt nach Nürnberg auf dessen Betriebsgelände. Nach der Integration der Firma wurden 1994 der Service-Bereich von Triumph-Adler und der Markenname wieder verkauft.

Als Olivettis Generaldirektor Carlo de Benedetti, genannt L’ingegnere, 1988 nach dem Erwerb von 18 % des Aktienkapitals der Société Générale de Belgique seine Absicht bekanntgab, die Beteiligung bis zum Erwerb einer Sperrminorität aufzustocken, versuchte das belgische Establishment ihn daran zu hindern, da die größte belgische Geschäftsbank dank ihrer Industrieholding über weitverzweigte Beteiligungen in der belgischen Industrie verfügte und als nationale Institution galt.

Wandel der Kernbereiche In den 1980er Jahren war Olivetti der zweitgrößte PC-Anbieter in Europa nach IBM, nach anderen Angaben der zweitgrößte Computerhersteller der Welt. 71 % des Umsatzes wurde 1982 mit Computern erzielt. Gleichzeitig war Olivetti in Europa Marktführer bei den Büromaschinen, speziell mit elektronischen Schreibmaschinen; in Deutschland waren allerdings die deutschen Hersteller Olympia und Triumph-Adler etwas weiter verbreitet. Ab den späten 1980er Jahren begann der Preisverfall im PC-Geschäft, und auch das Schreibmaschinengeschäft ging langsam zurück.