mini|254px|Giebelfront der Kirche

Die Kirche Budwethen (, der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Altenkirch) ist ein gegen Ende des 18. Jahrhunderts errichtetes Bauwerk. Sie diente bis 1945 der evangelischen Bevölkerung im damals ostpreußischen Kirchspiel des heute russisch Malomoschaiskoje genannten Ortes als Gotteshaus.

Geographische Lage Das heutige Malomoschaiskoje in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) liegt 17 Kilometer südöstlich der Stadt Neman (Ragnit) und ist mit der Kreisstadt durch eine Nebenstraße (27K-408) verbunden. Eine Bahnanbindung besteht seit Außerbetriebsetzung der Bahnstrecke Sowetsk–Nesterow nicht mehr.

Die heutige Kirchenruine steht innerorts westlich der Straße nach Neman.

Kirchengebäude Als erste Kirche erhielt Budwethen um 1686 ein kleines Fachwerkgebäude, das allerdings wegen Baufälligkeit im Jahre 1772 abgerissen werden mussteDas Kirchspiel Budwethen bei GenWikiBudwethen/Altenkirch bei ostpreussen.net. In den Jahren 1780 bis 1782 errichtete man ein neues massives GotteshausWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 111, Abb. 491, wobei es sich um einen einfachen rechteckigen Feldsteinbau ohne Turm handelte. Erst später erhielt die Kirche zwei Giebel, von denen der westliche in ein spitzes Türmchen ausläuft.

Im Kircheninnern waren in die Seitenschiffe Emporen eingezogen. In der Ausstattung waren Reste aus der früheren barocken Kirche enthalten. So wurde auch der Kanzelaltar 1782 unter Verwendung älterer Schnitzereien zusammengestellt. Den bronzenen Kronleuchter stifteten Salzburger Gemeindeglieder 1832 anlässlich deren 100-jähriger Gedenkfeier als Salzburger Exulanten.

Die Orgel von 1857 stammte aus der Werkstatt von Scherweit in Königsberg (Preußen). Eine spätere Umgestaltung nahm der Orgelbaumeister Novak vor, der ebenfalls aus der Pregelstadt stammte.

Die Glocken läuteten in einem von dem Kirchengebäude abgesetzten Glockenhaus. Eine von ihnen trug die Inschrift Zu Zeiten der Hochgeborenen Lehnsherrschaftz von Flans in Königsberg anno 1695 gos mich Gottfried Dornemann.

Die Kirche überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, wurde jedoch in Fremdnutzung zu einem Kulturhaus mit Kino umgebaut. Die Fenster wurden zugemauert und südlich sowie westlich wurden Räume angebaut. Außerdem trug man Dachpfannen und Sparren des Bauwerks ab. Im Jahre 1996 zerstörte ein Feuer das Gebäude. Heute künden nur noch ruinöse Restmauern von dem einstigen GotteshausКирха Буветтена - Die Kirche Budwethen bei prussia39.ru (mit historischem Foto und Aufnahmen von 2013).

Kirchengemeinde Bereits zwanzig Jahre vor dem Bau der ersten Budwethener Kirche wurde in der Regierungszeit des Großen Kurfürsten das Kirchspiel Budwethen gegründetWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 487. Bis 1945 gehörte es zur Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte die Pfarrei 4000 Gemeindeglieder, die in 42 Kirchspielorten lebten. Eine eigene Pfarrstelle erhielt das Kirchspiel mit seiner Gründung. Erster Pfarrstelleninhaber war Pfarrer Theodor Lepner, der sich durch seine Buchveröffentlichung "Der preußische Litauer" um die litauische Sprache außerordentlich verdient gemacht hat.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Kriegsfolge und aufgrund der restriktiven Kirchenpolitik der Sowjetunion brach das kirchliche Leben im Kirchspiel des nun Malomoschaiskoje genannten Ortes ab.

Das einstige Kirchdorf liegt heute im Einzugsbereich einer im früheren Kirchspieldorf Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde, die der Propstei Kaliningrad (Königsberg) in der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland zugeordnet ist.

Kirchspielorte Zu Kirchspiel Budwethen (1938 bis 1946: Altenkirch) gehörten 42 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze Ein * kennzeichnet einen Schulort:

Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Abschruten Schroten Sabrodino Köllmisch Kackschen Keppen Alt Eggleningken Kamschen Antagminnen Antaggen Kimschen Kleinlesgewangen Sabrodino *Antskrebben Hutfelde Schirokodolje Königshuld I Wyschkino Audeaten Freidorf Kubillehnen Kuben Kusmino Augskallen Güldenflur Kalatschejewo Kummutschen Kummenhof Bejehnen Behnen Lepalothen Lindweiler Scherbakowo,später: Bobry Brandwethen Branden *Lesgewangminnen Lesgewangen Sabrodino Budupönen Hüttenfelde Lindicken Lukino, später: Kaschtanowka *Budwethen Altenkirch Malomoschaiskoje Naujeningnken Neusiedel (Ostpr.) Moskwino,jetzt: Malomoschaiskoje *Dilben Nestonwethen Nesten Kaluschskoje Dundeln Kraineje Neu Eggelingken Lindengarten Petropawlowskoje Eszerningken,1936–38: Escherningken Eschingen *Pabuduppen Finkenhagen Kraineje Eigarren Kernhall Pötkallen Pötken Petropawlowskoje, jetzt: Kalatschejewo *Gaistauden Ignatowo Poplienen Poplingen Suslowo Gindwillen Prusgirren Preußwalde (seit 1932) *(Groß) Ballupönen Löffkeshof Ochotnitschje Skatticken Katticken Dorochowo Groß Puskeppeln Keppen Skljankino Skrebben Krebben Gudszen,1936–38: Gudschen Insterbergen Szurellen1936–38: Schurellen Schurfelde Poworino Kallwellen Torffelde Gribojedowo *Waszeningken,1936–38: Wascheningken Waschingen Torfjanoje Klein Puskeppeln Pusken Prototschnoje Wingschnienen Ostmoor Slobodskoje,jetzt: Malomoschaiskoje

Pfarrer Von der Gründung des Kirchspiels Budwethen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges amtierten an der Kirche Budwethen 18 evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 26–27:

Theodor Lepner, 1665–1691 Michael Wattcke, ab 1692 Sebastian Beyer, 1965–1700 Friedrich Sig. Schusterus, 1701–1750 Hieronymus Voglerus, 1745–1772 Georg E. Tortilowius, 1771–1804 Christian Wanner, 1804–1805 Johann Christian Prellwitz, 1805–1826 Nathanel Friedrich Ostermeyer, 1827–1846 Carl Friedrich Wilhelm Gessner, 1847–1865 Louis Hermann Hirsch, 1866–1892 Immanuel Ferdinand Girkon, 1893–1901 Otto Tautorus, 1901–1902 Emil Ludwig Albrecht, 1902–1905 Johann Heydeck, 1906–1928 Eugen Gatz, 1928–1934 Wilhelm Bayer, 1933 Friedrich Oksas, 1935–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Budwethen (Altenkirch) haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, S. 30–31: Taufen: 1695 bis 1944 Trauungen: 1746 bis 1944 Begräbnisse: 1747 bis 1944 Konfirmationen: 1771 bis 1826 und 1935 bis 1944 Kommunikanten: 1772 bis 1944.

Weblinks

Einzelnachweise

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